Kaufen, wenn die Kanonen donnern!


New York, 24. März 2011

Amerikaner haben im großen Stil die jüngste Krise in Japan zur Schnäppchenjagd an der japanischen Börse genutzt. Innerhalb einer Woche setzten die US-Anleger über sogenannte ETF Funds 1,2 Milliarden Dollar in den abgestürzten Nikkei. Ganz schön clever! Bei Nuklearunfällen ist immer das gleiche Schema an der Börse zu erkennen: Auf die Katastrophe folgt ein dramatischer, rasanter Ausverkauf. Doch blitzschnell erholt sich nach ein paar Tagen das Börsenbarometer wieder. Ca. 20 Tage nach dem Tschernobyl-GAU war der Dow-Jones-Index wieder auf dem Ursprungsniveau. So schnell erholen sich die Märkte. Wahnsinn! Bei dem bisher schwersten Nuklear-Unfall „Three Miles Island“ in den USA im Jahr 1979 erholte sich die Börse ebenfalls innerhalb weniger Tage. Als abgebrühter Investor kann man im Grunde solche Mega-Katastrophen für den eigenen Geldbeutel ausnutzen. Was zu einem Verstärker führt, also zur Verkaufspanik, sind natürlich die Medien. Denn die servieren das Thema gerne kochend heiß! Heißer, als es tatsächlich ist. Ein Unglück ist für die Medien ein Geschäft. Es bringt die Quote nach oben und die Verkaufszahlen schnellen am Kiosk in die Höhe. Daher reagieren die Menschen panikartig. Selbst in Deutschland kaufte die Horde wie verrückt Geigerzähler, Jodtabletten, Schutzanzüge. Sie stornieren Reisen und legen sich Konservenvorräte zu. Und natürlich stoßen sie ihre Aktien ab, obwohl die schon abgestürzt sind. Macht nichts, sagt sich die Masse. Hauptsache etwas Cash in der Hand. Man kann ja nie wissen… Haben Sie Ihren Nachbarn schon im Schutzanzug und mit Atemschutzgerät beim Aldi beim „Hamsterkauf“ gesehen? Mich würde das nicht überraschen.
Meinen Freunden, die sich für Aktien nicht die Bohne interessieren, rate ich in diesen Tagen wenigsten bei der Urlaubsplanung antizyklisch zu handeln. Wie wäre es mit ein paar Tagen Strandurlaub in Tunesien oder Ägypten? In Hurghada am Roten Meer dürfte es beispielsweise nicht gefährlicher sein als vor der Revolution. Nur die Preise für die Touristen sind wohl viel günstiger. Es ist alles nur eine Frage des richtigen Timings. Und der Abgebrühtheit!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Kaufen, wenn die Kanonen donnern!

  1. Matthäus Piksa

    „Kaufen wenn die Kanonen donnern“ – Diese alte Börsenweisheit hab ich befolgt als 2003 der Irak-Krieg los ging. Innerhalb eines halben Jahres habe ich 70% Gewinn gemacht, mit meinem gesamten Depot! Dass mein Bruder und ich in den darauf folgenden 6 Monaten sämtliche Gewinne wieder verzockt haben, weil wir auf hochspekulative Hebelzertifikate umgestiegen sind, steht auf einem anderen Blatt. Hin und her macht Taschen leer würden Sie wohl sagen…

  2. tim schaefertim schaefer

    Matthäus, Gratulation zu den 70 Prozent Gewinn. Das war exzellent! Leider fingen Sie dann mit dem Zocken an. Hebelzertifikate? Was für ein Zeug? Wie konnte das nur passieren? Gezockt habe ich auch schon mal und bitter den Fehler bezahlt. Das war mir eine Lehre. Nie mehr. Punkt. Schluss.

  3. tim schaefertim schaefer

    Meine Recherchen ergaben, dass sich über das Japan-ETF vermutlich nur Profianleger im großen Stil engagiert haben, sprich milliardenschwere Hedgefonds. Privatanleger waren meiner Meinung nach nicht unter den Schnäppchenjägern in Japan, sondern eher auf der Verkäuferseite zu finden.

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Kaufen, wenn die Kanonen donnern


New York, 9. Februar 2009

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Heute traf ich etliche Vorstände aus der Pharma- und Biotechbranche im Waldorf-Astoria-Hotel. Der Sektor hat sich recht gut in dieser Krise geschlagen. Pharma-Aktien gelten als sicherer Hafen in Abschwungphasen. Im Waldorf-Astoria gehen derzeit etliche Konferenzen über die Bühne. Etwa lädt die UBS Bank Investoren ein. Ich bin dabei.
Diese Krise ist viel schlimmer, als manch einer glaubt. Präsident Barack Obama gibt sogar unumwunden zu, kaum noch schlafen zu können. So sehr beschäftigt ihn die Rezession nachts. Offiziell ist in den USA die Arbeitslosenquote im Januar auf 7,6 Prozent geklettert nach 7,2 Prozent im Vormonat. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit. Viel mehr Menschen sind ohne Lohn und Brot. Hunderttausende fallen aus der Statistik heraus, weil sie einfach zu lange Arbeitslosengeld bezogen haben und dann ihren Anspruch verloren haben.
Und vergessen Sie nicht die 3,1 Millionen Menschen, die halbtags arbeiten, obwohl sie gerne eine Vollzeitstelle hätten. Arbeitgeber setzen Kurzarbeitsmodelle um. Da haben die Angestellten keine Wahl. Friss oder stirb, ist hier das Motto. Etliche Kostensparprogramme sind noch auf dem Weg. Jeden Monat kommen weitere Kahlschläge hinzu. Die Arbeitslosenzahlen werden dramatische Größenordnungen erreichen, das bezweifelt kaum ein Experte mehr. Das 800-Milliardenprogramm der US-Regierung wird Monate dauern, bis sich etwas auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Unter den Abgeordneten ist das Konjunkturpaket umstritten. Manch einer sorgt sich um die Rekordverschuldung. Einen Durchschnittszins von 5,0 Prozent unterstellt, bedeutet das pro Jahr allein eine Zinsbelastung von 40 Milliarden Dollar. In der Tat belastet damit Obama künftige Generation. Doch ihm bleibt kaum eine andere Möglichkeit. Der Staat und die privaten Haushalte haben Schulden in Höhe von 350 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehäuft. Alles lief in den USA auf Pump hinaus. Können Sie sich eine Firma vorstellen, die 350 Prozent des Umsatzes als Kredit aufnimmt? Wohl kaum. Keine Bank und kein Investoren würden so ein Konstrukt finanzieren. Verschärft wird die Krise derzeit durch die verunsicherten Verbraucher. Der Konsum kollabiert. Und auf dem Häusermarkt zeichnet sich noch keine Stabilisierung ab.
Es gibt trotzdem eine gute Nachricht: Normalerweise beginnt der Aktienmarkt sich zu erholen, lange bevor die Wirtschaft ihren Tiefpunkt ausbildet. Börsianer sind der Realwirtschaft immer einen Schritt voraus, sie schauen nach vorne. Derzeit bildet der Dow Jones zwischen 8.000 und 9.000 Zählern einen Boden aus (siehe Chart oben rechts). Ob wir noch mal deutlich unter die 8.000er Marke fallen können, fragte mich kürzlich ein Freund. Klar, das ist durchaus möglich, sagte ich. Aber es kann gut sein, dass wir das Schlimmste ausgestanden haben und wir uns nun in einer Seitwärtsphase befinden, bevor sich in einigen Monaten der Markt in Richtung 10.000 Punkte erholt.
Welche Aktien würde ich jetzt wählen? Besonders die, die tief gefallen sind. Etwa die Banken. Eine Goldman Sachs, Bank of America, Citigroup oder Morgan Stanley. Interessant auch der Ketchuphersteller H.J. Heinz, der Versicherer Hartford Financial, der Billigflieger JetBlue, die Ölriesen ConocoPhillips, Chevron und Exxon Mobil, das Konglomerat General Electric oder die Häuslebauer. Es gibt so viele solide Aktien, die ausgebombt sind. Es macht einfach Sinn, jetzt zu kaufen. In Deutschland gefallen mir Adidas, Puma, Allianz und Salzgitter neben vielen anderen Titeln gut. Am meisten macht in meinen Augen Sinn, dass zu kaufen, was total zerfetzt wurde. Etwa die Finanzbranche. Der Sektor wird sich wieder erholen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Verlassen können Sie sich indes auf niemanden. Die Börse ist mit Risiken behaftet. Am besten ist – auf sich selbst zu hören. Kaufen Sie, was Ihnen zusagt. Etwa Firmen, die Sie kennen oder deren Produkte Sie mögen. Das Problem mit Analystenstudien ist, dass die meisten Auguren falsch liegen. 95 Prozent der Studien rät zum Kauf! Ganz gleich, ob wir uns nun in einer Hausse oder Baisse befinden. Die Mehrheit der Fondsmanager schafft es ebenfalls nicht, die Performance der Benchmark zu übertreffen.


tim schaefer (Author)

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