Goldman Sachs: Der Druck wächst, der Kurs sinkt immer tiefer


New York, 25. April 2010

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Goldman Sachs hat offenbar doch im großen Umfang mit Short-Wetten gegen den Immobilienmarkt Gewinne an Land gezogen. Bislang behauptete Goldman-Chef Lloyd Craig Blankfein in Bezug auf die SEC-Anklage das Gegenteil, nämlich Geld verloren zu haben. Nun sind interne Emails von Blankfein aus dem Jahre 2007 veröffentlicht worden, die nahe legen, dass die Führungsspitze die Krise doch frühzeitig erkannt und von ihr profitiert hatte. Das bevorstehende Gerichtsverfahren wird nun feststellen müssen, ob Goldman Sachs zum Selbstschutz derzeit lügt oder nicht.
Senator Carl Levin (Demokrat) behauptet nach Auswertung der internen Goldman-Emails: “These emails show that, in fact, Goldman made a lot of money by betting against the mortgage market.” – Das heißt übersetzt so viel wie: „Diese Emails zeigen, dass Goldman tatsächlich sehr viel Geld damit machte, gegen den Hypothekenmarkt zu spekulieren.“ So schrieb Blankfein in einer Email im Jahr 2007: “Of course we didnt dodge the mortgage mess. We lost money, then made more than we lost because of shorts.” – „Gewiss vermieden wir das Hypotheken-Chaos nicht. Wir verloren Geld, aber dann machten wir mehr Geld mit unseren Short-Wetten.“ Goldman-Finanzvorstand David Viniar gab in Emails im Jahr 2007 unverhohlen zu, massive Short-Wetten gegen Hypotheken eingegangenen zu sein und dabei kräftig abgeräumt zu haben. An einem einzigen Tag fuhr Goldman mit diesen Short-Wetten laut dem Schriftwechsel 51 Millionen Dollar in die Scheune. Obwohl Goldman intern die Papiere als „Frankenstein-Derivate“ (O-Ton!!!!) bezeichnet hat, verkaufte sie die praktisch wertlosen Papiere an ihre Kunden.
Mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes vor drei Jahren wurde eine der schwersten Wirtschaftskrisen seit der Großen Depression in den 1930er Jahren ausgelöst. Zig Millionen Amerikaner verloren ihr Eigenheim und sind seither überschuldet. Die Arbeitslosenquote stieg auf zehn Prozent, der Aktienmarkt kollabierte. Am kommenden Dienstag geht der Schlagabtausch in die zweite Runde. Goldman Sachs muss sich in Washington vor einem Ausschuß verantworten: Senatoren werden dann Blankfein kritische Fragen stellen. Der Goldman-Kurs fällt unterdessen immer weiter. Es handelt sich meiner Meinung nach bei der Aktie um eine heiße Kartoffel.
Ich würde das Papier nicht mit der Kneifzange anfassen. Immer mehr Anleger trennen sich von dem Papier. Das Management steht massiv unter Druck. Neben den USA scheinen auch Großbritannien und Deutschland Ermittlungen gegen das Institut aufzunehmen. Der Ruf ist runiniert – für eine Investmentbank das wichtigste Gut überhaupt. Wenn hier kein ethisch einwandfreies Verhalten gegenüber den Kunden an den Tag gelegt wurde, ist das ein schweres Erbe. Kunden können sich im schlimmsten Fall massenhaft von dem New Yorker Haus verabschieden und zur Konkurrenz wechseln.
Wissen Sie eigentlich, warum Morgan Stanley den Auftrag von Finanzminister Timothey Geithner erhielt, das Aktienpaket des Staates an der Citigroup zu verkaufen und nicht Goldman Sachs? Drei Mal dürfen Sie raten. Ich vermute ganz stark: Es hängt mir dem grottenschlechten Image von Goldman Sachs zusammen. Manch ein Analyst rechnet sogar mit dem Rücktritt Blankfeins. In den eigenen Reihen erhält er indes Rückendeckung. So soll Blankfein diese Woche vor Mitarbeitern gesprochen haben und war von ihnen mit langem Applaus begrüßt worden. Noch stützen die Mitarbeiter ihren Boss. Schauen Sie sich aber die Kurse der Konkurrenten an. Morgan Stanley gewinnt fast täglich Börsenwert hinzu. Des einen Leid, des anderen Freud. Freilich: Alle Banken haben in dieser Krise Fehler gemacht. Ob auch die anderen Investmenthäuser ähnliche Short-Geschäfte zu Lasten ihrer Kunden begangen haben, sollte unter die Lupe genommen werden. Falls sie ähnliche krumme Dinger gedreht haben sollten, wäre es unfair, nur den Marktführer an den Pranger zu stellen.
Hier können Sie Obamas jüngste Rede zum Wall-Street-Desaster sehen. Hier begründet der Präsident, warum er die Finanzmarktreform umsetzen will. Es geht ihm darum, die Banken mitsamt ihren Derivaten an die kurze Leine zu nehmen:


tim schaefer (Author)

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