Google: Das Wunder vom Netz


New York, 23. Februar 2013

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Ein faszinierendes Unternehmen ist Google. Die Aktie eilt von einem Rekordhoch zum nächsten. Andere Technologiefirmen wie Yahoo, HP, Dell oder Apple sind abgestürzt.
Wie schafft es Google auf der Erfolgswelle zu schwimmen? Google hat einen hohen Marktanteil. Er wird auf 85 Prozent unter den Suchmaschinen geschätzt. Microsoft und Yahoo können nicht mithalten. Google hat ein Monopol aufgebaut.
Selbst mit Kartellprüfungen kamen die Widersacher in den USA nicht weiter. Die Behörde behauptet nach eingehender Prüfung der Vorwürfe: Google verhalte sich fair im Markt.
Nun prüfen die Europäer, ob Wettbewerbsverstöße vorliegen.
Google hat jedes Eck der Welt fotografiert, stellt alles ins Netz: Karten, Bücher, Videos (YouTube), Blogs, Finanzdaten, Wettervorhersagen. Über die Suchmaschine gelangt jeder zu Portalen von Zeitungen, Fernsehsendern, Bloggern. Mit suchgenauer Text-Werbung verdient hierbei der Konzern sein Geld.
4,7 Milliarden Suchanfragen bearbeiten die Kalifornier täglich. Auf jeder Trefferliste wird dem User Werbung eingeblendet, maximal sind elf Anzeigen gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen. Jeder Klick bedeutet bares Geld. Es handelt sich um die größte Milchkuh des Webs. Pro Quartal spülen die Werbeanzeigen über 10 Milliarden Dollar Umsatz in die Kasse.
Obwohl es sich mit einem Börsenwert von 263 Milliarden Dollar um einen der weltweit wertvollsten Konzerne handelt, fährt Gründer Sergey Brin mit der U-Bahn in New York. Der Milliardär, mit Bart und Baumwollmütze, sehe fast aus, wie ein „Meuchelmörder“, witzelte ein Journalist der „New York Times“ auf Twitter.
Ich bin dem Chairman Eric Schmidt schon ein paar Mal begegnet. Die Google-Spitze agiert völlig normal, nicht abgehoben. Sie verhalten sich wie junge Mitarbeiter eines Start-ups.
Die Firma gilt besonders unter jungen Amis als 1A-Arbeitgeber. Ich habe in New York mit einigen Mitarbeitern schon gesprochen. In meiner Laufgruppe sind ein paar. Was zum Beispiel beeindruckend ist: Stirbt ein Mitarbeiter, erhält die Gattin bzw. der Gatte die Hälfte des Gehalts weiterhin für ein Jahrzehnt.
Ein geheimes Labor betreibt der Riese, keiner weiß so recht, wo sich das befindet. Hier werden Google-Hightechbrillen, Autos ohne Fahrer und weiteres Zeug entwickelt.
Ich besuchte mal die neue Zweigstelle in New York auf der 8th Avenue in Chelsea. Sehen Sie mein Foto von heute oben in der Illustration. Die Nachbarn in dem Stadtviertel sind begeistert: Google spendiert nämlich allen in Chelsea einen kostenlosen Webzugang. Als nach dem Wirbelsturm „Sandy“ der Strom für einige Tage ausfiel, brannten die Lichter in dem Gebäude, während die Nachbarn im Dunkeln saßen.
Die Gründer Lawrence Page und Sergey Brian haben das gigantische Objekt im Jahr 2010 für zwei Milliarden Dollar gekauft, es ist ein ganzer Gebäudeblock. Es handelt sich um das zweitgrößte Gebäude Manhattans, das mehr Quadratmeter als der höchste Wolkenkratzer, das Empire State Building, hat. Daran können Sie erkennen, mit welcher Geschwindigkeit Google wachsen möchte. 2.700 Mitarbeiter arbeiten für Google in New York. Erst ein Drittel der Gebäudefläche belegt das eigene Personal. Die restliche Fläche will der Gigant nach und nach beziehen. 11.000 Mitarbeiter sind am Stammsitz im kalifornischen Mountain View im Einsatz.
Google ist in über 60 Ländern vertreten. Überlegen Sie mal: Google wurde 1998 gegründet, setzt 50 Milliarden Dollar um, verdient 10,7 Milliarden netto. Vergleichen Sie: Yahoo ist viel älter, gegründet 1994, Umsatz und Ergebnis sind mit 5 bzw. 1 Milliarde Dollar weit abgeschlagen. Das macht die Goolge-Gründer happy. Sie vergleichen gerne den eigenen Erfolg mit Yahoo.
Dank der Innovationen und der Informationsexplosion im Web brummen die Geschäfte.
Auf dem Video-Kanal YouTube, den Google betreibt, schauen jeden Monat 800 Millionen Menschen Kurz-Filme.
Die Vision der Gründer: Den Alltag der Menschen erleichtern mit so viel Informationen wie möglich. Außerdem möchten sie in anderen Dingen des Alltags helfen. Das Steuern von Kühlschrank, Licht, Computer, Handy, Wegstrecke… soll einfacher werden.
In dem folgenden Video können Sie ins Gebäudeinnere schauen. Puh, im Sommer ist es ziemlich heiß im Büro. Die Klimaanlage läuft kaum, die Gründer möchten Strom sparen, sie sind Ökoanhänger.

Zusatz: Traditionell meiden Value-Anleger natürlich Technologie- und Softwareaktien. Sie bevorzugen langweilige Unternehmen, die uns Konsumenten mit alltäglichem Zeug versorgen: Essen, Getränke, Zahnpasta, Putzmittel, Teppiche, Farben, Schuhe, Versicherungen, Banking, Hotelzimmer.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Google: Das Wunder vom Netz

  1. Musti

    Charlie Munger hat einmal gesagt:

    „Google has a huge new moat, in fact I've probably never seen such a wide moat.“

    Microsoft versucht vergeblich seit Jahren mit Bing dagegen anztreten.

    Als Firma ist Goole grandios, aber ich denke es ist nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt Google Aktien zu kaufen.
    Dafür stoßen mir die Insider zu massiv eigene Aktien ab. Natürlich gibt es viele Gründe warum Insider Aktien abstoßen, aber hier finde ich den Umfang zu groß. (Bsp.: Schmidt: 3,2 Millionen Aktien , Wert über 2,5 Milliarden $.). So eine hohe Summe lässt sich am Besten bei steigenden Kursen verkaufen !

  2. Thomas

    Wenn soviele Aktien auf einmal verkauft werden, müsste dann der Kurs nicht fallen bzw. wer kauft ihm diese Aktien ab? Das kann doch nur ein Fonds sein oder? Es muss doch immer eine Gegenpartei vorhanden sein!

  3. David Absalon

    Danke, für diesen „super“ Einblick in dieses „wundervolle“ Unternemen. Ohne deine „Berichtserstattung“ hätte ich Google nie aus diesem Blickwinkel, den ich aus deinem Post ziehe betrachtet, (welcher so wertvoll ist.) Danke dafür.

    Gruß David

  4. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Danke für den Einblick in Google. Google wird seine Marktmacht immer weiter ausbauen. Jetzt haben die letztes Jahr in Google Maps die DBahn integriert. Schnittstellen machen es möglich und ich wette bald kann man über Google Maps auch die passenden Flüge suchen und buchen !

  5. tim schaefertim schaefer

    Ich möchte hier keineswegs die Aktie empfehlen.

    Ich wollte ein paar Fakten zusammenstellen, die wenige kennen. Wer weiß schon, dass der Gründer die U-Bahn in New York benutzt? Dass zehn Jahre nach dem Tod des Mitarbeiters das Gehalt weiter sprudelt? Das ist wirklich eine beeindruckende finanzielle Leistung.

    Gleichwohl sind kritische Fragen erlaubt: Wie geht Google mit all den gewonnen Daten um? Wie sicher sind die Nutzerdaten? Was passiert in 10 Jahren mit meinen Infos? Verkauft Google meine persönlichen Infos eines Tages an die Werbeindustrie?

    Jede Google-Suche, jedes Email (Gmail) speichert der Gigant für die Ewigkeit.

  6. Martin

    Zahlt Google das Gehalt wirklich 10 Jahre weiter? Ist das eine freiwillige oder vertragliche Leistung? Würde mich wundern, wenn sie das auch für afrikanische Mitarbeiter bezahlten.

    Google ist schon sehr kreativ und flexibel wie die Handlungsführung in Frankreich gezeigt hat. 60 Mio sind erst einmal wenig.

    Zudem geht die Umgehung der Besteuerung in Frankreich, Deutschland usw. weiter. Man schaue sich mal an wie sehr Google von Werbeumsätzen und Infrastruktur dieser Länder profitiert und wie wenig Steuern sie bezahlen.

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