In welchen Fällen „Buy and Hold“ funktioniert und wann nicht


New York, 25. Juli 2012

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Immer wieder wagen sich Leute aus der Deckung und behaupten, die Strategie des „Buy and Hold“ funktioniere heute nicht mehr. Natürlich sind es oftmals Banker, die das behaupten, denn die mögen besonders aktive Anleger. Es nutzt den Banken nämlich, wenn die Kunden aktiv sind. Umso häufiger klingelt die Kasse.
Diese „Mahner“ führen unzählige Beispiele an, warum das Kaufen-und-Liegenlassen angeblich nicht mehr funktioniert. Die Zeiten hätten sich geändert. Ja, klar. Blablabla…
Sie nennen abschreckende Betrugsfälle wie Enron oder WorldCom. Sie führen Technologiefirmen an, die seit dem Platzen der Blase im Jahr 2000 abgestürzt sind.
Natürlich ist es logisch, dass eine „heiße“ Aktie, die damals mit einem KGV von 100 bedacht wurde, heute niedriger stehen muss. AOL-Time Warner ist so ein abschreckendes Beispiel. Oder Cisco. Cisco wies ein abenteuerliches KGV von 180 vor zwölf Jahren auf. Wen wundert es, dass der Cisco-Kurs auf ein vertretbares KGV korrigieren musste? Genauso muss Facebook vermutlich in den kommenden Jahren auf ein vertretbares Niveau sinken.
Nehmen Sie dagegen langweilige Firmen. Ölproduzenten, Versorger, Supermarktketten, Bekleidungshäuser, Lebensmittelhersteller, die zur Jahrtausendwende moderat bewertet wurden. Die stehen heute allesamt höher – vorausgesetzt natürlich, sie haben gut gewirtschaftet. Der Einzelhändler Ross Stores legte seit dem Jahr 2000 um über 1.300 Prozent zu. Ross Stores notierte seinerzeit mit einem günstigen Gewinnvielfachen von elf.
Weitere Beispiele dafür, dass „Buy and Hold“ funktioniert, wenn man zu moderaten Bewertungen einsteigt, sind: Walt Disney, McDonalds, Exxon Mobil, Chevron, Coca-Cola. Ich könnte diese Liste nahezu endlos fortsetzen.
Conclusio: Jeder sucht für seine Theorien die passenden Beispiele aus. Ich natürlich auch. Achten Sie stets darauf, welche Interessen bestimmte Personen verfolgen, wenn Sie Ihnen die Börse erklären. Denn es gibt so viele „Experten“, die verfolgen in erster Linie ureigene Ziele. Das ist ja nichts Schlechtes. Für Sie ist es nur wichtig, die Interessen der „Experten“ zu durchschauen.
Mit langweiligen Geschäftsmodellen funktioniert das „Buy and Hold“. Eben mit Lebensmitteln, Öl und so weiter. Eine moderate Bewertung und eine hübsche Dividende sind wichtige Grundvoraussetzungen für das Gelingen. Es handelt sich beim „Buy and Hold“ um eine der besten Strategien überhaupt, weil Sie so Transaktionskosten, Steuern und Gefühle (Angst, Gier) vermeiden. Zudem wirkt so der Zinseszinseffekt zu Ihren Gunsten.
Das Tanzen in den Markt und aus dem Markt können Sie vergessen. Das funktioniert nicht! Vielleicht klappt das auf dem Tanzparkett, aber nicht auf dem Börsenparkett.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „In welchen Fällen „Buy and Hold“ funktioniert und wann nicht

  1. Stefan

    Es gibt mit Sicherheit Aktien, die man auf keinen Fall für immer halten sollte. Einige Beispiele hast du ja genannt. Die Frage ist nur: wann ist der Zeitpunkt gekommen, diese zu verkaufen?

    Verfechter des „Buy & Hold ist tot“ gehen einfach davon aus, dass man eine Aktie verkaufen sollte, bevor sie anfängt zu fallen. Mit diesem Tipp macht man sich es ein wenig zu einfach…

  2. Matthias

    Hallo Tim,

    Ich bin auch Befürworter von Buy&Hold, allerdings muss man abwägen. Könntest du vll. mal einen Blogbeitrag zu dem Thema schreiben, in welchen Fällen es sinnvoll ist, Aktien aus seinem Depot zu streichen? Und wann nicht? Das wäre sicher ein sehr wertvoller Beitrag…

    Viele Grüße,
    Matthias

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Stefan
    @ Matthias

    Es besteht keinerlei Grund, zu verkaufen. Wenn ich eine P&G, Chevron oder Exxon vor 20 oder 25 Jahre gekauft habe, gibt es keinen Grund zu verkaufen. Einfach mal diese phantastischen Charts anschauen.

    Der Mensch neigt dazu, 1.000 Gründe für einen Verkauf zu finden. Das ist Unsinn. Hohe Qualität zu moderaten Preisen hat immer seine Berechtigung.

    Selbst für Neueinsteiger gibt es keinen Grund, das Knöpfen „Verkaufen“ zu betätigen.

    VG
    Tim

  4. Tobias

    Hallo zusammen!

    Ich denke es gibt nur zwei Gründe zu verkaufen:

    1. Das Unternehmen ist so massiv überbewertet, dass man es nach der Kurskorrektur auch unter Berücksichtigung der Steuer günstiger zurück kaufen kann, z.B. Coca Cola zur Jahrtausendwende (KGV 50). Das Ausmaß der Überbewertung und das Außmaß der zu erwartenden Korrektur korrekt zu erkennen ist aber extrem schwierig.

    2. Das Unternehmen ist nachhaltig angeschlagen, nicht mehr wunderbar, z.B. weil das Management unfähig ist und das Unternehmen nachhaltig schädigt (z.B. Apple in den 90ern) oder weil der Burggraben überwunden wurde (z.B. bei Polaroid – Geschäft mit sofort entwickelten Fotos wurde durch Digitalfotos ausgelöscht).

    Was meinst du dazu Tim?

    Viele Grüße aus dem regnerischen Oberbayern

    Tobias

  5. tim schaefertim schaefer

    Hallo Tobias,

    das sind gute Ansätze.

    Ich finde jedoch, wir sollten diese Verkaufs-Ideen grundsätzlich aus unserem Gedächtnis löschen. Denn diese Verkaufsgründen lenken nur ab und vernichten viel zu viel Potential.

    Selbst bei Coca-Cola wäre es zu der hohen Bewertung ein Fehler gewesen, damals zu verkaufen, wenn ich mir ansehe, wo der Kurs heute steht. Ganz zu schweigen von den Dividenden, die einem Verkäufer fehlen und der Perspektive.

    Um das „Kodak-Problem“ (Technologiewandel) zu umgehen, einfach keine Tech-Aktien kaufen.

    Meine Rezeptur:
    Man nehme Öl- oder Nahrungsmittelhersteller. Wenn ich vor 15 Jahre Exxon gekauft hätte, würde ich das Papier doch nie mehr hergeben.

    Beste Grüße
    Tim

  6. Matthias

    @Tim: Ich weiß nicht… wenn das Geschäftsmodell wegbricht und man einfach merkt, dass man auf's falsche Pferd gesetzt hat, warum sollte man den Gaul reiten, bis er tot ist?

  7. Frank

    Bin selbst Anhänger von Buy and Hold und zur Zeit auf der Suche nach einem dividendenstarken, nachhaltigem Ölwert. Siemens Chef Löscher sieht deutliche Zeichen eines wirtschaftlichen Rückgangs.
    Könnte mir also vorstellen daß Öl und damit die Ölwerte noch zurückkommen.
    Der Einstiegszeitpunkt ist langfristig zwar nicht so wichtig, man möchte aber doch günstig einkaufen.
    Bei den Zahlen von Royal Dutch ( ein Favorit von mir) kann man die aktuelle Entwicklung gut beobachten.
    P.S.
    Ich bin gestern auf deine Site gestoßen und als Value Investor echt angetan.Weiter so.
    Frank

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Matthias,

    wenn ich Nestle, Pepsi, Heinz, Exxon, Wal-Mart, Starbucks, McDonalds, Chevron, Amex etc. besitze, dann stirbt der Gaul nicht. Im Gegenteil. Die Marken und die Stärke ist enorm, die stößt kein Sturm so schnell um.

    Insofern stellt sich auch die Frage des Ausstiegs nicht.

    Die meisten Menschen kriegen das „Verkaufen“ nicht aus ihren Köpfen. Für grundsolide Firmen besteht kein Grund aussteigen zu müssen.

    Wer hingegen Biotechs, Technologie, Forschungsfirmen, Inertnetbuden etc. mag, dann kann sich die Frage des Verkaufens stellen. Ich wage mich daher nicht mehr in dieses Feld.
    VG
    Tim

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Frank, danke.

    Die großen Öl-Dinger laufen einfach immer. Unglaublich stark sind diese Firmen. Eine Ölquelle anzuzapfen ist viel einfacher als der Abbau von Gold oder Silber.

    VG
    Tim

  10. Sams

    @ Frank
    Ich hatte dieses Jahr nach dem Gasleck mal Total auf dem Schirm.
    Warum notiert Shell zur Zeit eigentlich so um den Buchwert rum? So auf den ersten Blick was Umsatz, Gewinn, Dividendenentwicklung die letzten 3 Jahre angeht sieht das gut aus?
    Dividende immer durch Gewinn gedeckt, auf die Bilanzsumme bezogen über die letzten 3 Jahre hat die Fremdkapitalquote abgenommen.
    Mehr Umsatz, mehr Gewinn, im Verhältnis weniger Schulden? Bilanzsumme wird größer?
    Wenn ich mal fragen darf, wo liegt den der Hund begraben? 4-5% Dividendenredite ist ja eigentlich kein Grund die Aktie zu verkaufen?
    Oder sind die Zahlen auf Ing-Diba einfach falsch!

  11. Thomas

    Wie in dem Artikel geschrieben:
    „Jeder sucht für seine Theorien die passenden Beispiele aus“

    Oder eben die passenden Zeiträume, wenn ich billig genug einsteige passt es auch.
    Dann passt es auch zum Beispiel bei einer Microsoft.

  12. tim schaefertim schaefer

    Hallo Thomas,

    ja klar. Der Einstiegskurs ist entscheidend.

    Apropos Microsoft: Das Softwarehaus ist eine der besten Aktien seit dem IPO. Die Performance ist unglaublich stark.

    VG
    Tim

  13. Frank

    @sams
    hab deine Zeilen jetzt erst gesehen.Generell sind Ölaktien aktuell günstig da die wirtschaftliche Situation in der Welt eher nachgebend gesehen wird.Dies hätte fallende Ölpreise zur Folge welche Gift für die ÖlStocks wären.
    V.a. allem ein Nachlassen der chinesischen Wirtschaft würde den Preis drücken, außerdem soll durch neue Ölfördermöglichkeiten (Fracking) die USA als Nachfrager außeramerikanischem Öls ausfallen.
    Naja, langfristig wird Öl knapper und damit teurer werden, also beobachte ich noch werde aber einsteigen(weiß nur noch nicht genau wann)
    Frank

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