JetBlue: Nach Sturzflug interessant


New York, 17. Juli 2008

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Der vor einer Woche im Alter von 95 Jahren verstorbene John Templeton verfolgte die Strategie, Aktien immer dann zu kaufen, wenn sie extrem tief gestürzt waren. Templeton war der Stammvater der Idee des Investmentfonds und Mitgründer der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. Er kaufte, wenn alle anderen die Papiere regelrecht aus dem Depot warfen. Templeton nannte seine Kaufstrategie den „extremen Pessimismus“, später sprach er von Value Investing. Im Grunde genommen müssten Sie nun Luftfahrtlinien, Banken und Hausbauer in den USA kaufen. Diese Sektoren sind brutal abgestürzt.
Nehmen Sie beispielsweise JetBlue. Der Kurs der amerikanischen Billigfluglinie ist von 30 Dollar Ende 2003 auf 3,86 Dollar abgestürzt. Die rekordhohen Kerosinpreise bedrohen die US-Airlines in ihrer Existenz. Im vierten als auch ersten Quartal flog JetBlue einen Verlust von vier beziehungsweise acht Millionen Dollar ein. Größter Anteilseigner ist die Deutsche Lufthansa mit 19 Prozent. Ebenfalls ist die Hedgefondslegende George Soros mit mehr als acht Prozent an Bord. JetBlue ist in dem Portfolio des berühmten Multimilliardärs Soros eine der größten Positionen.
Lufthansa zahlte bei ihrem Einstieg 7,27 Dollar je Aktie, also das Doppelte der gegenwärtigen Bewertung. Für mich ist das jetzige Kursniveau nach der Templeton-Strategie ein Kauf. Allerdings ist das Investment sehr spekulativ, da die Airline in der Verlustzone steckt. Der Börsenwert ist auf lausige 865 Millionen Dollar zusammengebrochen. Jedoch will ich Ihnen nicht verschweigen, dass die Flotte zum Großteil über Kredite finanziert ist. Mit gut 2,3 Milliarden Dollar steckt der blaue Konzern in der Kreide. Zugegeben, die Bilanz ist alles andere als solide. Im Jahr 2007 gingen 2,8 Milliarden Umsatz durch die Bücher. Unterm Strich flogen die New Yorker 18 Millionen Dollar Profit ein. JetBlue wirbt unter anderem mit weiträumigem Fußraum und Schnäppchenpreisen. Die Gesellschaft steuert zahlreiche Urlaubsziele wie das mexikanische Cancun an. Ich kann mir eine Pleite mit der Lufthansa und Soros als Großaktionäre kaum vorstellen. Lesen Sie hier nach, was ich bereits über JetBlue in den vergangenen Monaten schrieb. Fazit: Ein spekulativer Kauf.


tim schaefer (Author)

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