Gefühle sind Gift fürs Geld


New York, 28. August 2013

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Anleger lassen sich zu sehr von externen Ereignissen lenken. Der Konflikt in Syrien, der Aufstand in Kairo, die Bundestagswahl in Berlin, die Schuldenberge in Athen. Einem Börsianer kann ein drohender Krieg in Syrien durchaus Sorgen eintreiben. Es sind Momente des Nachdenkens.
Doch an der Börse zahlt sich das stetige Sparen aus. Am besten schneiden abgebrühte Anleger ab. Jene, die gegen den Strom schwimmen, machen den besten Schnitt.
Sie haben über solche Events wie einen Militärschlag keinen Einfluss. Sie können nur Ihre Sparbeiträge steuern. Und Ihre Wahlstimme abgeben.
Gerade in Zeiten der Unsicherheit macht es umso mehr Sinn, Aktien zu kaufen.
Anstatt sich vor einem Crash zu sorgen, sollten Sie sich auf Ihr langfristiges Ziel gedanklich konzentrieren: Sie möchten vermutlich ein bequemes Polster ansparen, um finanziell unabhängig zu sein. Sie möchten sicherlich, ein passives Einkommen aus Dividenden aufbauen.
Weil die Menschen sich so viele Sorgen jeden Tag machen- vor einem Crash, vor einem Krieg, vor einem Kursrückgang, legen sie lieber ihr Geld auf ein Tagesgeldkonto, wo sie vielleicht 0,1 Prozent Rendite bekommen. Diese Verhaltensweise ist absurd, denn die Inflation frisst die Ersparnisse über Jahrzehnte hinweg auf. Die Ängstlichen vermissen die besten Kursrallyes.
Wer die volatilen Kurse erträgt, wird dagegen mit einer saftigen Überrendite belohnt.
Ein guter Aktiensparer blendet die Tagesnachrichten aus.
Es zahlt sich nicht aus, von Modethemen (Apple bei 700 Dollar, Gold bei 1800 Dollar) beeinflussen zu lassen. Die heißen Unternehmen, die ständig im Fernsehen durchgekaut werden, sind riskant. Wer auf den TV-Moderator hört, schneidet eher schlecht ab. Seien Sie besser vorsichtig, wenn Aktien ein hohes Handelsvolumen aufweisen. Obwohl sich hier die Meute sehr wohl fühlt und wie blöd zukauft. Wenden Sie sich eher Aktien zu, die niemand auf dem Bildschirm hat, für die sich kaum jemand interessiert.
Wissenschaftler raten jedenfalls, sich nicht an einzelnen Hypes zu beteiligen.
Sie können sich vielleicht noch an die wilden Zeiten des Neuen Marktes erinnern, als Aktien wie EM.TV, Brokat, web.de oder MobilCom durch die Decke gingen. Das ging so lange gut, bis die Blase platze und die Anleger vor einem Scherbenhaufen standen. Für Aktien wie Heinz, Wal-Mart oder BASF interessierten sich seinerzeit nicht viele, obgleich hier die besseren Renditen auf mittlere bis lange Sicht zu verdienen waren.
Fazit: Kaufen Sie am besten regelmässig Langeweiler (Hersteller von Cremes, Zahnpasta, Putzmittel, Klopapier, Farbe). Greifen Sie beherzt zu, wenn die Angst am größten ist. Meiden Sie Aktien, über die jeder spricht. An der Börse gilt das Motto: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
(Foto aus dem Film „Wall Street: Money Never Sleeps“. Twentieth Century Fox Film)


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Gefühle sind Gift fürs Geld

  1. Matthäus Piksa

    Das ist richtig. Gefühle und Emotionen, Ängste und Verunsicherung sind Gift an der Börse. Es gibt erstaunlich viele Anleger, die immer wieder nervös werden, wenn es gilt Ruhe zu bewahren und umgekehrt in Euphorie ausbrechen, wenn es gilt kritisch zu sein.

    Die Börsenbetreiber bieten sogar einen eigenen Index an, um diese Nervosität abzumessen, den Volatilitätsindex. In den Staaten ist das der VIX, bei uns V-Dax.

    Wenn die Volatilität Höchstwerte erreicht, gilt es zuzuschlagen und umgekehrt.

  2. stevoxx

    EM.TV war mein Einstieg in die Welt der Aktien und eine große Lehre……..

    Die Welt war wie im Rausch. Die Frage war nur, wie hoch die Kurse stiegen. Unglaublich eigentlich.
    Doch im Nachhinein weiß man es immer besser.

  3. Anna

    Stevoxx,
    stimmt, das waren die Zeiten als jede Klitsche an der Börse mehr wert war als sie Geld in der Kasse hatten …
    „Hätten Sie 1000 DM in EM-TV investiert, dann hätten Sie jetzt eine Million“ oder ähnlich.
    Seitdem bin ich sehr vorsichtig, wenn über einen Wert in jeder Zeitung berichtet wird.

  4. Keek

    Zum Thema „Einstieg oder Tagesgeld“: Wie ist der Ansicht der Leser hier?? Verfolge eine langrfristige Anlagedauer und warte nunmehr auch schon Ewigkeiten auf einen Rücksetzer um einzusteigen. Leider stehe ich nur am Straßenrand. Da scheiden sich wirklich etwas die Geister: sollte ich weiter Geduld haben und a la Buffet meine Kriegskasse füllen (dann muss ich viell. noch 3 Jahre warten und verpasse die 10.000). Oder sollte man so wie von Tim zuletzt angedeutet, einfach einsteigen. Der Horizont ist ohnehin laaaangfristig. Tim, hast du die Strategie diesbezüglich etwas verändert??

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Keek
    Ja, ich habe meine Strategie leicht angepasst. Ich habe meine Kasse fast vollständig investiert. Ich habe einfach die Geduld verloren. Ich erhielt keinerlei Zinsen für meine Kriegskasse und sah gleichzeitig die Börse nach oben marschieren. Es gibt Dividendenperlen, die zahlen 3,4,5%. „Warum soll ich länger warten?“, dachte ich mir. Ich gebe zu: Buffett ist besser (ich habe nicht seine Geduld, meine Gier ist einfach zu groß).

    Hierzu ein kleines YouTube-Video von mir, das erklärt alles:

  6. Markus

    Die Liquiditätskomponente…

    Viele Studien sagen, dass es sich nicht lohnt market-timing zu betreiben. Der Schnitt der „timer“ liegt unter dem Schnitt der konstant investierenden. Ca. 2 – 3 % darunter…

    Es gibt natürlich den Onkel aus Omaha, der ein paar Cash-Maschinen hat… Er hat ein deutlich besseres Händchen für timing, wenn auch zugleich er nicht immer die maximalen drawdowns erwischt. Allerdings haben die wenigen Ausnahme-Value-Investoren oft ein wirtschaftliches Studium und auch sehr oft kein normales Angestelltenverhältnis. Auch sind manche regelrecht besessen von der Börse und Unternehmensberichten…

    Wie viel in Tagesgeld, Cash oder kurzlaufenden aaa-Anleihen stecken sollte, daran scheiden sich die Geister.
    Der „normalo-Anleger“ hat natürlich das Problem, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten evtl. sogar der Arbeitsplatz auf dem Spiel steht…

    2 – 3 Monatsgehälter in Cash und existenzielle Risiken abgesichert sollte eigentlich m. E. das Minimum sein, bevor man für die nächsten 30 Jahre Vermögensbildung plant und betreibt. Selbst an 2 – 3 Gehältern scheiden sich die Geister…

  7. Markus

    @Keek

    Anlageempfehlungen für das Geld anderer, dass die sich hart erarbeitet haben zu geben, ist nicht einfach bzw. sogar gefährlich…

    Ohne Gewähr kann man bei größeren Summen es mit einem Investmentfahrplan machen, die oft in Büchern empfohlen werden…

    Die Summe nach Größe fünfteln, vierteln, dritteln etc. und entweder pro Quartal, oder halbjährlich in die zuvor gewählten Produkte fix und ohne Ausnahme anlegen!!!
    Evtl. kann man, wenn man denn wirklich unbedingt timing probieren will, langfristige kgv`s oder Buchwerte ankucken, wenn man in ganze Märkte (etf`s) investieren möchte, und Überbewertungen vermeiden möchte.

    Wie komplex man das ganze handhaben möchte, muss man auch bezüglich der extrem langfristig geplanten Anlagezeit auch gut überdenken!!!
    Existentielle Risiken sollten abgesichert sein.

    Man muss selbstständig die Verantwortung für sein eigenes Geld und seine eigenen Entscheidungen übernehmen können!

  8. Keek

    naja, ich möchte ja gar nicht groß „timen“. Will ja dann auch ewig investiert bleiben. Es steht aber halt auch außer Frage, dass sich DAX und Dow nahe dem Allzeithoch bewegen. Ach so, was ich vorher nicht schrieb: ich hatte für den Anfang den Kauf versch. ETFs angedacht. Und da überlegt man sich es schon dreimal, jetzt einen Dax oder einen Dow zu kaufen.

  9. Markus

    @Keek

    Einen DAX oder DOW Jones gilt beim Indexing als nicht ganz optimaler Index(zu eng bzw. zu wenig Werte).

    Schau Dir mal Weltportfolios mit Gewichtung nach BIP und nicht nach Marktkaptialisierung an. Gibt es auch vom Kommer eines bei YouToube. Da sieht man eine deutlich bessere Entwicklung als DAX, DOW, oder MSCI World alleine über 32 Jahre… Auch Risikoadjustiert…

    Es kommt natürlich auf die Größe der Anlagesumme und wie breit man streuen möchte an. Wie gesagt beim Einstiegszeitpunkt kann man auch zeitlich streuen. Aktuell günstig m. E. sind Europa-Indizes…

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Christian
    Ich rate davon ab. Das Geld für die Puts kannst Du Dir sparen. Die Börse läuft langfristig nach oben. Einfach Geduld haben. Ich rate zum Investieren (100%) und nicht Spekulieren.

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