Trader auf dem Rückzug. Konservative Manager gefragt
New York, Freitag, 1. Juni 2012
Obwohl sich die Aktienkurse seit dem Tief vor drei Jahren verdoppelt haben, sind die Zocker nicht zurück auf dem Börsenparkett. Von ihnen fehlt weit und breit jede Spur. Die kleinen und großen Trader haben sich weltweit verkrochen. Was ist los?
In den USA wird nur noch die Hälfte dessen gehandelt, was im Jahr 2008 über den Tresen ging. Das ist ein dramatischer Einbruch. Im April wurden täglich 6,5 Milliarden US-Aktien getradet. Vergleichen Sie: Im Jahr 2008 waren es 12,1 Milliarden Positionen.
Was ist los? Ich glaube, viele haben sich einfach die Finger verbrannt. All das Trading bringt eh nichts. Nur Spesen. Den Banken, den Brokern und der Börse helfen natürlich die vielen Trades, das ist deren Geschäft. Doch für die Mehrzahl der Anleger ist das Hin und Her ein Verlustgeschäft.
Sind nun die Trader schlauer geworden? Nein. Ich glaube nicht. Vermutlich kehren die Zocker wieder zurück, wenn die Börse auf neue Rekordhochs klettert. Es ist nur momentan eine Flaute.
Diese Zurückhaltung ist natürlich einer der Gründe, warum die Aktien der Börsenbetreiber rund um den Globus abgestürzt sind. Schauen Sie sich nur den Kursverlauf der Deutschen Börse an. Was für ein Trauerspiel!
Wenn Sie an der Börse gutes Geld als Anleger verdienen wollen, müssen Sie langfristig agieren. Auch für die Unternehmen wäre es angebracht, wenn sie den Zockern den Wind aus den Segeln nehmen würden. Was soll schon eine Quartalszahl aussagen? Mir ist es doch viel wichtiger, dass mein Unternehmen langfristig gut aufgestellt ist. Wenn ein schwaches Quartal aufgrund sinnvoller Investitionen gemeldet werden muss, juckt mich das nicht. Ich denke, dass Manager vom Schlage eines Warren Buffett, Ferdinand Piech (VW), August Oetker, Familie Henkel oder Susanne Klatten (BMW) einfach besser sind. Sie sind besser, weil sie den langfristigen Erfolg ihres Unternehmens vor Augen haben.
Es gibt leider immer mehr Führungskräfte, die kümmern sich in erster Linie um ihren eigenen Bonus. Die wollen kurzfristig Erfolge vorweisen, damit ihr Gehalt schnell rauf geht. Wenn es sein muss, kaufen solche Führungskräfte dann zu Rekordpreisen die eigene Aktie von der Börse zurück, nur um schnell die ausstehende Aktienstückzahl zu reduzieren. Mit diesem Trick steigt dann der Gewinn je Aktie. Operativ muss es dank des Tricks gar nicht mal besser laufen. Um einen positiven Effekt auf das Ergebnis je Aktie erzielen zu können, genügen ein stagnierendes Ergebnis und eine reduzierte Aktienanzahl. Mehr ist nicht nötig.
Nehmen Sie den viel gelobten JPMorgan-Chef Jamie Dimon. Zu Rekordkursen kaufte Dimon wie verrückt über Jahre hinweg die eigene Aktie über die Börse zurück. Jetzt, nachdem der Kurs abgestürzt ist, hat er das Aktienrückkaufprogramm auf Eis gelegt (notgedrungen, die Finanzaufsicht zwingt ihn). So kann man ganz schnell das Vermögen der Aktionäre vernichten und eventuell über Boni noch vom Schaden profitieren.
Die Rothschild-Familie hat eine Initiative gestartet, um langfristig nachhaltiges Unternehmertum zu fördern. Ich finde das großartig. Auch kämpfen die Rothschilds mit anderen Promis zusammen für angemessene Vorstandsvergütungen. Die absurd hohen Gehälter einiger Vorstände sind doch nicht mehr fair.
Nehmen Sie Commerzbank-Chef Martin Blessing. Der vervielfacht sein Gehalt, während der Aktienkurs immer tiefer purzelt. Der gelbe Bankkonzern ist angeschlagen. Unglaublich! Ich finde es nur gut, dass die Aktionäre auf der jüngsten Hauptversammlung sich über die Gehaltserhöhung Blessings beklagt haben. Es ist ihr gutes Recht, schließlich ist es das Geld der Anteilseigner und nicht das Geld von Herrn Blessing, das er kassiert.
Wenn Aktionäre endlich sagen, was ihnen auf den Nägeln brennt, dann nenne ich das Aktienkultur. Es war höchste Eisenbahn, dass wir diese Streitkultur bekommen. Es werden sich hoffentlich fortan die „Nieten in Nadelstreifen“ genau überlegen, wie viel Geld sie der Kasse entnehmen wollen. Wenn ein Vorstand verdammt gut gewirtschaftet hat, denke ich, hat kaum jemand etwas dagegen, wenn die Vergütung üppiger als sonst ausfällt.
Wenn aber ein Vorstandsvorsitzender wie Herr Blessing vor einem Trümmerhaufen steht, ist das es nicht ok, eine solche Erhöhung durchzuboxen. Wo kommen wir denn da hin?
Als es der Citigroup dreckig ging, kassierte deren Vorstandschef Vikram Pandit nur jeweils einen Dollar. Das war in den Jahren 2009 und 2010 der Fall.
Jetzt, nachdem es der Citi besser geht, hat Pandit sein Gehalt auf eine kernige Millionensumme erhöht. So etwas sollten die Aktionäre in der großen Mehrzahl akzeptieren, wenn ein Unternehmen enorme Fortschritte macht. Bei der Citi waren 55 Prozent der Stimmen gegen die Erhöhung. Ich glaube, dass die Mehrheit der Citi-Aktionäre grünes Licht gibt, sobald der Kurs und die Dividende in Fahrt kommen.
Bei der Commerzbank ist das doch ähnlich. Wenn der Commerzbank-Kurs wieder bei 6,00 Euro steht, würde ich dafür plädieren, Herrn Blessing meinetwegen zehn Millionen Euro Jahressalär zu gewähren. Warum auch nicht? Gute Arbeit soll sich lohnen, schlechte nicht.
Vergleichen Sie: Blessing hat dagegen bislang ein Festgehalt von 500.000 Euro kassiert. Damit hat er sicherlich nicht am Hungertuch genagt, wie es Deutsche-Bank-Lenker Josef Ackermann süffisant angemerkt hatte. Nun kassiert Blessing mindestens 1,3 Millionen Euro. Dividende für die Commerzbank-Aktionäre Fehlanzeige. „Jedem das Seine, mir das Meiste“, denkt sich wohl Blessing.
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Anmerkung von Matthäus Piksa
geschrieben 02.06.2012 Website www.welt-im-chaos.blogspot.com
Hallo Tim,
das stimmt, die Kurse sinken aktuell wieder, die Börsenstimmung ist schlecht.
Aus diesem Grund hat Formel 1 - Boss Bernie Ecclestone auch den Börsengang der Rennserie abgesagt. 3 Milliarden US-Dollar wollte er bei dem IPO von den Investoren an der Börse in Singapur einsammeln.
Doch bei der Börsensituation hat der gewiefte Geschäftsmann vorerst die Notbremse gezogen. Als Ecclestone vor zwei Jahren brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt wurde, seine wertvolle Hublot-Uhr wurde ihm entwendet, rief er umgehend den Uhrenhersteller an und startete eine Werbekampagne mit dem Slogan "Sehen Sie was manche Menschen alles für eine Hublot machen", um aus dem Missgeschick noch Kapital herauszuschlagen: http://m.spiegel.de/panorama/leute/a-733678.html#spRedirectedFrom=www
Aber bei solchen IPO's frage ich mich immer, wer Aktien dieser Sportveranstalter kauft. Die Formel 1 ist stark abhängig von den Rennwagenproduzenten, ihren Aushängeschildern wie bspw. Michael Schumacher, den Hauptsponsoren (zB die Tabakindustrie) und der politischen Situation in den Austrageländern. So wurde das Rennen in Bahrain und damit in der Krisenregion Nahost dieses Jahr zwar ausgetragen, allerdings war die Gefährdungssituation recht hoch, Demonstrationen eskalierten etc.
Die Aktie würde ich mir unter keinen Umständen in's Depot legen.
Buffett bestimmt auch nicht. Dafür hat er neulich erst einige Dutzend Zeitungsverlage aufgekauft.
Gruß Matthäus
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