Keine Angst vor der Börse: Wie James Colvin unverdrossen spart


New York, 3. Februar 2015

Ständig rennen irgendwelche „Experten“ herum und warnen vor dem nächsten Crash. Klar wird ein Crash eines Tages kommen. Aber das lässt sich nicht so einfach prognostizieren. Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Manch einer dieser „Experten“ hat den Markt geshortet und profitiert, wenn die Menschen Angst bekommen und ihre Bestände verkaufen.

Die Angstmache ist ein Geschäft. Ja, die Börse ist etwas teuer geworden. Ich behalte meine Aktien für sehr lange Zeiträume. Zwei, drei Jahrzehnte. Oder länger.

Weil ich Firmen besitze, die vor 100 Jahren gegründet worden sind und die seit Ewigkeiten Dividenden auskehren, ist mir das Geschrei völlig egal. Ich weiß, dass die besten Anleger sehr lange ihre Aktien besitzen.

Die Angstmacher verdienen Geld daran, wenn Hobbybörsianer in Panik geraten. Wenn die Stabilität des Finanzsystems in Wanken gerät, verdienen sie. Eigentlich ist das widerlich – je mehr ich darüber nachdenke… Manch einer versucht, eine Panik herbeizureden. Im übrigen bieten Panikreaktionen die besten Kaufchancen. Bewahren Sie stets einen kühlen Kopf.

Ich bin skeptisch, wenn ich all die Warnungen lese. Sie können ewig lange warnen, irgendwann werden sie sagen: „Sehet her, ich habe recht gehabt.“ Wenn diese Leute jahrelang warnen und ewig nichts passiert, ist das ziemlich daneben. Carl Icahn zum Beispiel lag grandios daneben. Vermutlich war er zu jenem Zeitpunkt im November 2013 massiv short, als er die Warnung aussprach. Aber es kam anders. Der Aktienmarkt legte kräftig seither zu.

CNBC EVENTS -- Delivering Alpha -- Pictured: CNBC Institutional Invester Delivering Alpha conference keynote speaker Carl Icahn, Chairman, Icahn Enterprises, and CNBC's Scott Wapner on July 17, 2013 in New York. -- (Photo by: Heidi Gutman/CNBC)

Hedgefonds-König Carl Icahn auf der „Delivering Alpha“-Konferenz 2013 in New York. Seine Warnungen vor einem Crash waren nicht immer passend. Seit seiner Warnung im November 2013 kletterte der Aktienmarkt kräftig. Andere Aussagen von ihm bewahrheiteten sich wohlgemerkt. Was lernen wir daraus? „Experten“ wie Icahn wissen nicht alles. Und machen Fehler wie wir alle. (Photo: Heidi Gutman/CNBC)

Die meisten „Experten“ wissen gar nicht so viel, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Es wird viel Luft in Tüten verkauft.

Mein Rat an meine Blogleser: Am besten sparen Sie in grundsolide Aktien langfristig. Oder Sie legen sich Indexfonds zu. Lassen Sie sich nicht beirren.

Beeindruckend finde ich, wie James Colvin spart. Colvin legt monatlich Geld zurück, in Indexfonds. Der Single lässt sich nicht verrückt machen von irgendwelchen Experten, die vor dem nächsten Crash warnen. Er spart stur jeden Monat.

Er ist Anfang 30 Jahre alt. Und hat schon 292.000 Dollar angehäuft. Zum Großteil befindet sich sein Nettovermögen in kostengünstigen Aktienfonds und ETFs, die den S&P-500-Index nachbilden. Zudem hat er einen Notgroschen. Im Notfall reicht die Liquidität, um ihn acht Monate durchfüttern zu können.

Nicht das gesamte Vermögen baute er wohlgemerkt aus eigener Kraft auf: Colvin erbte einen sechsstelligen Betrag von seinem Vater.

Anstatt das Geld auszugeben, legte er es zurück. Er lebt mit einem Freund in einer WG in Philadelphia. Seine Miete ist daher mit 550 Dollar im Monat überschaubar.

Er wird den Staat nicht brauchen, wenn er in den Ruhestand geht. Das ist vorbildlich. Gut möglich, dass er in 20 Jahren schon in den vorzeitigen Ruhestand gehen kann, wenn er weiter so eisern spart wie bisher.

Er verzichtet auf Kredite, auf Autofinanzierungen, auf Luxus. Und er lässt sich von warnenden Crash-Propheten nicht von seinem Kurs abbringen. Würde er auf sie hören, würde er vom Kurs abkommen.

Optimismus zahlt sich aus. Vor rund 80 Jahren crashte der Dow Jones auf 50 Pünktchen. Heute steht der Index bei 17.300 Zählern. Massenweise Crashs, Kriege, Aufstände, Erbeben, Terroranschläge geschahen in der Zwischenzeit.

Würden Kinder Indexfonds kaufen und sie bis zum Ruhestand aufstocken, könnten sie ohne Schwierigkeiten Millionäre sein.

Fazit: Bewahren Sie einen kühlen Kopf. Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen um die Volatilität. Sie ist gesund und normal.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Keine Angst vor der Börse: Wie James Colvin unverdrossen spart

  1. Yunus

    Colvin handelt in meinen Augen in vielerlei Hinsicht vorbildlich. Davor zolle ich höchsten Respekt. Neben der menschlich nachvollziehbaren Vorgehensweise bei der persönlichen Altersvorsorge imponiert mir die Tatsache, dass er (den Zahlen nach) ein genügsames Leben führt und zusätzlich Geld für Dinge spendet, die er unterstützen möchte. Da können sich sehr viele eine Scheibe von abschneiden.

  2. Jexter

    Hi Tim,

     

    das dürfte dich Interessieren am 16.03.2015 ist der „Tag der Aktien“

     

    http://aktion-pro-aktie.de/

     

    An dem sich die Deutsche Börse und die 4 führenden Online Broker beteiligen.

     

    An diesem Tag können DAX Aktien und DAX ETF’s konstenlos gehandelt werden auch finden verschiedene Webinare bei den Online Brokern statt.

     

    Ich finde die Aktion sehr gut da sie das Bewusstsein für die Aktienanlage definitiv steigern wird.

     

    Wünschenswert wäre, wenn daraus ein jährlicher Tag wird  (wie der mitlerweile verstaubte Weltspartag) und nicht nur eine einmalige Aktion

  3. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Yunus

    Ich stimme Dir zu. Ich finde es vorbildlich, wie er regelmässig spendet. Von solchen Leuten kann ich lernen. Ich spende jedes Jahr Fahrräder an eine Stiftung in New York.

     

    @ Jexter

    Ich finde die Aktion der deutschen Direktbanken grundsätzlich sehr gut. Es ist ein Anfang. Die deutschen Online-Banken sind wertvoll für Deutschland.

    Wo das Problem liegt, ist die deutsche Bundesregierung. Sie fördert das Aktien-Sparen für die Rente steuerlich nicht. Das Riestern über Aktienfonds reicht nicht, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Wir brauchen in Deutschland eine umfassende Reform. Wir könnten von Amerika, Kanada, Großbritannien und Australien lernen. Die drohende Altersarmut kann nur mit einer anständigen Rendite bekämpft werden. Mit Sparbüchern, Festgeldern und Versicherungen ist das sehr mühsam, weil die Rendite fehlt.

  4. Alexander

    Na wie sich die Zeiten ändern. Im Lauf der Jahre lernt man dazu (oder auch nicht). Früher war ich immer auf der Jagd, um einen Dümmeren zu finden, der mir meine Aktien zu noch höheren Preisen abkauft. Jetzt sitz ich da und jammere, dass die Kurse so hoch sind und ich keine Schnäppchen machen kann.

     

    Wie wird eigentlich ein Crash von einer Korrektur abgegrenzt? 10%, 15% oder 20%. Ich könnte durchaus 30% Kursrückgang vertragen. Könnte ich doch meine Aktienpositionen aufstocken.

    Wer weiß, wann der Crash kommt? Möchte darauf vorbereitet sein.

  5. willihope

    @Alexander

    Wann der Crash kommt weiss ich leider auch nicht aber über längere Zeit hat es sich als Vorteil erwiesen ab Mitte/Ende Februar einige Shortscheinchen auf den DAX zu haben.

    Vielleicht ist es dieses Jahr auch soweit, werde ich Montag durchdenken. 🙂

    Allerdings lag ich mit dem Griechenlanddämpfer auch daneben, also wirklich gute Vorraussage ist das auch keine von mir. 🙂

     

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