Intelligent Investieren wie Graham: So finden Sie Value-Aktien


New York, 13. Februar 2014

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Manchmal spielen die Börsen verrückt. Es gibt immer wieder diese Lieblinge. Zur Zeit sind es die 3D-Drucker-Buden. Es scheint sich hier eine Blase gebildet zu haben. Jedenfalls machen die Bewertungen rational betrachtet keinen Sinn.
Mit dem 28-fachen Umsatz wird Voxeljet AG aus Deutschland an der Wall Street taxiert. Ich finde, das ist viel. Hinzu kommt: Die Börsenbewertung entspricht dem 255-fachen Buchwert.
Kann eine Firma jemals in eine solche Bewertung hineinwachsen? Ich meine: Möglich ist alles, aber es ist unwahrscheinlich. Jedenfalls macht es aus Value-Gesichtspunkten wenig Sinn, für ein verlustreiches Unternehmen so viel hinzublättern. Das ist jedenfalls meine Meinung.
Der smarte Anleger sucht nach logischen Bewertungen. Es muss günstig sein. Das KGV wäre bei 10 oder 12 sicher spannend. Wir wollen als Value-Fans eine Dividendenrendite von 2 bis 3 Prozent kassieren. Wir wünschen uns ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von vielleicht allenfalls 1,2. Das sieht eher nach einer guten Chance aus. Das waren jetzt nur beispielhaft gewählte Kennziffern.
Es gibt Branchen, die in Ungnade gefallen sind. So kriegen Sie jede Menge Banken und Versicherungen nach obigem Value-Muster nachgeworfen. Sie können massenweise Banken unter Buchwert einsammeln. Sie können auf steigende Dividenden hoffen. Und die KGVs sind nicht teuer. Im Gegenteil.
Ein vernünftiger Anleger (jemand wie Warren Buffett) kauft lieber eine Bank für eine moderate Bewertung – anstatt eine luftig gepreiste 3D-Drucker-Firma.
Der Spekulant wird gerne von Modethemen angezogen. Er lässt sich von Trends, von hohen Kursen anlocken. Der Value-Anleger meidet solche heißen Themen. Er sucht nach tiefen Kursen, nach Schnäppchen.
Wie können Sie am besten so denken, wie hier beschrieben? Wie können Sie vermeiden, zu teuer Aktien zu kaufen? Die neu in Deutsch erhältliche Value-Bibel von Benjamin Graham lege ich Ihnen ans Herz. Hier beschreibt der Lehrmeister von Warren Buffett, Professor Graham, wie Sie nach einfachen Prinzipien gute Aktien finden: Intelligent Investieren: Der Bestseller über die richtige Anlagstrategie.
Das Buch ist super, leider etwas teuer. Dafür ist es dick, leicht verständlich, vollgepackt mit Wissen. Ich lese es gerade voller Freude.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Intelligent Investieren wie Graham: So finden Sie Value-Aktien

  1. Tino

    ja, sehr gut Tim. Bei mir war es so, dass Graham viele Bauchgefühle auch noch mal bestätigt hat bzw. gefährliches Halbwissen durch Fakten ersetzt hat, d. h. Dinge wo man vielleicht auch mal kritisch drüber nachgedacht hat, aber es irgendwie nicht richtig fassen oder an Fakten binden konnte und es dann wieder verworfen hat. Es klingt einfach logisch, was Graham da schreibt. Die gedankliche Referenz zu diesem und anderen Werken hilft mir immer wieder dabei auch keine überstürzten Entscheidungen zu fällen, „calm down“, eine Nacht oder mehrere drüber schlafen, fundamental das Unternehmen noch mal betrachten, nicht den Werbespot oder nur das Produkt ansehen, weitere Informationen einholen.

    Das hat für mich „Intelligent Investieren“ getan, ich kann das als Einstieg oder Leitfaden für Börsenneulinge nur empfehlen. Buffett sagt zwar man muss dann einfach mal anfangen, aber das ist m. E. nicht so gemeint, gleich tausende EUR in den Ring zu werfen. Buffett hatte glücklicherweise diese große praktische Erfahrung schon in der Kindheit mit kleineren Werten (Sixpack Cola z. B.) und hat dadurch die Prinzipien des Handels mit Gewinn gelernt.

  2. Tino

    Mich erstaunt immer wieder, wie es zu den extrem hohen KGVs kommt. Die Psyche des Menschen ist unverändert, er baut gern Luftschlösser. Es ist als ob alle vor einem Schrein (Unternehmen) knien und beten, dass die Kurse auch morgen astronomisch weiter steigen sollen. Das Unternehmen aber arbeitet einfach weiter, so wie es kann, egal was die Anleger für Wetten abgeschlossen haben.

    Ich stelle mir dann immer die Preiskurve als Gummiband vor. In beide Richtungen kann das Band vom Median des realen Wertes abweichend gespannt werden. In beiden Fällen gibt es i. d. R. irgendwann einen Spannungsausgleich oder einen Ausschlag in die andere Richtung, wenn jemand loslässt und die anderen unweigerlich mitgezogen werden. Nur will ich das Gummiband nicht anfassen, wenn es gerade jemand ganz nach oben gezogen hat.

  3. Fabian S.

    Dieses Buch ist die „Bibel“. Ein Jahrhundertwerk! Buffett selbst sagt, dass man nur dieses Buch lesen muss und sonst nichts. Daher schreibt er auch selber keins!

    Allerdings warte ich schon gespannt auf eine neue Kommentierung, da die letzte meine ich von 2005 stammt!

  4. Keek

    Also das hab ich mich auch schon gefragt, ab wann habe ich denn eine zumindest annähernd „aktuelle“?? Der Link zu Amazon spricht von einer 2013er Auflage…!?!? Wer kann helfen? Tim?

    (und warum zum Teufel gibts das Ding nicht als Taschenbuch ;-)) Kleiner Scherz..)

  5. Couponschneider

    Ich hatte die deutsche Übersetzung. Sie war grauenhaft. Ich habe 2002 Abitur gemacht, gerne auch im Jahre 2002, aber niemals „in 2002“. Und wenn man auf jeder Seite diesen Fehler vorfinde, dann lege ich das beseite und bringe es zurück zur Bibliothek.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Keek

    Es heißt vorne im Buch: „6. Auflage 2013“.

    Es sind natürlich viele alte Passagen über US-Firmen aus den 1960er Jahren enthalten. Es geht um Bewertungsfragen, um KGVs, KBVs, Dividendenrenditen…

    Die Firmenbeispiele sind zeitlos. Wie die Firma heißt, ist eigentlich egal. Es zeigt eben die hohen Bewertungsphasen und die günstigen Bewertungsphasen für eine Firma wie Du Pont oder A&P auf. Ich finde das spannend. So gibt es Phasen, in jenen eine Aktie wie die Supermarktkette A&P mit einem KGV von 30 und dann wieder mit einem KGV von 10 gehandelt wird. Je nachdem wie die „Modetrends“ gerade sind. Die Börsenherde hat immer Lieblingsthemen.

    Zur Zeit sind „in“: 3D Druck, Soziale Medien, Software, Smart Grid, Wasseraktien, IPOs, eCommerce, Biotechs, Big Data, Cloud Computing, Kasinos, Roboter, Bitcoins…

    „Out“ sind: Öl, Banken, Versicherungen, Schwellenländer, China-Aktien, Nuklear, Versorger, Reits, traditioneller Einzelhandel, Restaurantketten, Tabak, Alkohol…

    Das Buch ist zum Teil „aktualisiert“ worden. Es gibt Charts, die bis Ende 2002 reichen.
    Fazit: Nicht ganz neu, aber auch nicht uralt. Ich kann es empfehlen. Leider etwas teuer.

  7. Martin

    Gerade Versicherungen und insbesondere Banken sind aber sehr schwer zu bewerten. Nur mit KGV und KBV fällt man da 100% auf die Nase, weil man dann nur die Schrottfirmen kauft. Lieber einfach Wells Fargo kaufen, wenn es eine Bank sein muss. Nur meine Meinung. Ich gucke mir auch Sberbank an, aber Russland ist eben so eine Sache.

    Ich erinnere mich noch im Studium wie ein Prof. Fan von Royal Bank of Scotland war. Mein Kommentar: Wenn die Gewinne wirklich so kommen wie von den Analysten erwartet, wären sie billig. KGV war 6 oder sowas. Dann kam am Ende die Finanzkrise.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Martin

    Stimme zu. Bankbilanzen sind ein Buch mit sieben Siegeln. Niemand weiß als Außenstehender, was für einen fairen Wertansatz Derivate oder andere Finanzprodukte wirklich haben. Wir Börsianer wissen nicht, wie solide Kredite vergeben worden sind.

    Erstaunlich ist ja, dass während der Finanzkrise nur wenige Großbanken pleite gingen. Jetzt sind die Bilanzen der Banken in den USA so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Es sind Festungen geworden. Europa hinkt hier den USA mal wieder hinterher. Trotz der hohen Bilanzstärke gibt es viele Institute exakt zum Buchwert oder unter Buchwert. Warum? Das Vertrauen ist noch nicht zurück. Ich sehe darin eine Chance.

  9. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Die Dividenden der Banken sind ja eher Peanuts. Als einzige Bankaktie habe ich Santander. Gerade gestern wurden wieder die neuen Aktien (Dividende) eingebucht.
    Dann lieber gleich die „Schattenbanken“, wie Ellington Financial LLC (EFC) oder BDCs (Business Development Companies), da die wie bei REITs als „Regulated Investment Company (RIC) must pay out 90% of their taxable income each year to their investors“. Meine Favoriten im Depot sind PSEC, FSC, MCC und TICC.

    MS

  10. Markos - Dividenden Depot

    Letztes Jahr habe ich sehr oft im Internet über Trendaktien gelesen und wie das so ist, selbst bei Trendaktien bricht irgendwann der Trend….

    Fühle mich persönlich mit meinem Dividenden Depot seit ca. 3 Jahren sehr wohl und es macht Spaß zu sehen, wie Monat für Monat langsam aber stetig die Dividendenzahlungen steigen.

  11. Tino

    Hallo Markos, die Offenlegung Deines Dividendendepots ist immer wieder sehr lehrreich, danke dafür. Für mich persönlich ist es nichts.

    Der Grund dafür, Du musst sehr viel Kapital aufwenden, um diese Dividendenausschüttungen (Einkommen) zu erzielen und die Rendite ist zu einem Dividenden-Wachstums-Depot relativ gering, da viele Hochzinsanlagen im Minus liegen.

    Der zweite Punkt der evtl. unmittelbar mit dem ersten zusammenhängt, ist die Vielzahl an Werten, die für mich nur noch technisch mit Kennzahlen zu überblicken wäre, aber ohne tiefere Kenntnis jedes einzelnen Unternehmens. Ich sehe es eher wie Lynch (Stud Poker-Gleichnis) oder noch mehr wie das Frauen-Beispiel von Buffett. Aber für Dich funktioniert es, bzw. ist die Lawine nicht mehr aufzuhalten, Respekt!

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