Investment-Banker sind wie Teppichverkäufer …


New York, 19. Januar 2012

Kürzlich traf ich einen bekannten Konzernchef. Hier in New York in einem Hotel in Midtown auf einer Konferenz. Ich nenne jetzt den Namen nicht. Jedenfalls regte sich der Vorstand über Investmentbanker ziemlich auf. Er meinte, dass er häufig schöne Einladungen von den Banken erhält. Zum Golfspielen, zum Lunch, zum Dinner etc. Sie schlagen ihm bei solchen Gelegenheiten gerne Deals vor. Die Banken wollen, dass er Zukäufe tätigt. Er lehnt das strikt ab.
Seine Begründung:
„Sehr viele Aktivitäten an der Wall Street werden von den Investmentbanken bestimmt. Sie sagen Dir: Kauf dies, kauf das. Aber: Was passiert mit meinem Aktienkurs, wenn ich den Deal bekannt gebe? Der Kurs fällt. Ich gebe dem Banker diesen Ratschlag: Komme bitte wieder bei mir vorbei, wenn du einen Kaufkandidaten hast, bei dem mein Aktienkurs steigt oder wenigstens stabil bleibt am Tag der Bekanntgabe. Mit all dem anderen Kram brauchst du dich gar nicht mehr bei mir zu melden.“ Punkt. Schluss. Das saß.
Das war etwas krass ausgedrückt. Aber an dem Zitat ist etwas dran. Die Geldhäuser werden nach der Zahl und Größe der Deals bezahlt. Im Grunde müssen Sie sich das wie bei einem Teppichverkäufer vorstellen. Ob eine Übernahme langfristig wirklich Sinn macht, ist zunächst mal dem Banker egal, vermute ich mal. Denn die Gebühren und Boni fließen, wenn ein Deal in trockene Tücher kommt.
Sechs von zehn Transaktionen rechnen sich nicht, zeigen Statistiken. Denken Sie nur daran, als im Jahr 1998 Daimler den US-Konkurrenten Chrysler übernahm und daran fast zugrunde ging. Oder als die Sportwagenschmiede Porsche versuchte, den zig Mal größeren Massenhersteller VW zu übernehmen.
Familienunternehmen landen in der Regel selten Übernahmen. Sie sind extrem vorsichtig und wachsen am liebsten aus eigener Kraft. Unternehmen mit einem hohen Streubesitzanteil schließen dagegen häufiger Akquisitionen ab. Warum? Ich vermute mal, dass die Manager gerne Schlagzeilen machen. Auch nimmt mit der wachsenden Unternehmensgröße die Macht und das Gehalt in der Regel zu.
Grundsätzlich bin ich vorsichtig, wenn Firmen reihenweise Konkurrenten schlucken. Geht das gut? Passen die Firmen zusammen? Ist der Preis nicht zu teuer? Wie wird der Deal finanziert? Was soll es unter dem Strich bringen?
Meistens bringt es eben nichts. Außer Spesen und einen hohen Abschreibungsbedarf auf den Goodwill. Daher geht die Börse am Tag der Bekanntgabe in der Regel auf Distanz. Natürlich gibt es auch Fusionen beziehungsweise Übernahmen, die sich lohnen. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu anzustellen, ist schwierig. Wie soll der Erfolg objektiv gemessen werden? Kurzum: Nicht alles ist schlecht, was die Banker den Vorständen anbieten. Aber Vorsicht ist grundsätzlich angebracht.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Investment-Banker sind wie Teppichverkäufer …

  1. Stefan

    Ich bin bei Aquisitionen ebenfalls sehr kritisch. Manchmal kann das Sinn machen, aber in der Regel profitieren die Aktionäre des Übernahmekandidaten mehr, als die des übernehmenden Unternehmens.

    „Synergieeffekte“ sind dann meist das Totschlagargument für die Übernahme. Nur leider werden diese oft sehr optimistisch eingeschätzt.

  2. willihope

    also zu schrempp kann man da nur beipflichten, einer der grössten wertevernichter in deutschland! ermöglicht durch die deutschland ag, alle jungs kennen einander und die kleianleger sind zu wenige um die sauerei zu stoppen.
    alle dax vorstände verdienen gut während die eigentümer dumm aus der wäsche schauen:

    Selbstbedienungsladen

    man muss auf mehr dividende pochen, dann haben die manager nicht soviel geld dass sie verpulvern können! auch leiden die firmen dann nicht unter bulimie und verschleudern das geld nicht so wie daimler mit chrysler, focker, mitsubishi usw.!

    schrempp bekam einen golden abgang und seine frau war als persöhnliche sekräterin weiterhin bei daimler!? wozu wenn die person schon lange nicht mehr im betrieb ist?

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Stefan
    @ willihope

    Bei manchen Übernahmen kann man in der Tat den Eindruck erhalten, dass ein wenig Geltungssucht schon eine Rolle gespielt hat, vielleicht ging es zudem auch um mehr Gehalt.

    Namen wie Jürgen Schrempp oder Wendelin Wiedeking fallen mir da ein, weil die Deals einfach so groß waren. Je größer eine Transaktion, desto mehr Risiken birgt sie….

    Stimmt vollkommen, der Aufsichtsrat muss den Vorständen viel besser auf die Finger schauen. Warum macht so ein Deal überhaupt Sinn? Wie hoch sind die Risiken? etc. Solche Fragen sollte sich der Aufsichtsrat stellen und nicht einfach alles abnicken. Auch sollten die Aktionäre gefragt werden, bevor solche gigantischen Deals abgewickelt werden. Denn ihnen gehört das Unternehmen und nicht den Vorständen.

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