Im Luxusrausch


New York, 23. Januar 2014

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Oje! Was für ein Angeber.
Der Gouverneur von Virginia, Bob McDonnell, lebte in Saus und Braus. Im Strandhaus eines Unternehmerfreunds verbrachte er den Urlaub mit der Familie. McDonnell bat per Email dringend darum, sich dessen Ferrari ausleihen zu können. Als er am Strand residierte, wollte er eben unbedingt den edlen Sportwagen fahren. Alles kein Problem.
Er nutze den Jet hin und wieder. Er ließ sich eine Rolex-Uhr, eine Louis-Vuitton-Handtasche, iPhones und Oscar-de-la-Renta-Kleidung bezahlen. 120.000 Dollar Cash kassierte der Berufspolitiker nebenbei von seinem Kumpel.
Jonnie Williams, ein lokaler Tabakunternehmer, bezahlte alles, worum ihn der Landesfürst bat. McDonnells Töchter ließen sich Geld für ihre Hochzeiten spendieren. Manchmal half der mächtige Politiker seinem Freund mit Kontakten für dessen strauchelnden Tabakbetrieb. Das war seine Gegenleistung.
Der Staatsanwalt wirft dem Ex-Gouverneur und seiner Gattin Maureen McDonnell nun Korruption vor. Ihnen drohen lange Gefängnisstrafen. Sie können bis zu 30 Jahre hinter Gitter kommen.
Das Politikerehepaar lebte über seine Verhältnisse. Luxusartikel spielten eine wesentliche Rolle in ihrem Leben. Es scheint eine persönliche Unsicherheit zu sein, wenn sich jemand mit diesem ganzen Krimskrams umgibt.
Schon bevor der Gouverneur in sein Amt eingeschworen wurde, bat dessen Frau 2009 den befreundeten Geschäftsmann per Email um Hilfe:
“I need to talk to you about inaugural clothing budget. I need answers and Bob is screaming about the thousands I am charging up in credit card debt. We are broke, have an unconscionable amount in credit card debt already and this Inaugural is killing us!! I need answers and I need help, I need to get this done.”
Es war ein Hilfeschrei an den reichen Kumpel Jonnie Williams. Frei nach dem Motto: „Bitte gebe uns Geld, wir können noch nicht mal neue Kleidung kaufen, weil unsere Konten leergeräumt sind.“
Das zeigt uns: Wohlstand ist relativ. Mir hätte das Salär des Landeschefs sicherlich gereicht. Den meisten Menschen hätte es gereicht. Aber diese Leute schienen so unzufrieden zu sein, so unsicher, dass sie eine Gier entwickelten. Sie glaubten, glücklich mit den Statussymbolen zu werden. Fehlanzeige. Das trieb sie immer tiefer ins Unglück.
Es gibt Menschen, die streben danach, neue Autos zu fahren, feinste Kleidung zu tragen, tolle Konsumelektronik überall im Haus installiert zu haben. Sie ziehen ständig in größere Häuser um.
Kennen Sie noch die Sparkassen-Werbung aus den 1990er Jahren – mit dem Spruch „Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot!“?

Die Ansammlung von Luxusobjekten, um Bekannte, Freunde, Kollegen und Nachbarn zu imponieren, ist im Endeffekt ein trauriger Trend in unserer Gesellschaft.
Ich habe Respekt vor Menschen, die bodenständig bleiben. Beeindruckt bin ich zum Beispiel von „Mr. Money Mustache“, der mit seiner Familie den Frühruhestand geniesst. In seinem Blog beschreibt er, wie er mit einem Jahresbudget von 25.000 Dollar seine Familie über die Runden bringt. Diese Leute sind glücklicher als die Gouverneurs-Familie. Zufriedenheit kommt nicht mit dem Geld.
Diese Erfahrung machte auch Wall-Street-Trader Sam Polk. In der „New York Times“ spricht er Klartext. Der junge Profi-Trader beschreibt, wie er immer süchtiger nach Geld wurde, je mehr er verdiente. Trotz der fetten Boni auf dem Konto nahm seine Unzufriedenheit dramatisch zu. Seinen Job hängte er an den Nagel. Er zog nach Kalifornien. Und kümmert sich jetzt um eine Stiftung. Respekt!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Im Luxusrausch

  1. Frank / Berlin

    Eitelkeit und Protzerei sind wirklich Sünden. Diese Sucht nach Firlefanz.
    Ich habe noch nie verstanden, warum ich bei steigendem Einkommen (und mein Einkommen ist in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen) auch mein Leben ändern sollte.
    Meine Leidenschaft ist Bücher lesen, sehr preiswert im Vergleich und dümmer wird man auch nicht.

    „So gab Diogenes häufig zu bedenken, dass man die wirklich wertvollen Dinge fast umsonst kaufen könne, während man beinahe Wertloses, das heißt Nutzloses, teuer bezahlen müsse. So koste eine Statue mindestens tausend Drachmen, ein Maß Gerstenmehl dagegen nur zwei Kupferstücke.“

    Quelle: http://www.derblauereiter.de/journal/journal/ausgaben/11-20/geld/leseprobe/

  2. Couponschneider

    Frank, das habe ich auch nie verstanden. Mein Lebensstandard ändert sich kaum; ich brauche nicht ständig neue Sachen, um zufrieden zu sein. Ich habe zum Jahreswechsel sogar mal meinen Kleiderschrank ausgemistet und selbst Sachen, die noch gut waren, die ich aber fast nie anzog, habe ich dann zum Container gebracht. Bei Kollegen sehe ich auch ständig neue Schuhe an den Füßen. Ich habe ein Paar, was ich im Alltag immer trage. Es sind Lederschuhe und die werden gründlich geputzt. Nächstens sind Schuhspanner eingesetzt.Ein zweites Paar werde ich mir demnächst kaufen, sodass ich meine Schuhe im Wechsel tragen kann. Dann halten die noch länger.

    Und Bücher sind auch meine Leidenschaft.

    Und ich habe noch meinen Beruf, für den ich brenne und der es erlaubt, dass ich mit intensiv in neue Thematiken einarbeite und meine Kreativität spielen lassen kann. Und wenn ich dann bis Mitternacht geistig darin vertieft bin, fühle ich mich glücklich, ohne auch nur einen Euro ausgegeben zu haben.

    Als ich meine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte, kam die Frage nach der Dynamik. Der Vermittler ließ durchblicken: Wegen Gehaltssteigerungen. Das hat mich natürlich nicht überzeugt, da mein Bedarf nicht abhängig ist von meinem Gehalt. Ich sagte: Dynamik ja, aber wegen der Inflation.

  3. Markus

    Also zu stark an Kleidung zu sparen ist bei gehobenen Job`s aber auch nicht unbedingt sinnvoll.
    Es kommt wie immer auf das richtige Maß an.

  4. Couponschneider

    Bei Kleidung zu sparen, heißt ja nicht, wie ein Lump herumzulaufen. Es ist halt unsinnig, viel zu viel im Schrank zu haben, denn man hat wenige Lieblingsstücke, die man fast immer trägt.

    Gute Schuhe kauft man einmal und dann pflegt man diese. Ich bin ja mittlerweile über 30. Ich würde im Alltag keine Turnschuhe mehr tragen wollen. Diese sind teuer, meinem Alter nicht angemessen und man kann sie schlecht putzen. Sie machen auch einen schlechten Eindruck. Daher sollte man lieber zwei, drei Paare gescheiter Lederschuhe für den Alltag haben und immer schön den Schuhspanner nutzen und immer gut putzen.

  5. Tino

    @Mario, ..ein Angebot das sie nicht ausschlagen können.. sein Jahresgehalt auf die Hand? 🙂

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