Goldman: Kritik reisst nicht ab. Was Steve Cohen und Bono machen


New York, 21. März 2012

Die Kritik an Goldman Sachs reisst an der Wall Street nicht ab. Das ist unfair. Was ist mit all den Hedgefondsmanagern, die ihre Kunden mit überhöhten Gebühren über den Tisch ziehen? Was ist mit all den Hedgefonds, die zum Großteil nur lausige Renditen erwirtschaften? Im Schnitt kassieren die Geldzauberer zwei Prozent der verwalteten Vermögenssumme. Hinzu kommt, dass sie einen Teil der Gewinne einbehalten. Das können 20 bis 30 Prozent des Profits pro Jahr sein. Ziemlich heftig oder?
Der umstrittene SAC Capital Advisors Fonds verdiente voriges Jahr nur acht Prozent für seine Anleger. Das war gerade ein Tick mehr als der Dow-Jones-Index mit seinen fünf Prozent machte. Der berühmte SAC-Chef, Steve Cohen, kassierte trotz der bescheidenen Rendite ein Jahressalär von kernigen 600 Millionen Dollar. Cohen wird auf der Forbes-Liste der reichsten Amerikaner auf Rang 35 geführt. Wer beschwert sich über ihn? Kaum jemand, obgleich Mitarbeiter im Verdacht des Insiderhandels stehen. Cohen wurde sogar selbst des verbotenen Insiderhandels von seiner Ex-Gattin bezichtigt.
Oder nehmen Sie den New Yorker Prominenten Bono, den U2-Sänger. Ich sehe ihn manchmal Sonntag morgens in der Kirche auf der Upper West Side. Der Super-Reiche sammelt gerade wieder Geld ein. Dieses Mal will er eine Milliarde Dollar für einen neuen Private-Equity-Fonds einwerben. Seine Investmentfirma Elevation Partners, die mit Facebook und Yelp fett Geld verdiente, möchte einen neuen Fonds auflegen. Dabei hilft ihm vor allem sein gelungener Facebook-Deal, bei dem er frühzeitig eingestiegen war: Ihm sind nun 1,5 Prozent des Grundkapitals an dem Social-Media-Giganten zuzurechnen, der Wert des Anteils ca. eine Milliarde Dollar. Schief ging allerdings Bonos Investment in das Forbes Magazin.
Ich finde es schon erstaunlich, dass sich alle an Goldman reiben, aber sich kaum jemand an den Geschäftsgebaren von Leuten wie Cohen oder Bono stört. Einerseits spielt Bono den großzügigen Spender und Samariter. Das macht er geschickt seit Jahren. Andererseits ist der reichste Entertainer der Welt ein aggressiver Geschäftsmann. Seine Einnahmen aus Konzerten wickelt der Sänger über eine “Schein“-Firma in den Niederlanden ab, um Steuern zu vermeiden. Immer wieder gab es Proteste gegen seine geschickte Steuervermeidungsstrategie unter dem Motto: „U pay tax 2“. Zu deutsch: „Du musst auch Steuern zahlen.“
Manche Firmen stehen einfach ständig im Kreuzfeuer der Kritik. Andere Akteure können dagegen tun und machen, was sie wollen. Hängt die Stimmungslage mit einem geschickten PR-Manöver zusammen? Oder was ist der Grund für Dauer-Kritik beziehungsweise endlose Beweihräucherung?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Goldman: Kritik reisst nicht ab. Was Steve Cohen und Bono machen

  1. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    diese komplizierte Steuervermeidungsstrategie mit Briefkasten-Firmen in den Niederlanden (Niederländische Antillen?!) ist auch in Deutschland sehr populär.

    Jetzt kam heraus, dass Nicolas Berggruen bei Karstadt so verfährt.

    Berggruen oder Bono können sich die besten Steuerberater und Anwälte leisten und wissen daher auch am Besten wie man Steuern spart.

    Gruß

  2. Marc Schmidt

    Wie so oft wird eben nicht gleiches mit gleichem verglichen. Aktuelles Beispiel: Die Debatte um die Vorstandsgehälter der DAX-Konzerne. Mag sein, dass Winterkorn seine 17,4 Mio. Euro nicht verdient hat. Diejenigen die das zu entscheiden haben, haben es jedenfalls so entschieden. Von daher kann ich nichts dagegen sagen. Dennoch ist die Aufregung groß. Und auf der anderen Seiten regt sich niemand auf, wenn ein Fußballer den ähnlich hohe Beträge erhält…

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Marc Schmidt, ja das stimmt. Es wird mit unterschiedlichem Maß gemessen.

    Manche werden regelrecht gehasst (und fast mit dem Teufel gleichgestellt). Andere werden gehuldigt, ganz gleich, was sie machen.

    Diese extreme Gefühlswelt der Masse wird am Umgang mit Griechenland oder Christian Wulff deutlich. Natürlich mögen die meisten Kritikpunkte richtig sein. Nur ist der Umgang mit der Kritik und die Emotionalität kaum zu überbieten.

  4. tim schaefertim schaefer

    Nun, es gibt ja legale Wege der Steuervermeidung. Für die Reichen ist das machbar, für den Durchschnittsverdiener eher nicht.

    Wenn ich so reich wie Bono oder Adele wäre, würde ich vermutlich auch nach Wegen suchen, um die Steuerlast zu senken. Insofern darf man ihnen nicht unbedingt einen Vorwurf machen. Nur ist diese Beweihräucherung mancher Stars schon komisch. Eine kritische Distanz wäre vielmehr angebracht. Siehe Bono.

  5. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    die Wahrheit ist ja: Der Durchschnittsverdiener/steuerzahler kann sich sein Geld auf anderem Wege „zurückholen“.

    Wenn er Kinder hat, dann nutzen diese in der Regel kostenlos Kindergärten, Schulen und Universitäten. Er selbst bekommt Kindergeld.

    Hat er ein Haus dann gab es bis vor wenigen Jahren noch die Eigenheimzulage. Die wurde mittlerweile zwar abgeschafft. Die sog. Wohn-Riester-Zulage soll an dieser Stelle aber ebenfalls für Erleichterungen sorgen: http://www.finanztip.de/recht/versicherungen/riester-15.htm

    Für den Häuslebauer weiterhin interessant: Günstige Kredite für die Installation von Photovoltaik-Anlagen oder die klimaneutrale Gebäudesanierung gibt es von der KfW. Bsp.: https://energieeffizient-sanieren.kfw.de/

    Als Autofahrer nutzt er die Bundes-, Landes- und Gemeindestraßen. Eine PKW-Maut gibt es nicht.

    Als Fußgänger nutzt er die Bürgersteige.

    Und wenn er eine geschickte Zeitplanung neben Beruf und Familie hat, dann sollte er außerdem Theater, Museen, Schwimmbäder, Bibliotheken, Freizeitanlagen, Parks und all die anderen subventionierten öffentlichen Einrichtungen nutzen, kann dadurch zwar seine direkte Steuerlast nicht senken, hat dafür aber doch eine Gegenleistung (entgegen dem §3 I AO der ausdrücklich regelt, dass die Besteuerung keine Gegenleistung zur Folge hat).

    Hinzu kommt die Daseinsfürsorge: Polizei, Krankenhäuser, Feuerwehren, Behörden.

    Von daher kann man schon davon sprechen, dass es ein Privileg ist in Deutschland oder den Staaten zu leben. Die Menschen arbeiten in der Regel hart, um ihren Arbeitsverpflichtungen nachzukommen und so das Leben der Mitmenschen zu erleichtern.

    Das Fazit muss also lauten: Je aktiver jemand sein Leben gestaltet, desto mehr hat er von seinen gezahlten Steuern. Logisch.

    Das Problematische ist nur, dass sich längst alle an die staatliche Fürsorge gewöhnt haben und im Zuge der Inflation und fiskalpolitischer Sparmaßnahmen an vielen Stellen Kürzungen drohen, ein Beispiel: http://www.3sat.de/page/?source=%2Fkulturzeit%2Fnews%2F161142%2Findex.html

    Aber gerade das Problem läßt sich lösen, in dem wohlhabende Private an die Stelle des Staates treten. Soll in Amerika viel besser funktionieren.

    Gruß und schönes Wochenende!
    Matthäus

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