IT-Ikone Apple gehen die Ideen aus


New York, 29. Mai 2014

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Apple kauft für drei Milliarden Dollar den Kopfhörer-Hersteller Beats. Das ist kein Deal, den Steve Jobs eingefädelt hätte. Er hätte dem nie zugestimmt. Jobs wollte der Konkurrenz einen Schritt voraus sein, indem er intern eine bessere Technik, ein besseres Design entwickelte.
Der Deal zeigt, wie sehr Apple unter dem Tod seines Gründers leidet. Es fehlen die frischen Ideen, es fehlt sein Genie. Es fehlen Dinge wie iPad, iPhone, iPod. Es fehlt bahnbrechende Technik.
Hier hat Jobs in einem Werbespot für Apple einmal beschrieben, was „Verrückte“ wie Albert Einstein anders machen als der Rest der Welt:

Der Werbespot wurde nie ausgestrahlt. Unternehmensintern gab es Widerstand, den Spot zu zeigen.
Obwohl Apple gute Produkte herstellt, bin ich nicht scharf darauf, jede Neuheit zu kaufen. Mein Blackberry-Handy ist vermutlich vier Jahre alt (Foto). Mein uralter Bildröhren-TV geht noch immer. Und der Holzschreibtisch von Ikea für 19 Dollar funktioniert noch.
Irgendwie ist es idiotisch in unserer Konsumgesellschaft, andere danach zu beurteilen, wie toll deren Auto, Handy oder Kleidung ist. Das ist völliger Unsinn. Ist jemand, weil er/sie ein Klapphandy benutzt, eine schlechte Person?
Jeder hat andere Bedürfnisse und Wünsche. Jeder soll kaufen, was ihm Freude bereitet.
Ich für meinen Teil kann Ihnen raten, zu versuchen, unterhalb der eigenen finanziellen Verhältnisse zu leben. Legen Sie wenigstens etwas Geld zur Seite für den Ruhestand und für den Notfall. Wir werden älter, wir werden weniger von der Gesetzlichen Rente erwarten können, wir sollten langfristig planen. Millionen von Bürgern werden ihre Ersparnisse im Alter frühzeitig aufbrauchen, weil sie nicht ausreichend vorgesorgt haben. Altersarmut wird eines der größten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit werden.
Kurzum: Ich werde mir die Beats-Kopfhörer nicht zulegen. Ich nutze weiterhin mein prähistorisches Blackberry, solange es funktioniert.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „IT-Ikone Apple gehen die Ideen aus

  1. Musti

    Hallo Tim,

    Eventuell konntest Du Dein Urteil zu früh gebildet haben.
    Schau dir mal im annual Report von Apple die Position R&D von 2013 an und vergleich mal mit 2012 .
    Du wirst sehr schnell erkennen, dass es sich um das Vielfache gesteigert hat. Dies könnte darauf hindeuten, dass Apple mit neuen Innovationen noch wartet!!
    Ich denke es ist zu früh Apple abzuschreiben.

    Gruss

  2. Frank

    @ Tim,
    ich glaube hier geht es nicht um die Kopfhörer sondern um den Zukunftsmarkt „Streaming“.
    Wie du glaube ich aber auch, daß so etwas früher von Jobs erfunden wurde und nicht gekauft .

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Musti
    Ja, einen Bill Gates, Steve Jobs, Mark Zuckerberg, Richard Branson, Elon Musk, Jeff Bezos, Larry Page, Sergey Brin, Warren Buffett… kann eine Firma nicht so einfach ersetzen. Da hilft kein extrem hohes Forschungsbudget.

    Das gilt im Prinzip für alle Genies. Ein Einstein, Beethoven, Goethe, van Gogh, da Vinci sind einmalig.

    @ Frank
    Da hast Du sicher Recht. Danke für den Hinweis. Die Frage stellt sich dann, wie Du schon andeutest, ob Apple nicht selbst den Zukunftsmarkt „Streaming“ hätte aufrollen können, anstatt die 3 Milliarden Dollar für den Zukauf auszugeben.

    Grüße an alle

  4. Backslash

    Mit Steve Jobs ist ein echter Visionär gegangen. Visionen haben Apple groß gemacht.

    Ich will mich nicht mit Jobs gleichsetzen, aber ich entdecke aber Ähnlichkeiten zwischen ihm und mir. Ich bin Informatiker und entwickle Software. Wenn ich mich mit meinen Kollege so vergleiche (ehemalige wie aktuelle), merke ich, dass ich großen Wert auf Ästhetik lege, Ästhetik in dem Sinne, dass am Ende eine Lösung herauskommt, die ästhetisch überzeugt. Mit Ästhetik meine ich guten Programmcode, gute Architektur, gute Erweiterbarkeit, konsequentes Design. So habe ich kürzlich was gescheites entwickelt, von dem ich vollends überzeugt bin, die anderen aber immer noch skeptisch sind, weil sie nicht den Mut aufbringen, etwas neues zu lernen und nicht vermögen, welche Kraft in dieser ästhetischen Lösung steckt. Denen geht es einfach nur darum, dass sie was haben, was sie bestenfalls kurzfristig und punktuell weiterbringt und aber hinterher viel zusätzliche Arbeit beschert.

    Ästhetisch an den Mac fand ich immer die konsequente Umsetzung dessen, was möglich ist. Ich nutze heute nach wie vor einen normalen PC, aber wenn ich an die Rückseite schaue, ärgere ich mich, was ich da sehe: Einen VGA-Anschluss und zwei PS/2-Buchen. Viele Rechner kommen heute immer noch mit paralleler und serieller Schnittstelle daher. Ich erinnere mich, dass Apple die ersten waren, die mit dem iMac den ganzen unnötigen Mist entfernten und konsequent auf USB setzten.

    Die NeXTcube-Kisten wurden auch von Steve Jobs verbrochen. Auch die überzeugten durch Ästhetik. Apples schlechteste Phase war dann während Jobs Abwesenheit und das war die Phase, als man nicht mehr ästhetisch sein wollte, sondern durch inkonsequentes System-Design für Schlagzeilen sorgte und Apple zum Gemischtwarenladen wurde.

    Mir wurde sogar mal der Vorwurf gemacht, ich setze zu viel Wert auf Ästhetik. Ich habe es eher als Kompliment aufgefasst.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Backslash
    Steve Jobs sagt ja, man muss anders sein als die Masse, um sich von ihr abzuheben. Er nennt es „verrückt sein“.

    Man kann aber auch daneben liegen, wenn man anders ist. Es ist wohl riskant sich abzukoppeln. Deshalb schwimmen die meisten eben mit der Strömung.

    Die Amis haben einen tollen Spruch für das Anderssein. Sie nennen es: „To think out of the box“.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Thinking_outside_the_box

  6. Tom

    Hallo,

    Tim da probierst Du Deine Wahrsagerkünste aus. Jobs hat apple so hinterlassen dass es kaum das geld ausgeben kann welches es verdient. Ob das management nun wieder ein gemischtwarenhandel daraus macht? Wahrscheinlich ja. Die Marke apple hat fast den burggraben wie ne cocacola. Sie verdienen genug um auch mal bei anderen innovativen abzukupfern. Aber eben, wer weiss…

  7. GertGert

    Jobs war ein Genie, einer der ganz Großen, vielen Dank für das Video.

    Aber als ich von dem Beats-Zukauf hörte, habe ich auch gedacht, dass Apple zwar nicht das Geld, aber die Ideen ausgehen. Es ist ja nicht falsch daran, die viele Kohle, die man auf der Bank hat, in ein tolles Produkt zu investieren. Aber „früher“ hätten sie es wahrscheinlich selbst gemacht.

    Und so wird auch Apple langsam zu einem Old-School-Unternehmen, denn der Visionär ging vor drei Jahren von Bord.

  8. Günter

    @Musti
    Du könntest die starke Steigerung der Forschungs- und Entwicklungskosten auch als Beweis betrachten, dass Genialität auch nicht mir sehr, sehr viel Geld ersetzt werden kann. Denn sonst hätte Apple die Firma Beats nicht kaufen müssen, obwohl viel mehr Geld für die F&E ausgegeben wird(!)

    Wahrscheinlicher wäre, dass sie sich gesagt hätten: „Das können wir besser!“ Das ist doch ein gewaltiger Unterschied, denn die Übernahme von Beats ist in gewisser Weise auch ein Eingeständnis: „Trotz horrender finanzieller Möglichkeiten waren wir nicht in der Lage, besser zu sein.“

    Just my 2 cents

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