Jubel auf dem Parkett: Börse legt diese Woche zehn Prozent zu!


New York, 13. März 2009

bild

Um zehn Prozent kletterte der S&P 500 diese Woche. Eine prima Woche! Viele Shorties sind auf dem falschen Fuß erwischt worden, sie decken sich derzeit ein. Es kann eine Bullenfalle sein. Vielleicht befinden wir uns weiterhin in einem langfristigen Abwärtstrend? Wer weiss das schon. Auf Sicht der letzten sechs Monaten liegt der S&P-Index trotz der Minirallye noch 39 Prozent im Minus. Ich bin jedoch etwas optimistischer und hoffe, dass dies der Beginn einer Erholung sein kann. Vor allem der Finanzsektor legte zu. Wells Fargo explodierte beispielsweise um 61 Prozent. Für Trader ist die Volatilität ein Paradies.
Der Euro erholte sich ein wenig und kletterte auf 1,29 Dollar. Kohle und Kupfer marschieren nach oben. Der Dow Jones schloss am Freitag ebenfalls im Plus bei 7.223 Punkten.
In den vergangenen Tagen sah ich mir Vorstandspräsentationen der drei führenden US-Ölriesen in New York an: Exxon Mobil, Chevron, ConocoPhillips. Wenn Sie die drei vergleichen, so stellen Sie folgendes fest: Exxon Mobil hat die stärkste Bilanz. Exxon-Chef Rex Tillerson hortet ein Nettobarvermögen nach Abzug aller Schulden von 37 Milliarden Dollar. Tillerson ist mit seiner Kriegskasse wohl der der mächtigste Manager weltweit. Das Paradoxe daran ist, dass Tillerson bedeutende Wettbewerber nicht übernehmen kann. Grund: Die Kartellbehörden würden ihm einen Strich durch die Rechnung. So schüttet der Riese munter hohe Dividenden aus und kauft wie verrückt Aktien zurück.
Chevron hat auch eine solide Bilanz, wenngleich nicht so stark. Alles in allem übersteigen die Barreserven die Kredite. Damit ist der Riese praktisch schuldenfrei. Der dritte im Bunde ConocoPhillips ist hochgradig verschuldet. Warren Buffett kaufte ein großes Aktienpaket von ConocoPhillips, als der Ölpreis auf einem Rekordniveau lag. Buffett gestand in diesen Tagen den Fehler ein: „Ich habe ein großes Aktienpaket von ConocoPhillips gekauft, als sich der Öl- und Gaspreis nahe des Hochs befand. Den dramatischen Einbruch der Energiepreise in der zweiten Jahreshälfte habe ich dabei nicht vorausgesehen. Ich glaube zwar immer noch, dass künftig der Ölpreis über der gegenwärtigen Taxe von 40 beziehungsweise 50 Dollar notieren wird. Aber bis dato lag ich vollkommen daneben“, schrieb Buffett in einem Schreiben an seine Aktionäre. Noch immer sitzt Buffett auf dem Paket, wenngleich er einen kleinen Teil versilbert hat, als er für neue Deals mit den Banken dringend Geld brauchte.
Ich bevorzuge Exxon Mobil, die Bilanz ist wie Granit. Auch Chevron ziehe ich gegenüber Conoco wegen der stärkeren Bilanz vor. Gerade diese Zeiten sind ideal für Zuläufe. Derzeit sind die Bewertungen günstig. Auch wenn Exxon und Chevron keine Mega-Deals wegen ihrer eigenen Größe mehr machen dürfen, so sind sie doch sicherlich auf der Pirsch, um sich zumindest interessante Projekte und Länderein unter den Nagel zu reißen. ConocoPhillips muss dagegen zunächst einmal die Schulden tilgen, eventuell so gar Randaktivitäten abstoßen. Das ist aber keine Zeit für Verkäufe, das ist die Zeit für Zukäufe. Chevrons Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) beträgt nur 0,8, das Kur-Ggewinn-Verhältnis (KGV) nur elf auf Basis 2009. Kurzum: Die Ölwerte haben massiv verloren. Die Kurse sind im Keller. Keiner mag sie mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Ölpreis wieder anzieht. Dann werden die Kurse davon laufen.


tim schaefer (Author)

drucken


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *