Groupon: Tag der Wahrheit


New York, 9. Februar 2012

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Oje! Kein Land in Sicht. Der Online-Rabattmarkenvermarkter Groupon hat zwar seinen Umsatz im vierten Quartal verdreifacht, aber weiterhin einen Verlust geschrieben. Es gingen 42,7 Millionen Dollar über die Wupper. Im Schlussquartal 2010 türmte sich der Verlust noch auf 378,6 Millionen Dollar. Es ist also eine Besserung zu verzeichnen. Aber das genügt der Börse nicht. Warum? Ganz einfach: Eine Firma, die permanent Verluste einfährt, ist keinen Heller wert.
Die Aktie wurde zu 20 Dollar emittiert und befindet sich jetzt wieder nahe des Ausgabekurses bei rund 21 Dollar. Rutscht die Notiz unter die 20-Dollar-Marke, droht der freie Fall, denn das ist eine psychologisch wichtige Marke.
Eine wirksame Hilfe gegen einen möglichen Kursrutsch gibt es jedoch: Es sind die Konsortialbanken. Diese leisten in der Regel Schützenhilfe nach dem IPO. Es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man dem Kunden mit wohlwollenden Analystenkommentaren hilft. Es ist wie ein „Gentlemen Agreement“. Warum es das gibt? Zum einen hat ja die Bank kräftig Gebühren an dem Börsengang verdient und will sich nun dankbar zeigen. Zum anderen winken ja in der Regel bei dem Novizen weitere Deals. So sind Übernahmen möglich, neue Kapitalmassnahmen oder Aktienumplatzierungen. Jedes Mal hat die Bank eine neue Chance ins Geschäft zu kommen.
Das wird nach dem Börsengang von Facebook nicht anders sein. Wenn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg endlich an der Börse notiert ist, hat er nur einen kleinen Streubesitz unters Volk gebracht. Die überwiegende Zahl der Aktien befinden sich dann nach wie vor in festen Händen. Darunter sind viele Finanzinvestoren. Die meisten wollen bestimmt eines Tages Kasse machen. Also haben alle ein Interesse daran, den Kurs so hoch wie möglich zu halten beziehungsweise nach oben zu treiben. Insofern könnte dieses IPO besser laufen, zumal mehr Menschen Facebook nutzen als Groupon.
Man kann über Andrew Mason sagen, was man will, aber witzig ist der 31-jährige Groupon-Gründer schon. Schauen Sie sich die Fotos auf seinem Twitter Account an! Kniet er da im Unterhemd auf dem Teppich und schneidet Grimassen? Seine Manager dürfen auf der Firmenwebsite auf den Portraitfotos die Zunge rausstrecken. Was soll`s? Es scheint locker zuzugehen am Stammsitz in Chicago.
Dabei sind Sorgen durchaus angebracht. Immer mehr Konkurrenten kopieren das Konzept von Groupon. Amazon und andere mächtige Internethäuser bombardieren ihre Kunden mit Billigangeboten für Restaurants, Reisen, Kinos, Konzerte und andere Vergnügen. Groupons Börsenwert ist mit 15 Milliarden Dollar üppig. Das entspricht fast dem zwölffachen Buchwert beziehungsweise Umsatz. Kommen nicht bald schwarze Zahlen, droht der Absturz. Wie lange die Konsortialbanken Schützenhilfe leisten können, wird sich zeigen.


tim schaefer (Author)

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