Indexfonds-Boom


New York, 8. September 2013

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Unter Druck stehen in den USA Fondsmanager. Zum einen hat sich gezeigt, dass sie es mehrheitlich nicht schaffen, besser als der Vergleichsindex abzuschneiden. Zum anderen fressen die Kosten eines Fonds ein Loch in das Vermögen der Anleger.
Eine neue Studie hat voriges Jahr die Sparer geschockt. Das New Yorker Institut Demos brachte etwas zum Vorschein, womit niemand gerechnet hatte: So zahlt eine durchschnittliche Familie über deren Lebensspanne 150.000 Dollar an Gebühren an Fondsgesellschaften (direkt und indirekt, offen und versteckte Kosten). Statt die Gebühren zu zahlen, könnte jede Familie eine Wohnung oder ein kleines Haus dafür kaufen.
Arbeitnehmer können in den USA Aktiendepots für die Rente einrichten und erhalten oftmals von ihrem Chef finanzielle Unterstützung beim Aktiensparen. Viele Arbeitnehmer wählen aus Bequemlichkeit (oder weil sie sich nicht auskennen) aktiv gemanagte Fonds aus. Für die Gebühren hat sich bislang kaum jemand interessiert.
Jetzt findet ein Umdenken statt. Heiß begehrt sind kostengünstige Indexfonds, die einen Index wie den S&P 500 exakt nachbilden und minimale Kosten verursachen. Sie finden in den USA schon Angebote, die pro 10.000 Dollar Anlagesumme nur fünf Dollar Gebühr pro Jahr verlangen. Diesen Billigfonds rennen die Sparer die Bude ein. Alle großen Fondsgesellschaften (von Fidelity bis Vanguard) haben mittlerweile solche Schnäppchenfonds im Sortiment.
Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren Indexfonds zu jedem Haushalt wie ein Smartphone, Geschirrspülmaschine oder Computer gehören. Sie machen einfach Sinn, weil sie höllisch günstig sind.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Indexfonds-Boom

  1. Turing

    Ich halte nichts von ETFs und ETFs werden die Grundzutat für die nächste Krise sein. Denn was passiert beispielsweise mit einem Unternehmen, welches den Leitindex verlassen muss? Die ETFs werden wie verrückt verkaufen und das billigst, weil sie müssen. Der Kurs der Aktie purzelt. Wer gegen Stopp-Loss ist muss auch gegen ETFs sein. Stopp-Loss und ETFs sind Verstärker eine bestimmten Kursentwicklung, was äußerst unangenehme Folgen für das Unternehmen haben kann. Dabei ist die Ursache der Kursentwicklung rein willkürlich, denn die Leitindexe sind willkürlich. Warum sind im DAX denn genau 30 Unternehmen und nicht 35? Welchen Einfluss hat ein Unternehmen darauf, im DAX zu sein oder nicht? Und welchen Einfluss hat die Unternehmensführung auf die Stopp-Loss-Marken der Anleger?

    ETFs sind im Vergleich zu üblichen Fonds billig, aber das alleine reicht mir als Argument nicht, schließlich sind die Gebühren nur eines von vielen Argumenten gegen Fonds im Allgemeinen. Ich investiere nur direkt in Aktien.

  2. Martin

    Leider haben wir in DE nur teurere ETFs im Vergleich zu den USA.

    Wurden in der Studie auch die Kosten der Alternativen berücksichtigt? ETFs sind nicht gratis. Dennoch spricht objektiv viel gegen aktive Fonds.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Martin

    In den USA kostet ein aktiver Fonds wohl zw. 1,0 und 2,0% Gebühr p.a.. (Darin ist nicht das mehrheitliche Versagen der Fonds gegenüber dem Markt/Index enthalten. Das Problem bei der Total Expense Ratio ist, es gibt Kosten die obendrauf kommen.)

    Ein Indexfonds kostet wohl zw. 0,1% oder 0,05% Gebühr. Ist also fast kostenneutral. Ein leichter Abschlag kommt zum Index hinzu, der aber minimal ist.

    In Deutschland sind die Indexprodukte/ETFs nicht so günstig wie in den USA. Ich denke, das wird noch kommen. Es besteht eine riesige Nachfrage nach solchen Index-Produkten.

    Die Fondsindustrie wandelt sich gerade. Es ist ein enormer Umbruch im Gang. Zum Nutzen des Verbrauchers.

  4. Markus

    @Turing

    Ein DAX-Index hat normalerweise nicht`s in einem Weltportfolio zu suchen.
    30 Werte sind viel zu wenig. Breite Indexe mit vielen Werten und nicht nur die hoch kapitalisierten sind wesentlich besser. Da ändert sich die Zusammensetzung nicht so häufig und es fällt nicht so in`s Gewicht.

    Eine nächste Krise bei etf`s sehe ich beim besten Willen nicht… Da fliegen uns vorher viele andere Dinge um die Ohren.

    Ich habe auch schon mal gelesen, dass der Unterschied bei günstigeren amerikanischen Anbieter überschätzt wird, da eine Komponente vergessen wird… Muss mal schauen, ob ich den Artikel wieder ausgrabe.

    Aber es ist ok, wenn nicht alle passiv investieren! 😉

  5. Alois

    Ich habe auch so meine Probleme mit ETFs; sie sind, so habe ich vor kurzem gelesen, die Kapitulation des Geistes vor der Statistik.
    Außerdem laufen Indexfonds dem Markt immer hinterher. Wird eine bestimmte Aktie in einen Index aufgenommen, so ist das vorher bekannt und die Aktie wird gekauft, so dass ihr Kurs steigt. Die Indexfonds kaufen erst, wenn die Aktie im Index ist, also zu erhöhtem Kurs. Bei Aktien, die rausfliegen, ist es mit umgekehrten Vorzeichen genauso.
    In der Süddeutschen war am Samstag ein Artikel „aktiv versus passiv“, in dem eine Studie der TU München vorgestellt wurde. Dort kam man zu dem Schluss, dass ETFs überhaupt nur so lange funktionieren können, wie ihnen eine ausreichende Anzahl aktiver Trader gegenübersteht. Spätestens, wenn alle auf ETFs umgestellt haben, ist das System der ETFs tot.
    Aber, das gebe ich gerne zu, sind ein wichtiges Korrektiv, damit die Gebühren, Aufgabenaufschläge usw. der aktiven Fonds sich in Grenzen halten.

  6. Markus

    @Alois

    Na da hat die TU München ja was brandneues heraus gefunden! 😉 Es stimmt, dass ab Quoten von 80 % sich Indexing obsolet macht…

    Die Gefahr besteht aber nicht, da Banken, Fonds, und Versicherungen viel lieber Geld mit aktiven Strategien und dem Geld Ihrer Kunden verdienen. Jede Börsenzeitschrift wäre dem Untergang geweiht… Die Mehrheit vertraut Ihrem Bankberater mehr als sämtlichen Studien und Forschungsergebnissen zur Asset-Allocation, zu durchschnittlichen Renditen von Privatanlegern, zu Forschungsergebnissen von Harvard, zu Aussagen von Benjamin Graham über EMT kurz vor seinem Tod usw. usw. usw.

    Mir ist es schleierhaft, wie jemand hier mit ca. 30 k BASF – Aktien ne vernünftige Asset-Allocation hinbringt…

    Kapitulation des Geistes vor der Statistik… Na ja, ich bilde mir nicht ein, den fairen Preis von einem Riesen-Konzern wie Nestlè als erster zu entdecken, zu kaufen und auch als erster wieder die Überbewertung zu erkennen und zu verkaufen. Hauptberufliche Analysten, Screener von Lingohr, Fonds und Banken sind glaube ich schneller wie ich oder jeder andere Value-Investor, der erst mal Geschäftsberichte studieren muss… Sind wahrscheinlich alles Dumpfbacken und verdienen wollen sie auch nix… 😉 Die Macht, die Resourcen und die überdurchschnittliche Intelligenz liegen wohl beim hauptberuflichen Angestellten und Privatanleger, der alle hinter sich lässt. Vor allem nach Kosten! 😉

    Eine Anpassung nach BIP-Kennzahlen ist deutlich besser als nach Marktkapitalisierung und vermeidet bubbles…

    Es soll angeblich physisch replizierende etf`s geben… Wie erklärt Ihr euch sehr niedrige Tracking Errors mit eurem Auf- und Abstiegsargument von Einzelaktien gegen Indexanlagen???

    Einzelaktien geben mehr Gesprächsstoff und Spaß her!

  7. Turing

    @Markus

    Von einem Weltportfolio war ja auch nie die Rede, sondern von ETFs und diese bilden einen Index nach. Und einen DAX-ETF halte ich genauso für falsch wie ein Dow-Jones-ETF.

    Für mich kommen nur Einzelinvestments in Frage. Ich will die Unternehmen selbst auswählen und mit 0 % Verwaltungsgebühren die Sache meistern.

    Frage im Allgemeinen: Gibt es eigentlich einen Buy-and-Hold-Fond? Die Idee: Der Fonds kauft nur und verkauft niemals und macht mit dem Kunden aus, welche Werte gekauft werden. Der Kunde zahlt monatlich z. B. 500 €. Der Fonds kauft nicht jeden Monat von jedem ein bisschen, sondern genau das, was gerade günstig ist. Der Fond spielt seinen Trumpf aus: Die geringeren Ordergebühren, wenn der Fonds die Aktienwünsche vieler Kunden gemeinsam erfüllen kann. Und wenn der Vertrag gekündigt wird, soll sich der Kunde aussuchen können, ob er die Aktien weiterführen möchte oder ausbezahlt wird.

    Wenn es so einen Fonds gäbe, das wäre toll.

  8. Markus

    @Turing

    Ein „Weltportfolio“ bzw. was ich darunter verstehe, ist ein Indexing-Portfolio, aufgeteilt nach Regionen und der BIP-Kennzahlen…

    Da ich ja kein reiner Indexler bin und die Diskussion aktiv vs. passiv mich langweilt, habe ich ja auch zum Spaß und zum langfristigen halten Baby-Berks…

    Halte es da eher mit J. Siegel, der einen Mix aus aktiv und passiv empfiehlt. Ob Siegel, Buffett, Kommer, Boogle usw., es sind für mich persönlich starke Autoren /Investoren. Ich muss mir aus den ganzen Büchern, den für mich passenden Anlagestil finden, den ich bereit bin 3 Dekaden durch zu ziehen.

    Die eierlegende Wollmichsau, die einzige richtige Anlagestrategie ist eine Schimäre und die kann man nur im Rückblick betrachten und nicht voraus sagen.

    Ich verurteile niemanden, der nur auf Dividenden setzt, da ich nicht weiß ob er erfolgreicher sein wird als ich. Im Prinzip ist mir das auch relativ egal! 😉

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