Keine Hyper-Inflation in Sicht. Goldblase platzt


New York, 8. Juni 2012

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Der Kursverlauf des Goldes sagt mehr als Tausend Worte. Die Flucht in das gelbe Edelmetall ist abgeflaut. In der Spitze kostete die Unze 1.900 Dollar. Nun sind wir bei ca. 1.580 Dollar. Die Luft ist raus. Gold stieg zuvor wie ein Ballon. Die Panik und Angst legt sich. Auf meinem Foto sehen Sie eine alte stillgelegte Goldmine in Utah, die ich besuchte.
Börsianer hatten vor einem Jahr eine Mega-Inflation rund um den Globus befürchtet, weil die Staatshaushalte massiv verschuldet sind.
Doch warum kommt es nun doch nicht zu einer brisanten Geldentwertung, wie wir es zuletzt in der Weimarer Republik erleben mussten? Ganz einfach, es findet nun eine Phase der Entschuldung statt. Unsere Regierungen haben begonnen, zu sparen. Sie scheinen die Haushalte wieder ins Gleichgewicht bringen zu wollen. Weltweit werden die Abgaben und Steuern massiv steigen, das Geld wird dringender denn je zur Schuldentilgung gebraucht, gleichzeitig senkt der Staat seine Ausgaben (Subventionen, Arbeitslosenversicherung, Sozialversicherung…). Diese Mittel fehlen dann wiederum den Konsumenten. Insofern haben die Bürger weniger Asche zum Ausgeben in der Tasche, das nimmt der Geldentwertung den Wind aus den Segeln. Denken Sie auch an die weltweit hohe Arbeitslosigkeit, allein deswegen kann die Geldentwertung kaum außer Kontrolle geraten.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Die Inflation wird immer ein Problem bleiben, sie ist schleichend, in kleinen Schritten nimmt sie uns Kaufkraft weg. Die Inflation nagt jährlich mit zwei bis vier Prozent an unserem Vermögen. Unentwegt. Aber ich rechne nicht mit einem Anstieg auf zehn, 20 oder 1000 Prozent wie vor 90 Jahren in Berlin (Weimar).
Damals mündete der Niedergang Deutschlands im Zweiten Weltkrieg. Wenn eine Währung und eine Ökonomie in sich zusammenfallen, kommt es notgedrungen zum Klassenkampf, zu Straßenschlachten und es brechen Kriege aus.
Ich glaube, es sieht nicht so aus, als ob der Euro zerfällt – trotz der gegenwärtigen Probleme bleibt der Euro eine Weltwährung wie der US-Dollar. Welches Zahlungsmittel sollen sonst die Menschen und Unternehmen benutzen? Es gibt wenig verlässliche Alternativen.
Zum Glück hat Europas Spitze die Gefahr erkannt, die Regierungen arbeiten nun intensiv an einer Lösung. Ich bin überrascht: Die Rettung, Stabilisierung und Beruhigung der Masse steht kurz bevor. Mit einer gigantischen Stützungsaktion werden Europas Banken stabilisiert. Spanien ist der erste Rettungskandidat. Es steht uns also kein neues Lehman Brothers bevor. Europa schafft es. Leider warteten die Politiker sehr lange. Zum Glück greifen sie nun durch. Sie verkünden es an diesem Wochenende. Damit die Märkte nicht verrückt spielen können, ist das Wochenende ideal… Wenn der Fussball rollt, das ist alles Strategie.
Mit Blick auf die Inflation gibt es immer wieder Verschwörungstheorien, dass der Warenkorb nicht fair zusammengestellt wird von den Behörden. Man mag sicherlich über den einen oder anderen Punkt streiten können – so fehlen etwa die Steuern und Abgaben im Warenkorb. Doch ist die offizielle Inflationsrate weitgehend in meinen Augen korrekt wiedergegeben. Ich finde, die Kritiker haben wirklich keine guten Argumente. Denken Sie daran, dass die Technik (Smart Phones, PCs, TV-Geräte) gar nicht wesentlich teurer wird, aber die Leistung um ein Vielfaches von Jahr zu Jahr steigt. Anders ausgedrückt: Wenn wir einen PC vor drei Jahren mit einem Modell von heute vergleichen, haben wir mehr Leistung für weniger Geld.
Mit Blick auf die Edelmetalle: Ich rate, einen kleinen Teil des Vermögens durchaus mit Rohstoffen und Edelmetallen abzusichern, maximal zehn Prozent. Das federt die Risiken ab. Gold bietet jedoch keine absolute Sicherheit, wie das uns gerne die Gold-Fans vortäuschen. Gold hat eine Geschichte von extremen Höhen und Tiefen. Schwerpunktmässig würde ich in Standardaktien aus den großen Indizes investieren.
Eine unglaublich große Blase ist bei Anleihen entstanden. Finger also weg von diesen. Die Flucht in „sichere“ Staatspapiere wird sich in eine Flucht in Privateigentum (Aktien, Firmen, Immobilien, Kunst…) umkehren. Wer möchte schon sein Geld „für Null Prozent“ dem Staat auf Dauer leihen? Die Menschen sind dumm in ihrem Verhalten, sie rennen immer in extreme Richungen und finden zu spät heraus, dass sie einen Fehler gemacht haben.
Fazit: Eine Hyperinflation zeichnet sich in der westlichen Welt nicht ab. Steuern und Abgaben gehen rauf, damit bleibt den Menschen weniger Geld in der Tasche. Die Konjunktur kommt nicht schnell in Schwung. Aktien bleiben die beste Anlageform.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Keine Hyper-Inflation in Sicht. Goldblase platzt

  1. Ulrich

    Die Entschuldungsphase ist nötig und ob sie, wie von vielen behauptet, umbedingt zu einem Abschwung führt glaube ich nicht. Die Formel Staatsausgaben = Wachstum halte ich zum Teil für Quatsch.

    Bei Gold kann ich mir ein weiteres zulegen vorstellen. Jedoch wird der Kurs nicht mehr wie an der Schnur gezogen nach oben gehen.

  2. finanziell umdenken

    Hallo Tim,

    das sehe ich ähnlich. Gold mag langfristig gesehen noch im Aufwärtstrend sein. Aber gerade in den letzten beiden Rückgängen am Aktienmarkt (2008 uns 2011), verlor auch Gold gleichzeitig an Wert. Mehr im folgenden Beitrag: Gold wird Sie in Krisenzeiten nicht schützen.

    Kurzfristig sehe ich ebenfalls keine großen Inflationsraten auf uns zu kommen. M.E. nach ist ein Abrutschen in eine Deflation – zumindest vorerst – die größere Gefahr, die vermieden werden muss.

    VG
    Lars

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Ulrich,

    danke für Deine Gedanken. Ich glaube mit der Formel Staatsausgaben = Wachstum kann man durchaus die Wirtschaft in Gang bringen. Man muss sich nur im Klaren sein, dass es sich um eine Umverteilung handelt. Eben Steuergelder, langfristig ist das sicherlich nicht das beste.

    In den USA wird derart gekürzt, dass viele Feuerwehrleute und Lehrer ihre Jobs verlieren. Das erhöhte mitunter die Arbeitslosenquote von 8,1 auf 8,2 Prozent im vergangenen Monat.

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Lars,

    in den USA haben wir eine Inflationsrate von 2,1% auf Sicht von 12 Monaten. Das ist nahezu im Zielrahmen der FED (bis 2%). Eine leichte Geldentwertung ist insofern gegeben. Wenn ich nun für Festgeld 0,25% bekommen von meiner Bank, mache ich effektiv Geld kaputt. Ich kapiere echt nicht, warum alle derzeit Cash horten ohne Ende. Auch die Unternehmen, etwa Apple. Es ist die größte Geldvernichtung, die ich je gesehen haben. Das Geld hätten die doch viel besser einsetzen können.

    Eine Deflation ist in den USA keine sichtbar, vielleicht ist das in Krisenstaaten in Europa der Fall.

    Mit Blick auf Gold: Eine schöne, profitable Gold- oder Silbermine auf dem aktuell niedrigen Niveau scheint mir spannend. Silber sieht nach dem Doppeltief bei 28 Dollar je Unze echt attraktiv aus. Der ausgebombte Silber-Chart ist echt genial. Ich blicke jeden Tag drauf. Silber wird in der Industrie überall gebraucht und verbraucht (auf der Mülldeponie).

  5. Tobias

    Hallo Tim!

    Hier noch eine Theorie zur Inflation: Möglicherweise gibt es für jeden Konsumenten eine individuelle Inflationsrate, die der Konsument selbst festlegt. Wenn ich z.B. mit dem Bus fahre, statt ein eigenes Auto zu verwenden sinkt meine persönliche Inflationsrate weil ein Anstieg der Benzinkosten nicht unmittelbar und nicht in gleicher Höhe wie bei einem Autofahrer durchschlägt.
    Weiterer Vorteil: Mir bleibt in den Folgejahren mehr Cash für Investitionen wenn ich meine individuelle Inflationsrate reduziere.

    Was meinst du dazu?

  6. tim schaefertim schaefer

    Hi Tobias,

    stimmt. Ich habe kein Auto. Nutze Rad, Bahn und Bus. Mit dem ÖPNV fahre ich von Manhattan zum Flughafen für ganze 2,25 Dollar. Das ist eine ewig lange Strecke – ein Schnäppchen. Im Grunde bezahlt die Allgemeinheit für diesen subventionierten Preis.

    Ab und an genehmige ich mir auch mal den Limo-Service von Carmel. Aber eher selten, das ist mir zu teuer. Ich lasse lieber den Steuerzahler meine Fahrten finanzieren …
    VG
    Tim

  7. Thilo Rühl

    Hallo Tim, zum Thema Gold stimme ich voll zu. zum Thema Messung der Inflation kann ich nur Folker Hellmeyer mit „endlich Klartext“ empfehlen. Ich glaube auch das die Entschuldung die Ausweitung der Geldmenge weitgehend neutralisieren wird. Doch sie ist der Nährboden für zukünftig höhere Inflationsrate. Ich vermute dass die Inflation durch steigende löhne in den schwellemllandern vor allem China exportiert wird und sich die annomalie von 30 Jahren Wachstum ohne Inflation umkehren wird. Die Länder die Inflation exportiert haben und die werkbanke der Welt sind werden durch steigende arbeitskosten Inflation exportiert.

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