Kaufen und Liegenlassen


New York, 3. Oktober 2013

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Ich finde, das war der Hammer. Es ist schlicht die Wahrheit. Darüber wird in der Branche ungern gesprochen. Joe Ricketts tat es. Der Gründer und ehemalige Chef des Discountbrokers TD Ameritrade sagte etwas Erstaunliches: „Das Beste für einen Anleger ist wirklich eine gute Firma zu kaufen und daran festzuhalten. Oft zu traden mit einem hohen Volumen ist nicht etwas, das Dir viel Geld einbringt. Nun, das ist konträr zu meinen eigenen Interessen, aber es ist die Wahrheit.“
Der Milliardär kann es sich leisten, so etwas zu sagen. TD Ameritrade ist einer der größten Broker im Lande. Ricketts hat ausgesorgt.
Im Originalzitat sagte Ricketts: „The best thing, really, for an investor to do is buy a good company and hold it. Trading often and heavy is not something that makes you a lot of money. Now that is contrary to my own interests, but it is the truth.“
Es ist eine ehrliche Aussage. Das Trading ist tendenziell etwas für Verlierertypen, das zeigen jedenfalls Studien ganz klar. Von zehn Tradern verlieren acht. Gut, es gibt ein paar ausgebuffte Trader, die sind ewige Gewinner. Ja, das stimmt. Die machen richtig Kohle. Aber für die Mehrheit der Zocker gilt: Diese ganzen Aktienwetten, das ständige Kaufen und Verkaufen – geht nach Abzug aller Kosten nicht auf.
Das Problem sind unsere Gefühle. Besonders wir Männer sind anfällig für eine gefährliche Selbstüberschätzung.
Wenn all unser Geld weg ist, ist es eh zu spät. Zugegeben, das „Buy and Hold“ geht kurzfristig oftmals ebenfalls schief. Es liegt an der normalen Volatilität an den Märkten. Es liegt an dem täglichen Auf und Ab der Kurse.
Wer sein hart Erspartes in eine Aktie investiert, um anschließend tatenlos zuschauen zu müssen, wie der Kurs um zehn oder 20 Prozent fällt, ist das gewiss nicht einfach zu ertragen. Nervenstärke und Weitsicht sind gefragt. Da verlieren eben viele die Geduld. Nach solchen negativen kurzfristigen Erfahrungen fühlen sich die Anleger verständlicherweise nicht mehr sicher mit dem „Buy and Hold“. Sie geben auf. Dabei ist es die beste Strategie für die Masse, die es gibt.
Kurzfristig kann sich „Kaufen und Liegenlassen“ so anfühlen, als ob Sie Ihre Hand in ein heißes Wasserbad halten. Langfristig vergeht der Schmerz. Die Börse ist einfach eine beispiellose Gelddruckmaschine. Ein paar Abgebrühte räumen richtig ab. Die Mehrheit verdient allenfalls Almosen. Ein kleiner Anteil verliert alles.
Wie verfolgen Sie die solide Langfriststrategie am besten? Sie können auf Korrekturen im DAX und Dow Jones warten, um in jenen günstigen Phasen volle Kanne zu investieren. Oder Sie machen es sich einfach, indem Sie regelmässig gute Aktien kaufen. Jeden Monat, jedes Quartal oder alle sechs Monate.
Am besten schneiden jene ab, die sich nicht unter Druck (Gefühle, Ziele) setzen lassen. Wer gelassen das Handwerk des Value Investings mit langem Atem verfolgt, der fährt eine große Ernte in die Scheune.
(Mein Foto oben: Joseph Beuys, „Erinnerung am meine Jugend im Gebirge“)


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Kaufen und Liegenlassen

  1. Michael

    Hi tim, buy and Hold ist ja auf dem ersten Moment ganz einfach… Jedoch hat auch diese Strategie ihre Schwierigkeit…., denn manchmal weiß man einfach nicht, ob bei einem richtigen Down eines Wertes nachkaufen oder Nichtstun besser ist…

    Beispiel eon….?

    Oder aktuell Vodafone…. Ob die ihre 70-90 Mrd so investieren können, dass so viel dabei rum kommt, wie die übrige verizon Dividende????

    Oder auch im Bezug auf die Branchen? Z.b BAT oder RDS? Wird es diese Unternehmen mit diesen Gewinnen in 20 Jahren noch geben?

    Viele Fragen, auf deren keiner Antwort weiß 😉

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Michael,

    stimmt. Manchmal weiß das der Anleger nicht. Das passiert mir selbst oft genug.

    Dann schaue ich mir Aktien an, wo ich eine bessere Ahnung zu habe: Nike, Adidas, BASF, Henkel, Nestle, Exxon, Berkshire, GE, Siemens, Goldman …

    Da, wo Du Dich PERSÖNLICH wohl fühlst, beobachten und zuschlagen. Verdammt wichtig ist, das Unternehmen zu verstehen, zu kennen, ein großes Vertrauen zu haben.

  3. Michael

    Hallo Tim, ja aber auch das „Auskennen“ ist gar nicht so einfach…. Nicht jeder liest Geschäftsberichte bzw kann diese auch verstehen…

    Beispiel: puma und Nike… Woran kann man denn erkennen, dass Nike ein geeigneterer Kandidat fürs buy and Hold Depot ist, als Puma, außer der Größe….?
    Ist es ausreichend, wenn ich z.b in onvista, die Gewinn Entwicklung, Verschuldung, Cash Flow Marge anschaue?

    Als Anfänger fällt das doch schon schwerer….man verlässt sich auf den Konsens, den man in Foren liest…. Denn da kommt man im Ergebnis unter anderem auch zu den von dir genannten Werten…

    Grüße

  4. tim schaefertim schaefer

    Im Zweifel finde ich die Marktführer besser. Bei Puma ist ein Großaktionär an Bord, der verfolgt eigene Interessen.

    Das muss alles jeder im Endeffekt selbst für sich entscheiden, was passt und was eben nicht ins Depot passt.

    Darüber kann man endlos diskutieren, welcher Wert besser ist als der andere. So richtig weiß das keiner.

    Ist Exxon, Chevron, BP, Shell oder ConocoPhillips besser? Nicht einfach zu beantworten… JP Morgan Chase, Bank of America, Citi oder Wells Fargo?

  5. Michael

    Hi tim….

    Zusammenfassend kann man sagen, dass man aus den 8-10 Hauptbranchen jeweils die 2-3 Marktführer nimmt, diese gleichgewichtet und langfristig hält… , bei Schwächen mit frischem Geld und bis dato aufgelaufenen Dividenden nachkauft…?

    Grüśśe….

  6. Michael C. Kissig

    Beim Buy&Hold sind nicht die Kurse das Problem, sondern dass der Anleger VOR dem Kauf der Aktien seine Hausaufgaben machen muss. Und damit meine ich nicht, die neuste „Hot-Stock-des-Tages-Meldung“ eines Revolver-Börsenblattes querzulesen, sondern sich mit der Bilanz und dem Geschäftsbericht eines Unternehmens auseinanderzusetzen. Wenn man DANN zu dem Ergebnis kommt, man möchte an diesem Unternehmen beteiligt sein, und gleichzeitig die Bewertung der Aktien (z.B. anhand des KGV, des KBV oder KCV) attraktiv ist, dann und nur dann sollte man investieren. Kommt es dann zu einem Kursrücksetzer, kann man diesen auch entsprechend einordnen. Fällt der Gesamtmarkt, muss einen das als Investor nicht kümmern, denn man ist an einem Business beteiligt und der Wert der Beteiligung ändert sich nicht, nur weil der Aktienkurs gefallen ist. Nur der Preis hat sich verändert. Gibt es hingegen hausgemachte Probleme in dem Unternehmen, kann man diese auch besser einschätzen, wenn man den Geschäftsbericht durchgearbeitet hat und „sein“ Unternehmen kennt. Man kann dann besser verstehen, ob es sich um ein vorrübergehendes Problem handelt (gute Gelegenheit, Aktien günstig nachzukaufen!), oder ob es sich um ein latentes Risiko handelt, das dem Unternehmen dauerhaft zu schaffen machen wird. In diesem Fall sollte man nicht nachkaufen (verbilligen), sondern sich eher Gedanken machen, ob das Gesamtinvestment noch eine gute Idee ist. So viel zum Thema Eon…

    Wer an der Börse Geld verdienen möchte, muss dafür (hart) arbeiten. Oder es braucht viel Glück. Doch das Glück ist wankelmutig und verlässt einen eben so schnell, wie es gekommen ist. Es ist unzuverlässig und unkalkulierbar. Und nichts davon passt zu Buy&Hold. Wer sich nicht mit den Unternehmen intensiv beschäftigt, in die er investiert, kann sein Geld auch ins Casino tragen und alles auf Rot setzen…

  7. Michael

    @kissing

    Also so ist es nun auch wieder nicht, dass man das Geld gleich ins Kasino tragen könne, wenn man sich nicht total damit beschäftigt…

    Seit 2007 habe ich ein Depot, mit oben beschriebener Art und Weise, also 2-3 branchenvertreter, der 8-10 Hauptbranchen….regional aufgeteilt… Damit hab ich bisher mehrmals den dax geschlagen und bin insgesamt… Sogar ähnlich wie dieser, von der gesamt Performance…

    Desweiteren hab ich ein etf Depot, seit 2007, damit hab ich den Dax sogar überholt…

    Und jetzt kommt's… Ich hab noch nie einen Geschäftsbericht gelesen..

    Ich glaube das Tragen des Geldes ins Casino im Jahr 2007 wäre für noch schlechter gewesen…

    Du siehst das viel zu Schwarz weiß…..

    Grüße

  8. Felix

    Ich bezweifele, dass der Privatanleger multinationale Konzerne, beispielsweise Exxon, wirklich „durchschauen“ kann. Da kann er „Hausaufgaben machen“ soviel er will. Er müsste ja auch die Wettbewerber untersuchen. Wer ist nun besser aufgestellt GE oder Siemens oder doch ABB für die Energiewende? Möglicherweise geht sie auch in die Hose und, was bedeutet das dann für die genannten Konzerne und welchen möchte ich dann im Depot haben?

    Ich bin ziemlich stark, bezogen auf meine Investitionssumme, in BASF engagiert und habe damit in der Vergangenheit sehr gute Ergebnisse erzielt. Im Prinzip hatte ich einfach auch eine Portion Glück, vor 20 Jahren in eine Firma investiert zu haben, die ohne große Skandale (siehe Schmiergeldaffäre bei Siemens), Unfälle (BP), Managementfehler (NOKIA), falsche Zukäufe usw. einen guten Job macht. Ich konnte und kann auch jetzt nicht beurteilen, ob das nächste Pflanzenschutzmittel ein Blockbuster oder Flop wird, ober es sich je auszahlen wird in Batterien zur Elektromobilität massiv zu investieren usw.

    Das intensive Konzerne-Analysieren bis ins Detail ist eine Scheintätigkeit. Letztlich kann man sich als Privatanleger ein paar Kennzahlen, den Langfristchart, ein paar Analystenmeinungen und die Produkte anschauen. Der Rest ist Bauchgefühl und ja, so ist es, Glück.

  9. Anna

    @ Felix
    Analystenmeinung? Naja, meine erste Aktie wurde als konservatives Investment eingestuft. 40 % Verlust im Endeffekt (war Jil Sander). Ich habe immer wieder meine Zweifel an Analysten:
    10 Analysten, vier raten zum Verkauf, 2 zum halten, vier zum Kauf.
    Ja, wie denn… (möchte kein Sprichwort zitieren…)
    Ich habe noch eine andere Informationsquelle, und zwar schaue ich nach, ob Blackrock investiert ist. Funktioniert zwar nicht immer (z.B. bei Fuchs Petrolub), aber ist ein Anhaltspunkt.
    Die sind nicht ohne Grund in den meisten DAX-Werten investiert.
    Gruß
    Anna

  10. Felix

    @Anna
    Stimmt, das habe ich vergessen; auch ich schaue mir die Topholdings guter Fonds an oder von Fondsmanagern, deren Argumentation mich überzeugt. BlackRock ist wahrscheinlich so groß, dass die in „Alles“ investiert sind.

  11. Sebastian

    Wer hat als Privatanleger die Zeit, sich stundenlang durch die Geschäftsberichte – und die der Wettbewerber – zu ackern und dabei die Fähigkeit, die wirklich wichtigen Informationen herauszufiltern?

    Ich sehe das ähnlich wie Felix, es gehört eine Menge „Bauchgefühl“ dazu, Zuversicht, Geduld und – ja – auch Glück.

    Unternehmen mir starker Marktstellung (Marktführer) in langweiligen Branchen, die Konsumgüter herstellen und gerne von starken Marken leben, sind mir da am liebsten.

    Die Gefahr besteht darin, in psychologisch harten Phasen Zweifel zu bekommen und zu verkaufen.
    Wer sich dem widersetzt bleibt auf Kurs.

    Zum Thema EON würde ich mir nur die Frage stellen: Wie wird der Wandel zu den Neuen Energien gemanagt?
    Profitiert EON oder nicht?
    Setzen sich die Bürger durch und bekommen eine dezentrale und „gesunde“ Energieversorgung in eigener Hand?

    In Süddeutschland gibt es immer mehr autarke Gemeinden. Das scheint mir die Zukunft zu sein – Pech für die Großkonzerne, die sich natürlich wehren, Stichwort Lobbyismus und Panikmache (Blackout). Aber wer weiß es schon…..

  12. Martin

    Ich habe z.B. 2005 eine Aktie zu 16€ gekauft, welche in 2007 auf 34€ gestiegen ist. 2009 lag sie bei 7€ und heute bei 44€. Ich halte immer noch weiter und habe Dividende kassiert.

    Hatte überlegt beim erneuten Anstieg auf 34€ zu verkaufen, aber fand sie immer noch zu günstig.

    Jetzt habe ich mich entschieden aus dem Altbestand nur Fonds und keine einzelnen Aktien zu verkaufen und hoffe mich an diese Entscheidung auch zu halten.

  13. Mario

    Als Gegenspieler zum Buy and Hold steht das normale Sparen. Hier sind die Ereignisse nicht so schnell zu sehen, also auch mal kurzfristig Prozente zu verlieren. Das Geld auf diesen Konten wird im Laufe der Zeit nämlich entwertet (Inflation). Nur das sieht der „normale“ Sparer nicht. Er ist nicht vertraut mit solchen langfristigen Ereignissen. Wenn er ein Auto (oder andere Investitionsgüter) zusammengespart hat, hat er dies hauptsächlich mit neu Angespartem gemacht. Er bekam kaum Zinsen oder andere Ausschüttungen von seinem Institut. Er fragt sich nicht, was macht mein Institut mit meinem Geld. Warum können sie mir „so viele“ Zinsen gutschreiben?

    Einfach die Nerven behalten, weiter das bevorzugte Unternehmen beobachten und sich fragen ob es diese Firma schafft durch Krisen zu kommen. Ich besitze zwar keine Eon, jedoch Energieversorger, aber ich glaube, dass es Eon noch in 50 Jahren geben wird. Wer soll denn die Verteilung des Stromes (weiß nicht ob sie ihr Stromnetz noch besitzen) außerhalb der einzelnen Gemeinden übernehmen? Wer soll Grundlasten vorhalten. Das EEG wird dahingehend irgendwann „reguliert“ werden. Natürlich werden in solchen Unternehmen Fehlentscheidungen getroffen. Vielleicht hätten sie eher auf andere Energiequellen setzen sollen. Die Atomkraftwerke sind erst einmal vom Netz und müssen entsorgt werden. Aber genau diese Teile haben das Unternehmen einmal „groß“ gemacht und die Investoren angelockt. Also weiterhin seiner eigenen Strategie, Eingebung und Beobachtung folgen.

  14. Markus

    Um mit Einzelaktien eine vernünftige Streuung hinzubekommen ist ein wenig Kapital notwendig…

    Einzelne Entwicklungen von Unternehmen sind schwer prognostizierbar und gehen in den Rahmen von Astrologie.

    Bei Value-Screenern bekommt man mehrere verschiedene Werte von Aktien. Sei es nach Greenblatt, Easy Buffett, Graham, DCF-Analyse usw. Man könnte sagen, dass Geschäftsbericht lesen besser ist, aber welcher Angestellte hat nach 45 Stunden-Woche und ner Familie zu Hause die Zeit sich zig Unternehmensberichte durchzulesen?
    Viele halten sich für kleine Buffett`s weil Sie 10 Bücher über Value-Analyse gelesen haben…

    Analysten liegen sehr oft falsch. Die machen das ganze Hauptberuflich…

    Als Grundgerüst ist sicher ein großer Teil des Depots aus nichtzykl. Konsum mit Marke (oder mehreren Marken) und langer Firmenhistorie nicht das schlechteste.
    Branchen über dem sehr langfristigem Schnitt sind Lebensmittelkonzerne, Drogeriekonzerne, Pharmakonzerne, Zigarettenkonzerne und Ölkonzerne, lange Dividendenhistorie und Aktien aus den Urbesetzungen der Indexe (J. Siegel).
    Das war zumindest die Vergangenheit.
    Bei einer Value-Analyse reichen ein paar Prozentpunkte falsche Gewinnschätzungen und schon ist der berechnete Wert falsch.

    Wie ethisch korrekt Zigaretteninvestments, Ausbeutungen auf Plantagen und der Umwelt sind ist ein weiterer Punkt. Teilweise merkt man erst nach Jahren was für Schweinereien laufen um den Gewinn hoch zu halten bzw. immer weiter zu steigern. Es gibt eine Lobby, die Forschungsergebnisse der Klimaforscher bei den Politikern ,den Medien und der Allgemeinheit diskreditiert. Einer der großen Sponsoren ist ein sehr großer Ölkonzern mit einer ausgezeichneten Dividendenhistorie…

  15. Frank

    Ich bin keiner der Geschäftsberichte wirklich versteht, es gibt auch zu viele Methoden für gute Finanzvorstände um die Zahlen gut oder schlecht aussehen zu lassen.
    Ich konzentriere mich auf “ günstige“ Aktien mit niedrigem KGV die trotzdem noch wachsen, ich sehe mir die Inhaberstruktur an, wichtig auch die Insidertransaktionen und als Kostolaner ist für mich am wichtigsten ob mehr Papiere oder mehr Idioten am Markt sind.Abschließend und evtl. am wichtigsten sind für mich die Reaktionen der Aktie auf gute bzw. schlechte Nachrichten. Hier gibts die Wahrheit auch ohne alle Zahlen zu kennen. Ich bin uninformierter als alle die am Markt beruflich handeln, aber ihre Reaktionen auf Nachrichten sagt viel aus.
    Trotzdem kann noch viel schief gehen, aber die Wahrscheinlichkeit Gewinne zu machen wird m.M. nach dadurch gesteigert.
    Frank

  16. Olaf

    Ja, wenn es einen guten Ansatz an der Börse gibt, ist es „Kaufen und liegen lassen“. So handele ich auch bereits 25 Jahre. Trotzdem kann ich manchmal nicht anders und schichte doch hin und wieder mal um, weil es „kitzelt“. Ich nehme allerdings nur „Value“-Aktien und bin damit größtenteils auch gut gefahren. Den Fall Worldcom vergesse ich jetzt mal… Trotzdem kann auch mit dieser Strategie nicht immer alles glatt gehen. Z.B. bin ich derzeit auch geplagter K+S-Aktien-Inhaber. Ich halte die Firma als grundsolide, aber gegen solche Meldungen/Machenschaften innerhalb der Branche ist man nun mal machtlos. Man muß eben auch bedenken: Der Aktienmarkt ist eben keine Spielwiese.

  17. Sebastian

    @Markus

    Muß sich jeder für einen „kleinen Buffett“ halten, nur weil er sich intelligente Lektüre zuführt?

    Weit davon entfernt, die Leistungen der Topinvestoren auch nur erreichen zu wollen, haben mir die dutzenden Werke über intelligentes Investieren – und da war nichts über technische Analyse dabei 😉 – eine ganze Menge gebracht. Ich bin mit dem Erfolg jedenfalls zufrieden.

    Vielleicht liegt dein Fokus zu sehr auf der ganzen fundamentalen Analysetätigkeit?
    Die wichtigsten Lehren von Graham, Buffett, Lynch, Zweig und co. liegen m.M. nach eher in den kleinen Geschichten.

    Mr. Market kennst du doch sicher auch ?! Ist doch prima, dass wir als Kleinanleger so viel bessere Möglichkeiten haben, als die großen Institutionellen, die in der Herde galoppieren müssen.

    Die Essays von Warren Buffett kann ich nur jedem ans Herz legen. Börsenpsychologie, Mr. Market, Buy-and-hold – zu allem etwas dabei. Zumal Buffett nicht damit geizt, uns über seine eigenen Fehler zu unterrichten, auf dass wir sie nicht wiederholen…..

    Die ethische Komponente beim Investieren finde ich ebenso knifflig wie du. Die muß man wohl irgendwie ausblenden. Denn gerade mit ETFs ist man leider überall (Tabak, Waffen, Umweltdreck) dabei….

  18. Markus

    @Sebastian

    Es gibt sicher schlechtere Bücher zu lesen. 😉 Nach ein paar Jahren Hausse denken wieder viele wie gut sie doch investiert haben…
    Wenn Privatanleger in der Lage dazu sind Market-Timing zu betreiben, dann können sie gerne mit dem Mr. Market spielen.
    Wenn nicht, muss man größere Summen zeitlich gestreut investieren.
    Die wissenschaftliche Lehrmeinung hat mal die These aufgestellt, dass die Rendite zu 95 % von Asset-Allocation und nicht vom Timing beeinflusst wird.

    Jep, mit etf`s ist man so ziemlich überall dabei. Mit Einzelaktien konzentrierter… Wenn hier wirklich ein paar zukünftige Millionäre sein sollten, dann wäre es schön wenn diese manche Dinge kritisch hinterfragen.
    Leider ist die Recherche und die Qualität von Reportagen und ihren Quellen oft mangelhaft.

    Schneller Reichtum, aufregende Schlagzeilen und emotionale Aufreger verkaufen sich deutlich besser als wissenschaftliche Lektüre und die dafür benötigte Zeit für die Recherche. Dadurch ist die Wissenschaft angreifbar.

    Ich finde es wichtig, dass man daran glaubt Vermögen mit Anstand bilden zu können! Dekadenz und Jammerei nerven mich.

    Blamieren sich die USA weiter und sind diese Mitte Oktober zahlungsunfähig? Spekulierst Du auf Einbrüche? Normalerweise müssen Sie es wie immer lösen und die Probleme zu 99,9 % in die Zukunft verschieben…

  19. Frank

    Hallo,
    klassisches Beispiel für meinen Ansatz darauf zu achten wie Aktien auf Nachrichten reagieren.EON und RWE steigen heute bei schwachem Umfeld wegen einer Heraufstufung durch eine Bank.
    Für mich sind die Versorger also ausgebombt genug um sie zu kaufen.
    Das ist natürlich keine Aufforderung sondern nur eine Beschreibung des Ansatzes von Kostolany.

  20. Stefan Müller

    Denkt bitte daran, auch einen Cashanteil(Anleihenanteil) von 10-40% (je nach persönlicher Risikobereitschaft und evtl. nach Börsenlage).

    Wenn es zum Crash kommt, gut. Es können ausgebomte Spitzenwerte oder gar Indizes nachgekauft werden

    Wenn es weiter geht, auch gut. Schließlich sind 60-90% in Aktien bzw. ETFs/Fonds investiert.

    Außerdem schläft es sich ruhiger, wenn die Nachrichten schlechter werden oder die Stimmung plötzlich kippt.

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Kaufen und liegenlassen


New York, 28. August 2008

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Am Donnerstag war der Dow-Jones-Index mal wieder in bester Laune. Um 1,85 Prozent beziehungsweise 212 Punkte legte das wichtige Barometer auf 11.715 Zähler zu. Nun ist der weltweit meist beachtete Index mit seinen 30 Großkonzernen nicht mehr weit vom einstigen Hoch bei rund 14.000 Punkten entfernt. Ich rate Ihnen, im Markt langfristig investiert zu bleiben. Viele haben in dieser kritischen Phase die Hose gestrichen voll. Manch ein Anleger hat Angst vor einem weiteren Kurssturz. Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber. Manch einer hat einen Großteil seiner Aktienbestände verkloppt und hockt nun auf Barmitteln. Das Problem: Sie können die besten Börsentage verpassen. Etwa schoss der Dow Jones am 24. Juli 2002 um 488 Zähler oder 6,35 Prozent in die Höhe. Es gibt pro Jahr wohl sieben bis zehn wirkliche Super-Tage, an denen die Aktien abgehen wie Schmidts Katze. Da müssen Sie dabei sein.
Weil kein Mensch weiß, wann das der Fall ist, sollten Sie an Bord gehen. Kaufen Sie grundsolide Aktien und warten Sie ab. Sollten in den USA große Wackel-Banken gerettet werden, dann könnte das ein Auslöser für eine Rallye sein. Seit mehr als 100 Jahren erklimmt der Dow Jones immer neue Höhen. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Börsen, Banken und Medien wollen freilich, dass Sie ständig kaufen und verkaufen. Ihre Handelstätigkeit ist deren Geschäft. Damit verdienen sie ihr Geld. Es gibt in Deutschland mit Porsche eine Gesellschaft, die sich weigert, die unsinnigen Publikationsvorschriften der Deutschen Börse zu erfüllen. Der Sportwagenbauer flog daher im Jahr 2001 aus dem MDAX heraus, weil Steuermann Wendelin Wiedeking es entschieden ablehnte, Quartalsberichte zu veröffentlichen. Die Deutsche Börse reagierte mit dem Rausschmiss aus dem MDax. Porsches Hartnäckigkeit finde ich klasse. Die vielen täglichen Meldungen der Firmen verunsichern doch nur die Menschen. An manchen Tagen reagieren die Kurse zu extrem. Es ist mittlerweile wie in einem Spielkasino. 30 Prozent runter, 40 Prozent rauf. Wer solide Papiere kauft, sieht dem ständigen Auf und Ab gelassen zu. Und behält lediglich die langfristige Performance im Blick.
Was ich sehr gut in den USA finde ist, dass Aktionäre die Dividenden ihrer Depotwerte reinvestieren können. Sprich für die Ausschüttungssumme einer Gesellschaft werden stetig weitere Anteilsscheine hinzugekauft. Das ist eine phantastische Form des Langfristsparens. Dann wirkt der Zinseszinseffekt umso besser. Die Reichsten der Welt haben ihr Vermögen über einen langjährigen Zeitraum angehäuft. Ich kenne keinen Superreichen, der es an nur wenigen Tagen zu seinem Reichtum schaffte.
Zudem kaufen erfolgreiche Investoren wie Warren Buffett oder George Soros gerne tief gestürzte Titel. Es ist so, als ob Sie im Supermarkt sind und nur Schnäppchen einsammeln. Gerade schlug Bill Gates wieder zu. Der Microsoft-Gründer riss sich fünf Prozent des Grundkapitals der Hotelkette Strategic Hotels & Resorts Inc unter den Nagel. Der Kurschart (oben) zeigt, was für ein Schnäppchenjäger Gates ist. Er liebt geradezu tief gestürzte Werte. Das Hotel bringt nur 700 Millionen Dollar auf die Börsenwaage. Dabei gingen im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz durch die Bücher. Die Bilanz weist einen Buchwert von 1,25 Milliarden Dollar aus. Damit bekommen Sie die Aktie mit einem Abschlag von 44 Prozent auf das Eigenkapital. Wahnsinn! So billig! Freilich spürt der Hotelkonzern die Konjunktur- und Immobilienkrise. Dennoch ist die Bewertung ein Witz! Aktuelle Notiz 16 Dollar. Greifen Sie zu. Gates sammelt aggressiv in diesen Tagen Aktien ein. Ein Zeichen, dass er mit einem Anstieg der Börsen rechnet. Lesen Sie hier in meinem Blog nach, was Bill Gates sonst noch alles kauft. Ich befolge eine bestimmte Strategie an der Börse. Mehr Details hierzu finden Sie hier in diesem Blog.


tim schaefer (Author)

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