Generation Gratis: Warum immer mehr Produkte nix kosten


New York, 18. Dezember 2008

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Gestern hörte ich mir einen Vortag an mit dem Titel: „Gratis! Warum 0,00 $ die Zukunft der Wirtschaft ist.“ Der Chefredakteur des Technologiemagazins „Wired“, Chris Anderson, berichtete über den Trend, Produkte umsonst anzubieten. Anderson bringt Mitte nächsten Jahres sein neues Buch „Free“ auf den Markt. Er rührte also die Werbetrommel. Ich fand das Treffen in Downtown Manhattans jedenfalls spannend.
Dass Großkonzerne wie Yahoo oder Google Dienstleistungen umsonst anbieten, ist keine Neuigkeit, aber interessant zu beleuchten. Die Kernprodukte sind in der Tat gratis wie die Internetsuche oder das Email-Konto. Finanziert wird das über die Werbekunden, die Milliarden bezahlen, um mit der Gratis-Generation in Kontakt zu kommen. Trotz der Geschenke ist aus Google eines der mächtigsten Unternehmen auf dem Globus herangewachsen mit einem Börsenwert von 100 Milliarden Dollar.
Fernsehen und Radio funktioniert praktisch nach demselben Prinzip. Nach dem Motto: Wir bieten wir Euch Unterhaltung und Nachrichten für lau, dafür müsst ihr Werbung akzeptieren. Gratiszeitungen, die in New York morgens in nahezu jeder U-Bahn-Haltestelle verteilt werden, haben ein ähnliches Geschäftsmodell. Es gibt viele weitere Beispiele, die es trotz der Kostenfreiheit zu erstaunlicher Qualitätsgüte geschafft haben: Nehmen Sie Wikipedia. In diese Kategorie fallen auch Softwareanbieter, die ihre Produkte umsonst weggeben wie AntiVir. Der Antivirusspezialist verfolgt freilich eine ausgeklügelte Strategie: Denn neben der Kostenlosversion haben sie ein Premiumprodukt. Dieses kostet natürlich eine Stange Geld. Firmen nutzen die Gratiswelle als Marketingstrategie, sie züchten potentielle Kunden heran. Besonders Jugendliche und Studenten fahren auf die Gratisangebote ab, weil sie gewöhnlich weniger Geld als ältere Menschen zur Verfügung haben.
Alles hat Haken und Ösen. Google ist ein gewaltiger Datensammler. Sowohl Ihre Emails, Ihre Suchanfragen, Dokumente, Fotos sowie weitere persönlichen Daten hat der Gigant gespeichert. Nur zu hoffen, dass diese Datenberge nicht eines Tages in den falschen Händen landet. Übrigens konnte die Polizei schon in den USA angesichts der fleißigen Daten-Speicherung Mordfälle mittels Google aufklären.
Hier können Sie sich Chris Andersons Blog über die Gratis-Welt anschauen. Wem der Experten-Blog nicht genügt, kann auf dem folgenden Link die Geschichte einer deutschen Frau lesen, die seit Jahren ganz ohne Geld auskommt. Es klingt unglaublich, ist aber wahr, selbst die Süddeutsche Zeitung hatte schon berichtet: Heidemarie Schwermer.


tim schaefer (Author)

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