Goldman Sachs: Der Fisch stinkt vom Kopf her


New York, 11. Juni 2010

Goldman Sachs, die einst angesehene Investmentbank, gräbt sich ihr eigenes Grab. Es ist erstaunlich, wie das Management derzeit das Bankhaus immer weiter in die Krise treibt. Wie Sie wissen, sind führende Regierungsmitglieder und Parlamentarier stinksauer auf Goldman. Jetzt brachte die Investmentbank die Parlamentarier eines Ausschusses auf die Palme. Am Dienstag waren die US-Zeitungen voll mit Vorwürfen gegen Goldman. „Goldman Sachs verhielt sich unserer Meinung nach nicht kooperativ bei unseren Anfragen nach Informationen“, beschwerte sich der Chef des Ausschusses zur Aufklärung der Finanzkrise, Phil Angelides. So hatte der Ausschuss Informationen von der New Yorker Institution angefordert und dann Daten im Umfang von fünf Terabytes erhalten. Das entspricht mehreren Milliarden gedruckten Seiten.
In Washington wächst der Ärger über die Rekordprofite der Bank in einer Zeit, als in den USA Millionen von Hausbesitzern pleite gingen und die Arbeitslosenquote auf besorgniserregende Höhen schnellte. Besonders stehen Deals im Rampenlicht, bei denen Goldman-Kunden angeblich absichtlich über den Tisch gezogen worden sind. Die Börsenaufsicht SEC wirft Goldman sogar Betrug vor.
Dass Goldman nicht dem Ausschuss in geeigneter Art und Weise behilflich ist, spricht für sich. Der Fisch stinkt vom Kopf her. In meinen Augen sollte Vorstandschef Lloyd Blankfein seinen Hut nehmen. Er treibt den Branchenführer in Grund und Boden. Die Verhaltensweise kommt mir vor wie im Kindergarten. Wie kann ein Konzern seinen Ruf derart schnell zerstören?
Ein Abgeordneter aus Kalifornien, ein Republikaner wohlgemerkt, beschwerte sich in den Medien, dass ein halbes Dutzend Banken angefragt worden sind und sich alle fair und offen verhalten haben – nur eben nicht Goldman. Phil Angelides, ein früherer Bewerber für den Gouverneursposten in Kalifornien, polterte gar: „Wir haben sie nicht darum gebeten, mit einem Kipplaster vor unsere Büros zu fahren und einen Haufen Müll abzuladen.“ Natürlich wusste Goldman, dass der Ausschuss das Datenvolumen gar nicht bewältigen kann. Nun hat der Beschuldigte offenbar versucht, Lobbyisten an die Parlamentarier auszusenden, um gut Wetter zu machen. Selbst den Chef des Ausschusses Phil Angelides kontaktierten die Lobbyisten. Doch der lehnte das Gespräch ab. Der Ärger wächst.
Mit solchen Aktionen macht sich keiner Freunde. Kein Wunder, dass der Goldman-Kurs immer weiter fällt. Es wird Zeit für einen kompletten Führungswechsel. Ich glaube, wenn nicht bald eine Kehrtwende gemacht wird, kann die Bank zerbrechen. Immer mehr Kunden wenden sich ab, immer mehr Schadenersatzklagen werden bekannt. Das kann das Geldhaus paralysieren. Der Ruf einer Bank ist ohnehin eines der wichtigsten Güter. Mit welchen plumpen Methoden die Manager jetzt das ganze Haus gefährden, ist mir unbegreiflich. Im Endeffekt ist es doch egal, ob die New Yorker vor Gericht die Betrugsanklage abwehren können oder nicht. Am Ende geht es nur um das Image.
Selbst DER SPIEGEL hatte berichtet. Weitere detaillierte Informationen zu der neuesten Daten-Affäre finden Sie in der New York Times und im Wall Street Journal.


tim schaefer (Author)

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