Hewlett-Packard: Schnäppchen oder fallendes Messer?


New York, 21. Juli 2012

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Schauen Sie in die Depots der Stars an der Wall Street? Nicht? Ich mache das ständig. Ich bin begeistert von den Veränderungen in deren Portfolios. Wenn George Soros, Carl Icahn, Seth Klarman, David Einhorn, John Paulson oder Bill Ackman bedeutende Aktienpositionen kaufen, nehme ich die Bilanzen unter die Lupe. Ich überlege, warum tut er das? Warum ist die Aktie günstig? Was für ein Potential hat das Ding?
Hin und wieder schaue ich mir Reden der Stars in Manhattan an. Diese Woche war ich von Hedgefonds-Star Jim Chanos (links auf dem aktuellen Foto) begeistert. Ich erlebte ihn im „The Pierre Hotel“ am Central Park. Sie müssen wissen: Chanos ist schon so etwas wie eine Legende, er hatte den Enron-Betrug frühzeitig entdeckt und die Aktie geshortet.
Der Milliardär ist in New York auf vielen Events. Seine Fans halten ihn für ein Genie.
Chanos glaubt an den Niedergang von Hewlett Packard (HP). Auf der „Delivering Alpha“ Konferenz des Börsensenders CNBC sagte er, die IT-Ikone aus Kalifornien, bekannt für die Computer und Drucker, befindet sich in einer schweren Krise. Chanos hat HP daher leerverkauft, sprich er setzt auf fallende Kurse.
Jetzt können Sie sagen: Moment Mal, die Aktie ist doch fünf Jahre lang nur gesunken, jetzt noch das Ding verkaufen auf einem so niedrigen Niveau? Chanos sagt: Ja, unbedingt verkaufen. Er vergleicht HP mit Kodak (ging pleite). Der Geldzauberer glaubt, Smart Phones, iPads, PDFs, Apple und so weiter nehmen HP die Butter vom Brot.
Chanos sagt, HP-Chefin Margret Whitman und ihre Vorgänger kaufen nur wie verrückt Firmen zu, damit sie den Umsatzschwund im Brot- und Buttergeschäft verbergen können. Doch der Shortseller sagt: Diese Kauf-Strategie ist zum Scheitern verurteilt. Es funktioniert einfach nicht. In der Tat stecken in der Bilanz 24 Milliarden Dollar Nettoschulden. Die Zukäufe lassen grüßen, das kostet Geld.
Über HP kann man streiten. Stundenlang. Tagelang. Ewig.
Handelt es sich um ein „Value Trap“ (Falle) oder ist die Aktie super-billig?
Ich finde die Bewertung schon günstig: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt 0,3, das Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,9, die Dividendenrendite 2,7 Prozent. Anders ausgedrückt kriegen Sie das Papier unterhalb des Buchwerts.
James Chanos kommentiert das so: „Wenn etwas sehr günstig aussieht, sei sehr vorsichtig mit der Aktie! Vielleicht gibt es einen Grund dafür.“ Er schlussfolgert: „PCs und Drucker – das ist ein schrumpfendes Geschäft. Kodak wurde auch billiger und billiger.“
Ich kenne einen großen HP-Anhänger: Seth Klarman, der berühmte Hedgefondskollege von der Baupost Group, einer der besten Value-Jäger, deckte sich bis zur die Halskrause mit HP-Papieren ein. Es handelt sich um eine seiner größten Positionen. HP macht 13,9 Prozent seines gesamten Milliarden-Depots aus.
Was meinen Sie? Wer hat Recht? Geht HP langsam wie Kodak zugrunde? Oder schafft das IT-Urgestein die Wende? Nokia ist ja auch nur noch am Sinken…


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Hewlett-Packard: Schnäppchen oder fallendes Messer?

  1. Enrico

    Kleine Anfaengerfrage: Wo kann man denn den Depots der genannten Leute folgen?

  2. Reinhard

    Hallo Tim,
    schwere Frage. Ich wüsste eigentlich nicht, mit welchen Produkten, Dienstleistungen HP den Turnaround schaffen könnte. Drucker und PCs können offensichtlich viele bauen. Etwas Eigenständiges hat HP m.E. nicht, keine Handy, kein Tablat, kein Betriebssystem, nichts im Internet.
    Anderseits, IBM war auch schon einmal schwer in der Krise und ist nun wieder obenauf.
    Mir ist eine solche Wette zu unsicher, um dafür schwerverdientes Geld einzusetzen.

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Reinhard,

    Danke für Deine Gedanken dazu.

    Nun wie Du sagst, IBM hatte auch mal eine schwere Krise. Kodak schaffte es aber nicht, Anschluss zu halten.

    Am Cash Flow kann man es gut erkennen. Kodak hat jahrelang nur Cash verbrannt. Nie einen Cent Bares verdient.
    Cash Flow Kodak

    HP erwirtschaftet pro Jahr zwischen 12 und 13 Milliarden Dollar Cash. Die sind vom Kapitalfluss kerngesund.
    Cash Flow HP

    VG
    Tim

  4. Alex

    Hallo an alle,

    Denke seit kurzem über einen Dell kauf nach… ähnliche Ausgangssituration.

    Irgendwie habe ich dass Gefühl dass der Laden die „IBM-Transformation“ schaft.

    Dell generiert jetzt schon bedeutende Umsätze mit kundendbindenden Leistungen:

    Server/Networking 13%
    Service 13%
    Software 17%
    Ich sehe die Bemühung, diese auszuweiten (Questsoft kauf)

    Desktop/Laptop-Verkauf gilt jetzt nicht als toller Zukunftsmarkt mit Moat aber er wird nicht schlagartig verschwinden was die nächsten Jahre noch Cash bringt für weiter Umstrukturierungen/Ausrichtungen/Käufe.
    Das Management mit Mr. Dell halte ich für bemüht und glaubwürdig…

    und Dell hat ein KGV von ca. 6 und ist finanziell stärker als HP (habe ich so im Gedächnis)

    Shorten würde ich beide nicht, es gab sicher momente da sah die Firma Apple aus wie ein HP heutzutage…

  5. tim schaefertim schaefer

    Hallo Alex,

    Danke für die Idee. Dell ist in der Tat mit HP vergleichbar.

    Ich habe nachgeschaut: Dell erwirtschaftet seit Jahren zwischen 4 und 5 Milliarden Dollar Cash per annum.

    Ob Dell oder HP den Turnaround schaffen, kann ich nicht einschätzen, es ist eine schwierige Frage…

    Apple stand selbst ein paar Mal kurz vor der Pleite. Und heute ist der IT-Konzern ein Star.

    VG
    Tim

  6. Thomas

    Aufgrund der Kennzahlen KUV, KGV, KBV usw. eine Anlageentscheidung zu treffen, ist nach meiner Erfahrung nicht immer die Lösung. Man denke da an die Commerzbank. Die bekommt man ebenfalls weit unter Buchwert und das schon seit drei Jahren. Das hat die Aktie nicht davon abgehalten, sich zu zehnteln (wenn's reicht). Zumal man von Analysten ständig hört, da wäre inzwischen alles im Zusammenhang mit Griechenland usw. eingepreist. Von wegen!

    Ähnlich Klöckner, TUI und ein paar andere deutsche Werte. Beim Blick auf den 10-Jahreschart denke ich immer, die Manager dort scheinen von ihrem Geschäft nichts zu verstehen bzw. das Geschäftsmodell funktioniert nicht.

    Warum sollte also HP die Wende schaffen und warum sollte man jetzt investieren? Das frage ich mich dann beim Blick auf den Chart. Mir ist es lieber, zumindest eine Bodenbildung abzuwarten.

  7. Turing

    Also ich bin optimistisch, was Dell betrifft und eher pessimitisch, was HP angeht.

    Zu Dell: Auch wenn Apple und Tablet-Computer total angesagt sind: Das ist keine Konkurrenz für Dell. Dell ist stark bei gewerblichen Kunden und die brauchen Anwendungen und keine Apps, als Windows-PCs statt Tablett-Schrott. Dell lebt davon, dass sie gewerbliche Kunden mit tausenden PCs und Notebooks von hoher Qualität ausstatten. Ein Laptop von Dell ist etwas anders als ein Laptop, der bei Best Buy, Aldi oder Media-Markt verkloppt wird. Apple stellt nur Spielzeug her, weil die Bildschirme bei Apple nie entspiegelt sind.

    Für HP wird düster. Bei Servern stehen sie schwach. Das eigene HP-UX ist angesichts der Konkurrenz (Linux, FreeBSD) nicht ernst zu nehmen. Und auch im Druckergeschäft läuft es nicht so gut. Drucken wird immer ein wichtiger Bürobestandteil sein, aber ohne HP. HP ist in den Büros eher selten vertreten. Ich finde meistens auf Kyocera-Geräte. vo) Das Privatkundengeschäft mit Drcukren im Allgemeinen ist wohl tatsächlich im Abwärtsstrudel.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas,

    ich empfehle ja nicht, HP zu kaufen. Ich wollte nur Meinungen einholen, diskutieren. Ich denke Kennziffern können durchaus bei einer Entscheidung helfen. Aber es gehört, wie Du zurecht feststellst, mehr dazu: Die Konkurrenzsituation, die Stabilität des Geschäfts und Bilanzstärke sind u.a. zu analysieren.

    @ Turing,

    nutzen die Profis nicht auch zunehmend Apple-Produkte? In Büros (Mac), in Krankenhäusern oder im Vertrieb (iPad, iPhone)??

    Ob nun Dell oder HP besser dastehen, kann ich leider nicht beurteilen, obgleich Deine Argumente für Dell einleuchten.

    VG
    Tim

  9. Paul

    HP ist ziemlich stark im Servergeschäft. Die Hardware ist wirklich gut und findet immer mehr Anhänger. Ob das allerdings reicht damit HP überleben kann vermag ich nicht zu sagen.

  10. tim schaefertim schaefer

    Danke Paul.

    Schauen wir mal. Ich persönlich besitze weder Dell noch HP. Trotzdem finde ich das Thema extrem spannend. Diese beiden ausgebombten Aktien sind doch Ikonen. Auf einmal brechen die Kurse brutal ein.

    Dieses Risiko des Technologiewandels hat man als Anleger bei Getränke-, Lebensmittel- und Ölproduzenten eben kaum, was ein großer Vorteil ist.

    VG
    Tim

  11. Harald

    Tja HP und Dell..das ist eine endlose Geschichte..ich will es mal es Händlersicht (gewerbliche Kunden) erläutern..

    HP war jahrelang sehr händlertreu und man/wir konnten H gut verkaufen..zu der damaligen Zeit war der Gegner DELL, welcher nur selbst seine Ware vertrieb…inzwischen (wir reden hier über 2 Jahre) hat sich vieles gewandelt..HP vertreibt auf vielen Ebenen PC´s selbst direkt (ich habe es noch in den Ohren: wollen/können wir nicht)..naja..jetzt machen Sie es..ein großer Distributor hilft HP dabei..Endkunden bekommen dort die Ware oft preiswerter als ein Händler..man muss nur mal bei Ebay nach HP schauen und die 4 verschiedenen Shops die HP „selbst“ betreibt findet mal auch schnell im Netz..

    Kurz: dies und die vom CEO gemachte Aussage, das PSG Geschäft (PC´s etc) verkaufen zu wollen, sorgt für Verunsicherung bei der Händlerschaft und beim Endkunden..unser Telefon stand nicht still & die Frage lautete immer: kann ich HP noch kaufen…das sind Mrd $ Schäden, die man nicht eben wieder ausbügelt..nur am Rande: schaut euch die HP Tablett Geschichte an..

    Dell: da war es immer so, DELL vertrieb direkt..das hat sich auch geändert..wie kam dies?? Dell hat wohl von vielen Dingen bei den großen OEM´s oft viel zu viel Ware geordert..diese wurde dann (graue Kanäle) an Händler weiter verkauft..es gab Zeiten, da konnte man USV´s von APC zu 50% des APC HEK bei Dell Grauhändler kaufen..inzwischen werden selbst OEM Lizenzen von DELL in Massenbei EBAY & Amazon verkauft..
    für mich sieht richtiges Geld verdienen anders aus..hier werden Mengen in den Markt gedrückt auf Teufel komm raus..

    Man schaue sich nur mal die Preisstabilität von HP und Apple Produkten an, welche gebraucht sind..das macht vieles deutlich..

    HP & DELL sind austauschbar..sie designen kaum noch selbst, R&D ist immer weiter reduziert worden & sie haben keine Produkte mit Alleinstellungsmerkmale..

    Bei HP könnte ich mir Kurse von 10U$ vorstellen, allein schon, weil der Markt dies Marke vielleicht sehen will..und das wird für viele Beteiligte mit großen Schmerzen verbunden sein..2002 waren wir mal bei 12..

    Was denken die hier Schreibenden denn zu Amazon??..deren KGV ist auch astronomisch..für mich kommt da bald short..

  12. tim schaefertim schaefer

    Danke Harald,

    für diesen Einblick. Da kennst Du Dich viel besser aus. Insofern muss ich da passen.

    Was mir aufgefallen ist: HP hat eine große Medienkampagne gestartet. Mit aggressiven Rabatten. Wer also 2 Tintenpatronen kauft, kriegt eine dritte gratis dazu. Es handelt sich um ganzseitige Zeitungsanzeigen und auch im Internet rührt der Druckerriese die Werbetrommel für Schnäppchen… Ob das was bringt, wird sich zeigen.

    Beste Grüße
    Tim

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