Junge Erwachsene haben Angst: Eine verlorene Generation


New York, 9. April 2014

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Die Zeit prägt die Menschen. Wer viel Geld in einem Börsencrash verloren hat, wird zu einem Dauerpessimisten. Vermutlich ein Leben lang. Wer viel Glück an der Börse hatte, wird ein Optimist. Wahrscheinlich ein Leben lang.
Finanzautor Morgan Housel hat diesen Zusammenhang anhand einiger Promi-Investoren aufgezeigt.
Die Menschen werden von ihren Erfahrungen geformt. Ich glaube, ein Mittelweg ist ideal. Im Schnitt waren an der Börse knapp zehn Prozent zu verdienen. Wer sich grob daran orientiert, wird wohl weder enttäuscht noch überrascht werden. Schwache Börsenjahre gehören genauso wie Boomjahre dazu. Es geht nur um den langen Schnitt.
Was an der Finanzkrise traurig ist, ist die Verhaltensänderung junger Menschen: Sie haben, so scheint es, die Hoffnung verloren. Sie sind extrem konservativ geworden. So wie die Menschen, die den Zweiten Weltkrieg erleben mussten. Das zeigt jedenfalls eine neue Studie der UBS Bank (PDF).
Junge Erwachsene, genannt Millennials (Alter 21 bis 36 Jahre), horten Bargeld. So viel wie schon lange nicht mehr. Sie scheuen Risiken. Sie leben am liebsten im Elternhaus. 42 Prozent des Vermögens halten diese Menschen nach der Erhebung der UBS in Cash. Es ist ein Zeichen des Misstrauens gegenüber der Börse, im Grunde allen Assets gegenüber.
Einen Gutteil des eigenen Vermögens in Cash zu horten ist auf Dauer dämlich. Denn die Inflation frisst es weg. Die UBS fand heraus: Selbst jene, die mehr als 100.000 Dollar Vermögen haben, halten hohe Barbestände. Unglaublich. Was für eine Verschwendung. Es ist eine krasse Form der Zukunftsangst.
Wer 40 Jahre Zeit hat bis zur Rente, der sollte vom Zinseszins und der langen Zeitspanne Gebrauch machen. Legen Sie Ihr Geld solide an. Übertriebene Angst war noch nie ein guter Ratgeber. Etwas Cash braucht jeder. Keine Frage. Aber extrem hohe Summen sind nicht nötig.
Die Finanzkrise hat tiefe Wunden gerissen. Der Nachrichtensender CNN hat eine Reportage gemacht über die „alten“ Kinder, die zurück ins Elternhaus ziehen. Hier ist ein Ausschnitt zu sehen. (Foto: Figuren gesehen in einem Schaufenster in Berlin)


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Junge Erwachsene haben Angst: Eine verlorene Generation

  1. Makus Hoffmann

    Hallo Tim,

    erstmal ein herzliches Danke für deinen tollen Blog mit den ganzen interessanten Beiträgen.

    Ich persönlich bin Anfang 24 und kümmere mich seit geraumer Zeit um meine Aktien/Anleihen. Dank dir unter diversen weiteren Seiten bin ich auf die Buy&Hold Strategie gestoßen, die ich nun 7 Jahre bereits verfolge.

    Zu deinem obigen Artikel: Ja da hast du wohl Recht, viele Heranwachsende horten lieber ihr Bargeld oder verprassen es für überteuerte Autos/Urlaube etc. Ich finde man sollte das Problem der hohen Bargeldsumme in den Haushalten bereits viel früher anpacken und den Kindern in der Schule beibringen das es viel besser ist an Qualitätsfirmen zu beteiligen.

    Ich persönlich habe in der Krise zwar Geld verloren, jedoch bin ich Realist und sehe das ganze langfristig wieder oben wo wir bereits heute wieder sind. Auf die Zeit, in der der Zinseszins bei mir aufschlägt freue ich mich schon sehr, da ich noch einige Jahre an der Börse verhaaren werde, ist dies nur noch eine Frage der Zeit 😉

    Viele Grüße
    Markus

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Markus
    Das freut mich.
    Wer jung ist wie Du, kann enorme Chancen nutzen. Die Zeit ist auf der Seite der jungen Erwachsenen. Ein wenig Optimismus kann nicht schaden (die Weltbevölkerung nimmt zu, der Fortschritt und Wohlstand ebenso).

    Einfach in solide Aktien oder den Index investieren. Den gesunden Menschenverstand einsetzen. Geduld haben. Nachkaufen. Und den Lärm überhören.

  3. Ralf

    Hallo Tim,

    erstmal vielen Dank für Deinen tollen Blog. Auch wenn Du Dich manchmal wiederholst, mir macht das nichts. Schließlich bin ich mittlerweile auch Buy and Hold Anhänger. Und seine eigenen Strategien immer mal wieder bestätigt zu sehen, ist doch super :-).

    Eine Frage beschäftigt mich seit geraumer Zeit:

    Viele der Dividendenklassiker sind im laufe der letzten Jahrzehnte wirklich prima gelaufen und viele argumentieren, dass diese Aktien bewiesen haben, das Buy and Hold funktioniert und schreiben den Trend einfach fort.

    Also z.B. eine P&G. Die hat in den 90ern rund 10 USD gekostet. +/- ein paar USD ist jetzt egal :-).

    Derzeit kostet eine P&G rund 80 USD.

    Das bedeutet doch folgendes:

    – Kann eine P&G sich in den nächsten 20-25 Jahren nochmal verachtfachen? Man überlege sich die Marktkapitalisierung.

    – Und wenn, kann ich soviel mehr Konsumenten ansprechen um den Umsatz/Gewinn zu generieren? Klar, Übernahmen gibt`s auch..

    Es ist doch alles „einfacher“ von der Basis 1 auf 10 zu kommen, als von 10 auf 100.

    Naja, ich finde das trifft der viele der etablieren Klassiker.

    Mich würde Deine Meinung zu der Thematik sehr interessieren und würde mich freuen, wenn hierzu eine Diskussion in Gang kommt.

    Beste Grüße und weiter so!
    Ralf

  4. tim schaefertim schaefer

    Hallo Ralf,

    danke für das Lob.

    Keiner weiß, wo die P&G-Aktie exakt in 25 Jahren notieren wird. Ein Fehler des Managements kann eventuelle Hoffnungen zunichte machen. Wir wissen es nicht. Der Kurs kann genauso gut um 8% im Schnitt nach oben laufen.

    Was für die Aktie spricht: Die schöne Dividende. Die Gründung reicht ins Jahr 1837 zurück. Das grundsolide Basisgeschäft. Das Bevölkerungswachstum. Die bekannten Marken: Ariel, Gillette, Orabl-B, Mach3, Wella, Head & Shoulders, Braun, Duracell, Pampers…

    Weil wir es aber nicht mit Sicherheit sagen können, ist die Streuung des Depots verdammt wichtig.

    Beste Grüße an alle
    Tim

  5. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Ralf

    Bekanntlich ist Soros seit einiger Zeit stark bearish, bzw. hat eine wirklich beachtliche Shortposition auf den S&P500 aufgebaut.
    Wahrscheinlich kann es nicht schaden, wenn man sich einen kleinen Hedge auf seine Aktien anlegt, indem man z.B. ein paar Euros in sowas wie db x-trackers S&P 500 Short zulegt.
    Wenn es doch mal soweit ist, dann federt man die Buchverluste etwas ab, und kann nach der Korrektur den Short-ETF verkaufen um damit neue Aktien zu kaufen.

    MS

  6. Ralf

    @Matthias:

    Das Problem mit der Short-Absicherung ist einfach das Timing. Das muss schon echt gut passen.

    Ich habe mein Depot jetzt schon länger nicht mehr abgesichert…bisher war das richtig.

    Derzeit halte ich rund 25% Cash und warte auf einen günstigen Nachkauf.
    (General Mills, Stryker, IBM, Cisco(?))

    Sollten sich aber Signale zeigen, dass vorerst ein Top erreicht ist, würde ich mein Depot absichern, allerdings nicht zu 100%.

    @tim: Ich „brauche“ noch einen Technologiewert im Depot neben Intel, Microsoft und SAP.

    Cisco oder IBM? 🙂

  7. Markus

    @Ralf

    Die Frage ist gut.

    Auch schreibe ich schon länger, dass ich die amerikanischen Märkte für nicht mehr günstig halte.
    Allerdings würde ich keine short-Wetten machen!
    Den Zeitpunkt eines Absturzes, entgegen des sehr langfristigen Aufwärtstrendes (so die Börse / Unternehmenswelt weiterleben will;-))genau zu timen, halte ich für deutlich schwieriger als cash als call-option für Neukäufe bereit zu halten, welche z. B. Quartalsweise investiert werden.

    Angenommen P&G bricht 40 % ein,… dann ist eine Verachtfachung gar nicht mehr so gewaltig.
    Auch waren vor mehreren Dekaden 1k in DM, Dollar deutlich mehr Geld.
    Das ist der Inflationseffekt bzw. auch der Unterschied zwischen nominaler und realer Rendite.
    Eine Ver10fachung ist ein Ver10fachung. Ob diese von 1 oder von 10 aus leichter ist, fehlt mir für Deine Aussage aus, die Logik bzw. Sachlichkeit, sorry. 😉

    Kann P&G seine Preise stärker als die Inflation mit seinen Marken anheben? Ich denke ja! Finde ich die Marken toll? Also die Rasier-Hobler & Sparfüchse hier haben mich noch nicht von den teuren mach 3 wegbekommen? 😉
    Konsequentes Reinvestieren der Dividende (unter Berücksichtigung von Gebühren) schafft übrigens in Baissezeiten einen gewaltigen Turbo, da die Dividende oft weniger stark als der Kurs einbricht.
    Ob alle Dividenden- & Ausschüttungsjunkies dass machen… Ich denke eher nein, da viele emotional investieren und konsumieren und nicht mechanisch und sachlich.

    Trotz der Argumente für P & G bzw. starker Markenunternehmen können natürlich eine gewisse Portion small caps (europa, asien, amerika, emerging evtl. sogar nach Bewertungskriterien) eine Bereicherung sein.

  8. Ralf

    @markus:

    „Eine Ver10fachung ist ein Ver10fachung. Ob diese von 1 oder von 10 aus leichter ist, fehlt mir für Deine Aussage aus, die Logik bzw. Sachlichkeit, sorry. ;-)“

    Kein Problem, ich bin nicht empfindlich 🙂

    Vielleicht kam das auch nicht richtig rüber. Was ich sagen wollte ist:

    Deine Verkäufe von 1 Mrd. auf 10 Mrd. zu steigen, ist meines Erachtens leichter als von 10 Mrd. auf 100 Mrd.
    Alleine schon weil irgendwann die Konsumenten „fehlen“

    Dein Argument mit dem Inflationseffekt gefällt mir. Logisch! Das relativiert dann tatsächlich gewaltige Marketcaps. Und, als Konsumkonzern kann ich die Inflation recht gut an die Konsumenten weiterreichen.

  9. Markus

    @Ralf

    Das mit den ver…x…fachen ist auch zu stark emotional aufgeladen.

    Preis und Wert ist dass worauf ich hinauswollte. Ich kann im Depot 20, 100, 800 oder mehr Tausende von Euro stehen haben…
    Es sind und bleiben schlichtweg nur Zahlen, auch wenn Sie für uns einen starken emotionalen Wert haben.

    Die Frage ist, was steht als Sachwert als Gegenwert dahinter. Goodwill und Marke ist natürlich schwer zu beziffern.

    Ach, es gibt auch den Spruch mit die ersten Million ist die schwierigste… 😉 Es gibt wie überall Vor- und Nachteile. Mit ausreichender Liquidität, Burggraben kannst Du ganz andere Projekte wieder anschieben, als mit kleinen Beträgen.

    Meine persönliche Risikoeinstellung findet 20 – 30 % small caps vom Depot vertretbar. Aber das ist keine generelle Empfehlung für jeden und wiederum von vielen Faktoren abhängig.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Matthias
    Das mag ganz nett klingen mit der Absicherung gegen einen Crash bzw. Kursrücksetzer.

    Ich halte das aber als Langfristanleger für überflüssig. Das kostet, wie ich finde, unnötig Geld. Es ist wie eine Versicherung zu sehen.

    Weil ich viele Jahrzehnte Zeit habe, sind für mich die Kursschwankungen irrelevant. Ich sitze einen Crash aus und kaufe eher in solchen Phasen zu.

    Für kurzfristige Anleger/Spekulanten mag das ein sinnvolles Werkzeug sein. Für mich jedoch nicht.

  11. Couponschneider

    @Ralf

    Natürlich ist eine Umsatzsteigerung von 10 auf 100 Milliarden schwieriger als von 1 Milliarde auf 10 Milliarden. Manchmal hilft es doch, die Dinge absolut zu betrachten. Im ersten Falle ist es eine Steigerung um 90 Milliarden, im zweiten um 9 Milliarden.

  12. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim

    Das mag ja sein, mich wundert nur wo immer alle Buy-and-Holder plötzlich in Crashs ihr vieles Cash her holen? Ich denke man ist Investor? Investoren investieren, und zwar immer. Cash ist totes, nutzloses Geld, zumal in jetzigen Fast-Nullzins-Phasen. Tatsache ist, dass man dann eben kein Investor ist (denn es gibt immer Werte in die man investieren kann, da sie nicht auf dem ATH sind), und es nie einen Grund gibt, sich mit Investitionen zurück zu halten und auf Cash zu hocken. Mein Cash beläuft sich immer zwischen max 10-15K, und das nur, um immer schnell eine Autoreparatur, eine neue Glotze oder Waschmaschine kaufen zu können, oder sowas halt.
    Ich habe dauernd ca. 20-30 Tickersymbole vor mir liegen, und ich vor Verzweiflung auf den Nägeln kaue, weil mir die Kohle fehlt zum kaufen. 😉 Heute meldet z.B. SIR Royalty Income Fund Dividende, und ich bin nicht flüssig. Es ist zum Heulen, diesem notorischen Aktien-Kauftrieb nicht gebührend Rechnung tragen zu können.

    MS

  13. tim schaefertim schaefer

    @ Matthias
    Es gibt wohl keinen perfekten Weg.

    Klar, man kann zu 100% investiert sein. Und ein kleines Cashpolster haben (für die Autoreparatur, Urlaub etc.). Das würde Sinn machen, weil eben die Börse langfristig steigt.

    Hohe Cashbestände machen wenig Sinn, da gebe ich Dir Recht.

    Gleichwohl verstehe ich die „Versicherung“ nach unten nicht. Wozu brauchst Du das Short-Instrument? Das ist ein Element, das mir persönlich als Buy-and-Hold-Fan nicht zusagt. Ich hüpfe lieber mit meinem Depot rauf und runter – so wie die Börse.

    Wie gesagt, jeder hat eine andere Strategie. Die einen mögen direkt Aktien besitzen (so wie ich), andere haben Indexfonds und wieder andere aktive Fonds. Gold, Rohstoffe, Kunst, Immobilien, Schmuck, Inland, Ausland, long oder short, Anleihen… es gibt schier unendliche Varianten der Anlage.

    Meine Strategie: Ich kaufe großartige Unternehmen und halte sie für die Ewigkeit. In Crashzeiten versuche ich, aufzustocken (wenn ich überschüssiges Cash habe). Ich verzichte auf Derivate + Short-Produkte.

  14. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim
    Kein Problem, manch einer ist evtl froh, wenn er nach einem Kursrutsch im Depot zumindest ein kleines Schmerzensgeld mit dem Gewinn des Short-ETF einfahren kann, und eben kein Cash hat um nachzukaufen. Dann kann man zumindest aus dem Gewinn des inversen ETF etwas nachkaufen. Wenn die weiter stark steigt, dann ist es ja auch recht, und man verkraftet die relativ geringen Verluste des Short-ETF gern. Ist ja kein Hebel-Zert (Knockout), der dann verfallen würde, aber egal.

    MS

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