Hin und Her macht Taschen leer


New York, 5. August 2008

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Am Dienstag kletterte der Dow Jones um 331 Punkte auf 11.615 Zähler. Das waren 2,94 Prozent mehr. Der beste Tag seit vier Monaten. Es sieht ganz danach aus, als ob wir das Schlimmste überstanden haben an der Wall Street. Wer aus Sorge vor einem weiteren Abrutschen ausgestiegen ist, der verpasst natürlich solche massiven Anstiege. Ich bin langfristig investiert. Denn kein Mensch kann die Marktentwicklung auf kurze Sicht vorhersagen. Die vielen Jahresprognosen der Analysten gleichen einer eigenartigen Wahrsagerei. Wo steht der DAX, Dow Jones oder Dollar zum Jahresende? Wer das genau wüßte, bräuchte nicht mehr zu arbeiten. Die ganzen kurzfristigen Prognosen sind Quatsch. Ich weiß nur, dass die Börse langfristig steigt. Das zeigt der Dow-Jones-Index seit seiner erstmaligen Veröffentlichung 1896. Das Börsenbarometer startete bei 40,94 Punkten.
Wenn Sie die Value-Strategie verfolgen, brauchen Sie sich um Abschwungphasen keine Sorgen zu machen. Ihre Unternehmen sind solide, die Schulden ihrer Firmen sind überschaubar, insofern überstehen ihre Aktien solche Konjunkturabschwünge ohne in Existenznöte zu kommen.
Warren Buffet (Foto: wikipedia) ist der erfolgreichste Investor weltweit. Er hat einmal in einem Interview gesagt, wenn man sich für eine Aktie entschieden hat, dann muss man mindestens zehn Jahre lang dabei bleiben. Freilich hat Buffett auch etliche Fehler gemacht. Aber immerhin brachte ihn seine Investmentstrategie so viel Geld ein, dass er der reichste Mensch auf der Erde ist. Sehen Sie sich seine Einstiegszeitpunkte beziehungsweise Haltedauer an:
American Express, 1991, 17 Jahre
Coca-Cola, 1988, 20 Jahre
Walt Disney, 1985, 23 Jahre
Gillette (später P&G), 1989, 19 Jahre
Washington Post, 1973, 35 Jahre
Wells Fargo, 1989, 19 Jahre
Noch heute sitzt er auf diesen Aktienpaketen. Es bringt also nichts, ständig umzuschichten. Kurzfristig weiß eben kein Mensch, was passiert. An den ständigen Käufen und Verkäufen verdienen nur die Banken und die Börse. Viele Daytrader mögen sehr gut sein. Es gibt sicherlich etliche, die fünf Tage lang in Folge schöne Profite in die Scheune fahren. Aber am sechsten Tag kann der ganze Gewinn mit ein paar falschen Trades zunichte gemacht werden. Ich habe noch nie von einem Daytrader gehört, der es zum Milliardär schaffte. Es ist Unsinn, wenn beispielsweise eine solide Aktie 30 Prozent höher notiert, sie zu verkaufen. Wenn Sie eine exzellente Gesellschaft finden, die stark unterbewertet ist, würde ich langfristig an Bord bleiben. Denn statt 30 Prozent sind mehrere hundert Prozent Performance locker drin. Und natürlich spielt die Steuer eine Rolle. Wer ständig umschichtet, muss die Gewinne versteuern. Das kann einen beträchtlichen Teil der Performance unterm Strich vernichten. Warren Buffett hat auf dieses Problem mehrfach in seinen Jahresberichten seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hingewiesen. So zum Beispiel 1993. Hin und Her macht nur die Taschen leer.


tim schaefer (Author)

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