Kaufen wenn die Kurse beben: 15.380% Plus mit Matratzen


New York, 27. Januar 2015

Mit dem perfekten Timing ist das so eine Sache. Es ist praktisch unmöglich hinzubekommen. Es ist und bleibt ein Traum. Wenn ich mir Kursverläufe anschaue, merke ich, dass „Buy and Hold“ irgend etwas Magisches hat. Gut, die Negativ-Beispiele kennen wir. Der Fotofinisher Kodak ging pleite. Der Staalgigant U.S. Steel siecht vor sich hin. Das Autokonglomerat GM fuhr in die Insolvenz.

Aber unter den traditionellen Firmen gibt es massenweise schöne Beispiele, die das Gegenteil taten. Nämlich sie legten um mehrere tausend  Prozent zu. Etwa der Windel- und Seifenkönig Procter & Gamble oder der Zahnpasta-Fabrikant Colgate-Palmolive. Seit dem Börsengang explodierten beide Kurse förmlich.

Was geschah eigentlich mit den Mittelständlern, die zwischenzeitlich in Schwierigkeiten gerieten? Nun da gibt es natürlich die guten und die schlechten. Ein paar gingen pleite. Einige überlebten und dümpeln vor sich hin. Andere stiegen wie Phönix aus der Asche.

Wer das Einrichtungshaus „Pier 1“ auf dem Tiefpunkt im Februar 2009 kaufte, sah die Aktie von 20 Cent auf 17,25 Dollar explodieren. Macht ein schickes Plus von 8.525 Prozent, und zwar in sechs Jahren. Aus 1.000 Dollar wären 86.250 Dollar geworden. Aber wer hätte das Tief exakt erwischt? Keiner! Es wäre der typische Eine-Million-Jackpot für jemanden geworden, der 12.000 Dollar investiert hätte.

Nehmen wir an, Sie wären zum Börsengang im Dezember 1987 eingestiegen, was gar nicht so unrealistisch ist. Sagen wir, Sie hätten das wilde Auf und Ab von Anfang an durchgestanden. Dann wäre Ihr Plus mit 628% gar nicht mal so übel ausgefallen. Das Problem ist, dass wir Anleger nicht die Geduld und Nerven haben. Wer will an einem Pennystock festhalten, wenn es Spitz auf Knopf steht? Das können nur Abgebrühte.

Der Kostolany-Spruch mit den Schlaftabletten ist insofern eine lehrreiche Sache.

Eine herrliche Zeit zum gnadenlosen Kauf abgestürzter Aktien war die Wirtschafts- und Finanzkrise. Der Matratzen-Hersteller Comfort Select legte seit dem Tiefpunkt im Januar 2009 von 19 Cent auf 29,41 Dollar zu. Das Plus 15.379%. Aus 1.000 wären 154.790 Dollar geworden.

Oder nehmen Sie die hochverschuldete Drogeriekette Rite Aid. Im Tief lag der Kurs bei ausgebombten 20 Cent. Nun steht der Kurs bei 7,65 Dollar.

Im Rückblick zeigt sich: Die Krise vor sechs Jahren war ein Geschenk. Aber die wenigsten nahmen das Geschenk an. Die meisten lehnten das Geschenk ab. Nur wer Mut hatte, konnte den Deal seines Lebens machen.

Es ist freilich verdammt schwierig die Chancen zu sehen, wenn die Fetzen fliegen. Während einer Krise fühlen sich doch fast alle unwohl. Zumal wenn man mittendrin gefangen ist. Von all den negativen Meldungen. Denken Sie wie schlecht die Meldungen derzeit rund um Griechenland, Spanien usw. sind. Gut möglich, dass sich dort herrliche Chancen bieten.

Warren Buffett ist in Spanien auf der Pirsch. Ebenso Carlos Slim, John Paulson und George Soros. Sie sind alle in Europa fleißig am Einsammeln.

John Paulson, einer der besten Hedgefondsmanager, schwimmt gerne gegen die Strömung. Er deckt sich derzeit im Krisenland Spanien ein. Auch Warren Buffett und Carlos Slim decken sich in dem Land ein. George Soros schaut sich im Süden Europas einige Investments an.

John Paulson, einer der besten Hedgefondsmanager der Welt, schwimmt gerne gegen die Strömung. Er deckt sich im Krisenland Spanien ein. Warren Buffett und Carlos Slim decken sich in Spanien, das unter einer hohen Arbeitslosigkeit leidet, ebenfalls ein. George Soros darf hier natürlich nicht fehlen. Foto: CNBC, Heidi Gutmann, auf der Delivering-Alpha-Konferenz. Wenn Paulson spricht, macht jedes Wort Sinn. Seine Logik klingt überall durch. Selbst Details begeistern ihn. Emotionen vermeidet der Milliarden-Investor bei solchen Auftritten. Er spricht ruhig und bleibt immer sachlich. Er vermeidet es, andere zu kritisieren. Er ist jemand, der gerne andere lobt. Sein Fehler war in Gold zum falschen Zeitpunkt zu investieren.

Von ihnen können wir lernen, Krisen zu nutzen. Die Superinvestoren streuen ihre Risiken. Sie wetten nicht auf Pump. Sie bevorzugen eher traditionelle Firmen. Sie folgen nicht der Herde. Sie gehen gleichwohl gewisse Risiken ein. Es handelt sich aber um Einsätze, die sie verschmerzen können, falls es schief gehen sollte. Ihnen ist egal, wenn ein Investment an die Wand fährt. Nun es ärgert sie schon, aber sie können damit emotional umgehen.

Ein „normaler“ Aktienfondsmanager würde sich in diese Investments kaum trauen, weil er Angst um seinen Ruf hat. Ein Fondsmanager muss sich Sorgen um seinen Job machen, wenn das Investment in Flammen aufgeht. Buffett, Slim, Soros, Paulson, Carl Icahn sitzen dagegen fest im Sattel. Sie sind selbst Chef und Großaktionär zugleich.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Kaufen wenn die Kurse beben: 15.380% Plus mit Matratzen

  1. Yunus

    „Wenn ich mir Kursverläufe anschaue, merke ich, dass “Buy and Hold” irgend etwas Magisches hat.“

    Auch, wenn man buy and hold auf diesem Kursniveau startet?

    Die von Dir aufgezählten Buffett, Slim, Soros, Paulson, Carl Icahn sind für mich keine Vorbilder. Multimilliardäre, die einen großen Teil ihres Reichtums über gehebelte Spekulationen gemacht haben. Und ok, jetzt können sie sich alleine von den Zinsen einige Firmen in Spanien etc. kaufen.

  2. Geld schläft nicht

    Kodak wird immer als Beispiel angeführt, dass Buy and Hold nicht (mehr) funktioniert. Dabei überwiegen die Erfolgsgeschichten die Negativbeispiele deutlich!

    Viele Grüße

  3. StefanStefan

     

    „Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Firma ist 30 Jahre“

    sagt zumindest Mark Mobius

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Hongkong-im-Visier-Mark-Mobius-34-Fuer-Investoren-kein-Grund-zur-Panik-34-3967925

     

    Also, es ist schon nicht so einfach die Unternehmen auszuwählen die langfristig überleben werden. Deswegen legt Warren ja so einen großen Wert auf die Moat.

    Ich denke auch, dass man bei Dividenden-Aristokraten eine gewisse Sicherheit hat langfristig. Was mich nur misstrauisch macht ist, dass dies mittlerweile zu populär geworden ist…

  4. Dirk

    Hallo Tim,

     

    zur Zeit sind ebenfalls folgende Maerkte sehr billig: Griechenland, Portugal, Russland und Brasilien. Da ich nicht auf einzelne Unternehmen setzen moechte, werde ich mir wahrscheinlich von diesen Volkswirtschaften jeweils einen ETF kaufen. Diese werden dann 10-20 Jahre einfach liegen gelassen, falls sie extrem nachgeben, wird nachgekauft. Durch den Kauf der ETFs vermeide ich einen Totalverlust, allerdings gibt es auch kein Kursfeuerwerk wie bei Einzelwerten.

    Was denkst du ueber einen Einstieg mittels ETFs in diese Krisenregionen?

    Viele Gruesse

  5. Felix

    Ich habe zu wenig Überblick, um mir ein Bild vom spanischen Aktienmarkt machen zu können. Ich halte Sandanter und Telefonica, beide bislang keine „must have“.

    Zu den Aktienmärkten Griechenland, Rußland und Brasilien. In diesen Länder ist mir einfach die Rechtsunsicherheit und Korruption zu groß, um da mit mehr als Spielgeld zu investieren. In Portogal kenne ich kein einziges Unternehmen, das als Investment in Frage käme,

  6. Christoph

    Hallo Tim,

    Du schreibst, dass Pier 1 1987 sein Börsendebut gegeben hat. Ist das die gleiche Firma, die Peter Lynch in seinen Büchern erwähnt und ist sie dementsprechend zwischenzeitlich privatisiert worden

    (z.B. über eine Beteiligungsfirma, die sich dann einige Jahre später wieder von der Firma gestrennt hat ?) ?

    Ansonsten: wie immer ein super Artikel. 🙂

     

  7. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Hallo Dirk,

    ich halte grundsätzlich ETFs als Beimischung zum Depot für eine gute Sache. Etwa Südeuropa oder Lateinamerika. Oder wie oben vorgeschlagen ist ein MSCI Emerging Markets ETF ein guter Vorschlag (danke dafür). Es ist von Vorteil bei ETFs viel Geduld zu haben und nicht ständig zu traden.

    BG

     

    Hallo Christoph,

    es kann sein, dass Peter Lynch bei „Pier 1“ investiert war. Ich kenne leider die Story nicht so genau. Gewisse Quellen deuten in der Tat darauf hin, dass Lynch beteiligt war:

    http://www.financiallyintegrated.com/investing/peter-lynch-investing-lessons-from-the-masters/

    Mir fiel nur auf, dass viele mittelgroße Konzerne wie „Pier 1 Imports“ Anfang 2009 brutal abgeschmiert sind. Ich glaube, sie standen kurz vor dem Ruin.

    BG Tim

  8. Stefan

    Hi Tim,

    ich finde den letzten Satz am besten 🙂 Es ist einfach ein gigantischer Unterschied, ob man Gelder Dritter verwaltet oder ob man wirklich auch einen wesentlichen Teil des eigenen Vermögens darin investiert hat. Es ist einfach authentischer und folgt mehr dem Prinzip „walk what you talk“.

    Gruß

    Stefan

  9. Alexander

    Der antizyklische Ansatz mit Pleitekandidaten mag sicher funktionieren, nur wohl sollte man sich damit fühlen. Es gibt in D genug Beispiele. Drillisch von 0,86 € auf 35 €; Schäffler, Hugo Boss, Indus, Jungheinrich etc. mit denen auch sehr gut zu verdienen war. Nur wer kauft aktuell eine QSC, SMA, Solarworld?

    Für mich ist das nichts. Meine Standardtitel werden sicher nicht eine Performance wie eine Apple hinlegen, aber ich bin damit ziemlich wahrscheinlich auf der sicheren Seite. Vielleicht kaufe ich irgendwann so einen Kandidaten für 1.000 €, was zu verschmerzen wäre. Dann aber nicht unter dem Gesichtspunkt Buy&Hold. Wenn man einen 1.000prozenter erwischt, können 3,4 oder 5 Firmen pleite gehen, aber ob ich das mental verkraften würde, wage ich zu bezweifeln. Ich bin mit meinen Investments zufrieden und der ruhige Schlaf ist mir wichtiger als ein paar euro mehr am Konto.

  10. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Alexander

    Nun, was ich mit dem Blogeintrag eigentlich sagen wollte: Wir können unser Gehirn umprogrammieren, indem wir Krisen nicht als Krisen wahrnehmen, sondern als gewaltige Chancen. Natürlich sollte niemand Haus und Hof verwetten.

    Nobelpreisträger Robert Shiller hat das noch einmal zum Ausdruck gebracht, was es bedeutet, gegen die Strömung zu schwimmen. Er sieht eben Griechenland, Italien, Russland etc. nicht als Katastrophe, sondern als Chance:

    http://wirtschaftsblatt.at/home/boerse/europa/4649474/Shiller_Es-ist-Zeit-fur-griechische-Aktien?_vl_backlink=/home/index.do

  11. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Hallöle!
    „Der Preis der Hellas-Aktien sei, so Shiller, niedriger als alles, was er in den USA gesehen hat, und deutet auf eine spektakuläre Investment-Gelegenheit hin.“
    Tja, bedauerlicherweise versäumt es der werte Herr Shiller, es an einem Beispiel konkret zu machen. So wird sich natürlich in paar Jahren garantiert die eine oder andere Aktie finden, die dann besser da steht. Wirklich „billig“ sind wohl nur die Banken. Ich halte sie allerdings eigentlich für wertlos. Das ist einfach mein Bauchgefühl. Wer wissen will, wie die sich „entwickeln“, der kann ja auf sowas wie „Allied Irish“ schauen. Die neue Regierung kann entweder einen echten Schnitt machen, also im Sinne des Volkes eine Staatsinsolvenz erklären, die Banken voll verstaatlichen (100% Verlust für Aktionäre und symbolische Entschädigung der Gläubiger, 10%?), oder einknicken. Das ist auch nicht besser. Gr. Finanztitel sind ein „No-Go“.
    Alle griechischen Aktien mit etwas Dividende, die ich evtl. kaufen würde, stehen nicht so schlecht da. Etwa  „HELLENIC TELECOM“, „GRIVALIA PROPERTIES“,„AEGEAN AIRLINES“, „GREEK ORG OF FOOTBALL PROGNOSTICS“, „FOLLI FOLLIE CMRCL“, „JUMBO S.A.“, „GR. SARANTIS S.A.“ und 2 oder 3 andere.
    Aber da ist nichts dabei, was man nicht in anderen, sicheren Märkten nicht genauso oder besser bekommen würde. Ich wäre gern bereit, spekulativ eine echte Chance wahr zu nehmen, aber ich sehe ehrlich gesagt keine wirklich reizvolle. Entweder man vernichtet bewusst Geld bei den Banken, oder man hat durchschnittlich reizvolle Aktien.
    Grüßle
    MS

  12. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Es ist schwierig so zu denken wie die Superinvestoren. Natürlich verlieren sie ab und an Geld. Soros stieg bei Lehman Brothers kurz vor der Pleite ein. Das gehört dazu.

  13. Alexander

    Sicher kann man sein Gehirn umprogrammieren. Mit zunehmender Kapitalbasis spielen 1.000 € oder 5.000 € keine Rolle. Ich habe da so meine Erfahrungen in den letzten Jahren gemacht und weiß, dass ich das nicht bzw, kaum hinkriege. Man muss schon sehr gefestigt sein in seinem Eigenvertrauen.

    Ich muss zugeben, ich habe in meinem Spekulationsdepot eine kleine Position QSC, weniger als 1% meines Kapitals, angelegt. Selbst bei einem Totalverlust werde ich das verschmerzen, ist sozusagen ein Selbstexperiment. Sollte die Wette aufgehen, weiß aber jetzt schon, dass ich zu früh verkaufen werde. Ich bin von der Grundveranlagung eher sicherheitsorientiert. Liegt wohl in den Genen.

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