Hokuspokus Verschwindibus


New York, 20. März 2015
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Eine Nespresso-Maschine. Die kleinen lila Alu-Kapseln rechts sind für eine Tasse gedacht und sündhaft teuer. Ein Pfund Kaffee aus den Kapseln kostet umgerechnet 51 Dollar. Gut, es ist bequem, aber extrem teuer. Kaum jemand merkt, dass in den Alu-Dingern eigentlich Gold stecken müsste.

Von vorne sieht der Maxwell-Kaffee richtig üppig aus. Aber auf der Rückseite...

Von vorne sieht der Maxwell-Kaffee richtig üppig aus. Aber auf der Rückseite…

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…auf der Rückseite ist in den Kaffee-Container ein riesiger Griff eingearbeitet. Na, muss das sein? Der Hersteller ist Kraft Foods. Trotzdem ist dieser Kaffee viel günstiger je Pfund als der von Neppers-Presso (Nestlé, haha).

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie die Lebensmittelindustrie spart? Der Inhalt von Tee- oder Müsliriegelboxen schrumpft, während die Verpackungen größer werden. Ein krasses Beispiel sind die Eintassen-Kaffeemaschinen.

Es gibt diese Maschinen von Nestlé, sie heißen Nespresso. Sie sehen wie ein kleines, silbernes Raumschiff aus (Foto). Ich finde, es ist eine Angeberei, ein Statussymbol. Das Pulver für eine Tasse Kaffee ist absurd teuer. Ein Pfund kostet umgerechnet rund 50 Dollar. Vergleichen Sie: Ein ausgezeichneter Kaffee mit feinster Röstung kriegen Sie für maximal 20 Dollar je Pfund in einem Café-Laden.

Früher wie Oma das brühende Wasser einfach über den Kaffeefilter aus Porzellan goss, das hatte etwas Besonderes.

Keurig ist überm großen Teich der Kapsel-König. Dass es sich um eine Lizenz zum Gelddrucken handelt, sehen Sie am Langfristchart von Keurig Green Mountain. Die Aktie rennt feurig nach oben. Coca-Cola beteiligte sich an dem Erfolgsunternehmen mit seinen sogenannten „K-Cups“-Kapseln.

Bei Putzmitteln ist ein ähnlicher Trend zu beobachten: Es steckt weniger in der Verpackung, während der Preis stabil bleibt oder sogar anzieht. Das sind versteckte Preiserhöhungen. Dabei müsste wegen des billigen Öls alles billiger werden. Transport- und Verpackungskosten sinken schließlich.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 500 Produkte unter die Lupe genommen. Es ist schon erstaunlich, wie geschummelt wird.

Irgendwann werden Kartoffelchips und Popcorn einzeln verpackt. Ein Problem ist gewiss der Verpackungsmüll, der überhand nimmt.

Die Verbraucher sind nicht so dumm, wie die Hersteller vermuten. Ich glaube, wir merken den Schwindel über kurz oder lang. Deshalb sind die Discounter Lidl, Aldi und Costco auf dem Vormarsch. Hier wissen die Kunden, dass die Preise fair sind. Costco bietet größere Packungen mit mehr Inhalt an – alles ist mit einem saftigen Rabatt versehen.

Ich kaufe zu 90 Prozent frische Ware. Ohne Scan-Symbol obendrauf. Das ist nicht nur gesünder, sondern nebenbei billiger. Gefrorene Dinge schmecken wie ein nasser Waschlappen. Tütensuppen und Dosen sind nicht das gelbe vom Ei. Ich glaube, frische Ware ist einfach unschlagbar.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Hokuspokus Verschwindibus

  1. Geld schläft nicht

    Hallo Tim,

    ich kann dir nur recht geben. Ich achte auch darauf, dass ich so viel wie möglich frische Ware kaufe. Bei anderen Artikeln schaue ich darauf, dass diese so wenig wie möglich verarbeitet sind. Kaffee trinke ich nicht.

    Viele Grüße

  2. dk

    „People today are more educated about coffee than ever before. They know where it’s grown and how it’s roasted“

    Genau das trifft den Kern der Sache.

    Kaffee ist für mich eine Zeremonie und keine „Droge“ zum Beispiel.
    Ich liebe es, die Gelassenheit und das Leben zu genießen, und dabei  leckeren Kaffee zu trinken.

    Guter Artikel der USA Today.

  3. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Nespresso ist eines jener Phänomene, über die ich mich nicht mehr wundere. Als die in den Markt gingen, da fand ich die Clooney-Spots so dämlich, dass ich dachte, damit versauen die sich den Erfolg. Aber wie man sieht, Nespresso ist zum Kult geworden. Ich habe auch Leute im Freundeskreis, die schwören drauf. Mich würde schon abhalten, dass man die Kapseln nur in „Club-Geschäften“ in Metropolen bekommt, oder bestellen muss. Diese quasi-religiöse Spinnerei nervt mich, was mich übrigens auch von Apple fernhält. Man will den Leuten ein (eingebildetes) Bewusstsein einimpfen, dass sie Mitglied von etwas Besonderem sind.

    Bei mir in der Firma werden auch Nespresso Gemini Maschinen geleast. Zugegeben, die Kapseln schmecken und haben vielfältige Sorten parat. Zum Glück konnten wir für unsere Abteilung eine große Jura kaufen lassen. Ich will einfach die Bohnen sehen, das Mahlgeräusch haben, und den frisch verströmten Duft beim Brühen genießen.

    Kaffee ist für Genießer keine Preisfrage, bzw. man will sich nicht billig den Magen füllen. Reine Espresso-Liebhaber werden zeremoniell mindestens eine mechanische La Pavoni o.ä. benutzen. Man kann viel Aufwand für ein paar Tropfen schwarze Brühe betreiben. Aber Liebhaber sind da über jede Diskussion erhaben. 😉

    Bei Spinnereien ist jede wirtschaftliche Betrachtung zum Scheitern verurteilt. Warum gibt es Whiskyliebhaber, die sich Flaschen ab 100 Euro kaufen? Oder Wein? Warum ist jetzt gerade Craft Beer so angesagt? Weil genügend Leute es lieben, und es sich leisten können.

    Diese oben geschilderte „Gewinnoptimierung“ durch weniger Inhalt in großer Verpackung der Lebensmittel- und Haushaltsmittel-Hersteller ist doch genau das, was unter Druck zur Erhöhung des Shareholder Value passieren muss. Wo sollen denn Gewinne herkommen, wenn es kein echtes Wachstum mehr gibt? Es kann nur durch höhere Margen kommen.

    Frauen sind vor allem anfällig für kleine Packungen („Da muss man nicht gleich so viel auf einmal essen/trinken“). Ich habe es aufgegeben, bei Minipackungen Kekse oder Schokolade, oder 0,2 Liter Getränken auf den Gramm- oder Literpreis hinzuweisen.

    Wer den Obergefreiten, äh den Oberlehrer spielt, der macht sich nur unbeliebt. 😉

    MS

  4. Frank / Berlin

    Bei uns gibt es doch die Vergleichspreise „pro 100 ml/g“ oder „pro 1 kg/l“.

    Wer damit nicht umgehen kann, dem ist eh‘ nicht zu helfen.

    ich kauf fast alles bei Lidl. bei einem Großteil der Lebensmittel gibt es heutzutage gar keine Qualitätsunterschiede mehr.

  5. KHB

    Mit den Kapseln hat tim Schäfer recht, das ist wohl nur Abzocke. Meine Nestle-Aktien tut der Run trotzdem gut.

    Ansonsten geht mir das ständige Geknausere von Tim Schäfer eigentlich nur noch auf die Nerven. Jeder soll so leben wie er möchte, ich brauche dazu keinen Sparfuchs der mir mit missionarischem Eifer erklärt, wie man noch mehr raffen und knickern kann.

  6. willihope

    @KHB

    Aber das hat Tim doch diesmal garnicht getan!?

    Kannst es ja überlesen wenn er wieder auf einem 30 Jahre altem Sofa rumreitet! 🙂

    Mach ich übrigends auch! 🙂

    Würden alle so leben wie Tim und einige Geizhälse hier hätten  sehr viele Leute keine Arbeit, „your spending is outher peoples income“ heisst es doch so schön, naja muss nicht jeder verstehen.

     

  7. GertGert

    @ Tim

    Ich weiß nicht, was du hast, bloß weil ich mit Keurig so viel Geld verdient habe, dass ich bis an mein Lebensende jeden Kaffeepreis bezahlen kann:-)))

    Aber im Ernst: Auch wenn ich nicht der so der Sparfuchs wie du bin, hast du grundsätzlich recht. Aber wir werden die Welt nicht ändern.

  8. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Gert

    Ja, das muss jeder selbst wissen. Als Aktionär macht das Geldverdienen natürlich mit solchen Aktien Spaß. Aber als Konsument ist das sauteuer. Es ist so wie bei den Gillette-Rasierern. Die Klingen sind eine Goldgrube für Gillette. Es gibt keine Konkurrenz. Das gleiche bei den Kapseln. Ich glaube, es gibt einen Patentschutz auf die Dinger. Läuft das Patent ab, kommt eine neue Maschine auf den Markt – mit einem neuen Patent.

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