Goldmänner verdienen weniger: „Nur“ 367.000 Dollar je Kopf


New York, 25. Januar 2012

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Landauf, landab kürzen die Wall-Street-Häuser die Gehälter. Kein Wunder aufgrund der grottenschlechten Lage. Die besten Gehälter zahlt seit Jahrzehnten Goldman Sachs. Hier machte im Jahr 2010 ein Angestellter immerhin 430.700 Dollar im Schnitt. Hierin sind von der Sekretärin bis hin zur Top-Führungskraft alle mit eingerechnet.
Nun ist das in der Tat ein Batzen Kohle. Kaum lässt sich das rechtfertigen. Voriges Jahr sank die durchschnittliche Vergütung daher auf 367.000 Dollar je Person. Das waren je Kopf rund 15 Prozent weniger. Insgesamt zahlte der Gigant an seine 33.300 Mitarbeiter akkumuliert 12,22 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 2006 schüttete Goldman 16,46 Milliarden beziehungsweise 621.000 Dollar je Mitarbeiter aus. Sprich das Salär inklusive der Boni hat sich seit dem Rekordjahr fast halbiert. Gut möglich, dass die Schrumpfkur weiter geht. Warum? Immerhin erreichen die Gehaltszahlungen 44 Prozent der Gesamteinnahmen. 2010 gab Vorstandschef Lloyd Blankfein „erst“ 39 Prozent der Umsätze für Gehälter aus.
Goldman ist nicht die einzige Adresse, bei der Mitarbeiter beträchtliche Kürzungen hinnehmen müssen. Auch bei Morgan Stanley, Merrill Lynch etc. gab es weniger.
2011 sank der Überschuss von Goldman um stolze 67 Prozent. Die Rendite auf das Eigenkapital betrug nur noch lausige 3,7 Prozent, obwohl Lloyd Blankfein noch Mitte des Jahres 20 Prozent Rendite angestrebt hatte. 2006 kamen übrigens saftige 33 Prozent Eigenkapitalrendite zusammen. Solch hohe Kennziffern sind ganz nach dem Geschmack von Altmeister Warren Buffett. Nur möchte Star-Anleger Buffett stetig solch schöne Renditen sehen. Und nicht mal Hü und mal Hott.
Was war der Grund für die zuletzt geringe Ausbeute? Zum einen läuft das Basisgeschäft schwach. Zum anderen hat Goldman in den zurückliegenden Quartalen das Eigenkapital massiv erhöhen müssen, um mehr Stabilität in die Bilanz zu bringen. Das kostet natürlich Rendite. Die Regierung hatte von allen Playern mehr Substanz (Eigenkapital) in den Bilanzen gefordert, um gestärkt aus der Finanzkrise hervorzugehen. Goldman musste also sein Polster aufstocken. Nicht zuletzt ging es Washington darum, einen „Run auf die Banken“ zu verhindern. Mit anderen Worten befürchtete die Regierung und die Fed auf dem Höhenpunkt der Krise eine beispiellose Panik der Bürger. Dieses Horror-Szenario konnte zum Glück abgewendet werden.
1999 war das Traditionshaus Goldman an die Börse gegangen, 2006 befand sich der Branchenprimus auf dem Hoch. Ob diese glorreichen Tage noch einmal in absehbarer Zeit kommen werden, steht in den Sternen. Etliche Experten bezweifeln das. Neue Gesetze wie die „Volcker Rule“ haben es fast unmöglich gemacht.
Aktuell kostet die Goldman-Aktie 108 Dollar (siehe Kurschart oben), das entspricht nur 83 Prozent des Buchwerts. Sprich der Konzern notiert leicht unterhalb des Substanzwerts. Gegenüber Konkurrenten wie beispielsweise der Deutschen Bank ist die Bewertung der New Yorker geradezu fürstlich. So billigt die Börse den Frankfurtern nur 58 Prozent des Buchwerts zu. Gewiss können sich die Zeiten bessern. Aber das kann ein langer, zäher Weg zur Normalität werden. Gewöhnlicherweise notieren gesunde Konzerne spürbar über ihrem Eigenkapital.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Goldmänner verdienen weniger: „Nur“ 367.000 Dollar je Kopf

  1. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    laut einer Studie von US-Ökonomen soll es für das persönliche Glücksempfinden keine Rolle spielen, ob man 75.000 US-$ (ca. 60.000 €) verdient oder noch mehr. (Spätestens) Ab diesem Betrag würden andere Punkte eine wichtigere Rolle spielen. So gesehen ist es fast schon unerheblich, ob die Goldmänner 367.000 oder um die 600.000 $ verdienen. http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-09/studie-reichtum-glueck
    Ob die Goldmänner das ähnlich sehen?

    Kurios: Der globale Rohstoffhunger führt an ganz anderer Stelle zu Gehaltsexzessen. Mittlerweile zahlen Rohstoffgiganten wie BHP Billiton ihren ungelernten Minenarbeitern hohe sechsstellige Dollarbeträge um sie zu der Knochenarbeit zu motivieren. Wahnsinn: http://online.wsj.com/article/SB10001424052970204621904577016172350869312.html?mod=WSJEurope_hpp_LEFTTopStories

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke für die zwei exzellenten Links. 200.000 Dollar für die Mine ist in der Tat ein kerniges Gehalt. Aber wie Sie sagen, ist der Job ein Knochenjob.

    Geld macht eben nicht glücklich, wie die Studie zeigt. Ab einem bestimmten Betrag macht das den Braten auch nicht fett! Insofern ist der endlose Drang nach Geld, Statussymbolen und Reichtum ziemlich doof.

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