J.P. Morgan Chase


New York, 27. Februar 2008

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Heute war ich auf der Präsentation von J.P. Morgan Chase und traf den Vorstandschef Jamie Dimon und seinen Finanzvorstand Mike Cavanagh. Nun, vom Desaster um die Hypothekenkrise ist der New Yorker Bankenriese nicht so stark betroffen wie die anderen Häuser. J.P. Morgan Chase musste „nur“ ein paar Milliarden Dollar an faulen Krediten abschreiben. Die Abdeckung mit Eigenmitteln in der Bilanz sieht mit 8,4 Prozent recht solide aus und erscheint im Vergleich zu den Rivalen geradezu gesund. Mit erheblichem Abstand in Sachen Bilanzstärke folgen Wells Fargo, Wachovia und Citigroup. Sie weisen Eigenmittelabdeckungen, in der Fachsprache Tier 1 genannt, zwischen 7,6 und sieben Prozent aus. Am schwächsten unter den Giganten steht Bank of America da, die gerade den größten Hypotheken-Anbieter in den USA, Countrywide Financial, übernimmt.
An den schwachen Bilanzen zeigt sich die ganze Miesere der Finanzindustrie. Durch die angeschlagenen Bilanzen sind den Geldhäusern die Hände gebunden, sie können und wollen aufgrund der Risiken keine neuen Kredite mehr in großem Umfang vergeben. „Credit Crunch“ (Kredit-Krise) ist das Mega-Wort, das tagtäglich durch die Medien geistert.
Wie auch immer, einen uneingeschränkt guten Eindruck hinterließ das Top-Management von J.P. Morgan bei mir nicht. So betonte der Vorstand mehrmals, dass die Immobilienkrise und deren Folgen sich derzeit nicht abschätzen lassen. Die Führungsspitze geht von weiteren Abschreibungen im laufenden Jahr aus und rechnet in ihrem Szenario mit einem Einbruch bei den Immobilienpreisen in den USA von zehn Prozent. Also stellen Sie sich abermals auf ca. zwei bis drei Milliarden Dollar ein, die die Bank abschreiben muss. Dieses Szenario ist aber längst in dem schwachen Aktienkurs eingepreist.
Hintergrund der ganzen Krise ist, dass Amerikaner im Zuge des Booms um Betongold ihre eigenen vier Wände bis zu 100 Prozent finanziert hatten. Leichtfertig hatten die Banken ohne intensive Prüfungen die Kredite vergeben. Seitdem der Immobilienmarkt korrigiert und die Konjunktur an Schwung verliert, häufen sich die Zwangsversteigerungen. Selbst Villen im Wert von mehrerer Millionen Dollar kommen reihenweise unter den Hammer. Zudem stieg die Arbeitslosenrate zuletzt stark an.
Wer sich den langfristigen J.P.Morgan-Kurschart vor Augen führt, sieht einen schönen Anstieg seit den 70er Jahren. Mit einer Ausnahme: Der Einbruch in den Jahren 2000 bis 2003 fiel brutal aus: Der Kurs brach von ca. 60 auf 20 Dollar ein. Seit dem Tief im Jahr 2003 verdoppelte sich der Kurs wieder. Aktuell 44,41 Dollar. Wer einen langen Atem hat, nutzt besonders schwache Tage zum Einstieg. Der Titel sollte aber meiner Meinung nach noch mal unter die 40-Dollar-Marke fallen.
Trotz der Krise hat J.P.Morgan beachtliche Zahlen für 2007 vorgelegt: Der Umsatz legte auf 74,8 Milliarden Dollar zu nach 65,1 Milliarden im Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte auf 15,3 nach 13,6 Milliarden in 2006. Rekord! Auch wenn im laufenden Jahr keine neuen Höchstwerte zu erwarten sind, könnte sich auf lange Sicht ein Einstieg auszahlen. Buy low, sell high!


tim schaefer (Author)

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