Goldman Sachs: Der Alu-Zock des Jahrhunderts


New York, 25. Juli 2013

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Unsere lieben Banken überfluteten die Immobilienmärkte mit Giftpapieren. Hierbei spielten sie nicht mit offenen Karten. Kunden gingen an dem Gift blitzschnell zugrunde. Die Bankoberen haben sich ungeniert Millionengehälter in die eigene Tasche gesteckt. Sie witzelten über die Idioten, die die Papiere (CDOs) gekauft hatten. Anschließend begannen die Finanzmärkte, zu beben. Unsere Banker manipulierten den Libor-Zinssatz. Und sie spielten auf anderen Märkten mit gezinkten Karten: Insiderhandel, Geldwäsche, Steuerbetrug usw.
Sie gelobten Besserung. Sie wollen transparenter, ehrlicher, fairer werden. Jawohl, die Moral muss zurück an die Märkte. Das Vertrauen der Öffentlichkeit möchten sie zurückgewinnen.
Die „New York Times“ enthüllte jetzt auf Seite 1 in der Sonntagausgabe, dass Goldman Sachs in riesigen Lagerhallen in Detroit Aluminium hortet und so jede Cola- und Bier-Dose „künstlich“ verteuert. Es muss sich um ein gigantisches Ausmaß handeln, das es in diesem Umfang nie zuvor gegeben hat.
Ob Öl oder Getreide, ob Baumwolle oder Kaffee, ob Kohle oder Kupfer – das ist ein neues Milliardengeschäft geworden. Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Deutsche Bank und andere machen hier still und heimlich ihren Reibach. Es ist nicht illegal. Es stellt sich aber die Frage nach der moralischen Verantwortung gegenüber den Menschen.
In Washington beginnt eine Diskussion, ob es fair ist, wenn Banken mit Lebensmitteln und Rohstoffen zocken. Die Medien greifen das Thema überall auf. Die Bürger sind verärgert. Innerhalb weniger Tage schrieben die Leser auf dem Portal der „Times“ mehr als 1000 Kommentare. Die Leute sind sauer.
Eigentlich ist es ja nicht das Brot- und Buttergeschäft der Banken. Schon seltsam.
Wenn sie könnten, würden die Investmentbanker den Sauerstoff auf dem Planeten wegsaugen, um ihn uns anschließend teuer in Tüten verkaufen zu können? Nach dem Motto: Kauf oder stirb!
Trotz dieser Diskussion halte ich Bankaktien aus Value-Gesichtspunkten nach der Finanzkrise für günstig. Goldman ist ein unglaublich aufregendes Traditionshaus, das mit dem Rohstoffhandel in der Hafenstadt New York vor über 100 Jahren groß wurde. Ich gebe zu, dieser heutige Blog ist mit einem Schuss Ironie geschrieben.
Wenn Banken in der heutigen Zeit mit Lebensmitteln und Rohstoffen zocken, wissen sie natürlich, dass ihr Image darunter leiden kann.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Goldman Sachs: Der Alu-Zock des Jahrhunderts

  1. Robert Michel

    Ich verstehe nicht, wie die Alu-Manipulation funktionieren sollte. Um den Aluminiummarkt zu conrnern dürfte auch Goldman Sachs zu klein sein. Ich denke das hinter der Lagerhaltung etwas anderes steht. Da sich der Aluminiummarkt in Contango (d.h. die Kurse an den Terminmärkten sind höher als am Spotmarkt) befindet, ist es möglich mit Aluminium-Futures Arbitrage zu betreiben. Die Lagerhaltung dient dann dazu die Futures abzusichern.

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Robert
    Es sieht nach einem echten Handel mit Alu aus. Der Vorwurf: Goldman verzögert die Auslieferung gezielt um Monate, um den Preis in die Höhe zu treiben. Coca-Cola hat sich bitter beschwert. Der Getränkegigant bestellt kein Alu mehr bei Goldman.

    Zum Schein sollen die Züge und LKWs in Goldmans Lagerhallen jeden Tag bewegt werden, obwohl gar kein Metall das Lager verlässt. Schon merkwürdig, die Story.

  3. Martin

    Ich verstehe das nicht ganz.
    Wenn man nicht liefert muss man doch eher Vertragsstrafe zahlen als dass man noch dafür belohnt wird? Oder macht KO Verträge mit dämlichen Bedingungen? Kann ich mir kaum vorstellen.

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Martin
    Ich habe keine Ahnung wie solche Verträge geschlossen werden.

    Die Behörden haben angeordnet, dass Goldman keine EMail und keinen Schriftwechsel löschen darf im Zusammenhang mit den Aluminium-Zugladungen in Detroit. Es laufen offenbar Vorermittlungen an.

    Es kann ja rein theoretisch zwischen der Tradingabteilung in NYC und dem Volumenaufbau in Detroit ein Interessenkonflikt heranreifen. Ob es zu Preismanipulationen kam? Keine Ahnung. Das können nur die Behörden feststellen.

  5. Martin

    Goldman hatte anscheinend in der Vergangenheit den Betreiber der Lagerhäuser übernommen mit dem Hintergedanken sich eine Art Monopol aufzubauen. Gute Idee. Damit kann man auch den Preis und besonders darauf basierende Derivate kurzfristig zielführend steuern.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Martin
    Reuters meldete schon im Jahr 2011, dass Goldman ein Viertel des Weltvorrats an Aluminium aufgebaut hat und die Auslieferung über ein Jahr verzögert. Wer Millionen von Tonnen verwaltet und zurückhält, hat einen Einfluss auf den Preis.

    Der Artikel in der „New York Times“ war insofern keine große Enthüllung wegen des Reuters-Berichts. Trotzdem ist es erstaunlich, mit welchem Aufwand sich Goldman den Alu-Markt einverleibt.

    http://www.reuters.com/article/2011/07/29/us-lme-warehousing-idUSTRE76R3YZ20110729

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