Hoffentlich bebt die Börse bald


New York, 26. Juni 2013

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Sie sehen meinen Schnappschuss aus Nizza. Kunst in der Innenstadt. Ich sitze auf glühenden Kohlen. Ich habe einen Batzen Bargeld auf dem Girokonto schlummern. Es handelt sich um den Erlös aus dem zwangsweise ausgeübten Verkauf meiner Heinz-Ketchup-Position an Warren Buffett und 3G Capital.
Ich kriege Null Prozent Zinsen für das Cash. Ich warte nun ab, liege auf der Lauer. Im Grunde genommen wäre ich froh um einen kräftigen Rücksetzer an der Börse. Leider fällt das bisherige Minus moderat aus. Leider!
Ohnehin ist es eine große Herausforderung Qualitätswerte im Sonderangebot zu bekommen. Wirklich gute Geldmaschinen sind meistens etwas teuer als der Rest. Konzerne wie CocaCola, SAP, Procter & Gamble, Henkel usw. gibt es selten „billig“. Woran es liegt, dass das Gewinnvielfache teurer ist als in der zweiten Liga? Qualität hat eben ihren Preis.
Wenn ein Konzern auf dem Wühltisch liegt, hat das einen handfesten Grund. Steckt ein Unternehmen in einer Krise, kann die Börse auf dem Weg nach unten übertreiben. In diesem Fall kann sich nach einem Kurssturz eine Chance auftun. Aber so kauft man sich ein Problem mit ein.
Ich muss mich entscheiden: Will ich absolute Qualitätsware? Dann muss ich dafür einen Taler mehr bezahlen. Oder möchte ich einen Mittelklassetitel? So ein Ding gibt es natürlich billiger. Dies kann sich jedoch auf Dauer als Problemfall herausstellen.
Ich habe mich entschieden. Ich möchte Top-Qualität, zahle lieber einen Tick mehr, kann nachts gut schlafen und lasse den Zinseszins für die nächsten Jahrzehnte für mich arbeiten.
Fazit: Hoffentlich beben die Börsen in den kommenden Tagen. Dann könnte ich mir einen Top-Titel unter den Nagel reißen. Wenn nicht, warte ich halt ab. Eines ist mir klar: Den genauen Zeitpunkt erwische ich eh nicht.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Hoffentlich bebt die Börse bald

  1. finanziell umdenken

    Hi Tim,

    in der Tat, bei Kursrückgängen ist es ein guter Rat seine Liquidität schon einmal für einen Kauf bereitzuhalten. Von den Dividenden-Aristokraten hat z.B. eine Philip Morris immerhin rund 10% vom Hoch aus dem Mai verloren – nur um mal einen Titel zu nennen.

    Richtig runter (um 20%) ging es in den Emerging Markets und in der Region Asien/Pazifik. Ich denke, vor allem dort kann man sich derzeit nach interessanten und günstigen Investments umsehen.

    VG
    Lars

  2. ZaVodou

    Hallo Tim,
    Du scheinst ja die (meisten) Qualitätsaktien zurzeit für zu teuer zu halten.
    Jetzt musst Du nur noch erklären, wann Du eine Qualitätsaktie für kaufenswert erachtest.
    Also den Punkt, auf den ich hier schon seit einer Ewigkeit warte.

  3. Markus

    J. Siegel schreibt ja in seinem Buch, dass man bei „El-Dorado-Aktien“ ein leicht höheres KGV von 15 – 18 akzeptieren muss.
    Natürlich immer Dividenden reinvestieren, wenn sich die Summe lohnt.

    Ich sehe mich nicht als Pessimisten, nur weil 95 % der Bevölkerung die unschönen Wirtschaftsentwicklungen nicht wahrnehmen möchten, weil es Ihnen aktuell so gut auf Ihrer Couch geht… 😉
    Die Fakten deuten leider auf mehrere Staatsbankrotte hin. Das kann man sich noch so schön reden.

    Bei einem Börseneinbruch von 50 % oder mehr, würden sich einige doch kein Beben an den Märkten wünschen… Wie viel Gewinn man für 50 % Verlust machen muss, ist ja hinlänglich bekannt.

    @Tim
    Du hast Recht, wenn Du schreibst, dass es sich nicht lohnt an der Börse ein Pessimist zu sein. Aber wie hättest Du es einem Anleger 1929 oder 1960 für 20 lange Jahre erklärt, optimistisch zu bleiben? Vor allem, wenn der Anleger im letzen Lebensdrittel sich befindet…

  4. Tom

    Es gibt mehrere Leute welche auf fallende Kurse warten 😉
    Sofern man die Qualitätsaktien kaufen und für die nächsten Jahrzehnte halten will, darf man ruhig mehr bezahlen..
    Die Zentralbanken überfluten die Märkte und früher oder später kommt die Inflation.. Mit solchen Sachwerten ist man gut gerüstet…
    ..ein Bankkonto kostet heute nur..es wird mehr zur Verbindlichkeit..
    Lieber Aktien von einem Qualitätsunternehmen halten und quartalsmässig Dividenden absahnen 😉

  5. Markus

    Sachwerte ja, Inflationsschutz bei gallopierender Inflation nein.

    90 % Verlust wie 29 bei gleichzeitigem Arbeitsplatzverlust im Worst-Case-Szenario… dann sehen wir mal, wer noch optimistisch buy & hold proklamiert.

    Allerdings so überteuert wie damals sind wir nicht!!! Andererseits stehen nicht nur einzelne Länder vor einem Scherbenhaufen, sondern ganze Währungsräume, welche nur durch die Droge des billigen Geldes zusammengehalten werden…

    Panikmache bringt nix!!! Eine sachliche Diskussion, ob die allgemeine Staatsverschuldung zu einer Weltwirtschaftskrise zwangsläufig führen muss, oder ob es alternative Lösungsmöglichkeiten noch gibt, wäre interessant. Evtl. haben wir aber diesen Punkt schon überschritten…

  6. Felix

    Hallo Tim,
    also das geht überhaupt nicht: Uns den Mund so wässerig zu machen mit Ihren anvisierten Qualitätstiteln und dann keinen zu nennen :-).
    Da müssten Sie uns schon mal durchs Schlüsselloch gucken lassen, was da denn so für Sie momentan infrage käme.

  7. StefanStefan

    @ Tim:

    Schau dir mal auf gurufocus die letzten Artikel von Chuck Carnevale an. Nur so als kleiner Tip! Die find ich hervorragend. Hab da immer wieder gute Investment-Ideen mitgenommen…

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Lars
    Danke für den Hinweis. Ich werde mich wieder in den USA eindecken. So bleibt für mich alles wie gehabt im Dollarraum (bislang Heinz). Ich habe mit guten US-Dividendentiteln bislang gute Erfahrungen gemacht.

    @ ZaVodou
    Ich habe ja oben im Text ein paar Aktien genannt, die ich mir anschaue. Eventuell auch Berkshire. Das ist ja ein perfekter Dividendenreinvestment-Trick, weil Buffett nichts ausschüttet, spart sich der Anleger die Steuern auf die Dividenden.

    @ Markus
    Ich hätte das so erklärt: „Sparbuch, Festgeld und LV bringt wenig nach Abzug der Inflation. Denke an Deine Kinder bzw. Erben.“

    @ Tom
    stimmt.

    @ Felix
    Im Text habe ich doch Aktien genannt.

    @ Stefan
    Oh ja, Chuck Carnevale ist ein super Autor. Der ist mir auch schon positiv aufgefallen.

    Danke an alle für die Hinweise.
    Viel Erfolg an der Börse und beste Grüße
    Tim

  9. ZaVodou

    @Tim
    lies doch ncoh mal meine Frage durch.
    Ich wollte nicht wissen, welche Aktien Du für günstig erachtest, sondern eher warum.
    Wann ist eine Aktie für Dich kaufenswert? Welche Kriterien müssen erfüllt sein?
    Das Du Qualitätsaktien empfiehlst, hat wohl jeder so langsam begriffen.
    Manche Leser scheint das ja zu befriedigen und wollen das mantraartig immer wieder lesen.
    Mich hat immer der nächste Punkt interessiert. Und da kommst Du einfach nicht weiter in Deinem Blog.
    Zu jedem Kurs scheinst Du eine Qualitätsaktie ja wohl auch nicht kaufen zu wollen.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Markos
    P&G klingt gut.

    @ Stefan
    Stimmt. Sieht spannend aus.

    @ ZaVodou
    Wann ich eine Qualitätsaktie für kaufenswert erachte? Das hängt von vielen Faktoren ab. So genau kann ich das nicht sagen. Es ist ein Bündel an Sachen entscheidend, die zusammenkommen sollen. Gut finde ich z.B. eine Gewinnwarnung, Krise oder Rücktritt bei einem Qualitätsding. Das ist fast ideal.

    Es spielt ein Stück weit Intuition eine Rolle. Das perfekte Timing gibt es nicht. Die perfekte Firma auch nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich kann es dir nicht beantworten.

    @ Andreas
    Das war vielleicht schon der Rücksetzer für 2013 gewesen. Wer weiß?

  11. ZaVodou

    Danke Tim für die doch sehr ehrliche Antwort.
    Ich habe schon feste Kriterien, sonst wüsste ich ja gar nicht, wonach ich suchen soll und was letzten Endes überhaupt eine Qualitätsaktie für mich ist.
    Auch habe ich mir Regeln für den Preis einer Aktie festgelegt, so dass es eben keine reine Bauchsache ist.
    Aber jetzt ist mir zumindest klar, warum Du einerseits Qualitätsaktien empfiehlst, aber auch so Aktien wie Tesla.

  12. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou
    Nun. So einfach mache ich es mir nicht. Zu Tesla habe ich einen ganzen Ordner erstellt mit Zahlen, Daten, Mitteilungen. Ich habe in meinem Büro einen riesigen Drucker. Das war monatelange Arbeit. Ich sprach mit einem bekannten Hedgefondsmanager, der bis unter die Zähne short war. Dann passierte plötzlich etwas Überraschendes. Das war mein Signal.
    Ähnlich war das bei Netflix. Extrem geshortet, Kurs im Keller. Ich erstellte einen Ordner nach der Buffett-Methode: Geschäftsberichte u. wichtige Mitteilungen. Das schrieb ich über Netflix, als der Kurs am Boden lag.
    Falsch lag ich bei den Banken. Als die Krise vor 4 Jahren um sich griff, dachte ich die Erholung muss bald kommen. Dass die Kurse um 90% einbrechen, das hat mich überrascht. Ein Riesenfehler.

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