Jurist verdient 105.000 Euro netto und spart 65.000 Euro im Jahr. Er kauft abgestürzte Value-Titel


New York, 10. Mai 2017

Ein Schweizer Jurist aus dem Öffentlichen Dienst ist ein Sparmeister. Er hat sein Geld clever in Value-Titel angelegt. Seht unten die Zuschrift.

Ich finde, es geht nicht nur darum, das möglichst höchste Gehalt herauszuschlagen. Es geht nicht um die möglichst höchste Sparquote. Nein! Genauso wichtig ist die persönliche Fortentwicklung. Ich bin für solide Finanzen. Ich bin für hohe Sparraten (aber nicht absolut das Maximalste). Und ich bin für vorsichtigen Konsum. Ich bin für Familie, Freizeit, Hobbys usw.

Ziel sollte keineswegs sein, ständig das Depot noch höher zu drehen. Wenn Du genug hast, hast Du genug. Dann kannst Du zu Deinem Chef sagen: „Ich bin raus.“ Fertig! Dann bist Du am Ziel. Dann musst Du natürlich aufpassen und kannst nicht Dein Geld verpulvern. In Deutschland fängt wohl die finanzielle Freiheit um 700.000 bis 1 Million Euro an, denke ich mal. Klar hängt es von Euren Ausgaben ab. Jeder hat einen anderen Lebensstil.

Ab 1 Million Euro musst Du besonders aufpassen, dass Du als Single nicht einen Partner/Partnerin findest, der/die Dich nur des Geldes wegen heiratet. Das ist logisch. Es ist harte Arbeit, so ein Vermögen aufzubauen. Es hat keineswegs mit Glück zu tun, wenn sich jemand so einen Vermögensstock von Null aufbaut. (Der Schweizer Leser unten wird bestimmt ein Millionär werden. Er hat eine enorme Disziplin.)

Du brauchst Fähigkeiten. Eine enorme Disziplin. Es ist verdammt harte Arbeit nötig. Du musst an Dich glauben.

Die Freiheit fängt grundsätzlich mit einem Fundament an Ersparnisse an. Hast Du 50.000 Euro angespart, brauchst Du Dich um Kleinigkeiten nicht mehr zu sorgen. Wenn das Auto kaputt geht oder eine neue Waschmaschine her muss, reicht das Polster, um ruhig schlafen zu können.

Hast Du 250.000 Euro, kann Dir Dein Chef egal sein. Wenn Du drei bis vier Monate brauchst, bis Du einen neuen Job gefunden hast, ist das egal. Angesichts der Summe weichen Deine Sorgen. Du kannst Dir essen kaufen, hast ein Dach über dem Kopf. Das ist etwas Herrliches. Du brauchst kein Spitzengehalt von 100.000 Euro aufwärts. Niemand braucht ein Segelschiff oder Schnellboot. Niemand braucht einen Porsche oder flotten Mercedes, um glücklich zu sein.

Hauptsache, Du hast Essen und ein Dach überm Kopf. Der Rest lässt sich dann abwägen. Natürlich ist es hilfreich, wenn Du mehr verdienst. So kannst Du die finanzielle Freiheit schneller erreichen, wenn Du die nötige Disziplin hast. Die meisten Menschen haben allerdings keine Disziplin. Sie sind konsumsüchtig. Und dann werden oft Dinge bewusst verdreht. Verdient jemand mehr, wird gejammert, dass die Steuerlast höher ist. Das ist doch OK. Dafür wird mehr verdient. Es stimmt doch gar nicht, dass der Steuersatz Dich ärmer macht. Der höhere Verdienst macht Dich auch unterm Strich reicher. Aber natürlich ist das Gehalt nicht alles. Nicht um jeden Preis geht es um ein möglichst hohes Gehalt.

Das Gute am Wohlstand ist die Freiheit. Du hast mehr Freizeit. Das Geld gibt Dir ein Werkzeug in die Hand, Dinge zu tun, die Dir Freude bereiten. Es verbessert Deine Lebensqualität. Du kannst in den Urlaub. Du kannst zu Freunden reisen. Du kannst feiern. Du kannst Dein Augenmerk auf Deine Ziele ausrichten. Es geht letztendlich nicht um die Depotgröße, sondern nur um Deine Zufriedenheit/Ziele/Träume/Freiheit/Freizeit.

Heute veröffentliche ich die Lebensgeschichte eines Juristen aus der Schweiz, der sehr diszipliniert ist. Danke für diesen beeindruckenden Leserbrief:

Lieber Tim

Ich will Dir meine Geschichte erzählen, vielleicht kann ich einige motivieren.

Ich möchte jedoch inklusive Namen anonym bleiben.

Ich bin Anfang bis Mitte dreissig und bei einer Schweizer Behörde tätig. Aufgrund meines 100% Jobs als Jurist verdiene ich netto rund EUR 105.000 pro Jahr, das heisst nach Abzug der Steuern und der obligatorischen staatlichen Vorsorge und Versicherungen. Von diesem Geld brauche ich maximal EUR 40.000 für den Lebensunterhalt. Aber auch nicht viel weniger: In der Schweiz ist alles ziemlich teuer (kein Feiern, kein Auto, teure, aber keine Luxusferien). Kurzum verfüge ich über rund EUR 65.0000 jährlich an Überschuss, den ich seit Ende 2013 systematisch anlege.

Als eiserne Reserve halte ich rund EUR 15.000. Das sollte für Unvorhergesehenes reichen, solange regelmässig Geld nachfliesst. Ansonsten greift die Arbeitslosenversicherung.

Neben EUR 30.000 Cash halte ich nach drei Jahren seit Abschluss der Ausbildung EUR 175.000 in Aktien, wovon rund EUR 20.000 Kapitalgewinne darstellen (plus die genannte eiserne Reserve). Die Dividenden dürften total bisher rund EUR 12.000 ausmachen und sind in diesen Beträgen enthalten. Seit fast drei Jahren hatte ich so gut wie keine Kapitalgewinne zu verbuchen. Das hatte ich jedoch auch erwartet, denn ich investiere grundsätzlich nur in „mies“ laufende Titel und hoffe dann auf Besserung während der nächsten Jahre. Verkaufen werde ich aber weiterhin nur sehr selten. Seit November 2016 hat mein Portfolio aber ziemlich Boden gut gemacht. Ich denke aber eher an das Jahr 2040 als an das Jahr 2018.

Ich bin zu rund einem Drittel in Vanguard-ETFs investiert und halte ansonsten Einzeltitel, die üblichen Verdächtigen mit Schwerpunkt auf Dividendentiteln (BRK.B, IBM, KO, DIS, V, Diageo, Anheuser-Busch und so weiter sowie einige Schweizer Titel wie Roche, Nestle und Novartis).

Bis Mitte 2018 plane ich noch rund EUR 70.000 an Investitionsgut anzusparen, das es dann vorsichtig anzulegen gilt. Ich wäre über einige Jahre hinweg mit einer Cashquote von rund 30% zufrieden. Ich würde bei einer Korrektur von >25% natürlich voll reingehen, momentan stimmt jedoch das Verhältnis.

Danach folgt idealerweise eine kleine Familie, die dazu führen wird, dass wir als Paar mit weniger Einkommen auskommen werden müssen – allerdings nicht zwingend weniger für den Lebensunterhalt, sondern weniger für Investitionen. Wir planen vorerst kein Wohneigentum, womit trotz niedrigeren Einkommens immer noch rund EUR 35.000 pro Jahr für Anlagezwecke zur Verfügung stehen dürften. Dieser Überschuss soll ebenfalls vorsichtig weiter in Aktien investiert werden und womöglich auch einmal in Anleihen, wenn sich das Zinslevel wieder einigermassen normalisiert hat.

Jedenfalls möchte ich dazu ermutigen, dass es bei sehr guten Einkommen eine gute Idee sein kann, nach der Ausbildung für kurze Zeit viel zu sparen und danach mit einiger Gelassenheit die Familienplanung anzugehen. So sollte eine Familie mit einer möglichen „Frühpension“ kombinierbar sein.

Vielen Dank für Deinen tollen Blog!

PS: Solche Zuschriften zeigen mir, dass die Serie es wert ist Leser vorzustellen. Es sind sehr schöne Motivationsquellen.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Jurist verdient 105.000 Euro netto und spart 65.000 Euro im Jahr. Er kauft abgestürzte Value-Titel

  1. Andreas

    Mich würde einmal interessieren, wie ihr die Performance der Wertpapiere messt. Macht ihr nur eine einfache Gewinnermittlung? Berechnet ihr zusätzlich die absolute Gesamtrendite? Oder doch lieber die zeitgewichtete oder geldgewichtete Rendite? Oder setzt Ihr auf andere Berechnungsmethoden zur Analyse des Erfolgs wie die Kapitalwertmethode? Nutzt Ihr Software oder Excel?

    Ich habe bisher alle Käufe und Ausschüttungen in eine Exceltabelle erfasst und nur den einfachen Gewinn ermittelt. Wobei jedes Wertpapier eine eigene Tabelle zur Gewinnermittlung hat. Bin mir jedoch unsicher ob ich das Tool nicht anders aufbauen sollte.

  2. Kai

    Glückwunsch!! Den Gehalt kann man ja gar nicht ausgeben. Deine mtl. Sparrate ist mehr als hier in Deutschland ein Fluglotse verdient!!

    Ich würde sagen: Du hast den Autopiloten drinnen !!

  3. Kuyuk

    Vielen Dank für den Beitrag. Auch mir ist das sparen und investieren seit vielen Jahren eine große Freude. Vom netto-Einkommen geht ca 1/3 in den Vermögensaufbau  (bei zwei kleinen Kindern und derzeit nur einem Einkommen).

    Wir empfinden eine tiefe Dankbarkeit darüber, dass wir wissen, was uns wirklich wichtig ist: Liebe zwischen uns und den Kindern, gemeinsam das Leben zu teilen. Unsere Freunde, anregende Gespräche, eine gute Flasche Wein und leckeres Essen.

    Zu sparen und investieren ist für mich der beste Weg das eigene Einkommen nachhaltig zu hebeln. So bleibt etwas von jeder Stunde Arbeit – nachhaltig und für mich / uns. Nicht nur für andere. In diesem Sinne möchte ich jeden zum Egoismus ermutigen – tut euch was gutes und spart. 🙂

  4. Pametan

    Schöne Artikelserie, aber…

    Wieso geht es eigentlich überwiegend um die „Zufriedenheitsaufschiebung“ ins Alter bzw. darum, dem „Chef sagen zu können, es ist genug“?

    Wie stehts mit der (inneren) Zufriedenheit auf dem Weg dahin? Und nein, Konsumgüter sind nicht das Mittel zum Zweck, maximal nur äußerst kurzfristig.

    Bin ich in der Minderheit, wenn ich sage, ich liebe, was ich tue (und wie ich lebe) und möchte das möglichst solange machen, wie ich noch fit in der Birne bin und kann? Vielleicht liegt es daran, dass ich mit Menschen arbeite und einen wirklichen Sinn in meiner beruflichen Tätigkeit sehe? Vielleicht kann ich auch nur dankbar sein, ein so tolles soziales Umfeld zu haben und mit mir im Reinen zu sein.

    Nur Leistung und Konsumverzicht als perfektes Rezept zum Glücklichsein – das ist mir zu kurz gegriffen.

     

  5. Arnim

    @Pametan Ich glaube dieses Mantra zieht bei Leuten, die sich noch nicht intensiv damit beschäftigen. Eigtl jeder sollte wissen, dass man auch schon auf dem Weg und während der Ansparphase glücklich und zufrieden sein sollte.

    Mit persönlich gibt – jetzt nur in Bezug auf das finanzielle – allein meine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Finanzen/Altersvorsorge eine gewisse innere Zufriedenheit. Ich kann einfach viel entspannter mit dem Thema umgehen und muss mir keine großen Sorgen machen, dass ich irgendwann mal total überrumpelt werde mit einer fehlenden Altersvorsorge.

    Also allein dadurch spüre ich jetzt schon einen Anstieg an innerer Zufriedenheit. Aber auch viele andere Dingen spielen mit rein und sollten nicht „auf später“ verschoben werden. Denn auch wenn Tim oft erst die finanzielle Freiheit als das ultimative Ziel anpreist, zählen auch die Jahre bis dahin. Anders ausgedrückt: Man muss keine 350.000€ im Depot haben und finanziell frei sein, um an seinem persönlichen Glück zu arbeiten.

    Kommt mir auch oft ein wenig zu kurz, wobei es gerade in diesem Artikel ja relativiert wird.

  6. Comper

    Ich finde es immer wieder Wahnsinn, wie viel Geld manche Personen verdienen. So ist auch die finanzielle Freiheit relativ schnell machbar denke ich 🙂

    Trotzdem ein sehr schöner Artikel, der zum sparen anregt!

    @Pametan:

    Das ist ein ganz schwieriger Punkt finde ich. Mir macht meine Arbeit ebenfalls sehr viel Spaß aber dennoch ist es mein Ziel nicht mehr arbeiten zu müssen in möglichst kurzer Zeit. Mir die Zeit so einteilen zu können wie ich will, das ist mein Ziel. Ob ich in der Woche dann eben doch 70 oder mal nur 30 oder auch gar nicht arbeite das würde ich gerne selbst entscheiden.

    Gruß Comper

  7. Markus

    @Pametan

    Vermutlich wird bei einigen auch ein gewisser Faktor „Unzufriedenheit“ mit reinspielen.

    Darüber zu urteilen ist schwierig, da die Situationen sehr individuell sind.

    Dass zu finden, was einem wichtig ist im Leben, bzw. die Prioritäten/Ansichten wandeln sich ja auch mit zunehmenden Alter.

    Irgendwann trauert man evtl. noch der Jugend, verpassten Chancen, Vitalität dem besseren Aussehen vielleicht mehr nach, als dem Geld.

    Der Kapitalismus an sich braucht ja auch Unzufriedenheit mit dem Status Quo… Ob es dem „Menschssein“ entspricht, immer weiter, immer effizienter, immer besser… unser Körper/Zellen/Telomere machen es jedenfalls nicht mit.

  8. Kall

    Bonjour Tim und Alle,

    vielen Dank Tim, dass du bei den Steuern Position bezogen hast. Mir geht dieses ewige Gejammer, man zahle zu viel Steuern  auf die Nerven. Alle wollen ordentliche Schulen, Straßen und Infrastruktur, vielleicht auch Museen und Theater. Das kostet nun mal Geld. Dafür zahle ich auch Steuer. Das ist in Ordnung.

    Um Missverständnissen dabei vorzubeugen: Ich bezahle seit Jahren in Deutschland den Spitzensteuersatz und schreibe auch keine Immobile oder ähnliches ab.

    Paremetan: Ich sehe das ähnlich. Es gibt viele andere Werte, die wichtig sind. Es gibt auch Berufe, die erfüllen. Die FF finde ich hinsichtlich der Autonomie spannend. Dabei spielt der Zeitfaktor nicht alleine die entscheidende Rolle.

    Wichtig ist selbst entscheiden zu können, wann es genug ist, was man unbedingt machen will, wie man über seine eigene Zeit verfügt. Letzteres ist für mich am Wichtigsten.

    Zum Artikel: Klar kann man mit 100.000 € netto schneller die FF erreichen. Ich bewundere die Disziplin des Briefschreibers. Zugegeben fiele mir das bei diesem Nettoeinkommen(!) schwer, „nur“ 35.000 € zu verbrauchen.

    Mit den gefallenen Value Werten wäre ich vorsichtiger.Meistens ist es dann mit dem Value nicht mehr weit her-siehe EON, Telekom, Nokia u.a. Natürlich kann man auch die ein oder andere Aktie im Turnaround erwischen. Dazu muss man sich aber wirklich  sehr gut auskennen. Traue ich mir nicht zu.

    Beste Grüße über den Teich

  9. Jan

    @Pametan,

    du hast nicht unrecht, aber meinen Sinn in meiner Arbeit sehe ich ebenso, wenn ich 40% arbeite.

    Mir machts auch Spaß. Ob ich den Druck und die meine Ziel- und Kennzahlen noch mit 60 erreiche, möchte ich bezweifeln. Zwar bin ich dann unkündbar, jedoch steigt der psychische Stress vermutlich enorm. Und wer weiß, vielleich sehe ich dann keinen Sinn mehr dahinter.

    Und wenn ich dann mit Anfang oder Mitte 50 entscheide voll weiter zu arbeiten, dann ist das auch ok. Die Dividenden lassen sich entweder reinvestieren oder auch mal ordentlich ausgeben, sollte es genug auf der Kante sein.

    Ich möchte entscheiden können was ich wann und wie mache. Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit vergesse ich, bzw. wir als Familie, das Leben nicht, keine Sorge. Wir feiern und leben das Leben durchaus gut. Nur nicht durch Autos, Klamotten oder anderen Plunder. In ein paar Wochen werden meine Freunde und wir z.B. auf einem Festival ein paar Tage die Plautze in die Sonne heben und dazu ein paar Bier und ein Steak essen. Derweil suchen wir gerade wieder eine sehenswerte Oper. Das Leben ist, was man daraus macht. Ich bin schon um die 30 mal Fallschirm gesprungen (nein, nicht Tandem, die AFF Ausbildung und danach „free solo“, den Schein machte ich aber nicht zu Ende) und ein paar Wochen später war ich mit Rucksack und Zelt in der Einsamkeit und Ruhe der norwegischen Fjorde. Aber man braucht keine Statussymbole und Markensachen. Und weniger Geld wie man gemeinhin annimmt. Die Lebensmittel im Lidl sind genauso gut wie im Rewe, es ist nur die Frage was man kauft und kocht (ok, jetzt kommt Tim gleich mit seinem überbackenen Gemüseallerlei 😀 ). Unser gestriges Essen war ein sündhaft teures Rindersteak und dazu Maiskolben, frische Champignons und angebratene Kartoffeln. Meines rare, das meiner Frau well done. So ein richtiger mächtiger Western-Teller. Darf auch mal sein. Das Essen hat uns für zwei Personen ca. 30 Euro gekostet. Das sind 15 pro Person. Die Menschen sind aber mittlerweile oft zu blöd dazu sich das selbst zu kochen und gehen dafür ins Steakhouse. Da hätte der Teller Minimum 25 Euro gekostet plus Getränke und Trinkgeld. Interessanter Weise sind Luxusküchen anscheinend für viele lebenswichtig, die von Ikea reicht nicht. Aber man sollte zuerst mal kochen können bevor man so etwas in Erwägung zieht. Ich habe den Verdacht, dass manche meinen das Kochen können würde mit der Küche gratis mitgeliefert werden. Dem ist nicht so. Für das opulente Mahl gibts den Rest der Woche fleischlos und preisbewusst, vielleicht morgen trotzdem Fisch, mal sehen. Wer immer nur das teure nimmt, der weiß es irgendwann nicht mehr zu schätzen. Und wenn ich etwas hasse, dann ist es der sorglose Umgang mit Essen, insbesondere wenn dafür Tiere sterben mussten. Was da weg geworfen wird nur weil es z.B. übers !Mindest!haltbarkeitsdatum ist (nicht !Verbrauchs!datum). Wie wenn der Mensch nicht vor dieser nutzlosen Angabe in der Lage gewesen wäre durch seine von Gott gegebenen Sinne Lebensmittel sensorisch einzuschätzen.
     

    Schöne Grüße

    Jan

    Ergänzung: Schau’s dir doch an. https://www.youtube.com/watch?v=NVBJ8bB_pGI
    Für eine neue Küche musste ein Kredit her. Jetzt ist der arme Kerl schon so abgebrannt und pleite, dass er seinem Sohn nicht mal eine Trainingsfahrt nach Malle zahlen kann. Armer Papa. Und die nette Targobank bietet dann eine Ratenpause an (erhöht die Kreditlaufzeit und damit den Gewinn der Bank). Der Schuldner soll gerne bei Bonität weiter Schulden machen. Ein Bankkunde ohne Schulden bringt kaum etwas ein. So etwas soll mir niemals passieren. Niemals! Wenn meine Tochter mal an einer Vereinsausfahrt oder Freizeit teilnehmen möchte, wird das ohne langes Überlegen bezahlt. Denn genau DAS sind die Erlebnisse die man bis ins Alter erzählt. Ich werde meine jedenfalls nie vergessen, eine tolle Zeit! Welche Küche meine Eltern damals hatten? Die selbe mit Ausnahme der Arbeitsplatte, Herd und Kühlschrank wie heute.
    Aber die Leute finden’s geil. Ok, gebt den Leuten eben wie im alten Rom Brot und Spiele. Sie werden es dann nicht merken, wie sie geschröpft werden.

  10. Claus

    Sehr guter Beitrag, in dem ich mich zu grossen Teilen wiederfinde.

    Finanziell frei zu werden, beruht zu sehr grossen Teilen auf Selbstdisziplin und Verzicht auf unnötigen „Schnickschnak“. Das hat nichts mit Geiz zu tun.

    Schon bald führt es dazu, dass man sehr viel mehr Geld ansammelt, als die meisten anderen Menschen im Umfeld, die mit Freunden und Nachbarn im Konsum-Wettstreit leben. Dieses Verhalten habe ich noch nie verstanden. Was interessiert mich das Auto, Haus, TV… des Nachbarn? Was interessiert mich seine Meinung über mein mickriges Kleinfahrzeug?

    Meine Eltern hatten nie viel Geld und mussten um jede Kleinigkeit kämpfen. Meine Mutter brachte mir von klein an den Umgang mit Geld bei. Ich hatte immer grosse Freude daran, zu sparen. So konnte ich mir ab und zu einen kleinen Wunsch erfüllen. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die meine Mutter mir gelegentlich schmunzelnd erzählte:

    Sie schickte mich als kleinen Knirps, ich muss wohl so 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein, um die Ecke zu einem „Tante-Emma-Laden“ um irgend etwas zu kaufen, was ausgegangen war. Die Inhaberin, eine liebenswürdige ältere Dame, gab mir versehentlich 10 Pfennige zu wenig an Wechselgeld zurück. Nachdem ich das Wechselgeld einige Male im Laden gezählt habe, bin ich wohl recht energisch zur Inhaberin gegangen und habe die fehlenden 10 Pfennige eingefordert, was wohl zur Belustigung aller Kunden beigetragen hat…

    Später machte ich mich ohne Eigenkapital (und ohne Kredit) selbständig und verdiente nach zähem Start sehr viel Geld. Es war anstrengend und keinesfalls einfach. 12-16-Stunden-Tage waren völlig normal und das 7 Tage die Woche. Viele Abende verbrachte ich im Büro, manchmal auch ganze Nächte.

    Doch was soll man als Selbständiger machen? Das Finanzamt, die Stadt (Gewerbesteuer), die Krankenkasse und viele andere leeren auch bestens gefüllte Konten schneller, als es einem lieb ist…

    Erst mit 40 Jahren im Jahr 2000 kam ich zur Börse. „Zur Sicherheit“ kaufte ich verschiedene Aktienfonds (natürlich mit teilweise hohen Ausgabeaufschlägen und viel zu hohen weiteren Gebühren), um möglichst breit zu streuen. Hinzu kaufte ich namhafte grosse Unternehmen, überwiegend aus der IT-Branche, die zu dieser Zeit aber hoffnungslos überteuert waren. Vom Neuen Markt, kleinen Unternehmen, Optionsscheinen, Zertifikaten und sonstigen Derivaten hielt ich mich fern und kaufte bei fallenden Kursen kräftig nach, wie es „Experten“ ja immer empfehlen.

    Mr. Market war begeistert und radierte mein Depot nahezu aus. Ich verlor über 300k und es blieben nur gute 40k übrig. Psychologisch habe ich lange gebraucht, um das zu verdauen und aus diesem Tief herauszukommen. Aber ich habe keine Sekunde daran gedacht, der Börse den Rücken zu kehren. Im Gegenteil. Ich lernte weiter und entwickelte mit der Zeit mein eigenes System. Eine Mischung aus Value-Investing und Dividenden-Strategie. Ich setze ausschließlich auf größere Konzerne mit fairer Bewertung, die nach Branchen und Währungen/Ländern gut gemischt sein müssen. Dieses Konzept hat sich mehr als bewährt.

    Sehr gerne kaufe ich „finanzstarke Weltkonzerne“, die gerade in Ungnade gefallen sind, aber aus meiner Sicht keine unüberwindbaren Probleme haben. Beispiele: IBM, Novo Nordisk, VF Corp., H & M., BHP, Shell…

    Hier ist Geduld gefragt, doch wenn die Erholung kommt, ist die Belohnung überdurchschnittlich gross. Die „Wartezeit“ läßt sich mit den meist üppigen Dividenden ganz gut ertragen.

    Meine Haltedauer ist „ewig“. Ab und zu verkaufe ich aber, z.B. wenn ich eine bessere Chance in einem anderen Unternehmen sehe oder die Bewertung „irrational“ wird.

    Heute mit 57 (bald 58…) bin ich finanziell frei. Ich bin noch immer selbständig, aber die Geschäfte laufen nur noch schwach und ich überlege, in den nächsten 1-2 Jahren ganz aufzuhören.

    Das geht, weil ich (mit Büro) in einem bezahlten Bungalow wohne, keine Schulden habe und alle Kosten optimiert sind.

    Die damaligen Börsenverluste habe ich inzwischen vollständig aufgeholt. Mein Depot liegt im sehr guten mittleren 6-stelligen Bereich und liefert monatlich durchschnittlich über 1k Dividenden nach Steuern.

    Gerade jüngeren Menschen kann ich daher nur raten:

    Spart, aber vergeßt nicht zu leben. Gönnt Euch auch gelegentlich was. Das muss nichts Teures sein. Ein netter Sonntagsausflug mit Freunden oder der Familie, ein leckeres Essen, gerne auch selbst zubereitet oder ein kleines Geschenk an einen lieben Menschen.

    Legt das Ersparte langfristig an. Meidet Finanzprodukte, die Ihr nicht 100%ig versteht oder die hohe Gebühren verschlingen.

    Hört nicht auf „Experten“, macht Euch selbst schlau und bildet Euch eine eigene Meinung.

    LG und Viel Erfolg!

  11. Christoph

    Claus: Schön geschrieben vor allem der letzte Absatz. Bewundernswert dass du den Verlust s aufgefangen hast.

     

    Zum Juristen: Gratulation zum Job und dem Einkommen. Dadurch ist es natürlich einfacher die FF zu erreichen. Klar wer alles ausgibt der wird die FF nie erreichen aber mit hohem einkommen fällt das dann viel einfacher. Schweizer verdienen aber  generell mehr, natürlich auch den Kosten geschuldet.

     

    Über einen  Otto Normal Anleger würde ich mich mal freuen. Denn mit diesem Einkommen und der Situation können sich bestimmt eher die Leser vergleichen.

  12. Daniel

    @Pametan:

    Die Angst in Bezug auf  Job bzw. der Jobverlust ist hierzulande schon deutlich stärker ausgeprägt als die gern gegenübergestellte „hire-and-fire“ Politik der Amis.

    Demzufolge ist für mich schon sehr gut nachvollziehbar warum viele die finanzielle Freiheit mit größtem Elan angehen wollen. Es ist schon etwas Anderes zu wissen ich müsste nicht mehr arbeiten und mache es vielleicht doch oder in eingeschränkter Form.

    Die häufig einzige Einnahmequelle ist der Job und auch wenn man ihn gern macht muss das nicht in 20 Jahren so sein, blöd ist, wenn man bis dato immer nur darauf gebaut hat es bis zur Rente durchzuziehen. Auch die geistige Flexibilität nimmt bei den allermeisten wohl mit zunehmenden Alter ab. Was heute mit 30 dann vielleicht spannend und neu ist, ist mit 50 dann vielleicht bedrohlich. Dem gelassen gegenüberzustehen und zu sagen, hab ich mir angeguckt, ist nicht mehr mein Ding, ich bin dann mal weg, hat schon seinen Reiz.

     

  13. Mark85Mark85

    An Pametan: Ein schönes Finanzpolster zu haben, beruhigt zunächst erst einmal. Das wird jeder so sehen, denke ich.

    Wenn man darüber hinaus in die finanzielle Situation gerät, dass man sich komplett selbst seine Zeit einteilen kann, weil man nicht mehr auf aktives Arbeitseinkommen angewiesen ist, gehen die Vorstellungen natürlich auseinander. Ich finde das schön, weil ich es langweilig fände, wenn jeder gleich tickte.

    Ich für meinen Teil genieße es, zeitlich und finanziell von keinem Arbeitsplatz abhängig zu sein. Nur ein paar Beispiele:

    Lust auf Ausschlafen? Kein Problem.

    Heute Lust auf Aktivität X oder Y? Einfach machen.

    Lust auf 2 Monate X im Frühling und 2 Monate Y im Herbst? Los geht’s mit der Reisebuchung.

    Das Schöne ist, dass ich niemanden um Erlaubnis fragen muss, weil ich nirgendwo vertraglich gebunden bin. Ich kann jeden Tag aufs Neue entscheiden, was ich mit meiner Zeit anfangen möchte. Langeweile kommt bei mir nur sehr selten auf.

    Unter finanzieller Unabhängigkeit verstehe ich, Wahlfreiheit zu haben. Alles kann, nichts muss. Das macht für mich den Reiz aus. Die genaue Ausgestaltung legt dann jeder selbst fest. 😉

  14. Fit und Gesund

    @Pametan,

    innere Zufriedenheit steht bei mir an allererster Stelle, das hab ich erst kürzlich geschrieben,

    ich arbeite ja auch in einem tollen und vor Allem sehr interessanten Beruf, aber was nutzt das wenn das Drumherum nicht so stimmt, die Arbeitsbelastung immer grösser wird und weder finanziell noch sonst irgendwie honoriert wird?,

    aber genau hier liegt meine Motivation, ich möchte einfach nicht bis zum offiziellen Rentenalter in diesem Hamsterrad gefangen sein, nach 42 vollen Berufsjahren ist mein Wunsch glaub legitim, oder?

    @Claus,

    einfach bewundernswert wie Du das hinbekommen hast, besonders dieses Dranbleiben und nicht Aufgeben, bald wirst Du die Früchte eines harten Arbeitslebens geniessen können, sehr motivierend Deine Geschichte.

    @Mark85,

    auch mir geht es nicht um irgendwelche Reichtümer, die Unabhängigkeit ist unbezahlbar, Du hast das sehr früh erkannt, super!

  15. Claus

    @ fit und gesund

    Danke Dir für die lieben Worte. Das Dranbleiben und nicht Aufgeben habe ich bestens durch meine inzwischen 32-jährige Selbständigkeit gelernt. In dieser Zeit habe ich viele „Kollegen“ aufgeben und vom Markt verschwinden sehen.

    So langsam kommt die „Erntezeit“ für uns. Desto vorsichtiger (nicht ängstlich…) müssen wir unsere Depots im Auge behalten.

    Rente werde ich kaum bekommen, das sind gerade mal so ca. 200 EUR. Schon damals habe ich keinen Sinn darin gesehen, hier weiter einzubezahlen. Die Rente ist ein riesiges Verlustgeschäft. Viele zahlen drauf und erhalten nach einem mühsamen Arbeitsleben nicht mal genug um einigermassen vernünftig leben zu können. Eine Schande, finde ich.

    Unabhängig zu sein ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

    LG

  16. Xaver

    @Claus

    Ich finde mich in sehr vielem, was Du schreibst ebenfalls wieder, auch wenn ich noch ein paar Jährchen jünger bin.

    Bin seit 2009 Freiberufler und könnte mir heute nicht mehr vorstellen anders zu arbeiten. Dran bleiben, war sehr oft gefragt.

    Du scheinst wirklich überzeugt zu sein von den Modewerten. Zumindest mag sie aktuell kaum jemand.

  17. Rainer Zufall

    Ja, die Mode. Das ist so eine Sache. Siehe Gerry Weber. Oder Hugo Boss. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden beide über den grünen Klee gelobt. Was für tolle Aussichten waren das damals. Und jetzt H&M. Bumm.

    Der Unterschied: schon damals war in den Filialen von Gerry Weber kaum jemand. Ich hab mich immer gewundert wie es sein kann, dass da Samstags so wenig los ist. H&M dagegen ist eigentlich immer voll. So zumindest mein subjektiver Eindruck.

    Von daher reizt mich H&M schon. Die erreichen gerade wieder das Kursniveau von 2008! Aber fallende Messer sind unschön…

  18. Andrea

    Auch wenn Kleidung ein Grundbedürfnis ist, halte ich mich von den Aktien eher fern. Zu schnell ändert sich die Mode und damit die „angesagten“ Firmen. Ich habe mir aber als kleinen Zock ein paar der abgestürzten Espritaktien ins Depot gelegt, vielleicht wird sich ja noch irgendwann einmal etwas tun und die Aktie wiederbelebt, lach. Ich kam auf die Idee, als ich letztens bei Zalando einkaufte und die Espritsachen eigentlich sehr hübsch fand. Viel habe ich nicht investiert, also kann ich da auch nicht viel verlieren. Mein Mann hat es mir nachgemacht und sich auch ein paar ins Depot gelegt. Vielleicht steigen sie ja irgendwann auch auf das zehnfache, lach.

     

     

  19. Andrea

    Gerry Weber hat Hallhuber, was eine tolle Marke ist, mit schönen Sachen. Die Gerry Weber Sachen selber fand ich früher einmal einfallsreich und schön, jetzt oft langweilig. Ich würde daher auch die Aktie nicht kaufen.

  20. Christoph

    Also dann würde es doch eigentlich mehr Sinn machen sich einen guten Reteiler zu nehmen oder? TJY zb. Wobei da Amazon halt echt heavy ist.

     

    Im nachhinein hätte ich anstatt Under armour zb vielleicht Footloker kaufen sollen. Die profitieren ja auch von guten Umsätzen von UA. Aber halt auch von Nike, Adidas…

    Bei Modelabeln bin ich auch kritisch. Wobei eigetnlich Luxus meistens gut geht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *