Ist das der Anfang vom Ende? Beginnt ein Run auf die Banken?


New York, 17. Mai 2012

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Europa taumelt. Die Schuldenmacher kippen um. Griechenland steht vor dem Chaos. Wir haben längst einen „Run auf die Banken“. Die Griechen zogen am Montag 900 Millionen Dollar von ihren Konten ab. 600 Millionen Dollar holten sie am Dienstag. Wenn Sie einen heftigen Bargeldabfluss haben, ist das die Urform der Panik. Das bekommt man ab einem bestimmten Punkt einfach nicht mehr in den Griff. Die Banken und Wirtschaft trocknen so aus. Krisen-Experten warnen genau vor dieser Situation, nichts ist gefährlicher.
Ich glaube, dass Regierungschefs wie Angela Merkel, Barack Obama oder François Hollande über diese Brisanz nicht informiert sind, sonst würden sie anders agieren. Die Menschen sind tief besorgt, sie haben Angst um ihre Ersparnisse, Angst um die Zukunft.
In Spanien ist ebenfalls ein dramatischer Geldabfluss zu beobachten. Mehr als eine Milliarde Euro zogen die Spanier in wenigen Tagen von ihren Konten ab. Das Geld wandert im wahrsten Sinn des Wortes unter die Matratze.
Wären die mächtigen Politiker in Europa vernünftig, würden sie mit allen Mitteln versuchen, einen solch unkontrollierbaren Geld-Abfluss zu verhindern. Kern der Lösung wäre: Alle wichtigen Institutionen in der EU und weltweit ziehen an einem Strang, sie müssen sich zusammen setzen, gemeinsam das System stützen, reformieren, informieren und vor allem: DIE MENSCHEN BERUHIGEN! Kernaufgabe ist es jetzt, den Bürgern den Weg aus dem Chaos aufzuzeigen, die Probleme zu erklären.
Die Rettung Europas ist möglich, doch leider sitzen die falschen Menschen an den Schalthebeln. Es geht den Herrschenden um Macht, es geht ihnen um das Image, es geht um parteipolitischen Einfluss. Politiker denken immer an die nächsten Wahlen, auf nichts richten sie mehr ihre Aufmerksamkeit. Kompromisse, gemeinsame Kraftanstrengungen – Fehlanzeige. Politiker sind einfach keine Krisenmanager, im Gegenteil: Sie machen Krisen schlimmer, als sie sind. Sie streiten, sie diskutieren, schimpfen, nörgeln, bekämpfen die anderen Parteien. Wenn es sein muss, lügen sie – all das ist extrem gefährlich momentan.
In Europa befinden sich nun die Linken und Kommunisten im Aufwind. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, der Kürzungsprogramme und wachsenden Sorgen laufen die Wähler den Protestparteien die Türe ein. Ob in Frankreich, Spanien, Italien oder Griechenland, überall kriegen die Kommunisten Oberwasser.
Dabei ist der Kommunismus nicht das richtige Rezept. Im Gegenteil: Die Sowjetunion und DDR gingen daran zugrunde. Der Kapitalismus ist das beste System. Das zeigt der wirtschaftliche Erfolg der USA eindrucksvoll. Nur der Kapitalismus sorgt für die nötige Motivation bei den Menschen. Wenn man durch das falsche politische System daran gehindert wird, Eigentum aufzubauen, dann schadet es der gesamten Gesellschaft. Die Machthaber in China und Brasilien haben beispielsweise die Vorzüge des Kapitalismus erkannt und führen deren Volkswirtschaften in diese Richtung. Das machen die Chinesen aus ureigenem Interesse. Europa marschiert nun in die andere Richtung. Das ist haarsträubend. Dieser sozialistische Trend dürfte in Europa etliche Jahre anhalten.
Bleibt zu hoffen, dass Europa nicht tiefer im Chaos versinkt. Börsianer rund um den Globus sind jedenfalls besorgt. Alle wichtigen Indizes befinden sich im Sinkflug. Mal sehen, was uns noch erwartet…
PS: Das Foto oben machte ich vor drei Wochen auf einer Stippvisite in Frankfurt. Ich wusste seinerzeit gar nicht, dass sich der Anti-Wall-Street-Protest auch in Deutschland formiert.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Ist das der Anfang vom Ende? Beginnt ein Run auf die Banken?

  1. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    wenn es den Deutschen wirtschaftlich gesehen genauso schlecht gehen würde wie den Griechen, dann wäre die LINKE bestimmt in die Landtage eingezogen. Und zwar mit Pauken und Trompeten.

    VG
    Tim

  2. Matthäus Piksa

    Hallo Tim.

    Wir haben ja mit Ost-Deutschland ein Quasi-Griechenland im eigenen Land. Kein einziger DAX-Konzern kommt aus dem Osten. Die Linken holen dort regelmäßig zweistellige Wahlergebnisse, was darauf hindeutet, dass die Leute sich nach den guten alten Zeiten sehnen. Trotz Soli I+II (letzterer läuft noch bis 2019) wurde nie eine Wirtschaftsrakete gezündet, die den Osten nachhaltig nach vorne katapultiert hätte.

    Ostdeutschland kann man doch exemplarisch dafür nehmen, wie man es nicht macht.
    Die Tiger-Staaten, die Schwellenländer, Osteuropa haben es alle ohne großen Bruder schaffen müssen und durchliefen einfach eine gesündere Entwicklung, als der Osten.

    Übrigens: Ich habe nichts gegen Ostdeutschland oder die „Ossis“. Ich habe selbst fünf Semester lang an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder studiert.

    Der Vergleich Ostdeutschland und Griechenland sollte jedoch dazu dienen, aufzuzeigen, dass es nicht alleine darauf ankommt, ein Rettungspaket nach dem anderen zu schnüren. Das hemmt nämlich die Kreativität der Leute, es aus eigener Kraft zu schaffen.

  3. Matthäus Piksa

    Tim, mit dem Verweis auf die Bank Runs in Spanien und Griechenland hast du ein gutes Stichwort geliefert. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es Bank Runs in den letzten Jahren auch in Irland und UK (Northern Rock).
    In Deutschland stellten sich Peer Steinbrück und Angela Merkel 2008 vor die Kameras und garantierten den Deutschen, dass deren Spareinlagen sicher seien.
    Heute müsste es dieses Garantieversprechen wieder geben, nun eben in Spanien und Griechenland. Wir haben in der EU zwar die Kapitalverkehrsfreiheit derzufolge Geld jederzeit problemlos von einem Mitgliedsstaat in ein anderes transferiert werden darf, allerdings sollte es zur Beruhigung der Menschen trotzdem ein Garantieversprechen für die Griechen und Spanier geben. Und überhaupt sollte so ein Garantieversprechen grundsätzlich allen europäischen Sparern glaubhaft vermittelt werden.

    Das könnte zur Beruhigung der Gemüter führen… – Was sagst du dazu?

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    ja genau. Die EU und die Regierungen müssten die Menschen beruhigen. Ihnen den Euro garantieren.

    Wenn wir stattdessen einen Run auf die Banken haben, ist diese Krise nicht mehr in den Griff zu kriegen. Das kann nach einem solchen Chaos Jahrzehnte dauern, bis man dann wieder Licht am Ende des Tunnels sieht. Die Große Depression zeigt das ganz klar. Und wenn sich dies wiederholt, können Griechenland und Spanien einpacken. Es wäre eine Katastrophe für diese Länder. Jammerschade.

    Ich denke, dass die Mächtigen manchmal die Konsequenzen ihres Handels nicht einschätzen können, sonst würden sie dies kaum zulassen…
    VG
    Tim

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Matthew,

    meine Aktien verkaufe ich nicht. Ich verfolge eine Buy and Hold Strategie. Solch kritische Phasen nutze ich eher für Zukäufe.

  6. Anna

    Tim,
    genau, aussitzen ist angesagt. Bei März 2009 sind wir noch lange nicht.
    Es wird auch wieder besser.
    Schönes Wochenende

    Anna

  7. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke dafür. Ich habe mir das angehört, was Comedian Serdar Somuncu so sagt. Etwas komisch ist der Typ schon.

    VG
    Tim

  8. Matthäus Piksa

    Er ist als Diplom-Musiker leider wirtschaftlich nicht versiert, daher erwarte ich von ihm keine Stellungnahme zu Sarrazins neuestem Buch „Europa braucht den € nicht“. Ob sich das Buch genauso gut verkaufen wird, wie der Bestseller „Deutschland schafft sich ab“, in dem es noch um Genetik und Integration ging, werden wir sehen.

    Ich denke jedoch, dass Europa im Chaos enden könnte, wenn der € aufgegeben wird, mit beispiellosen Folgen für die Weltkonjunktur. Wie gesagt könnte.

    Gruß Matthäus

  9. tim schaefertim schaefer

    Ganz richtig. Wenn das erste Euro-Land die Gemeinschaftswährung verlässt, dann rennt die Horde umher und fragt sich: Wer ist der nächste, der den EURO verlassen wird? Das wird dann ein gefährliches Spießrutenlaufen.

    Politiker sind eben leider keine guten Strategen für Krisen. Sie können die Gefahren nicht wirklich einschätzen. Sie wissen nicht, wie man in Krisen mit den nervösen Menschen umgehen muss. Es ist traurig zu sehen, wie unsere Machthaber Europa in das Chaos führen.

  10. Roman

    Darf ich mal Fragen was der Autor als Lösung der Euro Krise vorschlägt? Eurobonds oder ähnliches zur Beruhigung? Geldrucken auf Kosten der deutschen Steuerzahler? Ganz richtig, der Kapitalismus ist das beste System, aber nur ein Kapitalismus der Rendite und Risiko wieder in Einklang bringt. Meinr Meinung sind Bankinsolvenzen und Staatsbankrotte im Kapitalismus logische Konsequenz!

  11. tim schaefertim schaefer

    Hallo Roman,

    Dein Einwand ist gerechtfertigt. Aber wenn man das zu Ende denkt, muss ich sagen: Logische Konsequenz hin oder her.

    Die Politiker müssen aufpassen, dass es zu keinem Klassenkampf kommt. Ein „Run auf die Banken“ ist unbedingt zu vermeiden. Das kann nämlich zu einem gefährlichen Flächenbrand in Europa werden. Zumindest könnten die anderen Krisen-Staaten von einem ähnlichen Chaos erfasst werden.

    Es warnen ja auch andere erfahrene Politiker vor dem Chaos. http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/wenn-griechenland-zusammenbricht-geht-alles-zugrunde-518915/index.do?_vl_pos=r.3.MOST

  12. Sams

    Also zuerst einmal ein danke für diesen Bloq, ich lese immer wieder gerne mit.
    Danke für den Link zu dem Komiker.
    Ist der lustig? Ja ich kann lachen, aber ich lach ja auch über Polt oder Schramm.
    So ich gebe jetzt meine naive Sicht der Dinge zum besten.
    Ich verstehe die ganze Diskussion über Kapitalismus, Kommunismus, Globalisierung,Demokratie etc gar nicht.
    Die Marktwirtschaft ist doch nur dazu da vorhandenes bestmöglich zu organisieren bzw das vorhande so zu organisieren das es sich an dem Bedarf der Mehrheit orientiert.
    Geld, Märkte sind doch nur von Menschen gemacht!
    Es liegt doch an uns Menschen um was es auf diesen Märkten geht!
    Also mein lösungsansatz ist recht einfach „Ironie“ der Mensch muß die Grundbedürfnisse aus dem Verteilungswettkampf so gut es geht rausnehmen. Nahrung, medizinische Grundversorgung und evtl ein dach über den Kopf.
    Das damit wohl die hälfte der Güter aus der Wertschöpfung rausfällt und wohl die altbekannte ineffizienz der sehr großen Systeme und Einheiten wiederkommt sehe ich. Irgendwann sind wir dann wieder soweit das Brot an die Schweine verfüttert wird. Kommunsismus in reinkultur.
    Man muß ehrlich zu sich sein, weniger PC. So nicht Gutmenschentum sondern einfach mal ehrlich sein.
    Mir ist es Scheißegal ob in Bangladesh die übelste Chemie ungeschützt von den Arbeitern in der Textilbranche ertragen werden muß. Mir ist es Scheißegal ob im Golf von Mexico alles schwarz wird. Mir ist es Scheißegal ob BMW, GM oder sonstwer dicke SUV´s baut.
    Wer A sagt muß auch B sagen.
    Wer auf dem Märkten sämtliche „Menschenrechte“ organisieren will muß zwangsläufig Abhängigkeiten und halt Sklaventum aktzeptieren.
    Das ist kein Problem eines Systems. Sondern ein Problem des Menschen.
    Jetzt geht es etwas zu sehr in die Philosphie. Das „Linke“ ist die letzte Religion des Atheisten.
    Die letzte Hoffnung auf ein Heilsversprechen für menschen die nicht Glauben können sondern sehen müssen. Das letzte Feigenblatt vor der tiefen Erkenntnis das der Mensch nicht gut ist sondern eben nur ein Tier. Amen^^.
    Was Thilo angeht, brrr sein erstes Buch liegt zu 2/3 gelesen bei mir im Schrank, ich ziehe da doch noch den Geschäftsbericht der Deutschen Post vor. Seine Zahlen wirken sehr „zusammengeklaupt“ vor.
    In diesem Sinne gute Entscheidungen beim Investieren.
    MFG

  13. Matthäus Piksa

    @sams

    Finde ich gut, dass ihnen der Komiker gefällt. (Ich lese und schreibe hier in diesem Blog auch gerne mit.) Das ist im Übrigen nur die Diskussion zu seinem Schaffen. Das eigentliche Programm ist ziemlich harte Comedy.

    Seine gewöhnungsbedürftige Art erklärt sich dadurch, dass er diejenigen Menschen entlarvt, die sich echauffieren, wenn sie sich persönlich angegriffen fühlen, jedoch nicht einschreiten, wenn sie Zivilcourage zeigen sollten, wenn nämlich andere angegriffen werden.

    Da es kein belangloser Humor im Stile eines Mario Barth ist, muss man sich schon Zeit nehmen, um sich damit auseinanderzusetzen, jemand der beruflich oder privat stark eingebunden ist, wird das nicht können.

    Übrigens: Am Wochenende gehe ich zusammen mit meinem Bruder auf einen Auftritt des Comedian Oliver Polak. Ich bin schon gespannt, denn Oliver Polak ist deutscher Jude und hat den jüdischen Humor in Deutschland wieder salonfähig gemacht.

    Gruß Matthäus

    P.S.:

    Serdar Somuncu: http://www.youtube.com/watch?v=m5TupkYQnek

    Oliver Polak: http://www.youtube.com/watch?v=IXhHowcoyOE

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