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Aufatmen an der Börse: Rekordwoche
New York, Sonntag, 30. November 2008
Mensch, das war eine spektakuläre Woche. Der Standard&Poor’s-500-Index zog zuletzt vor 34 Jahren so stark an: Um 96 Punkte oder zwölf Prozent schnellte das Börsenbarometer nach oben auf 896 Zähler. Der Dow-Jones-Index verbesserte sich in der Woche um 782 auf 8.829 Zähler (siehe Chart). Am besten lief Citigroup. Am Freitag vor einer Woche notierte der Bankriese noch unterhalb von vier Dollar, diesen Freitag schloss die Aktie bei 8,29 Dollar. Auf Wochensicht explodierte der Titel um 120 Prozent! Am Freitag schloss die Börse früher als sonst - wegen des Thanksgiving-Feiertages am Vortag.
Viele Banker hatten sich den Freitag für ein verlängertes Wochenende freigenommen. Auf dem New Yorker Parkett brachten die Händler ihre Kinder mit. Dort, wo sonst Milliarden von Dollar in Minutenschnelle gehandelt werden, spielten die Kinder. Die New York Stock Exchange will mit dem Börsenhandel selbst an diesem Brückentag verhindern, dass der Handel mehr als vier Tage still steht. Nur bei den Anschlägen am 9. September 2001 wurde das Parkett länger geschlossen (bis 17. September). Lediglich bei der Großen Depression 1933 war die Börse noch länger nicht verfügbar.
General Motors legte diese Woche um 71 Prozent auf 5,24 Dollar zu. Es scheint, als ob die Regierung Milliarden-Hilfen den drei angeschlagenen US-Herstellern gewährt. General Motors erklärte sich bereit, um den Weg für die Milliarden aus Washington frei zu machen, Marken zu verkaufen, Schulden abzubauen und Peronalkosten zu reduzieren. Ich persönlich würde in die maroden Drei aus Detroit nicht einen Heller investieren. GM, Ford und Chrysler gleichen einem Fass ohne Boden.
Die New York Times berichtet in ihrer Sonntagausgabe von einer neuen Studie der beiden Professoren Eugene F. Fama von der University of Chicago und Kenneth R. French vom Dartmouth College. Sie untersuchten Value-Aktien und stellten fest, dass die beste Maßgröße, um die günstigsten Value-Aktien zu finden, das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist. Also ideal sind die Aktien mit der kleinsten Marktkapitalisierung im Verhältnis zum Buchwert beziehungsweise Eigenkapital. Es gibt inmitten der Finanzkrise viele substanzstarke Unternehmen, die Sie derzeit unterhalb ihres Eigenkapitals einsammeln können. Das scheint verrückt, ist aber eine logische Folge des massiven Ausverkaufs an der Börse.
Laut der Studie der Professoren schnitten seit Mitte des Jahres 1963 die Aktien mit dem günstigsten Kurs-Buchwert-Verhältnis am besten ab. Sie legten pro Jahr 4,9 Prozent mehr zu. Fazit: Billig ist gut.
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Diamond Foods: Cash mit Nüssen
New York, Freitag, 28. November 2008
Ich hol mir oft im Supermarkt die Emerald-Nuss-Mischungen. Sie sind so lecker. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint mir fair. Wobei man das nicht mehr so genau sagen kann, weil die Lebensmittelhersteller den Packungsinhalt immer kleiner werden lassen, während sie die Verpackung gleich groß lassen. Wie auch immer, mir schmecken die Emerald-Produkte. Dahinter steht Diamond Foods, der führende amerikanische Hersteller von Nüssen und Popkorn. Ich traf kürzlich in New York auf einer Konsumwertekonferenz Finanzvorstand Steven Neil. Gegründet wurde das Unternehmen 1912 als Genossenschaft für Walnuss-Züchter. Seit den 1990er Jahren baute das Management die Produktplatte zunehmend aus. 2005 folgte der Börsengang. Seither kletterte der Nasdaq-Titel gegen den allgemeinen Abwärtstrend um 50 Prozent auf zuletzt 30,22 Dollar. Im Schnitt legte der Umsatz in den vergangenen acht Jahren um zwölf Prozent per annum zu. Im Geschäftsjahr 2007/08 (31. Juli) kletterten die Einnahmen von 523 auf 531 Millionen Dollar. Für den laufenden Turnus bekräftigte Finanzchef Neil die Prognose mit 585 bis 615 Millionen Dollar. Den Gewinn je Aktie will er von 0,91 auf 1,20 bis 1,27 Dollar hieven.
Zwar erscheint mir das KGV mit 23 auf den ersten Blick ambitioniert. Doch liegt der Börsenwert mit 489 Millionen unterhalb eines Jahresumsatzes, was moderat erscheint. Bärenstark ist die Bilanz: Im Grunde gibt es keinerlei Schulden. Freilich steht der Konzern mit 20 Millionen langfristig in der Kreide. Doch wenn Sie die Kriegskasse mit 74 Millionen Dollar berücksichtigen, sind 54 Millionen unterm Strich verfügbar.
Nüsse sind in den USA ein Verkaufsschlager. Die Amis lieben sie. Sie sind reich an Vitaminen, enthalten Eiweiß und gesunde Fette. Weltweit geben Verbraucher für Nuss-Snacks 6,2 Milliarden Dollar aus. Mit der Übernahme des Popkorn-Produzenten Pop Secret am 15. September hat sich Neil den zweitgrößten Anbieter mit einem Marktanteil von 25 Prozent unter den Nagel gerissen. „Wir sind offen für weitere Akquisitionen. Eventuell übernehmen wir kleinere Konkurrenten nach dem Pop-Secret-Deal“, deutete Neil an. Langfristig stellt er ein Umsatzwachstum zwischen sechs und acht Prozent pro Jahr in Aussicht. Die operative Marge, die derzeit 4,5 Prozent beträgt, will Neil auf rund zehn Prozent bis zum Jahr 2011 steigern. Der Kurs läuft wie am Schnürchen nach oben. Das spricht für das Papier. Für mich ein Kauf.
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Happy Thanksgiving!
New York, Donnerstag, 27. November 2008
Heute ist Thanksgiving in den USA, die Börse ist geschlossen, es ist ein Feiertag. Die meisten Amerikaner haben den Freitag freigenommen und verbringen ein verlängertes Wochenende mit ihrer Familie und der Verwandtschaft. Sie essen alle heute gebratenen und gefüllten Truthahn. Es ist eine Art Erntedankfest, das an die Pilgerväter erinnert. Durch die Straßen New York Citys marschierte heute Morgen der traditionsreiche Thanksgiving Umzug, der stets vor dem Kaufhaus Macy’s startet. Vor allem Kinder sind hellauf begeistert von den Wagen und Attraktionen.
Die Börse hatte sich gestern nochmals deutlich erholt. Vier Tage in Folge kletterte nun schon die Wall Street. Zuletzt hatte der S&P-500-Index in den 1930er Jahren so stark an vier Tagen zugelegt. Der Dow-Jones-Index stieg am Mittwoch um 2,9 Prozent auf 8.726 Zähler. Es scheint, als ob die Börsianer Licht am Ende des Tunnels sehen. Selbst die Terror-Anschläge in Indien konnten den Börsenaufschwung nicht aufhalten.
Am Freitag gewährt der Einzelhandel extrem hohe Rabatte. Dann ist in Manhattan wieder die Hölle los. Es ist für den Einzelhandel ein Rekordtag, sie bezeichnen den Tag „Black Friday“. Ich werde wohl dem Gewusel fernbleiben. Das ist der reinste Stress.
Happy Thanksgiving!
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Reich in der Krise: Wie geht das?
New York, Mittwoch, 26. November 2008
Angstvoll blicken die Anleger in diesen Tagen auf die Kurstafeln. Die amerikanischen Konsumenten halten ihre Barreserven zusammen und meiden den Aktienmarkt. Sie sorgen sich, dass die Aktien tiefer fallen können. Das kann in der Tat sein. Aber Sie blenden dabei aus, dass die Chancen derzeit gigantisch sind. Cash ist Trash, Aktien sind King! Viele hochklassige Konzerne taxieren mit einem einstelligen Kursgewinnverhältnis.
Was können Sie also tun? Aktien kaufen! Machen Sie sich nicht länger ins Hemd. Gehen Sie auf Schnäppchenjagd. Die Gelegenheit könnte kaum besser sein. Auf meiner Empfehlungsliste stehen die Billigairline JetBlue, die Nahrungsmittelhersteller General Mills, Nestle und Heinz sowie SAP und Microsoft. Und natürlich sind die Ölriesen attraktiv. Exxon Mobil, Chevron und ConocoPhillips kriegen Sie geschenkt. Exxon Mobil wird mit dem neunfachen Gewinn für das laufende Jahr gehandelt. Das ist ein Witz. Das heißt, Sie müssen nur neun Jahre warten, bis Sie ihr komplettes Investment zurückverdient haben. Mit anderen Worten liegt die jährliche Rendite der Aktie bei elf Prozent (eins dividiert durch neun). Wo kriegen Sie elf Prozent für Ihr Geld? Ganz nebenbei können Sie eine Dividendenrendite von 2,1 Prozent per annum kassieren. Dass der Ölpreis aktuell im Keller notiert, spricht zudem für ein Investment. Das Fass kostet nur 52 Dollar. Anfang Oktober lag der Preis für das Barrel doppelt so hoch. Sobald sich die Konjunktur wieder erholt, wird das Öl anziehen. Daran gibt es keinen Zweifel. Bis Silvester dürfte Exxon 45 Milliarden Dollar nach Steuern verdienen – soviel wie nie zuvor. Kein anderes Unternehmen hat jemals soviel Geld verdient. 2007 fuhr Exxon bereits 40 Milliarden Dollar netto in die Scheune. Die Texaner erreichen ein Rekord nach dem anderen.
Bei Chevron ist das Kursgewinnverhältnis mit sieben noch billiger. Allerdings fällt der Kassenbestand mit gut acht Milliarden Dollar (nach Abzug aller Schulden) geringer aus als bei Exxon mit 25 Milliarden Dollar. Exxon hat die stärkste Bilanz. Es gibt wohl keinen Konzern rund um den Globus, der eine solidere Bilanz aufweist. ConocoPhillips ist mit einem Kursgewinnverhältnis von 4,7 am lumpigsten bewertet. Das ist der Hammer. Ein hochprofitables Unternehmen liegt auf dem Ramschtisch. Kein Wunder, dass Milliardär Warren Buffett in den vergangenen Wochen wie verrückt Conoco-Aktien aufsammelte. Buffett ist nun der größte Aktionär. Sein Anteil hat die Fünf-Prozent-Marke überschritten. Jedoch schultert Conoco im Gegensatz zu Exxon und Chevron Schulden in Höhe von 18 Milliarden Dollar (nach Abzug der Barmittel). Jedoch besteht kein Grund zur Sorge. Die Fremdmittel sind vollkommen gerechtfertigt und die Bilanz ist solide finanziert. Conoco mit Sitz im texanischen Houston betreibt in Deutschland das JET-Tankstellennetz. Aktuell notieren Exxon, Chevron und Conoco mit 78,61, 78,22 beziehungsweise 52,90 Dollar. Für mich sind alle drei ein Kauf.
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Aufwärtstrend setzt sich fort, Manager verzichten auf Bonus
New York, Dienstag, 25. November 2008
Am Dienstag schwankte Wall Street zwischen einem Plus und Minus im Tagesverlauf. Am Ende des Tages behielten jedoch die Optimisten die Oberhand. Um 36 Punkte höher schloss der Dow Jones bei 8.479 Zählern. Es war der dritte Tag in Folge, dass die Kurse stiegen. Viele Vorschußlorbeeren erhält derzeit Barack Obama. Der neue Präsident der USA übernimmt am 20. Januar die Regierungsgeschäfte von George Bush. Sein Team und seine Ministervorschläge stoßen auf große Zustimmung - selbst unter den Republikanern gibt es viele positive Reaktionen.
Die Citigroup-Aktie hat sich seit dem Rettungsplan der Regierung kräftig erholt. Notierte der Titel vorige Woche noch bei 3,11 Dollar im Tief, kletterte heute der Kurs auf 6,08 Dollar. Der Börsenwert erreicht dennoch nur noch lausige 33 Milliarden Dollar. Der Börsenwert von JP Morgan Chase oder Wells Fargo sind dreimal so groß. Selbst Bank of America ist mit 67 Milliarden doppelt so groß. Auch U.S. Bancorp ist mit ihren 44 Milliarden Dollar Marktwert deutlich größer. Kurzum: Zwar ist die angeschlagene Citigroup nach der Finanzspritze aus Washington aus dem Schneider. Doch hat die Krise den einstigen Primus in die zweite Reihe der Banken abrutschen lassen.
In den USA reißt die Kritik an gierigen Vorständen nicht ab. So müssen sich die Manager der Automobilhersteller fragen lassen, warum sie mit Firmenjets nach Washington geflogen sind. Dort hatten sie um Milliardenhilfen bei Parlamentariern gebettelt. Der Fernsehsender CNN hatte die Jets gefilmt und nach dem Sinn solcher teuren Privatflüge gefragt. Endlich greifen die Medien die Geldverschwendung auf. Endlich fordern sie die Vorstände auf, auf ihre Bonuszahlungen dieses Jahr zu verzichten. Es passt nicht ins Bild, nach Steuergeldern zu rufen, Tausende Arbeitsplätze zu streichen und gleichzeitig das Geld im großen Stil für eigene Zwecke aus dem Fenster zu werfen. Ford hat im Rahmen der aufkommenden Kritik ganz schnell gehandelt und zwei Firmenjets verkauft. Die Goldman-Sachs-Führungsspitze verzichtet neben anderen Adressen auf Bonuszahlungen dieses Jahr. Es tut sich was. Gut so!
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Wall Street erholt sich, Panik legt sich
New York, Montag, 24. November 2008
Der nächste US-Präsident Barack Obama hat nun sein Team zusammen. Der Wall Street gefallen seine Minister, die Börse applaudiert. Die Kurse haben sich von ihrem Tiefpunkt auf breiter Front am Freitag und Montag kräftig erholt. Der Dow-Jones-Index schloss am Montag die Sitzung bei 8.443 Zählern beziehungsweise 396 Punkte höher. Das waren knapp fünf Prozent mehr.
Nach der Rettung der Citigroup sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Zuviel Euphorie ist jedoch nach wie vor Fehl am Platz. Die Finanzindustrie befindet sich weltweit in einem maroden Zustand. Wer allerdings große Barbestände auf Sparbüchern oder auf Festgeldkonten bunkert, der kann sicherlich auf lange Sicht in diesen Tagen die Grundlage für eine exzellente Rendite legen. Kaufen Sie Qualitätsaktien und lehnen Sie sich zurück!
Anfang des Jahres lag der Dow Jones in der Spitze bei mehr als 13.000 Punkten. Seither stürzte das Barometer über 39 Prozent in die Tiefe auf einen Stand von 7.552 Punkten.
Freilich gibt es zahllose ungelöste Probleme. So stehen die drei großen US-Autohersteller am Abgrund, die Arbeitslosenzahlen steigen stetig und die amerikanischen Immobilien verlieren nach wie vor an Wert. Es ist insofern nicht nötig, schnell einzusteigen. Jedoch halte ich einen Einstieg aus steuerlichen Gründen für durchaus sinnvoll wegen der Abgeltungsteuer, die ab dem nächsten Jahr in Deutschland eingeführt wird. Bislang sind Börsengewinne für diejenigen steuerfrei, die ihre Aktienpositionen über ein Jahr lang halten.
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Citigroup gerettet: Staat steigt mit 20 Milliarden Dollar ein
New York, Sonntag, 23. November 2008
Entwarnung: Die Citigroup ist gerettet. Die Regierung beteiligt sich mit 20 Milliarden Dollar an dem wankenden Giganten. Im Gegenzug erhält Washington Vorzugsaktien mit einer Dividende in Höhe von acht Prozent. Die Regierung erhält einen Anteil von 7,8 Prozent am Grundkapital. Zudem begrenzt die Regierung die Vorstandsbezüge beziehungsweise Abfindungen für die Führungsspitze. Um 60 Prozent brach die Citigroup-Aktie in der vergangenen Woche ein. Ein Managementwechsel steht indes nicht an. Nun dürfte sich die Aktie erholen.
Je tiefer die Kurse in New York fallen, desto lauter werden die Rufe, die Vergütungen der Manager zu deckeln. Das Wall Street Journal hatte kürzliche eine Studie in Auftrag gegeben, welche Vorstände am meisten in die Tasche gesteckt haben. Während der US-Aktienmarkt binnen Jahresfrist neun Billionen Dollar verloren hat, hat manch ein Vorstand in den vergangenen fünf Jahren 100 Millionen Dollar und mehr kassiert. Laut der Studie hat von den 120 untersuchten Firmen die oberste Managementetage insgesamt 21 Milliarden Dollar in die Scheune gefahren.
Ganz oben auf der Liste der größten Abzocker steht Charles Schwab. Zwischen 2003 und 2007 kassierte der Pioneer des Discount-Brokerages Barmittel und aktienbezogene Bezüge von insgesamt 816 Millionen Dollar. Das ist eine Sauerei! An dritter Stelle folgt Agelo R. Mozilo, der einstige Chef von Countrywide, mit 470 Millionen Dollar. Der Hypothekenanbieter kam in die Bredouille und wurde durch den Kauf von Bank of America vor dem Kollaps bewahrt. Auf den weiteren Rängen folgen unter anderem Robert Toll vom Hausbauer Toll Brothers mit 427 Millionen Dollar. Lehman-Lenker Richard Fuld kommt auf 184 Millionen, Bear-Stearns-Lenker James Cayne auf 163 Millionen Dollar. Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein schaffte es immerhin noch auf 130 Millionen.
Es ist schon erstaunlich: Es brennt lichterloh in dem Sektor, viele Banken gingen pleite. Doch die Vorstände haben dennoch einen guten Schnitt gemacht – im Gegensatz zu den Aktionären. Dabei ist es das Geld der Aktionäre. Fazit: Jedem das Seine, mir das Meiste.
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Angst und Panik an der Wall Street
New York, Donnerstag, 20. November 2008
Jetzt rennt die Meute aus den Aktien raus. Anleger rund um die Welt schmeißen Aktien verzweifelt auf den Markt und flüchten in niedrig verzinste Renten. Jeder fürchtet das Risiko. Cash ist King. Es ist verrückt, wie stark der Markt eingebrochen ist. Es findet derzeit eine Übertreibung nach unten statt. Dass General Motors auf dem Niveau des Jahres 1943 notiert, scheint angesichts der möglichen Insolvenz durchaus nachvollziehbar. Dass aber die Citigroup, eines der größten Geldhäuser weltweit, nun unter fünf Dollar notiert, ist der Hammer. Heute rauschte Citigroup auf 4,77 Dollar in die Tiefe, das waren abermals minus 25 Prozent. Das ist verrückt. In drei Jahren verlor die Aktie 90 Prozent an Wert. Ein globaler Finanzriese wankt wie ein Pennystock. Goldman Sachs fiel auf das Kursniveau zum Börsengang zurück. Nahezu alle Banken brechen gnadenlos zusammen. JP Morgan schmeißt 3.000 Mitarbeiter raus.
Ganz klar zeigt uns die Börse, dass die Rezession sehr heftig ausfallen wird. Eine lange Krise steht also bevor, die über ein Jahr dauern dürfte. Die Arbeitslosigkeit und die Zahl der Pleitefälle weiten sich also aus. Am günstigsten steigen Sie in Aktien ein, wenn wir uns inmitten der Rezession befinden. Das zeigt die Statistik. Warren Buffett hatte das sehr schön in seinem Gastbeitrag vor einigen Wochen anhand dreier Rezessionen in der New York Times erläutert. Mir leuchtet das ein. Denn Börsianer sehen nach vorne. Aktuell haben die Anleger das ganze Ausmaß der Finanz- und Konjunkturkrise vor Augen. Wenn der letzte die Hoffnung verloren hat, dann ist der Tiefpunkt erreicht. Momentan lösen viele Hedgefonds ihre Positionen auf. Die meisten Geldzauberer haben einen Großteil ihrer Investments auf Pump finanziert. Wenn die Kurse einbrechen, müssen sie notgedrungen verkaufen. Eine Art Abwärtsspirale setzt sich in Gang. Ich verliere keineswegs die Nerven. Ich weiß, dass sich die Börse wieder erholen wird. Als Langfristanleger bieten sich nun mehr Chancen als Risiken. Aktien sind Trumpf.
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Trotz Finanzkrise knallen die Champagnerkorken
New York, Mittwoch, 19. November 2008
Auf meinem Foto sehen Sie den Schauspieler Sean Penn. Ich traf den Prominenten gestern auf einer Party. Aber dazu mehr am unteren Ende des Blogs. Zunächst einmal zur Krise: Derzeit betteln die Vorstände der drei großen Autohersteller in Washington um Milliarden von Dollar. Sie wollen Steuergelder der Amerikaner, um vor der Pleite bewahrt zu werden. Dieses Land steckt in der Krise. Nicht nur Chrysler, General Motors und Ford stehen am Abgrund, die gesamte Finanzbranche hat Feuer unterm Dach.
Der Dow Jones hat binnen Jahresfrist mehr als 40 Prozent seines Wertes eingebüßt. Der Immobilienmarkt liegt am Boden, die Arbeitslosigkeit grassiert, immer mehr Menschen melden Privatinsolvenz an. Den Vogel schoss diese Woche Citigroup ab. Die Megabank feuert 52.000 Beschäftigte. 23.000 Stellen wurden bereits in diesem Jahr eliminiert. In der US-Geschichte ist das ein trauriger Rekord. Nur IBM richtete ein größeres Blutbad an, als der IT-Riese 1993 rund 60.000 Beschäftigte vor die Tür setzte. Die Citigroup-Aktie verlor allein dieses Jahr 60 Prozent an Wert. Ein Desaster. Der Kurs rutschte unter die Acht-Dollar-Marke auf ein 13-Jahres-Tief. Der Abwärtstrend verstärkte sich noch. Zum Handelsschluss stand das Papier über 20 Prozent im Minus. Silvester stand der Kurs noch bei über 56 Dollar. Wenn Sie mich fragen, sollte die gesamte Führungsmannschaft zurücktreten. Im vierten Quartal 2007 türmte sich der Verlust auf zehn Milliarden, im ersten Quartal 2008 gingen 5,1 Milliarden Dollar über die Wupper. Im zweiten und dritten Quartal folgten Verluste von 2,2 beziehungsweise 2,8 Milliarden. Ein Ende der Schreckensmeldungen ist nicht in Sicht.
Citigroup hatte noch im Jahr 2005 27.000 Menschen in New York City an Bord. Hervorgegangen ist die Megabank 1998 aus der Fusion zwischen dem Versicherer Travelers Group und der Citicorp. Die Fusion hatte Sandy Weill eingefädelt. Weill hatte den weltweit größten Geldriesen geformt. Von Kreditkarten über Girokonten bis hin zu Hedgefonds und Immobilien – das alles gab es aus einer Hand. Das Imperium umfasste 200 Millionen Kunden in 100 Ländern. Ein renommiertes Wall-Street-Haus nach dem nächsten schluckte Weill. Er griff nach Smith Barney, Drexel Burnham Lambert, Hayden, Stone, Loeb und anderen. Gegründet wurde das Unternehmen 1812 als City Bank of New York. Es war die erste amerikanische Bank, die über dem Atlantik Niederlassungen eröffnete. 1990 firmierte der Konzern in Citibank um, dann in Citicorp. Der Hauptsitz befindet an der 53. Straße, Ecke Third Avenue. Das 59-stöckige Gebäude ist eines der höchsten Wolkenkratzer Manhattans.
Auf Schritt und Tritt können Sie in New York City nun die Rezession sehen. Geschäfte und Wohnungen stehen leer. Monatelang müssen Makler nun ihre Appartements anpreisen, bevor sie einen Nachmieter oder Käufer finden. Das war noch vor einem Jahr anders. Da überboten sich die Interessenten. Kam eine Wohnung für 1,2 Millionen Dollar auf den Markt, ging sie am gleichen Tag noch für 1,5 Millionen weg. Wer was haben wollte, musste gleich zuschlagen und sogar mehr bieten. In den Fenstern der Immobilienmakler hängen nun die Wohnungen wie Ladenhüter. Auf den Aushängen steht oftmals der knallrote Vermerk: „Jetzt noch günstiger!“
In den Weinläden, Supermärkten oder Bekleidungshäusern prangt hin und wieder „Geschäftsaufgabe“ im Schaufenster. In meinem asiatischen Lieblingsrestaurant „Republic“ am Union Square kriege ich nun sofort einen Platz, sonst musste ich oft zehn bis 15 Minuten warten, bis ein Tisch frei war. Das riesige Barnes&Noble-Buchgeschäft, das einst auf der 6. Avenue in Chelsea war, wo ich so gerne in der Börsenliteratur schmöckerte, fand immer noch keinen Nachmieter.
Doch das alles ist nur eine Seite New Yorks. Die Metropole hat noch ein anderes Gesicht. Es strömt Champagner in Strömen, es gehen tonnenweise Austern und gegrillter Lobster über den Tresen, kurzum: Partys ohne Ende. So veranstaltete die kleine Investmentbank Rodman & Renshaw kürzlich ihre größte Investorenkonferenz. Das Zusammentreffen im Palace Hotel dürfte schätzungsweise zwei Millionen Dollar oder mehr gekostet haben. Das Rahmenprogramm umfasste Gastredner Bill Clinton, eine berühmte Liveband spielte am Abend, tolle Delikatessen wurden gereicht.
Die Partys gehen unvermindert weiter. Ich gehe oft auf Feiern. Wer in New York mit einem Prominenten befreundet ist, dem öffnen sich viele Türen – auch abseits der Banken. Jeden Tag finden hunderte Partys statt, die tausende von Dollar kosten. Wenn Prominente einladen, sind 100.000 Dollar für eine Nacht gar nix. Manch eine Veranstaltung kostet bis zu drei Millionen Dollar. Oft mieten sie ganze Restaurants oder Hotels an – nur für ihre Gäste. Ich traf hier schon viele Promis.
Zurück zu Sean Penn. Gestern sprach ich kurz mit ihm und Schauspieler Jeff Goldblum anlässlich der Premiere des Kinofilms „Milk“. Penn ist auf die Presse überhaupt nicht gut zu sprechen, er meidet die Reporter, wo er nur kann. Auf dem Foto, das ich gestern knipste, sehen Sie Penn. Rechts hinter ihm steht Cleve Jones, der seinerzeit Assistent von Harvey Milk war. Ich traf gestern im Landmark’s Sunshine Cinema auf der 143 East Houston Street zudem den italienischen Designer Valentino, den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Edward Koch. Die Filmstars John Voight, Joseph Cross, Lance Black, Josh Brolin und viele weitere waren unter den Gästen. Nach der "Milk"-Vorführung ging die Gesellschaft in das Bowery Hotel auf der Lower East Side. Bei Leckereien, Musik und Plausch endete mal wieder ein interessanter Tag. Ich erlebte eine bewegende Nacht in der Stadt geprägt von zwei Gesichtern: Die Reichen und die Krise.
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Adolf Merckle: Ein Milliardär geht pleite
New York, Montag, 17. November 2008
Wie schnell man sich mit Leerverkäufen verzocken kann, zeigt ein berühmter deutscher Milliardär: Ratiopharm-Eigner Adolf Merckle hatte auf fallende Kurse bei Volkswagen gesetzt und sich verspekuliert. Laut einem Zeitungsbericht bat Merckle sogar beim Land Baden-Württemberg um eine Bürgschaft, um ihm aus der Patsche zu helfen. Der 74-jährige zählte zu den reichsten Deutschen und stand auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt auf Rang 94. Der Patriarch verfügt über ein weitverzweigtes Familienimperium, zu dem der Baustoffhersteller HeidelbergCement, der Pharmahändler Phoenix, Kötitzer Leder, Spohn Cement und Kässbohrer Geländefahrzeuge gehören. Offenbar könnte eine Schieflage des Milliardärs auch seine Konzerne in Mitleidenschaft ziehen. Insofern passt die Landesbürgschaft ins Bild. Dass der 74-jährige zockt, als ob er im Kasino ist, ist erstaunlich. Herr Merckle, warum haben sie sich nicht vorab über die Spielregeln informiert? Wer eine Aktie leerverkauft, kann unendlich viel Geld verlieren, wenn die zugrundeliegende Aktie immer weiter steigt. Wie dumm kann man eigentlich sein? Als erfolgreicher Unternehmer müssen Sie doch die Risiken kennen, die mit solchen Geschäften verbunden sind? Herr Merckle hätten Sie nur meine 10 Börsentipps befolgt, dann wäre Ihnen nicht dieser Fehler unterlaufen. Medienberichten zufolge steht offenbar die Tochter Ratiopharm vor dem Notverkauf. Lassen wir mal den Spass. Zuviel Spott ist nicht angebracht, denn die Volkswagen-Aktie war in der Tat völlig überteuert. Porsche trieb das Papier indirekt in die Höhe. Denn der Luxuswagenbauer hatte durch den geringen Streubesitz einen Run in die VW-Aktie ausgelöst. Wenig Angebot traf auf riesige Nachfrage - die Kursexplosion war die Folge.
Übrigens möchte ich Ihnen das spannend geschriebene Börsennotizbuch.de von Martin Savov ans Herz legen. Schauen Sie mal rein. Der Blogger trägt viele Quellen und Stimmen zum Marktgeschehen zusammen.
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Dunkle Wolken! Trübe Aussichten! Holen Sie den Regenschirm!
New York, Montag, 17. November 2008
In New York sind die Menschen verunsichert. Es ist kalt und nass. Es wird immer früher dunkel. Und kaum ein Tag vergeht - ohne neue Schreckensmeldungen. Diesmal meldete die Citigroup den Abbau von 50.000 Stellen. In der Finanzmetropole sind viele depressiv, sie sind paralysiert von der Finanzkrise und dem Wetter. Citigroup ist dabei nicht der einzige Konzern, der radikal Arbeitsplätze streicht. Merrill Lynch, JP Morgan Chase, Bank of America, ...
Es ist eine Unverfrorenheit, dass sich die Vorstände Millionengehälter in die Tasche stecken, während sie die Leute reihenweise vor die Türe setzen. Sie sollen alle sofort zurücktreten. Milliardenverlusten, Staatshilfe und Kündigungswelle passen nicht zusammen mit Millionengehältern und verrückten Boni. Citigroup-Finanzvorstand Gary Crittenden strich im vergangenen Jahr 14,4 Millionen Dollar ein. Das ist schlichtweg eine Unverschämtheit! Der kriegt den Hals nicht voll und gehört sofort weg! Der Jobabbau geht im gesamten Land weiter – in den nächsten Quartalen. Vielleicht sogar in den nächsten ein, zwei oder gar drei Jahren.
Die Amis lernen nun, kürzer zu treten, zu sparen, weniger zu konsumieren. Sie geben mit ihren Kreditkarten weniger aus. Große Anschaffungen schieben sie auf. Neue Autos, Möbel oder teure Urlaube sind gestrichen. Immer mehr Menschen gehen trotz der landesweiten Sparwelle dennoch pleite. „Chapter 13“ oder „Chapter 7 Bankruptcy“ - so nennen sie das hier.
Heute rauschte die Börse abermals in die Tiefe. Der Dow-Jones-Index sank um 223 Punkte oder 2,6 Prozent auf 8.273 Zähler.
Yahoo-Chef Cherry Yang tritt zurück. Die Aktie verlor massiv in den vergangenen Wochen. Dabei hatte Microsoft die Suchmaschine kaufen wollen und eine Offerte unterbreitet. Yang lehnte jedoch dankend ab. Das Angebot war ihm zu niedrig. Ein Fehler, meinen die Großaktionäre, die seither Yangs Rücktritt fordern. Yang verpasste eine Chance, nun zieht er die Konsequenzen.
Jetzt schreien die drei großen Autohersteller General Motors, Ford Motor und Chrysler um Milliardenspritzen vom Staat. Die Traditionsmarken stehen vor der Pleite. Der Absatz ist brutal eingebrochen. Die Amis waren es gewohnt, ständig neue Karren zu leasen, also auf Pump zu kaufen. Im Zuge der Rezession hat die Autonation jedoch ihre Neuwagenkäufe aufgeschoben. Da die Bilanzen der Kfz-Hersteller hochgradig verschuldet sind, können sie die Schwächephase ohne die Milliarden aus Washington nicht überleben. Im Crashtest haben sie versagt! In Deutschland bettelt unterdessen die General-Motors-Tochter Opel um Schützenhilfe bei Kanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin will offenbar unser Steuergeld an den maroden Konzern geben. Das ist ein Fass ohne Boden. Ich persönlich würde von meinem Geld keinen Cent in Opel investieren, wenn die mich um Schützenhilfe fragen würden.
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Was Warren Buffett, George Soros und die anderen Insider kaufen
New York, Sonntag, 16. November 2008
Ich stecke in einem Dilemma. Mein Vermögen hab ich leider vor Jahren zum Großteil am Aktienmarkt investiert. Würde ich mehr Barmittel oder sonstige Vermögen besitzen, würde ich dieses jetzt an der Börse in solide Papiere investieren. Denn ich weiß heute, dass der Markt in fünf bis zehn Jahren deutlich höher stehen wird. Da muss ich doch bescheuert sein, wenn ich diesen dramatischen Absturz nicht für billige Einkäufe nutzen würde. Leider ist das Cash schon investiert.
In dieser Korrekturphase werden gigantische Vermögen geschaffen. Schauen Sie sich den heftigen Absturz des Dow Jones in den vergangenen zehn Jahren an (Chart). Warren Buffett schrieb zu Recht in seinem Gastbeitrag für die New York Times, dass man nicht zu lange warten sollte. Ein weiteres Argument für einen Einstieg ist die Abgeltungsteuer, die ab dem 1. Januar 2009 in Deutschland greift. Dann werden pauschal 25 Prozent der Gewinne abgezogen. Bislang ist Deutschland in punkto Börse ein Paradies. Denn alle Aktiengewinne sind steuerfrei, solange die Aktienposition über ein Jahr lang gehalten wird. Ich rate angesichts des heftigen Kursrutsches und wegen der Abgeltungsteuer zügig zu handeln. Warten Sie nicht zu lange!
Warren Buffett stockte in den zurückliegenden Wochen seinen Anteil an ConocoPhillips massiv auf 84 Millionen Aktien auf. Der Milliardär hält damit einen Anteil von sechs Prozent an dem texanischen Ölmulti. In den vergangenen Monaten war der ConocoPhillips-Kurs heftig eingebrochen im Zuge des Verfalls des Ölpreises. Buffett tätigte die Transaktion über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Der beste Investor aller Zeiten wird von seinen Fans als das „Orakel von Omaha“ bezeichnet.
Auch Hedgefondsmanager George Soros liebt ConocoPhillips. 4,4 Prozent seines Portfolios hat er in dem drittgrößten Energieriesen der USA investiert. Soros zählt ebenfalls zu den besten Investoren weltweit. Wer bei ihm 100.000 Dollar im Jahr 1969 investierte, konnte sich bereits im Jahr 1994 über ein Vermögen von 150 Millionen Dollar freuen. Soros steht mit einem geschätzten Privatvermögen von 8,5 Milliarden Dollar auf dem 27. Rang der reichsten Amerikaner. Der Superinvestor baute im vergangenen Quartal den Anteil am Discounter Wal-Mart von 600.000 auf 3,8 Millionen Aktien aus. Seine Airline-Aktien stieß er dagegen alle ab. Nur an dem Billigflieger JetBlue hielt er fest. JetBlue ist auch einer meiner Favoriten.
Wenn Sie sich ansehen, was die Unternehmensinsider derzeit tun, dann fällt eine rege Kaufaktivität auf. Während in den vergangenen Monaten im Schnitt 14 Käufe pro Woche gemeldet wurden, kamen in dieser Woche mehr als 40 Transaktionen von Insidern zu Stande. Ein beachtlicher Umstand. Dass jetzt die Insider auf Schnäppchenjagd gehen, ist ein positives Signal. Die Kurse sind ausgebombt. Wir haben den Boden erreicht. Zu den Käufern zählen etwa Vorstände von General Electric und Citigroup. Als im Jahr 2005 der Häuserboom auf dem Hoch angelangt war, verkauften Manager von Hausbauunternehmen wie verrückt ihre Aktien. Sie wussten seinerzeit, dass das Ende des Superbooms erreicht war – insofern warfen sie ihre Aktienbestände gnadenlos auf den Markt. Das gleiche sehen wir jetzt auf der Käuferseite: Manager kaufen wie blöd. Folgen Sie der reichen Oberschicht. Denn sie wissen, was sie tun.
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McCormick: Würze fürs Depot
New York, Samstag, 15. November 2008
Auf einer Investorenkonferenz traf ich die Führungsspitze des größten Gewürzherstellers der Welt. Unternehmenschef Alan D. Wilson und Finanzvorstand Gordon M. Stetz betonten: „Wir sind sehr enttäuscht über die Kursentwicklung. Wir haben eine solide Bilanzstruktur und viele Wachstumsinitiativen gestartet.“ Seit September stürzte das Papier von 41 auf zuletzt 30,84 Dollar ab. Sehen Sie sich nur den Fünf-Jahres-Chart an. Für mich ist das ein bitterer Abschlag. Aus diesem Grund sollten Sie sich das Papier genauer ansehen.
Der 1889 gegründete US-Konzern florierte besonders in den vergangenen zehn Jahren. So wuchs der Umsatz um durchschnittlich sechs Prozent, der Gewinn je Aktie um elf Prozent pro Jahr. Langfristig peilt Wilson ein Umsatzwachstum von vier bis sechs Prozent an. Den Gewinn je Aktie will er um neun bis elf Prozent ausbauen. Im Geschäftsjahr 2007/08 (endet im November) dürften rund 3,2 Milliarden Dollar Umsatz zusammen kommen - nach 2,9 Milliarden im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie kann durchaus auf 2,15 Dollar klettern nach zuvor 1,92 Dollar. Insofern beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis nur 14. Das ist gerechtfertigt.
Die Wachstumsaussichten sind nämlich besser, als jemals zuvor. Amerikanische Verbraucher sparen angesichts der Finanzkrise besonders an Restaurantbesuchen und kochen häufiger zuhause. Mehr als die Hälfte der Gesamteinnahmen erzielt der Gewürzriese mit Konsumenten: Der US-Riese stemmt im Endkundengeschäft das Gros im Heimatmarkt, gefolgt von Europa und Asien. Das margenschwächere Standbein mit Industriekunden steht für weniger als die Hälfte der Konzerneinnahmen. Nach den Plänen des Vorstands soll dieses Geschäft weiter zugunsten der profitableren Konsumenten-Sparte abspecken.
Neben organischem Wachstum setzt Wilson auf den Zukauf starker Marken. So hat McCormick vor einem Jahr Lawry’s, einen Hersteller von Gewürzmischungen und Marinaden-Soßen, für 604 Millionen Dollar von Unilever geschluckt. Es war die bisher größte Akquisition, die McCormick jemals in trockene Tücher brachte. Für den Zukauf zahlte der Gewürzriese immerhin das 9-neunfach Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Billig war das nicht, aber absolut gerechtfertigt. Schließlich entstand Lawry’s 1922, es ist eine tablierte Marke. 95 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Endkundengeschäft. Weitere Deals nach diesem Strickmuster sollten folgen.
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Fresenius Medical Care: Cash mit Blut
New York, Freitag, 14. November 2008
Ein sicherer Hafen ist der Dialysekonzern. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monate büßte der DAX-Titel nichts ein, während sich in der gleichen Zeit die Hälfte der Standardwerte halbierten oder gar drittelten. Nur Volkswagen schnitt im DAX besser ab. Die stetigen Einnahmen aus dem Dialysegeschäft überzeugen die Börsianer. Es ist ein bombensicheres Geschäft und rettet Menschenleben. FMC ist Weltmarktführer von Produkten und Dienstleistungen für Menschen mit chronischem Nierenversagen. Weltweit lassen sich 1,6 Millionen Patienten mit dieser Krankheit behandeln. FMC betreut in seinen 2.318 Kliniken in Nordamerika, Europa, Asien, Lateinamerika und Afrika 179.340 Dialysepatienten. Mit weitem Abstand folgt der Widersacher DaVita mit 107.000 Patienten.
Auf dem Produktmarkt (Hämodialyse-Geräte, Dialysatoren, Einwegartikel) hat FMC ebenfalls die Nase mit einem Marktanteil von 30 Prozent vorn gegenüber den Konkurrenten. Im laufenden Jahr sollen nach den Plänen der Führungsspitze mehr als 10,4 Milliarden Dollar Umsatz durch die Bücher wandern nach 9,7 Milliarden im Vorjahr. Der Überschuss soll um zwölf bis 15 Prozent auf 805 bis 825 Millionen Dollar klettern (Vorjahr: 717 Millionen). Bereits von Januar bis September wuchs FMC (in Dollar gerechnet) um zehn Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn nach Steuern stieg um 16 Prozent auf 603 Millionen Dollar. Ich gehe von einem Übertreffen der Prognose aus.
Beim derzeitigen Kurs, 36,06 Euro, beträgt der Börsenwert 10,8 Milliarden Euro. Das ist wenig. Es entspricht gerade dem einfachen Jahresumsatz. Für ein so sicheres und stetiges Geschäft ist das wenig. Das KGV für 2008 moderate 16. Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre nahm die Dividende im Schnitt um zehn Prozent per annum zu. Experten sehen die Zahl der Dialysepatienten weltweit auf vier Millionen bis zum Jahr 2025 explodieren, das würde dem zweieinhalbfachen der jetzigen Kranken ausmachen. Insofern wächst die Nachfrage pro Jahr um sechs Prozent. Lipps eröffnet daher stetig neue Kliniken. So kamen in den vergangenen zwölf Monaten in Amerika 71, in Europa 29 und Asien 40 neue Behandlungszentren hinzu.
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Aktien heben ab. Nahrungsmittelhersteller und Fluglinien kaufen
New York, Donnerstag, 13. November 2008
In New York regnete es am Donnerstag den ganzen Tag. Es war ein grauer, kalter Novembertag. An der Börse schien dagegen die Sonne: Der Dow Jones Index kletterte um fast sieben Prozent oder 552 auf 8.835 Punkte. Das war ein mächtiger Sprung. Es scheint sich allmählich ein Boden auszubilden. Das kann jedoch mehrere Wochen oder Monate dauern. Wie sich die Kurse kurzfristig verhalten werden, weiß kein Mensch. Nur auf lange Sicht wissen wir, dass die Kurse wieder steigen werden auf neue Rekordhöhen. Das zeigt uns der Dow Jones seit mehr als 100 Jahren. Insofern ist das gegenwärtige Kurs-Niveau hochinteressant, um sich mit Käufen günstig einzudecken. Suchen Sie sich solide Konzerne aus, ideal sind Marktführer. Wenn Sie billig Aktien eingesammelt haben, dann lehnen Sie sich zurück. Und halten am besten die Anteile langfristig beziehungsweise für immer. So wie es Value Investor Warren Buffett tut.
Gut gefallen mir seit vielen Monaten Lebensmittelhersteller wie Nestle, General Mills oder Heinz. Auf meiner Kaufliste stehen ferner Airline-Aktien. Sie profitieren vom tief gestürzten Ölpreis, der sich gegenüber dem Hoch im Sommer bei fast 150 Dollar je Barell inzwischen mehr als halbiert hat auf 57 Dollar. Öl ist der größte Kostenfaktor bei Fluggesellschaften. Airlines haben zudem radikal ihre Kapazität eingedampft. Viele Maschinen stehen verlassen in der Wüste. Haben Sie heute die Kursrallye der Airline-Aktien gesehen? JetBlue, einer meiner Favoriten, ging mit 18 Prozent plus auf 5,77 Dollar in den Steigflug über. Ich bin an Bord und lehne mich zurück. Die Lufthansa zahlte bei ihrem Einstieg in die Billigairline immerhin 7,27 Dollar je Aktie, also deutlich mehr. Am 17. Juli legte ich Ihnen JetBlue zu einem Kurs von 3,86 Dollar ans Herz. Wer meinem Rat gefolgt ist, kann sich über 50 Prozent Kursplus freuen. Die Performance ist in diesem turbulenten Umfeld nicht von schlechten Eltern.
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Tupperware: Da kann wirklich nichts anbrennen
New York, Donnerstag, 13. November 2008
Ich traf kürzlich Vorstandschef Rick Goings im New Yorker Palace Hotel. Der Manager beklagte sich vor Investoren über den Kurssturz seines Hausfrauenimperiums. Goings: „Die Investmentbank JP Morgan hat uns von Kaufen auf Halten herabgestuft. Wir teilten zwar die Meinung der Analysten nicht. Trotzdem brach unsere Aktie von 38 auf 21 Dollar ein. Dabei hat sich nichts an unserem Geschäft geändert.“ Ich halte den Kurs in der Tat für superbillig und bin mir sicher, dass der Plastikschalenhersteller sich kräftig erholen wird. „Wir haben absolut keine Abschwächung in den Emerging Markets gesehen“, hob Goings hervor.
Der in Orlando Florida ansässige Direktvertrieb vermarktet Kunststoffartikel für die Küche sowie Schönheitsprodukte wie Cremes oder Kosmetik. Mittlerweile stammt die Hälfte der Einnahmen aus den Emerging Markets. In Indonesien haben die Amerikaner bereits 20.000 Frauen in ihren Vertrieb eingespannt. Da die Einkaufsmöglichkeiten für die Verbraucher in armen Ländern sehr beschränkt sind, boomen dort besonders Direktvertriebe. Zudem bietet Tupperware Frauen eine Verdienstmöglichkeit, die sie sonst kaum finden können. In der westlichen Welt strömen angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit immer mehr Frauen in den Direktvertrieb – auf der Suche nach alternativen Verdienstmöglichkeiten. Weil die Amerikanerin häufiger zuhause isst und auf Restaurantbesuche zunehmend verzichtet, ist der Bedarf an den Plastikschüsseln größer denn je. Auch heben die Amis mehr Reste auf als bislang. Schmalhans ist nun Küchenmeister.
Der drastische Kursverfall bietet eine Chance: Nur noch 1,3 Milliarden Dollar zeigt die Börsenwaage an. Selbst wenn Sie die Nettoschulden von 500 Millionen addieren, liegt die Bewertung (Börsenwert plus Schulden) bei gerade einmal 1,8 Milliarden Dollar, die Fachwelt spricht in diesem Zusammenhang von Enterprise Value, also der Wert mitsamt den Krediten. Bis Dezember sollten 2,25 Milliarden Dollar Umsatz durch die Bücher gehen nach zwei Milliarden Dollar im Vorjahr. Sprich dem Konzern billigen Börsianer weniger als einen Jahresumsatz zu. Der Gewinn je Aktie dürfte auf 2,70 Dollar klettern nach 2,25 Dollar im Vorjahr. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt acht. Das ist wirklich ein Witz. Ein Wahnsinnspreis! Wettbewerber werden weitaus höher gehandelt. So taxieren beispielsweise die Kosmetikriesen Estee Lauder oder Avon mit einem Gewinnvielfachen (KGV) von 13. Ordentlich rentiert die Dividende bei Tupperware mit 4,1 Prozent. Angesichts der exzellenten Geschäftsentwicklung hatten die Ratingagenturen S&P und Moodys zuletzt die Bonität hochgestuft. Goings will mit dem steigenden Kassenbestand Akquisitionen finanzieren. Tupperware ist ein schöner Value-Titel beziehungsweise solide Hausmannskost! Bei diesem Kurs kann nix anbrennen.
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Schon wieder im Minus: Wall Street kommt nicht zur Ruhe
New York, Mittwoch, 12. November 2008
Schon wieder ist die Wall Street brutal eingebrochen. Es scheint kein Ende der Talfahrt in Sicht. Der Dow-Jones-Index gab um fast fünf Prozent auf 8.282 Zähler. Besonders die Finanztitel lösen sich in Luft auf. Im Dow Jones schloss heute nur ein Titel im Plus, 29 landeten tief im Minus. Zu groß ist derzeit die Unsicherheit. Wer hätte noch vor gut einem Jahr gedacht, dass eine große mächtige Investmentbank wie Goldman Sachs beim Staat und Investoren um Geld bettelt? Auch der Kreditkartenriese American Express bewirbt sich nun in Washington um 3,5 Milliarden Dollar – Geld aus dem Rettungstopf der Regierung. Gut ist hingegen, dass der Ölpreis mehr als die Hälfte gegenüber dem einstigen Hoch bei 150 Dollar je Barrel verloren hat. Somit bleibt den Konsumenten etwas mehr Geld in der Tasche. Das ist wie eine kleine Steuersenkung.
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Ein gutgelaunter Bill Clinton im Hotel
New York, Dienstag, 11. November 2008
Gestern traf ich Bill Clinton in New York. Der ehemalige US-Präsident hielt eine beeindruckende Rede auf einer privaten Veranstaltung. Die amerikanische Regierung wird zwei Konjunkturprogramme in Kürze verabschieden, deutete Clinton an. Angesichts der wachsenden Erwerbslosigkeit will Washington außerdem die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes ausdehnen. Clinton lobte das Rettungspaket der Bush-Regierung, die 700 Milliarden Dollar in den maroden Finanzsektor pumpte. „Es war die richtige Entscheidung, dem System schnell Liquidität zuzuführen.“ Bush habe ein exzellentes ökonomisches Beraterteam mit Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke, sagte Clinton. Der prominente Gast war von mindestens fünf Leibwächtern umgeben. Überall im Hotel überwachte die Polizei das Geschehen.
In den Jahren 2007 und 2008 sind eine Million beziehungsweise zwei Millionen Häuser zwangsversteigert worden. Clinton warnte, wenn die Zahl weiterhin so schnell steige, würden sich die Kosten daraus schnell auf 500 Milliarden Dollar summieren, was Zweidrittel des 700 Milliarden Dollar Rettungsplans ausmachen würde. Grundsätzlich sei es wichtig, bei neuen Konjunkturpaketen gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen, mahnte er an. Er machte sich für Investitionen in Energie-Sparmassnahmen stark. Beispielsweise sollten in Gebäuden Fenster ausgewechselt und auf eine effizientere Beleuchtung gesetzt werden. Eine massive Beschäftigung könnte ein solches Projekt landesweit hervorrufen. Eine große Zahl an Kohlekraftwerken könnte dank der Einsparungen geschlossen werden, schwärmte der 42. Präsident der USA. „Das sollte Teil des Konjunkturpakets sein.“
Clinton sprach sich dafür aus, das Krankenversicherungssystem zu modernisieren. „Wir geben 50 Prozent mehr im Gesundheitswesen aus als andere wohlhabende Staaten. Wir müssen uns das noch mal genau anschauen.“ Zudem appellierte er, die US-Armee so schnell wie möglich aus dem Irak abzuziehen. Zehntausende von Soldaten seien verwundet, die Familien litten zum Teil sehr stark unter dem Krieg. „Die Iraker wollen uns nicht. Wir haben keine andere Wahl. Unsere Armee hat Schwierigkeiten. Wir haben dramatische Stresssituationen unter den Militärangehörigen und ihren Familien.“ Hoffnungsvoll äußerte er sich über den Nahen Osten: „Es gibt neue Chancen für Friedensgespräche im Nahen Osten.“
Bestens aufgelegt war der Gastredner. Er riss Witze und erzählte Anekdoten. So habe er - eine Woche bevor das Rettungspakt der Regierung verabschiedet wurde - mit dem Aufsichtsratschef von Wal-Mart gesprochen. Der Wal-Mart-Aufseher habe ihm erzählt, dass Tresore fürs Eigenheim verkauft worden seien wie verrückt. Damit spielte Clinton darauf an, dass die Bürger ihr Erspartes aus Sorge vor weiteren Bankpleiten lieber zu Hause bunkern.
40 Prozent der Zunahme des Inlandsprodukts sei in den zurückliegenden Jahren auf den Hausboom zurückzuführen. Der restliche Teil basierte auf Konsumausgaben, die größtenteils mit Krediten finanziert wurden. „Inmitten der Krise erhielt ich zwei automatische Anrufe von Kreditkartenfirmen. Da haben wohl einige etwas nicht verstanden“, scherzte Clinton über die aggressiven Vermarktungstaktiken der Kreditkartenanbieter.
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Bank of America: Eine zweite Rente
New York, Sonntag, 9. November 2008
Der Crash an der Wall Street macht so manchen Blue Chip als Dividendenpapier hochinteressant. Nehmen Sie die Bank of America. Innerhalb eines Jahres ist der Bankriese von 55 auf 20,49 Dollar abgestürzt. Der Börsenwert ist auf 93 Milliarden Dollar abgeschmolzen. In der Bilanz steht ein Buchwert von 162 Milliarden Dollar, sprich Sie kriegen den Konzern unterhalb seines Substanzwertes. Klar, die Bank of America kam nicht ungeschoren davon. Die Finanzkrise hat Spuren hinterlassen. Im laufenden Jahr dürfte das Ergebnis je Aktie sich etwa halbieren auf 1,55 nach zuvor 3,30 Dollar. Die Quartalsdividende hat der Gigant auf 0,30 Dollar je Anteilsschein halbiert. Nehmen wir also an, dass Sie pro Jahr eine Ausschüttung von 1,28 Dollar machen (viermal 0,30 Dollar). Macht beim aktuellen Kurs eine Dividendenrendite von 6,2 Prozent. Das ist knackig.
Es loht sich ein genauer Blick: Nehmen wir an, Sie steigen im großen Stil ein. Die Aktie notiert tief im Keller. Sie stauben also für Ihre Altersvorsorge 3.000 Sück für 20 Dollar ab. Sie investieren also 60.000 Dollar. Dafür bekommen Sie jedes Quartal 900 Dollar Dividende. Macht pro Jahr 3.600 Dollar. Das ist ein schönes Nebeneinkommen. Unterstellen wir, dass über die Jahre die Ergebnisse wieder steigen. Schließlich profitiert der Riese von der Konsolidierung im Sektor und zahllosen Pleitefällen. Günstig hatte sich Bank of America Konkurrenten wie Merrill Lynch oder Countrywide unter den Nagel gerissen.
Sollte die Dividende wieder auf das alte Niveau on 0,60 Dollar je Quartal zurückkehren, würden Sie pro Jahr 7.200 Dollar verdienen – so ganz nebenbei. Im Monat wären das 600 Dollar. Das ist ein schönes Renteneinkommen. 30 Jahren lang hatte die Bank of America jährlich die Dividende angehoben. Die jetzige Kürzung ist meiner Ansicht nach nur von kurzer Dauer. Zudem müssen Sie davon ausgehen, dass die Aktie wieder steigt. Wenn keiner die Aktie haben möchte, ist es Zeit zum Einsteigen. Für mich ist die Zeit gekommen: einsammeln. Haben Sie aber Geduld.
Morgen früh treffe ich Bill Clinton in einem New Yorker Hotel. Er hält in einem kleinen Kreis eine Rede über das Wahlergebnis. Ich bin gespannt, was der ehemalige amerikanische Präsident zu berichten hat.
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Obama, Paulson und Cheney: Cash ist King
New York, Freitag, 7. November 2008
Der 44. US-Präsident Barack Obama hat seine Wahl auch seinen zahllosen Spendern zu verdanken. Obama sammelte Rekordsummen ein und ließ seinen Konkurrenten John McCain im Schatten stehen. Erstaunlich ist, dass beträchtliche Geldbeträge für Obamas Wahlschlacht aus Wall-Street-Häusern flossen. So steuerten Manager und Angestellte von Goldman Sachs insgesamt 874.000 Dollar bei. Aus den Reihen von JP Morgan, Citigroup, Morgan Stanley und der Schweizer UBS wanderten insgesamt mehr als zwei Millionen Dollar auf sein Wahlkampfkonto. Washington und die Wall Street sind eng verbunden, sie scheinen eine harmonische Beziehung eingegangen zu sein. Multis wie Microsoft oder Google sowie die Eliteuniversitäten im Land spielten ebenfalls eine wichtige Rolle im Wahlkampf. Dass die Wirtschaft Obama so viele Millionen bereitstellte, machte sie, um Einfluss zu gewinnen. Schmieren und ölen nennt man das. Bei seiner ersten Pressekonferenz saßen gleich die großen Spender mit am Tisch. Es ging um sein Konjunkturprogramm. Bis zu 200 Milliarden Dollar dürfte der neue Präsident in die Wirtschaft pumpen. Eventuell fließt das Geld noch vor der Wahl - in einer Art Schnellverfahren. Sowohl im Kongress als auch Senat haben die Demokraten nun die Mehrheit. Das Foto zeigt den scheidenden Finanzminister Henry Paulson, der vor seinem Regierungskarriere Chef der Investmentbank Goldman Sachs war.
Hier die größten Obama-Spender:
University of California $909,283
Goldman Sachs $874,207
Harvard University $717,230
Microsoft Corp $714,108
Google Inc $701,099
JPMorgan Chase & Co $581,460
Citigroup Inc $581,216
National Amusements Inc $543,859
Time Warner $508,148
Sidley Austin LLP $492,445
Stanford University $481,199
Skadden, Arps et al $473,424
Wilmerhale Llp $466,679
UBS AG $454,795
Latham & Watkins $426,924
Columbia University $426,516
Morgan Stanley $425,102
IBM Corp $415,196
University of Chicago $414,555
US Government $400,819
Quelle: Opensecrets.org
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Nach der Wahl: Dow Jones stürzt um 929 Punkte in zwei Tagen ab
New York, Freitag, 7. November 2008
Nach der historischen Wahl Barack Obamas zum ersten schwarzen Präsidenten der USA kam die Wall Street ins Straucheln. Am Mittwoch und Donnerstag verlor der Dow-Jones-Index alles in allem fast zehn Prozent oder 929 Punkte. Das war der stärkste Kursverlust binnen zweier Tage seit Oktober 1987. Aber Sie sollten das nicht überbewerten. Der Kursrutsch hat nichts mit der neuen politischen Ära zu tun. Nein, wir stecken inmitten einer der schwersten Krisen und einer Rezession. Jedes fünfte Haus steht unter Wasser, sprich die Schulden liegen höher als der Wert der Immobilie.
Die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch. Die Arbeitslosenquote weitete sich seit Januar von 4,9 auf zuletzt 6,5 Prozent aus. Schon die Acht-Prozent-Marke sehen Experten in einigen Monaten fallen. Im Oktober gingen allein 240.000 Jobs verloren.
Problem ist, dass viele Menschen die Geduld verlieren, panisch reagieren und ihre Aktien mitten in der Krise auf den Markt schmeißen. Traurig auch, dass immer mehr Menschen sich das Leben nehmen. Die Verzweiflung ist groß. Manch einer sieht keinen Ausweg mehr. Wer in der Finanzindustrie derzeit seinen Job verliert, hat freilich geringe Chancen auf eine Neuanstellung bei einem anderen Haus. Nahezu jeder Finanzdienstleister baut Personal ab und senkt die Kosten.
Gerade haben die Behörden aufgrund eines Autopsieberichts den Selbstmord des Bear-Stearns-Managers Berry Fox bestätigt. Wie das Wall Street Journal in seiner gestrigen Ausgabe berichtet, nahm sich der führende Manager der Research-Abteilung am 23. Mai das Leben. Zunächst schluckte der 51-jährige einen Medikamentencocktail. Als die Pillen ihre Wirkung nicht wie gewünscht entfalteten, sprang er vom Balkon im 29. Stock seines Appartements. Er hatte in den Tagen zuvor erfahren, dass nach dem Kollaps seiner Bank und der anschließenden Übernahme durch JP Morgan ihm kein Job mehr angeboten wird. Mehr als die Hälfte der 14.000 Bear-Stearns-Beschäftigten verloren ihren Arbeitsplatz bei dieser Transaktion.
Anfang Oktober nahm sich in Los Angeles ein arbeitsloser Manager aus dem Finanzsektor das Leben, nachdem er zuvor seine Familie umgebracht hatte. Zwei Wochen zuvor hatte sich ein Futures-Trader in Chicago erschossen.
Bankvorstände stopften sich dagegen die Taschen voll. Im September ging bekanntlich die Investmentbank Lehman Brothers pleite. Krass ist, dass Lehman-Chef Richard Fuld seit seinem Antritt im Jahr 2000 bis zum Untergang sage und schreibe 484 Millionen Dollar verdiente. Es ist das Geld der Aktionäre, das sich Leute wie Fuld genehmigten. Eine halbe Milliarde Dollar - das ist an Raffgier kaum zu überbieten. Bei Countrywide, einem der größten Subprime-Hypothekenanbieter gab es ebenfalls Verwerfungen. Kurz zum Hintergrund: Als die Bank in die Bredouille geriet, übernahm die Bank of America den angeschlagenen Anbieter. Nur so konnte vermutlich die Pleite verhindert werden. Countrywide-Gründer und -Chef Angelo Mozilo hat indes trotz der Schieflage seine Schäflein ins Trockene gebracht. Er verkloppte Aktienpakte im Wert von mehr als 400 Millionen Dollar. Die meisten der Anteilsscheine schmiss er zu Höchstkursen aus seinem Depot. Er bekam den Hals offenbar nicht voll, muss die Probleme gesehen haben, sonst hätte er die Aktien behalten.
In New York rechnen unterdessen Immobilienmakler mit einem starken Verfall der Wohnungspreise. Sowohl die Mieten als auch die Verkaufspreise dürften ins Rutschen kommen. Wer seinen Job in der Finanzmetropole verliert, verlässt in der Regel zügig Manhattan. Die Mieten sind derart teuer, dass es sich kaum ein Arbeitsloser auf lange Zeit leisten kann, in der Stadt zu bleiben.
Des einen Leid, des anderen Freud. Aktien sind so billig wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Von den einstigen Höchstkursen im Dow Jones vor einem Jahr liegen wir schon rund 40 Prozent tiefer. Blue Chips kriegen Sie für Kurs-Gewinn-Verhältnisse von zehn oder weniger. Wer sich jetzt eindeckt, kann auf lange Sicht eine satte Performance erzielen. Aktionäre müssen in dieser Situation lernen, geduldig zu sein. Abwarten und Tee trinken! Warten Sie, bis die Unternehmen wieder bessere Ergebnisprognosen abgeben können - eventuell ist das schon im nächsten Jahr der Fall. Geduld zahlt sich aus. Die Aktien werden wieder steigen. Der Dow Jones wird neue Rekordmarken markieren. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
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Gratulation Mr. Barack Obama
New York, Mittwoch, 5. November 2008
Am Tag nach der Wahl schloss die Wall Street tief im Minus. Der Dow-Jones-Index brach am Mittwoch um 486 beziehungsweise fünf Prozent auf 9.139 Zähler ein. Ist das ein schlechtes Omen nach Barack Obamas historischer Wahl? Nein! Ganz und gar nicht. Am gestrigen Dienstag war der Dow Jones noch kräftig geklettert. Insofern sollten Sie das Minus nicht überbewerten. Behalten Sie die Nerven. Das war ein schöner Tag für Schnäppchenkäufe an der Börse. Klar ist jedoch, dass Obama nun etliche Probleme zu lösen hat. So steht jede fünfte Immobilie in den USA unter Wasser - sprich die Hypothek übersteigt den Wert der Wohnung oder des Hauses. Das ist eine brisante Quote. Zudem leben die Amerikaner nach wie vor im großen Stil auf Pump. Jeder US-Bürger hat im Schnitt 10.000 Dollar Schulden auf der Kreditkarte angehäuft. Die Wirtschaft steckt in der Rezession. Die Arbeitslosigkeit steigt. Die angeschlagenen Banken vergeben kaum noch Kredite. Und der Krieg im Irak und Afghanistan verschlingt Milliarden von Dollars.
Ich verfolgte die Wahl beim Nachrichtensender CNN. Am Montagabend so gegen 23 Uhr kristallisierte sich heraus, dass Obama der erste schwarze Präsident der USA wird. Am New Yorker Times Square versammelten sich Hunderte von Schaulustigen und feierten spontan den 47-jährigen. Obama hielt wenig später im Grant Park in Chicago vor 125.000 Menschen eine bewegende Rede. Sie klang wie eine Predigt. Obama rief zur Einigkeit im Land auf und zur gemeinsamen Kraftanstrengung. Ich favorisiere Obama vor seinem Konkurrenten John McCain. Wenngleich ich die Immigrationspolitik der Demokraten für völlig bescheuert halte. Zu stark folgen die Demokraten den Gewerkschaften, die davor warnen, dass Immigranten den US-Bürgern die Arbeit wegnehmen würden. Dabei vergessen die Gewerkschafter wohl, dass Nordamerika so erfolgreich ist, weil es aus der Zuwanderung hervorging. Erstaunlicherweise sind die Republikaner in punkto Immigration viel liberaler. Sie wissen, wie wichtig die Einwanderer sind. In den USA ist die Rentenversicherung auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt. Immer weniger Nachwuchs steht einer alternden Gesellschaft gegenüber. So schlimm wie in Deutschland sind die Verhältnisse allerdings noch nicht, doch die Amerikaner sind auf dem besten Weg dorthin.
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Puma: Von wegen Katze im Sack
New York, Mittwoch, 5. November 2008
In Deutschland steht Puma auf meiner Kaufliste. Grund: Die Raubkatzen-Aktie ist schwach wie schon lange nicht mehr. Der M-DAX-Titel kostete noch Mitte 2007 rund 340 Euro. Mittlerweile brach der Kurs auf 143,60 Euro ein. Der Abschlag um fast 60 Prozent ist völlig übertrieben. Gewiss bekommen die eingetrübten Konjunkturaussichten die Herzogenauracher zu spüren. Alles in allem dürfte sich jedoch die Auswirkungen des gedämpften Konsums in Grenzen halten. So geht Vorstandschef Jochen Zeitz im laufenden Jahr von einem Wachstum in mittleren bis hohen einstelligen Bereich aus. Insofern sollten 2,5 nach 2,3 Milliarden Euro in 2007 erreichbar sein. Auf die Börsenwaage bringt Puma dagegen nur 2,3 Milliarden Euro. Damit billigt das Parkett dem kerngesunden Unternehmen nicht mal einen Jahresumsatz zu (das Cash übersteigt sogar die Schulden).
Selbst wenn Sie für 2008 einen zum Vorjahr lediglich gleich hohen Überschuss in Höhe von 272 Millionen Euro unterstellen, ergibt sich ein KGV von acht. Das ist ein Witz. Erzrivale Adidas wird mit einem KGV von zehn, Branchenprimus Nike sogar mit 15 taxiert. Die Konkurrenten sind also deutlich höher bewertet, dabei sind die Margen der Raubkatze die besseren. So kamen bei Puma 15,5 Prozent Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern in die Scheune, während Adidas nur auf gut neun Prozent kommt. Wegen des niedrigen Aktienkurses kann ich mir eine Komplettübernahme von Puma durch den französischen Luxusgüterhersteller Pinault-Printemps Redoute (PPR) derzeit gut vorstellen. PPR hatte im vergangenen Jahr 330 Euro je Anteil geboten. Inzwischen haben die Franzosen mit einem Anteil von mehr als 65 Prozent praktisch das Ruder in Herzogenaurach übernommen. Zudem machte Puma intensiv vom Aktienrückkaufprogramm Gebrauch, mehr als fünf Prozent des Grundkapitals ließ Zeitz einsammeln. Damit umfasst der Streubesitz weniger als 30 Prozent. Insofern könnte PPR auf dem gegenwärtigen Kursniveau für schlappe 700 Millionen Euro sich den Sportschuh- und Modehersteller komplett unter den Nagel reißen. Zum Vorteil für die Franzosen wäre: Sie könnten neben Verwaltungsaufwendungen die Kosten für die Börsennotierung einsparen und bräuchten sich nicht mehr, in die Karten schauen zu lassen.
Zeitz ließ schon Anfang des Jahres vermelden, dass er nichts dagegen einzuwenden habe, falls der Mehrheitseigner seine Puma-Tochter von der Börse nehmen wolle. Der Zeitpunkt scheint gekommen. Eine viel günstigere Gelegenheit wird sich wohl kaum noch bieten. Setzen Sie auf ein attraktives Übernahmeangebot. Sollte eine Offerte doch nicht zustande kommen, sind Sie mit einem KGV von acht in jedem Fall gut aufgehoben. Puma ist eine starke Marke mit überschaubarem Risiko. Und Sie beteiligen sich immerhin an dem weltweit drittgrößten Sportartikelhersteller. Legen Sie sich auf die Lauer und stauben ein paar Aktien ab.
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Aktien sind so billig wie seit den 1970er Jahren nicht mehr
New York, Sonntag, 2. November 2008
Ein Bekannter hat all seine Aktien des führenden Stahlproduzenten United States Steel verkloppt. Echt schade. Nach Jahrzehnten des Bestandsaufbaus verlor der Bekannte einfach die Nerven, wurde emotional und versilberte das komplette Aktienpaket. Es handelte sich dabei um einen wesentlichen Bestandteil seiner Altersabsicherung. Der Kurs notierte noch im Juni bei 185 Dollar. Aktuell ist die Notiz auf 36,88 Dollar abgeschmiert.
Wenn Sie sich aber die Börse genauer anschauen, ist es die beste Zeit für Käufe und nicht für Verkäufe. Seit den 1970er Jahren waren Aktien nicht mehr so billig wie derzeit. Die Aktiengesellschaften notieren rund um die Welt im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,3 auf Basis der Erträge der vergangenen zwölf Monate. Das ist spottbillig. Sie müssen nur zehn Jahre warten, bis Sie Ihr Investment zurückverdient haben. Die Aktienrendite ist zudem beachtlich. Teilen Sie eins durch das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,3, ergibt sich eine jährliche Rendite von 9,7 Prozent. Wo bitteschön kriegen Sie eine so hohe Verzinsung für Ihr Kapital?
Darüber hinaus zahlen zahlreiche Firmen Ihren Aktionären fürstliche Dividende, die zwischen 4 bis 7 Prozent rangieren. Selbst in den 70er Jahren taxierten Aktien im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,4, waren also auch seinerzeit teurer als aktuell. Das hat die Citigroup in einer Studie herausgestellt.
Brutal abgestürzt ist vor allem die chinesische Börse. Taxierten im gelben Riesenreich im September 2000 die Aktien noch mit dem 40-fachen Jahresgewinn, kriegen Sie jetzt die Unternehmen für weniger als den zehnfachen Ertrag. In den USA ist das Gewinnvielfache im gleichen Zeitraum von etwa 30 auf 15 abgestürzt. Es sind praktisch schon alle negativen Meldungen in den tiefen Kursen eingepreist. Alles ist im Grunde billig.
Wenn Sie ein Anleger sind, der Value Werte sucht, sind das die besten Zeiten. Lassen Sie sich aber nicht von den massiven Kursschwankungen (Volatilität) verrückt machen. Kaufen Sie nur Aktien, die Sie mindestens fünf Jahre halten wollen. Am besten bleiben Sie immer an Bord, so wie es Warren Buffett nach seinen Zukäufen in der Regel tut. Allein in diesem Jahr steckte der Value Investor fünf Milliarden Dollar in Goldman Sachs Group, jeweils drei Milliarden in General Electric und Dow Chemical sowie 6,5 Milliarden in die Übernahme des Kaugummiriesen Wm. Wrigley.
Mein Bekannter mag wohl auf kurze Sicht mit dem Verkauf seines riesigen United-States Steel-Pakets keinen Fehler gemacht haben. Aber langfristig bin ich der festen Überzeugung, dass der Titel wieder auf die Beine kommt.
Der Dow-Jones schloss diese Woche am Freitag 144 Punkte oder 1,6 Prozent höher bei 9.325 Zählern. Auf Wochensicht stand der Dow elf Prozent höher, das war eine der besten Wochenabschlüsse seit den 1970er Jahren. Trotz der Aufholjagd zum Monatsende war der Oktober mit einem Minus in Höhe von 14 Prozent katastrophal. Öl verlor im Oktober 33 Prozent auf 67,81 Dollar je Fass. So hoch war der Verlust noch nie zuvor in einem Monat. Gold verblasste um 18 Prozent auf 716 Dollar je Unze. Das war der schlimmste Monatsabschlag für das gelbe Edelmetall seit mehr als 28 Jahren.
Rund um den Globus unternahmen die Regierungen und Notenbanken Schritte, um die Krise nicht ausufern zu lassen. Unter anderem senkte die FED die Leitzinsen auf 1,00 Prozent. Und die westlichen Regierungen helfen angeschlagenen Banken bei der Rettung. Ich rechne fest mit einem Aufschwung auf lange Sicht. Gehen Sie also an Bord. Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Gut möglich, dass das eine Chance ist, die Sie nur alle paar Jahrzehnte bekommen.
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