Insiderskandal bei Berkshire Hathaway: Haussegen hängt schief


New York, 31. März 2011

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Die vergangenen Tage waren nicht leicht für Warren Buffett! Ein Insiderskandal erschüttert seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Nun tritt David Sokol zurück. Sokol galt lange Zeit als einer der möglichen Nachfolger Warren Buffetts. Warum der überrachende Rücktritt? Es war ein Vorgang mit Geschmäckle: Sokol hatte sich zum Jahreswechsel privat mit Aktien der Chemiefirma Lubrizol eingedeckt. Zwei Monate später übernahm sein Arbeitgeber, das Konglomerat Berkshire Hathaway, für neun Milliarden Dollar Lubrizol. Sokol hatte rund zehn Millionen Dollar in Lubrizol-Aktien investiert und verdiente so drei Millionen Dollar. Manch ein kritischer Beobachter sieht gar in dem Aktiengeschäft des Berkshire-Managers „Front Running“. Sokol gab heute Morgen dem Fernsehsender CNBC ein 30-minütiges Interview. Er verteidigte seine privaten Aktienkäufe. Wenn Sie sich die Abläufe im Detail anschauen, dann ist es doch sehr bedenklich, was da in dem privaten Depot des Managers stattfand. Lesen Sie am besten selbst (Seite 18 unten ff) in dem offiziellen Übernahmedokument der SEC.
Um es kurz zu machen: Sokol entdeckt die Aktie auf einer Investmentbanking-Liste der Citibank. Er sieht eine gute Gelegenheit für „seine Familie“, investiert. Er legt die Firma später Buffett ans Herz. Doch der Milliardär zeigt sich zunächst nicht beeindruckt. Dann trifft sich Sokol mit dem Lubrizol-Chef zum Dinner, er spricht ständig mit Citi-Bankern begleitend. Es geht immer um eine potentielle Übernahme. Sokol macht Warren Buffett den Deal erneut schmackhaft, Buffett trifft den Lubrizol-Lenker, schwenkt daraufhin um, ist begeistert. Sokol sagt, er habe Buffett über seinen privaten Aktienbesitz vorab informiert. Berkshire übernimmt schließlich die Chemiefirma. Und Sokol wird drei Millionen Dollar reicher. In dem Aktien-Chart oben habe ich die Abläufe skizziert. In dem offiziellen Übernahmedokument finden Sie natürlich nicht die privaten Aktiengeschäfte. Ich vermute mal, dass Warren Buffett ziemlich sauer ist. Nichts ist ihm wichtiger als der Ruf seiner Firma. Gegenüber seinen Managern hebt er gebetsmühlenartig hervor, alle nur denkbaren Maßnahmen zu ergreifen, um das blitzsaubere Image aufrecht zu halten. Probleme und Konflikte müssten ihm gegenüber umgehend mitgeteilt werden. Schauen Sie sich hier („Memo“ Seite 27 ff) ein internes Rundschreiben Buffetts vom 26. Juli 2010 an seine Führungskräfte an. Der Brief macht das ganze Ausmaß des Schadens deutlich, den Sokol mit seinem Fehlverhalten angerichtet hat. Buffett geht es um seinen guten Ruf und nicht ums Geld. Zitat aus dem Brief:
„Wir können nicht perfekt sein, aber wir können es zumindest versuchen. Wie ich schon seit mehr als 25 Jahren immer wieder in den Aktenvermerken betone: Wir können es uns leisten Geld zu verlieren – viel Geld sogar. Aber wir können es uns nicht leisten, unseren Ruf aufs Spiel zu setzen…“
Im Original: „We can’t be perfect but we can try to be. As I’ve said in these memos for more than 25 years: ‘We can afford to lose money – even a lot of money. But we can’t afford to lose reputation …’”.
Ständig kommt die Börsenaufsicht SEC verbotenen Insidergeschäften auf die Spur. Kürzlich gab die Behörde bekannt, einen ranghohen Mitarbeiter bei der Gesundheitsbehörde FDA erwischt zu haben, der mit Insiderwissen über die bevorstehende Zulassung von Medikamenten (oder Nichtzulassung) über Jahre hinweg 3,6 Millionen Dollar ergaunert hatte. Auf diesem Link finden Sie die wilden Aktiengeschäfte des FDA-Beschuldigten Cheng Yi Liang. Die Orders führte der 57-jährige über insgesamt sieben Depots aus, die alle nicht auf seinen Namen zugelassen waren. Ein Konto gehört seiner 84-jährigen Mutter, die in China lebt. Seinen 25-jährigen Sohn, der ein paar Blöcke entfernt wohnt, spannte der Insider ebenfalls ein. Die Ermittler konnten jeddoch feststellen, dass alle Orders immer von dem gleichen Computer ausgeführt worden sind. Die IP-Adresee (individuelle Computer-Nummer) belegte dies. Für den Fall, dass Sie sich für die Ermittlungsergebnisse der SEC interessieren, dann schauen Sie hier rein. Es ist interessant zu sehen, wie die Ermittler vorgehen.
Wie können Sie nun als Anleger von den Geschäften der Insider profitieren? In Deutschland gibt es das empfehlenswerte Portal insiderdaten.de, das die privaten Aktiengeschäfte von Vorständen, Aufsichtsräten und deren Verwandten übersichtlich aufschlüsselt. Beobachten Sie, was die Insider tun. Sie können bestimmt viele Ideen aus diesen Informationen entwickeln. Das Portal bezieht seine Daten aus Pflichtmitteilungen, die der Börsenaufsicht Bafin gemeldet werden müssen. Ich rate Ihnen, die gesamte Historie eines Insiders unter die Lupe zu nehmen. Nehmen wir folgendes Beispiel: Sie finden heraus, dass Gerhard Weber, der Gründer und Vorstandschef des Modehauses Gerry Weber, am 21. März über seine Beteiligungsfirma 20.000 Aktien zum Kurs von 37,30 Euro gekauft hat. In einem zweiten Schritt prüfen Sie dann, wie Gerhard Weber bei seinen Käufen in den vergangenen Jahren abgeschnitten hat. So gehen Sie sicher, keinem „schlechten Insider“ mit Ihren Aktienkäufen zu folgen. Es gibt durchaus ein paar Vorstände, die zu hundsmiserablen Zeitpunkten einsteigen. Diese Insider müssen Sie natürlich meiden. Folgen Sie vielmehr den brillanten Insidern, die die Börse gut einschätzen können. Wenn Sie alle bedeutenden Kaufzeitpunkte eines Vorstands auf den Kurschart eintragen, wird Ihnen schnell klar, ob die Person ein gutes oder schlechtes Händchen hat. So gehe ich vor. Zwar verursacht diese Strategie recht viel Arbeit. Doch haben Sie einmal herausgefunden, wer wirklich exzellent agiert, dann können Ihre Aktienkäufe richtig viel Spaß machen. Gerhard Weber ist meiner Meinung nach ein Insider, bei dem es sich lohnen dürfte, ihn zu kopieren. PS: Ich besitze die Mode-Aktie nicht. Die Firma diente mir nur als Beispiel.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Insiderskandal bei Berkshire Hathaway: Haussegen hängt schief

  1. tim schaefertim schaefer

    Ich habe mich mit dem Fall des David Sokol weiter beschäftigt. Ich vermute, dass Buffett seinen Manager Sokol einfach gefeuert hat. Mit seiner Pressemitteilung versuchte Buffett, den Rauswurf schlicht netter auszudrücken.

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