Im Crashtest versagt: General Motors und Ford


New York, 7. Juli 2008

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Die bedeutenden US-Automobilhersteller sind nach dramatischen Kursverlusten kaum noch etwas wert. General Motors bringt nur noch lausige 5,7 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage. Eine verfehlte Produktpalette mit schweren Spritschluckern und Schulden bis zur Halskrause bringen das 1908 in Detroit gegründete Unternehmen in Bedrängnis. Die Kreditlast türmt sich nach Abzug der liquiden Mittel auf bald 21 Milliarden Dollar. Es gibt an der Wall Street erste mahnende Stimmen, die vor einer möglichen Insolvenz warnen. Vor ein paar Jahrzehnten dominierte GM mit einem Verkaufsanteil von 50 Prozent den amerikanischen Fahrzeugmarkt. Im Jahr 2000 schmolz der Anteil auf 30 Prozent. Im Gegenzug holten vor allem die Asiaten auf. Aktuell hat Toyota einen Anteil von 18,6 Prozent im US-Markt erobert, während GM auf 19,4 Prozent zurückfiel. Nun reagieren die Detroiter erneut mit einem Rabattprogramm, um den Schwund zu stoppen. Sie bieten die Finanzierung für 0 Prozent für bis zu 72 Monate an. Aletrnativ gewähren sie 7.000 Dollar Barrabatt. Das ramponiert die Marke und drückt die Margen. Zudem ist ein drastischer Personalabbau geplant.
Ford Motor ist nur noch lumpige 9,9 Milliarden Dollar wert. Auf sage und schreibe 143 Milliarden Dollar türmen sich hier die Schulden. Im vergangenen Geschäftsjahr musste Ford Zinsen in Höhe von fast elf Milliarden zahlen. Kredite können gerade in rezessiven Phasen zum Verhängnis werden. Deshalb suche ich als Value-Investor nach soliden finanzierten Gesellschaften. Meine Favoriten haben in der Regel nicht mehr als das ausgewiesene Eigenkapital an Schulden. Am besten ist: Die Hälfte des Eigenkapitals in Form von Schulden. Das ist grundsolide. Dann können Sie ruhig schlafen: Ein solches Verhältnis sollte jede Gesellschaft durch gute und schlechte Zeiten schultern können.
Volkswagen hat einen Börsenwert von 80 Milliarden Dollar und ist mit dieser Marktkapitalisierung nach Toyota die Nummer zwei weltweit. Für die Wolfsburger wäre es rein theoretisch mit Blick auf den Börsenwert einfach, die beiden US-Fliegengewichte GM und Ford zu schlucken. Doch wer will sich schon Problemfälle mit einem gigantischen Schuldenberg ans Bein binden? Die Fusion von Daimler und Chrysler hat gezeigt, wie ein marodes ein gesundes Unternehmen zerbeulen kann. Derzeit dürfte die Erleichertung in Stuttgart über den Verkauf des Sorgenkindes Chrysler groß sein. Denn Chrysler scheint ein Fass ohne Boden zu sein.


tim schaefer (Author)

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