Friedrich lebte mit Frau in einer Mini-Wohnung mit 44 qm. Er schnappte sich eine größere Wohnung aus einer Zwangsversteigerung


New York, 2. Juli 2017

Ein Foto von einer Wanderung durch Italien. Da waren wir auf den Floating Pipes auf dem Lago d’Iseo.

Friedrich hat mir geschrieben:
….
Vielen Dank für das Veröffentlichen =) und für deine tolle Arbeit!

Hallo Tim,

mit Interesse habe ich bisher die Leserbriefe verfolgt und insbesondere auch die jeweils entstandenen Diskussionen. Daher möchte ich unter dem Namen Friedrich gerne die Situation meiner Frau und mir schildern.

Zuletzt gab es ja immer wieder “Beschwerden”, dass die Leserbriefe zum Teil zu abgehoben seien. Ich sehe das nur bedingt so und kann vielleicht mit unserem Werdegang einen etwas “repräsentativeren“ Lebensweg zeigen, auch wenn wir sehr viel Glück und Unterstützung hatten. Insbesondere würde mich eine Bewertung bzw. Ideen zur Verbesserung unseres Vorgehens interessieren.

Herkunft/Werdegang

Wir sind beide in ostdeutschen Kleinstädten geboren und haben einen relativ klassischen schulischen Werdegang hinter uns. Das heißt Grundschule> Gymnasium> Studium. Nach dem Studium wirtschaftlicher Fächer sind wir unabhängig voneinander in eine größere ostdeutsche Stadt gezogen. Dort haben wir 2014 angefangen zu arbeiten und uns Anfang 2015 kennen und lieben gelernt. Sie arbeitet im Rechnungswesen, ich bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Finanzielle Entwicklung

Ich habe mein Studium mit BAföG-Schulden (10 TEUR) und ein paar privaten Schulden bei meinen Eltern beendet. Sie ist schuldenfrei ins Berufsleben gestartet. Sie hat am Anfang gar nicht investiert. Ich habe erst einmal die privaten Schulden abgezahlt. Zusätzliche Schulden iHv 5 TEUR musste ich für den Kauf eines gebrauchten Autos (Asiate) aufnehmen, da ich diesen für die Arbeit brauche.

Wir sind 2015 zusammengekommen. Dann haben wir ab dem zweiten Drittel 2015 zu zweit auf ca. 44 qm gewohnt (sie ist zu mir gezogen). Günstiger kann man zur Miete kaum wohnen =). Ende 2015 habe ich für 700 EUR meine ersten Aktien gekauft (zu dieser Zeit habe ich angefangen verschiedene Finanzblogs zu lesen). Zwei mal BMW, zwei mal Adidas, zwei mal Dräger und einmal Tesla.

Ziemlich schnell merkte ich, dass das aus Gebühren-Sicht ziemlich dumm war. Parallel begann ich dann Sparpläne auf verschiedene ETF und orientierte mich dabei an dem Buch von Gottfried Heller Der einfache Weg zum Wohlstand.

Die ETF liefen erst einmal vor sich hin. Meine Freundin und ich haben uns mit einem Umzug beschäftigt. Die Einigung mit einer Wohnungsbaugenossenschaft für eine mittelgroße Neubauwohnung stand, jedoch verzögerte sich der Umzug immer wieder wegen neuer Renovierungsmaßnahmen seitens der Genossenschaft. Zu der Zeit besuchten wir eine Hausbau/Immobilien-Messe und entschieden uns dann, das wir beide lieber eigenes Eigentum besitzen wollen würden. Die Genossenschaft war nun sauer und wir wohnten weiterhin auf 44 qm.

Wir suchten ca. ein halbes Jahr auf der Zwangsversteigerungs-Website unserer Stadt und fanden schließlich ein Objekt mit ca. 74 qm, welches uns interessierte. Nun hatten wir das Glück, dass Verwandte in der Lage und gewillt waren, uns einen privaten Kredit zu geben und nur 1% Zinsen zu verlangen. Das finale Ergebnis ist, dass wir Anfang 2016 die entsprechende Wohnung ersteigern konnten. Wir zahlten ca. 145 TEUR und starteten Dank weiterer Unterstützung und eigener Mitteln mit ca. 100 TEUR Schulden. Unser Ziel ist es, diesen Betrag nach 10 Jahren getilgt zu haben.

Zu dieser Zeit belief sich unser gemeinsames monatliches Netto-Einkommen auf ca. 3.700 EUR. Mein Einkommen habe ich sehr gut strukturiert und über Annahmen zu verschiedenen monatlichen Ausgaben (auch kalkulatorische) festgestellt, dass ich ca. 300 EUR monatlich für Aktien zurück legen konnte. Bei meiner, damals noch Freundin, läuft das etwas chaotischer/intuitiver. Alle Gehaltserhöhungen habe ich seitdem immer in drei Teile aufgeteilt. Ein Teil Konsum, ein Teil für Aktien, ein Teil für die Wohnung. Für Aktien und Konsum gehen über 80% der Steigerung drauf. On Top kommen dann noch Spesen und Boni, welche ich für Aktien ausgegeben werden.

Mit dieser Übersicht (Ausschnitt) monitore ich die Entwicklung der Aktienkäufe und die jährlichen Dividendenerträge. Dieses Portfolio lieferte uns in 2017 bisher Dividenden iHv ca. 55 EUR netto pro Monat (auf das Jahr gerechnet) und hat damit eine Dividendenrendite von ca 2%. Darüber hinaus hält jeder von uns jeweils ca. drei Monatsgehälter als Notreserve. Bei mir kommen noch Rücklagen für Auto, Klamotten etc dazu.

Ziele/Ausblick/Erkenntnisse

Mittlerweile sind wir verheiratet. Demnächst stehen Kinder an, wenn sie uns gegönnt sein sollen =). Wir sparen weiterhin und versuchen das Ersparte (sie chaotisch, ich systematisch) immer weiter in Dividendenaktien zu investieren. Wenn die Finanzen es nach der Geburt von Kindern hergeben, könnte ich mir vorstellen noch eine weitere Wohnung zu kaufen (in welche wir dann ggf. ziehen müssen zwecks Kinder).

Werden wir die finanzielle Freiheit erreichen? Mit Kindern wird einer von uns seine Arbeitszeit reduzieren müssen (wahrscheinlich sie). Mein Fortschritt hängt maßgeblich von Berufsexamen ab (mal gucken, ob die was werden). Das heißt, wir machen einfach weiter und gucken alle paar Jahre, wo wir stehen. Wenn sich ein früherer Absprung realisieren lässt, wären wir froh. Wenn nicht, dann ist zumindest die Rentenlücke geschlossen oder wir können ggf. entspannt in Teilzeit arbeiten.

Meine Erkenntnisse sind bisher

Familiärer Hintergrund hilft beim Start ins (Berufs-)Leben ungemein.

Deutschland ermöglicht es über BAföG auch ärmeren Familien ihren Kindern eine gute Ausbildung zukommen zu lassen.

Ein Partner, der hinsichtlich Lebensstil und Finanzen zu einem kompatibel ist, ist unglaublich wichtig.

Ich hoffe, der Bericht war nicht zu trocken.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Friedrich lebte mit Frau in einer Mini-Wohnung mit 44 qm. Er schnappte sich eine größere Wohnung aus einer Zwangsversteigerung

  1. Andrea

    Hallo „Friedrich“,

    netter Bericht. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg. Bei dem Depot fällt mir ein starker „Home Bias“ auf, d.h. es sind verhältnismäßig viele Aktien von deutschen Firmen dabei. Das würde ich abbauen. Ansonsten herzlichen Glückwunsch zum eingegangen Weg.

  2. springer

    3700€ für zwei Personen? Das erscheint mir selbst für zwei Berufseinsteiger wenig. (Facharbeiter in Tarif gebunden Unternehmen ohne Schichtarbeit erhält mehr als 1900 Netto)

  3. Thomas der Sparkojote

    Hallo Friedrich,

    Tolle Geschichte, weiter so! Aus dem Text kann man herauslesen, dass du deine Finanzen anscheinend gut im Griff hast (bei deiner Frau könnte es besser sein ;-)). Ich denke du solltest eindeuting auf der Einkommensseite mehr schrauben, dort liegt schlussendlich das unbegrenzte Potenzial.

    Gruss
    Thomas

  4. -M

    mich würde interessieren anhand welcher Kriterien/Strategie Du die Aktien ausgewählt hast? Einfach breit streuen? BMW und VW gefällt dir eine der Beiden nicht besser? Genauso bei SAP/Microsoft oder Allianz/MuRe. Bin kein Fan von großer Streuung. Dann eher ein ETF und gut ist wenn ich groß streuen will. Meine Meinung

     

    grüße

    -M

     

  5. Ralf

    @Springer: Das Gehaltsniveau in D ist für viele einfach nicht gut bzw. die Abgabenlast hoch. Ich selbst musste trotz Ingenieurtitel im Rahmen einiger Vorstellungsgespräche mittlerweile feststellen, dass bei einem Firmenwechsel eher stagnierende oder sogar geringere Gehälter bezahlt werden. Trotz MINT-Fach, Programmierkenntnisse etc. Und da ich um die 40 bin, zählt man sogar als Ingenieur schon oft zum alten Eisen. Trotz stetiger Fortbildung. Das wurde mir durch die Blume bei zwei Firmen so indirekt mitgeteilt (zu teuer). Es kommt sehr stark auf das Fach an und Firmen outsourcen heute Projekte und Arbeit gerne auch an günstigere Jobs ins Ausland.

    Viele Unternehmen sind trotz angeblichen Fachkräftemangel sehr wählerisch. Und zu oft geht es eher um möglichst günstige Fachkräfte. Selbst in der IT-Branche kenne ich drei Bekannte die von ähnlichem berichten und nicht toll verdienen. Firmen wollen meist passgenaue Bewerber. Bei der Vielzahl an Anforderungen natürlich oft nicht zu erfüllen. Wer kann, sollte z.B. sein Glück in der Schweiz probieren. In Deutschland stimmt da viel nicht mehr.

    @Friedrich: Bei Eigentumswohnungen bin ich etwas vorsichtig. Da muss schon einiges passen (Nachbarn, professionelle Wohnverwaltung, sinnvoller Einsatz von Rücklagen und Hausgeld…. ). Die Mitverwaltung der Miteigentümer und die Verwaltung durch den Verwalter bedürfen Aufmerksamkeit. Die Gemeinschaft kann ernstlich zu einer schweren Belastung werden, insbesondere wenn der Verwalter es versteht, die Mehrheiten zu manipulieren.

    Bei den Aktien würde ich den internationalen Anteil ausbauen oder gleich einen entsprechenden ETF dazu nehmen.

  6. steve

    @ ralf

    ich bin deiner Meinung die Zeiten sind nicht so rosig wie gerne erzählt wird. Es ist nicht immer leicht sein Gehalt zu verbessern, gerade wenn man schon länger dabei ist und nicht mehr auf der untersten Gehaltsstufe unterwegs ist. Für ein höheres Gehalt gibt es für mich zwei wichtige Bedingungen du bewirbst dich on the job wie bei dir bist also nicht auf den neuen Job angewiesen. Dann gehört für mich noch dazu das höhere Gehalt deutlich zu kommunizieren bereits im Anschreiben, dann musst du kein Vorstellungsgespräch bei einer Firma führen die da nicht mitgeht. Deinen jetzigen Verdienst kennen die ja auch nicht wenn du es nicht erzählst.

    @ Friedrich wieso sind deine Aktien im Kaufjahr und heute mit den gleichen Wert angesetzt? Wenn du das schon vermerkst wär’s doch locker logisch den Kaufpreis zu vermerken. Freilich kann da auch noch mehr Info rein, da halt ich mich als nicht Tabellenschreiber raus.

    Gruß Steve

  7. Ralf

    @Steve: So ist es. In Finanz-Blogs wird die Realität vieler in ihren oft schwierigen Jobs leider meist ausgeblendet. Da wird was geprasselt von „möglichst viel verdienen um die finanzielle Unabhängigkeit schneller zu erreichen“ oder sowas. Die Wirklichkeit sieht auch bei vielen top ausgebildeten, motivierten Leuten vielfach anders aus.

    Und im MINT-Bereich rechne ich in den nächsten Jahren mit einer Fachkräfteschwemme. Es mag Engpassberufe wie in der Elektotechnik geben. Aber das ist nicht die Regel. E wird zuviel studiert. Hier auch ein Artikel dazu:

    http://www.wiwo.de/erfolg/jobsuche/akademiker-schwemme-wir-haben-keine-jobs-fuer-all-die-akademiker/13399740.html

    Ich möchte den Blick mal auf was anders lenken: Überqualifizierung. Viele Leute sind überqualifiziert für ihre Jobs. Sie finden aber nichts besseres. Welche Rezepte haben die Finanzblogs dafür?

  8. Laufmaus

    @Friedrich: Warum wollt Ihr nach der Geburt evtl. Kinder noch eine Wohnung kaufen? 74 qm sind doch eigentlich für 2 Erwachsene + 1 Kind völlig ausreichend oder handelt es sich bei eurer derzeigen Whg um eine 2-Raum-Wohnung? Wie willst du es da mit der Finanzierung machen? Wäre es nicht sinnvoller erst einmal die offenen Forderungen gegenüber den Verwandten zu tilgen und dann ggf. neu zu investieren? Ansonsten hättet ihr ja eine Doppelbelastung am Bein. Man muss schließlich bedenken, dass nicht sofort Mieter verfügbar sind und die Mieteinnahmen die Ratenbeträge decken. Die Kosten laufen leider weiter. Ich würde die Notreserve auch höher ansetzen. Tatsächlich fühle ich mich nur mit dem 6 fachen meines Nettolohns halbwegs sicher.

    Laufmaus

     

  9. Mattoc

    @Ralf

    Wenn du nicht mehr Geld „bekommst“ bzw. nicht mehr befördert wirst, könnte das die Ursache sein:

    Peters These ist, dass jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert wird, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat, was in der Regel das persönliche Maximum der Karriere­leiter markiert und weitere Beförderungen ausbleiben lässt. Peter: „Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip

  10. Ralf

    @Mattoc: Deine offensichtliche Unterstellung schnappe ich jetzt mal humorvoll auf und lasse mich nicht auf das Niveau herab. Ich wickle Millionenprojekte erfolgreich ab und denke auch zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Es geht gar nicht in erster Linie nur um das Geld. Ich selbst bin im öffentlichen Dienst und da geht eben alles stur nach Tarifvertrag, was Vorteile und auch Nachteile hat. Das System belohnt Leistungträger nicht und Faulheit wird nicht bestraft. Ist halt so.

    Es fällt nur auf, daß das Lohnniveau in vielen Bereichen nicht das Gelbe vom Ei ist. Und beim Ausstesten vom eigenen Marktwert fällt mir derzeit eben auf, dass es nicht so einfach und selbstverständlich ist, Lohnsteigerungen zu erhalten durch Firmenwechsel. Ich würde eben gerne auch mal was anders machen, aber nicht um jeden Preis. Ich habe damals vor 15 Jahren zu akzeptablen Bedingungen begonnen, Neueinstellungen werden derartige Dinge schon gar nicht mehr gewährt in unserer Firma.

    Und aus Gesprächen mit Externen weiß ich daß es bei denen oft noch bescheidender zugeht. Das verwundert mich eben in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs und vielerorts kommunizierten Fachkräftemangels.

    Meine Meinung: Wir haben keinen echten Fachkräftemangel. Wir haben einen Mangel an Leuten die bereit ist zu Hungerlöhnen zu arbeiten. Und daher rufen Firmen nach Instrumenten wie Zuwanderung. Denn qualifizierte Arbeitslose, auch Meister und Ingenieure ab 50, gibt es genug. Man müsste eben mal Energie aufbringen und die Menschen sinnvoll weiterzubilden um sie aus Hartz4 raus zu bringen. Anstatt nach Billigkräften zu rufen. Das hat in ganz Europa System und ist auch für Migranten nicht ok, siehe hier:

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/italien-migranten-landwirtschaft-101.html

    Wir kaufen mittlerweile viel Gemüse und Obst z.B. bei regionalen Bauernläden. Der Preis ist deutlich höher, aber ich finde das besser. Es stellen sich durchaus auch ethische Fragen im Rahmen von Investitionen. Vielleicht sind wie als Aktionäre ein Stück weit mit verantwortlich für viele negative Entwicklungen. Alles hat seinen Preis.

  11. June

    Hallo Friedrich,

    du bist ganz schön mutig. Eben mal eine Wohung für 145 k € aus einer Zwangsversteigerung zu kaufen. Denn eigentlich kaufst du da die Katze im Sack, da du die Wohnung vorher in der Regel nicht besichtigen kannst.

    Da ihr Kinder wollt verstehe ich aber jetzt nicht, warum du heute nach nur 18 Monaten schon über eine neue Wohung nachdenkst. Wäre es nicht besser jetzt erstmal in der kleineren Wohnung  eine Weile zu wohnen und diese weiter abzuzahlen, auch mit Kind. Zumal ihr so kurz nach dem Studium beruflich noch nicht gefestigt seit. Machst du deinen Steuerberater oder gleich deinen Wirtschaftsprüfer? Bis dahin zahlt dir die Kanzlei sicher noch nicht das übliche Gehalt. Oder musst du vorher sogar noch deinen Master beenden?

    So ganz verstehe ich deinen finanziellen Ansatz nicht. Aber macht unbedingt  so weiter, bis   ihr eine komplexe Strategie entwickelt habt, denn jedes tun ist besser als nichts tun.  Deine Aktienkäufe werden euch egal wie in 30 – 40 Jahren die Rente ordentlich aufstocken.

    Deine Frau arbeitet doch im Rechungswesen, wieso hat sie dann eine chaotisches System beim Sparen? Kopfkratzend überlegend?

    Take care,

    June

  12. Ex-Studentin

    Einen Fachkräftemangel in D kann ich auch nicht erkennen. Man hat Schwierigkeiten, gute Azubis zu finden, weil jeder Abi machen und studieren will. Erst die Studienabbrecher suchen dann wieder eine Stelle. Den Abschluss schaffen trotzdem genug und verlangen dann so hohe Gehälter wie Leute mit 20 Jahren Berufserfahrung bzw. Leute mit Knick im Lebenslauf sind günstiger zu haben. Gute Leute gibts genug, will man aber nicht zahlen („die gehn ja eh zu den großen Firmen“). In BaWü bin ich immer wieder erstaunt, was man bei Daimler und Co. verdient. Mit Schichtzuschlag verdienen Leute am Band mehr als ich. Tauschen will ich trotzdem nicht, weil mein Job die Automatisierung solcher Stellen ist. Und selbst als Ingenieur wird man so schnell nicht verhungern. Ich hab nur Angst, dass man mich ins Ausland schickt – gehört in meiner Branche zum guten Ton.

  13. Rainer Zufall

    Zum Fachkräftemangel in den Mint Berufen kann ich nichts sagen. In meinem Bereich (bin quantitativ ausgerichteter Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Methoden und Statistik) sind die Möglichkeiten im Moment aber gut.

    Ich habe an diversen Forschungsinstituten in BaWü gearbeitet, sowohl an Unis als auch an externen Forschungs- und Verwaltungseinrichtungen und verlasse gerade den öffentlichen Dienst (weil ich nach 10 Jahren mal was anderes machen will). Mein Eindruck ist der, dass der Schweinezyklus momentan durchschlägt. Zusammen mit dem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen (das stat. Bundesamt spricht von einem Beschäftigingsboom seit 2005) ist der Zeitpunkt gerade günstig.

    Die Arbeitgeber haben im Vergleich zu den letzten Jahren Probleme Stellen zu besetzen. Ich erwarte, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, die Bundesregierung hat ja gerade das Ziel der Vollbeschäftigung ausgerufen.

    Zwar werde ich nach wie vor keinen Spitzenverdienst haben, sondern bewege mich im Bereich 55k. Mir bereitet das aber keine schlaflosen Nächte. Zumal ich bald nicht mehr 3h/Tag pendeln muss.

     

  14. Fit und Gesund

    @Rainer Zufall,

    wow… das ist aber ne Nummer 3 Stunden am Tag Pendeln!!! Ich brauche mit Umziehen am Arbeitsort 35 Minuten pro Tag, da wird Dir der Wechsel des Arbeitsplatzes aber eine ganz schöne Verbesserung der Lebensqualität bringen, hoffe Dein neuer Wirkungsort gefällt Dir, drücke Dir die Daumen 🙂

    @Ex-Studentin,

    so verschieden sind die Leute, ich hätte jedem Arbeitgeber die Füsse geküsst wenn er mich ins Ausland geschickt hätte, ich hab das dann selber in die Hand genommen, aber ich verstehe auch Diejenigen die genau das nicht möchten 🙂 Solche Sachen muss man aber machen solange man jung und ungebunden ist, später ist es zwar auch noch möglich, aber nicht mehr ganz so leicht.

    @all

    hab keine Ahnung wie so eine Wohnungsversteigerung vor sich geht, also die Katze im Sack würde ich nie kaufen, ich habe leider keine handwerklichen Fähigkeiten, werden aber immer wieder mal solche Wohnungen angeboten, hat das schonmal wer gemacht ausser dem Leser Friedrich?

    ganz nachvollziehen kann ich die Geschichte von Friedrich auch nicht, eine 74qm Wohnung müsste doch für’s Erste mit Kind auch noch ausreichen, immer schön Eins nach dem Anderen und mal eine Wohnung abzahlen bevor man eine Neue kauft, sicher ist sicher, auch wenn das nicht Alle nachvollziehen können, ich hab einfach wenig über für solch gehebelte Sachen. Zum Aktiendepot kann ich nicht so viel sagen, auch wenn D-lastig, sind doch einige gute Firmen dabei, nicht Alle, aber wer hat schon nur Gewinner?

     

  15. Christian H.Christian H.

    @Rainer Zufall Was ist denn ein Schweinezyklus?

    Mein Eindruck bezüglich des Akademikermangels ist folgender. Seit 3 Jahren bin ich mit meinem Berechnungsingenieur-Studium fertig, seit 2 Jahren arbeite ich in meiner aktuellen Firma, als Softwareentwickler. Ältere Kollegen erzählen mir davon, dass sich bis vor wenigen Jahren über Jahre hinweg „niemand“ beworben hat, d.h. es fast möglich war, entsprechende Stellen zu besetzten. Seit den letzten 2-3 Jahren hat sich die Situation jedoch umgekehrt: es gibt mehr Bewerber als eingestellt werden können.

    Daher verdienten auch diejenigen, die vor einigen Jahren schon eingestellt wurden, von Anfang an deutlich mehr. Jetzt kann die Firma den Preis drücken.

    Mein Eindruck bezüglich des Fachkräftemangels ist folgender. Ich bin ebenfalls gelernter KFZ-Mechaniker. Meine Ausbildung habe ich 02 beendet. Damals war es so gut wie unmöglich, eine Stelle nach der Ausbildung zu finden. Heute lese ich überall große Schilder von wegen: KFZ-Mechaniker gesucht. Vom Hörensagen bestätigt sich mein Eindruck von einem Mangel in diesem Bereich.

    Auch wenn es für mich deutlich schwieriger war nach dem Studium einen gutbezahlten Job zu finden (ich musste von Berlin nach München ziehen, ging beim besten Willen nicht anders), ich verdiene mehr als doppelt soviel, als es als KFZ-Mechaniker jemals möglich wäre.

  16. Friedrich

    Ahoi,

     

    hier ist Friedrich. Danke für die regen Kommentare. Hier mal ein paar Stellungnahmen:

    Home Bias:

    Sehe ich genauso, jedoch wollen wir, bis wir den Sparerfreibetrag voll ausgeschöpft haben, überwiegend in Deutschland investieren.

    Einkommen/Marktsituation:

    Unser Gehalt ist nicht super aber zum Einem steigt es regelmäßig und zum anderen ist es im Vergleich zum Median-Einkommen bzw. für die Region schon ganz ok. In Deutschland betrug es 2010 ca 24 TEUR (Netto)(https://de.wikipedia.org/wiki/Mittleres_Einkommen). Mehr Einkommen ist idR auch immer mit mehr Arbeit oder (temporären) Unannehmlichkeiten verbunden, sodass ein gemütliches „same house, same spouse, same car“ für viele sicher eine gute Option ist (je nach Ziel).

    Dass man Absolventen total nachfragt, sehe ich ebenfalls eher nicht so, auch wenn in unserem Bekanntenkreis viele bei den Autobauern untergekommen sind und dort eben auch ziemlich gut verdienen (keine Ahnung, ob das die lokalen Lebenshaltungskosten auffressen, denke eher nicht).

    Strategie

    Grundsätzlich wollen wir ein möglichst großes Portfolio aus guten Dividendenzahlern, welches im Idealfall global und über die Branchen gut diversifiziert ist. Dazu legen wir mehr oder weniger systematisch Geld zurück und investieren dann. Beim Investieren setzen wir eher auf Streuung und verzichteten bisher auf all zu ausführliche Analysen. Grundsätzlich lese ich viel im Internet (zB Dividendenadel) und schaue da nach Inspirationen. Dem folgt das Lesen des Geschäftsberichtes und eine Internet-Recherche. Wenn im Ergebnis nichts dagegen spricht zu investieren, dann wird investiert.

    Die Immobilien laufen eher so nebenbei und sollen sich mit unserem Bedarf entwickeln.

    Bzgl. BMW/VW das sind zT eine Altlast bzw ein spekulatives Investment. Bei Allianz/MunichRE oder Microsoft/SAP sehe ich persönlich noch genügend Unterschiede in den Geschäftsmodellen.

    Da wir uns primär für die Dividendenzahlungen interessieren, tracken wir den Kursverlauf nicht (den sehen wir ja, wenn wir ins Depot gucken).

    Immobilie

    Wir hatten damals Glück, dass wir uns die Wohnung vorher anschauen konnten. Ein weiterer Vorteil, war, dass es sich um eine erst jüngst geschehene Altbausanierung handelte. Damit war das Risiko halbwegs kalkulierbar.

    Solange wir zu zweit und dritt sind, wird die aktuelle Wohnung vollkommen ausreichen. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es schon schön ist, wenn man als Kind ab einem bestimmten Alter ein eigenes Zimmer hat. Bei vier Personen in der Wohnung wird es also früher oder später etwas eng.

     

  17. Rainer Zufall

    Christian

    Schweinezyklus: Bei hoher Nachfrage und niedrigem Angebot lohnt die Schweinezucht (bzw die Ausbildung). Es dauert aber, bis die Ausbildung bzw. die Zucht abgeschlossen ist. Dann gibt es plötzlich aber ein hohes Angebot und eine geringere Nachfrage, weshalb weniger die Ausbildung machen (bzw. Weniger Schweine produziert werden)… usw. Bei Wikipedia ist das ganz gut erklärt.

    Vlt befinden sich die unterschiedlichen Fachbereiche in unterschiedlichen Phasen des Zyklus?

     

  18. DivSky

    @Friedrich,

    ein guter Weg. Am wichtigsten ist, das Ihr angefangen habt.

    Zu HomeBias: Ihr könnt auch Aktien aus GB oder Bermudas kaufen, die haben auch keine Quellensteuer. Der Vorteil wäre, das die Rendite steigt und zwar  Z.b. mit Shell, BP, GSK oder Triton.

     

  19. Hanseat

    Ich werfe mal einen Punkt rein, der weniger die finanziellen Aspekte anschneidet.

    Friedrich, du schreibst, dass ihr Kinder plant und dann vermutlich deine Partnerin die Arbeitszeit reduziert. Wieso soll nur sie das machen? Teilt es euch doch auf.

    Sieben Monate Elternzeit für sie und sieben Monate für dich. Und danach arbeitet ihr beide in Teilzeit mit einer 30 Stunden Woche.

    Ich hatte mir bei meiner Tochter nicht sonderlich viel Gedanken zuvor gemacht und ’nur‘ die typischen zwei Monate genommen, die Männer so nehmen. Als dann die Elternzeit anstand habe ich die Zeit so intesiv genossen und mich im Nachhinein geärgert nicht mehr beantragt zu haben. Und es fühlt sich schon etwas die die fU. an. Für freie Zeit ‚bezahlt‘ zu werden.

     

    Ich verstehe es nicht, dass so viele Personen auf den Finanzblogs von der finanziellen Unabhängigkeit träumen und es wohl nur dieses Schwarz-Weiß-Denken gibt: Voll arbeiten und sparen, bis man irgendwann dann den Cut macht.

    Nutzt doch die Möglichkeiten, die Euch gegeben werden und wählt die Lite-Version. Etwas weniger arbeiten, etwas mehr Freiheit. Das ganze dann zwar länger, aber dafür wesentlich früher als die evtl. nie eintretende 100%ige finanzielle Freiheit.

  20. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Hanseat

    Nur wer sich wie ein Irrer anstrengt, macht außerordentliche Fortschritte.

    Wer sich wenig anstrengt, macht kleine Fortschritte.

  21. Hanseat

    @Tim

    Das bezweifle ich auch gar nicht.

    Bloß sieht die Realität in Deutschland leider immer noch so aus, dass die Erziehung der Kinder an den Frauen hängen bleibt. In der Regel wird die Arbeitszeit so oder so reduziert und die Frau bleibt zu Hause und versorgt die Familie, während der Mann das Geld nach Hause schafft. Wenn es hoch kommt arbeitet die Frau noch etwas dazu. Selten aber mehr als 20 Stunden. Wieso also nicht beide 30/30?

    Ich möchte mit meinem Kommentar lediglich diese festgefahrenen Ansichten in Frage stellen. Wie oben gesagt sollte mein Kommentar weniger die finaziellen Aspekte beleuten und mehr auf das Leben im Allgemeinen eingehen.

    Die Teilzeit muss ja nicht auf alle Ewigkeit Teilzeit bleiben. Sobald das Kind / die Kinder in Betreuung / Schule sind kann man die Stunden wieder aufstocken. In Deutschland gibt es so tolle Modelle die Erziehung der Kinder aufzuteilen. Mann und Frau können beide in der Elternzeit die Arbeitszeiten zu reduzieren und haben rechtlichen Anspruch nach drei Jahren Elternzeit wieder die Vollzeitstelle in Anspruch zu nehmen.

  22. Ralf

    @Hanseat: In der Theorie klingt das super. Ich selbst habe auch auf 4-Tage-Woche reduziert und bin dankbar dafür. Bei uns geht das (mit höheren Widerständen). Aber meine Frau sucht z.B. krampfhaft eine Teilzeitstelle, nachdem die Kids halbwegs auf eigenen Beinen stehen. Sie findet aber nichts in der Region oder es bewerben sich massiv viel Leute drauf (Bürokauffrau, massiv überlaufener Bereich halt). Nur Vollzeitstellen und maximale Flexibilität wird sowieso immer gewünscht. In der Praxis haut es also oft nicht hin, weil rare Teilzeitstellen bei Müttern äußerst begehrt sind. Oder die Stellen sind am anderen Ende vom Landkreis.

    Mich wundert das selbst, weil wir eigentlich eine Boomregion sind, was Jobs insgesamt angeht (Rhein-Neckar-Region Heidelberg/Mannheim).

  23. Sparta

    @Ralf

    5k im Monat und ne 4 Tage Woche und dann dauernd übers Lohnniveau jammern? Drollig.

  24. -M

    @Friedrich

    danke für deine Antwort. So lange Ihr die Unternehmen analysiert,  für gut befindet und breit streuen wollt macht das  Sinn. Ansonsten wäre wirklich ein ETF sinnvoll da wenig Zeit benötigt wird und dieser breit streut. Wobei man dort auch einen ETF nehmen könnte der auf Dividendenwerte setzt. Autopilot sozusagen.

    Ich bin im Fokus-Investmemt-Lager vertreten. Mehr wie 10 Unternehmen kommen bei mir nicht in das Depot, wobei 80% auf meine ersten 5 top picks verteilt wird. Buy-and-Hold solange die Unternehmen von den Wirtschaftsdaten überzeugen bleiben diese ewig.

    Grüße

    -M

  25. Slazenger

    @Ralf

    der Arbeitgeber (großer deutscher Konzern, nicht an der Börse)meiner Frau bietet kaum Vollzeitstellen (Büro) an, sondern nur Verträge über 60/80/100/120 Std. Ab und an gibts auch eine Vollzeitstelle! Wir sind mit der Regelung sehr zufrieden, zumal sich die Zeit sehr flexibel einteilen läßt,  ich weiß aber dass viele Kolleginnen gerne eine Vollzeitstelle hätten, sich dies dort aber nicht realisieren läßt! Und das im Großraum Stuttgart/Esslingen, also auch in BW.

  26. Mark85Mark85

    An Fit und Gesund: Ich habe heute Gold nachgekauft. Was ist bei dir diesen Monat an der Reihe?

  27. Fit und Gesund

    @Mark85

    auch ich habe ein Auge auf’s Gold, ich werde auch kaufen, aber im Moment Null Zeit, ich arbeite 7Tage, 1Tag Frei und dann wieder 6, an dem einen freien Tag hab ich keine Zeit nach Zürich zu fahren, leider, zudem ist Urlaubszeit, kranke Mitarbeiter und wir haben noch eigenständig monatliche Weiterbildungen zu absolvieren, aber ich bin dran, nur über Bank oder bestellen und Postversand mach ich nicht mehr. Freu mich auf meinen Ausflug nach Zürich 🙂

  28. Mark85Mark85

    An Fit und Gesund: Das klingt ziemlich stressig. Es wird langsam Zeit, dass du dich in den Vorruhestand verabschiedest. 😀

    Dagegen habe ich das Luxusproblem, dass ich hier gar nicht so viel nachkaufen kann, wie an Goldhäusern vorhanden sind: Philoro, Degussa, Pro Aurum und Gold-Silber-Kontor. Gestern habe ich Philoro getestet. 😉

  29. Laufmaus

    @Ralf: Ich arbeite ebenfalls nur noch an 4 Tagen in der Woche (habe einen Arbeitsweg von je 100 km hin und zurück). Nur bei Urlaub/Krankheit meiner Kollegin dann 5 oder wenn so halt viel anliegt. Das sind dann aber wieder Überstunden, die an anderer Stelle abgebummelt werden können. Ich finde, mit unserer reduzierten Arbeitszeit haben wir uns doch schon ein ganzes Stück Freiheit geschaffen. Klar das am Ende des Monats das Gehalt entsprechend niedriger ist. Dafür hat man aber eben auch 3 Tage Wochenende. Entweder man möchte ein Stückchen Freiheit oder ein Stückchen mehr vom Gehaltskuchen. Beides ist im Normalfall nicht vereinbar. Zumindest dann, wenn man sich in einem Angestelltenverhältnis befindet. Ich könnte mich letztendlich auch darüber beschweren das ich zu wenig Geld verdiene (bekomme 90% vom Tarifvertrag und verdiene deutlich unter 2k/M/netto), aber was bringt es mir? Nix. Davon wird es auch nicht mehr. Außerdem wollte ich die Reduzierung der Arbeitszeit und muss mit den Konsequenzen klar kommen (die 90% stehen dabei jedoch auf einem anderen Blatt). Ich habe mich mit meinen Ausgaben entsprechend eingestellt und spare trotzdem etwa 40 % von meinem Gehalt. Kommt es mal zu einer Erhöhung, freue ich mich über eine höhere Sparquote. Also, immer schön positiv bleiben.

  30. Mr. Pino Cavallo

    @ Friedrich

    Es ehrt dich, dass du dich mit weniger zufrieden gibst. Du solltest dich trotzdem nicht „unter Wert“ verkaufen und dich mit dem Vergleich zum Durchschnittseinkommen 2010 trösten. Ich selbst arbeite auch für eine Big4-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (allerdings in der Transaktionsberatung) und mir treibt es regelmäßig die Schamesröte ins Gesicht, wenn ich mich mit meinen Banker- und Industrie-Freunden über Gehälter unterhalte. Wir verdienen eine ganze Stange weniger, dabei gehöre ich als Berater sogar noch zu den Besser-Verdienern in meiner Firma. Die Kollegen in der Wirtschaftsprüfung verdienen nochmal 10% weniger auf gleichem Level. Und das obwohl sie m.E. besser ausgebildet sind als wir. Es ist eine Schande wie der Berufsstand des Wirtschaftsprüfers in den letzten Jahren runtergewirtschaftet wurde. Dass dort sehr viel gearbeitet und sehr schlecht bezahlt wird, hat sich mittlerweile auch an den Unis herumgesprochen, weshalb die Bewerberzahlen im Vergleich zu vor 15 Jahren um rund 80% eingebrochen sind. Bei uns holt man deshalb mittlerweile massiv Leute aus Osteuropa und der Türkei, was die hier bereits vorgebrachte Skepsis gegenüber dem angeblichen Fachkräftemangel nur bestätigt.

    Nach deinem Examen solltest du daher wirklich überlegen, ob es nicht das beste wäre mit dem Titel ins Management eines Industrieunternehmens einzusteigen. Klar, wenn du für dich weißt, dass Wirtschaftsprüfer dein Traumjob ist, dann ist das so. Auf der anderen Seite muss man aber schon zusehen, nach Möglichkeit mehr Geld zu verdienen, zumal du nicht weißt, wie lange du deinen Job machen kannst. Gerade in der Prüfung hört man oft, dass der Job zumindest Krisensicher sei, da ja immer geprüft werden müsse. Das halte ich für eine gefährliche Behauptung. Ich selbst habe 2 Jahre lang geprüft und dabei festgestellt, dass die dortigen Prüfungshandlungen weitestgehend nach Schema F ablaufen und theoretisch voll automatisiert durchgeführt werden könnten. Ich bin daher überzeugt, dass mit der zunehmenden Digitalisierung sowie der zunehmenden Konvergenz der Rechnungslegungssysteme die zukünftigen Top-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nicht PwC und KPMG heißen werden, sondern Namen wie IBM und Microsoft tragen.

  31. Ralf

    Sicherlich muss niemand in Deutschland Hunger leiden, der das Leben bedroht.

    Aber: Trotz anhaltendem Wirtschaftsboom im reichen Deutschland hat sich die Zahl berufstätiger Menschen, die trotz ihrer Arbeit unter die Armutsschwelle fallen, zwischen 2004 und 2014 mehr als verdoppelt. Bei mir gehen da die Alarmglocken an! Das trifft eben nicht nur ungelernte Kräfte. Sondern zu oft auch gut ausgebildete Leute. Und Jobwechsel sind eben je nach Branche häufig sogar mit stagnierenden oder gar sinkenden Löhnen verbunden. Trotz oft steigender Verantwortung.

    Ich würde derzeit bei einem Jobwechsel auf eine Vollzeitstelle rund 500 € weniger verdienen (nach Analyse von 3 Vorstellungsgesprächen mit vergleichbarer Stelle) und müsste dafür sogar noch einen Tag mehr arbeiten. Und das im MINT-Bereich.

    Die meisten Firmen finden aber trotzdem Bewerber dafür die sich unter Wert verkaufen. Und das ist das Problem. Bei meinen Vorstellungsgesprächen gaben sich die Ingenieurbewerber quasi die Klinke in die Hand. Von Fachkräftemangel keine Spur. Und inzwischen studiert jeder zweite. Das wird noch böse enden….

    Wer etwas Ordentliches gelernt hat verdient dann auch ordentlich? Früher war das ja mal so. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei.

  32. Larry.Livingston

    Ralf,
    Ingenieure sind bei uns in der Ecke (Lux-TR-SB) Mangelware. Meine Frau ist Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Fachrichtung Gebäudeautomation. Regelmäßig unterbreiten ihr Ingenieursbüros verlockende Angebote bei denen sie netto mehr als das Doppelte verdienen kann. Sie hat bisher immer widerstanden und pendelt weiterhin lieber 30km über Landesgrenze hinweg um für den dt. Staat zu arbeiten: weil sie sich wohlfühlt, ihr das Gehalt reicht, sie zeitlich flexibel arbeiten kann und interessante Projekte hat (hauptsächlich US).

    Die Armutsstatistiken sind auch nicht sonderlich belastbar und hinken stark, unterschiedliche Lebenshaltungskosten spielen keine Rolle und überdurchschnittliche Gehälter verzerren die Verhältnisse zusätzlich. Aufgrund der relativen Ermittlung der „Armutsgrenze“ kann diese ansteigen obwohl die Menschen im Schnitt aufgrund steigender Löhne und Gehälter deutlich mehr Geld zur Verfügung haben.

    Die Armut nimmt übrigens weltweit seit vielen Jahren ab, dazu kann man sich gerne die aktuellste Untersuchung der Weltbank zu Gemüte führen. 1981 lebten noch 44 % der Weltbevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze und inzwischen ist der Anteil auf unter 13% geschrumpft.

    Ralf, ich würde dir wenn dir das Geld nicht reicht und (nachdem ich nun gefühlt seit sechs Monaten nichts anderes von dir lese) empfehlen

    a. deine Arbeitszeit wieder auf 5 Tage hochzusetzen(!)
    b. deine Ausgaben zu überprüfen
    c. Umzug und Jobwechsel in Betracht zu ziehen

    Es muss ja nicht das hippe Heidelberg sein, 40 km weiter westlich wärst du im günstigeren KL Bereich und hättest zusätzlich dank US mehr Möglichkeiten und würdest sogar leichter eine Familienwohnung finden.

    Wer etwas „Ordentliches“ gelernt hat kann auch ordentlich verdienen, alles eine Frage des Verhandlungsgeschicks und der eigenen Flexibilität.

    Meckern und Jammern bringt nichts! Ich selbst habe immer nach dem Motto gelebt: ‚love it, change it or leave it‘.

    Cheers,
    Larry

  33. Mattoc

    Larry,

    „Wer etwas „Ordentliches“ gelernt hat kann auch ordentlich verdienen, alles eine Frage des Verhandlungsgeschicks und der eigenen Flexibilität.“

    Genau so ist es.

     

  34. Felix

    @ Ralf

    „Die meisten Firmen finden aber trotzdem Bewerber dafür, die sich unter Wert verkaufen.“

    Das scheint mir ein seltsames Verständnis von Marktwirtschaft. Wer bestimmt den „Wert“? Der wird doch durch Angebot und Nachfrage bestimmt, oder wie sonst?

    Man versetze sich doch einmal in einen Arbeitgeber, der eine Informatikerstelle zu besetzen hat. Nun hat er zwei Bewerber mit gleicher Qualifikation. A will 70.000 € und B 80.000 €. Wie würden Sie als Firmeninhaber entscheiden? Und wieso „verkauft“ sich A „unter Wert“? Könnte es sein, dass sich B über Wert verkauft.

    Das, was jeder Konsument macht, nämlich bei gleicher Qualität das preiswertere Produkt zu kaufen, soll für Unternehmen nicht gelten?

  35. Mattoc

    Die Diskussion um Arbeitsplätze und Bezahlung lässt sich wirklich ziemlich leicht lösen. Bei Ralf ist das Problem, dass er örtlich, familiär und mental gebunden ist. Er hat relativ wenig Flexibilität und erwartet, dass sich alles andere auf ihn zubewegt. Und das ist der Grundfehler.

    Tim hat Recht, wenn er immer wiederholt: „Wer etwas Außergewöhnliches erreichen möchte, muss sich außergewöhnlich verhalten.“

    Man kann nicht alles gleichzeitig haben:

    – 4 Tage Woche

    – Glückliche Beziehung

    – Kinder

    – Hochbezahlter Arbeitsplatz

    – Günstigen Wohnraum

    – Finanzielle Unabhängigkeit etc.

    – Absicherung der Familie bei BU und Krankheit

    Da sind viele Ziele dabei, die gegeneinander arbeiten. Deshalb muss jeder diesbezüglich individuell priorisieren und dann akzeptieren, dass andere Ziele nicht oder nicht in der Geschwindigkeit erreicht werden können.

    Die Zeiten, in denen man in seinem Nest mit Fleiß und guter Ausbildung ein überdurchschnittliches Vermögen aufbauen kann, sind definitiv vorbei. Heute sind geistige und räumliche Flexibilität, Sprachkenntnisse und Netzwerk extrem wichtig. Und wenn man neben einer guten Ausbildung hierin stark ist, ist auch ein sehr hohes Gehalt gut möglich.

  36. Sparta

    @Mattoc

    An sich fast alles schlüssig.

    Nur dass mit dem früher waren es bessere Zeiten ist auch mental verzerrt.

    Dieser kognitiven Verzerrung unterliegen wir aber fast alle.

    Ein 10 k DM Beruf bei ner 4 Tage Woche war zu Mark-Zeiten auch nicht früherer Alltag. 😉

    Vermutlich ist dass sogar von ner 5 Tage-Woche mit schlechterer Bezahlung in die jetzige Situation hinein gewachsen… So übel wie sich das alles entwickelt! 😉

  37. Mattoc

    Sparta,

    ich finde nicht, dass es früher besser war. Es war früher nur anders. 😉

  38. anoli

    @ Ralf ich kann dich durchaus verstehen ich habe eine ganz ähnliche Situation bei mir vorgefunden und ich muss sagen das ich mich seit ich 28 bin damit abgefunden habe das ist nun 9 jahre her

    ich hab mit anfang 20 bis mitte 20 3x den Job gewechselt,

    beim ersten mal glaubte ich noch an die Floskel kommen sie doch zu uns auch wenn sie aktuell nur das selbe verdienen werden und der Job befristet ist nach einem halben jahr reden wir nochmal drüber, ja nach einem halben jahr haben wir drüber geredet und nochmal ein halbes jahr verlängert natürlich ohne das es mehr gab. nach einem jahr wollten sie wieder verlängern um ein halbes jahr das Argument damals man hätte mich noch nicht richtig kennen und einschätzen gelernt daher weiterhin nur befristet.

    da mich das damals schon nach dem ersten halben jahr und der Verlängerung angek…..,t hat hab ich paralell wieder gesucht und nach einem jahr gesagt das sie sich den befristeten Job schenken können und war dahin

    damals konnte ich mein gehalt um 300DM netto steigern und hab wieder die Floskel akzeptiert nach einem halben jahr reden wir darüber und dachte super 300 mehr und wir reden darüber, nach einem halben jahr reden war klar alles nur leeres gesülze wenigstens war der Job unbefristet.

    ich war wieder angefressen und wieder auf der suche, diese dauerte sehr lang bis ich was gefunden hatte und ein Vorstellungsgespräch hatte und es scheiterte wieder an der Bezahlung nur ich war mir diesmal sicher das ich nicht mehr abrücke ich bin mir das wert und drunter mache ich es nicht. ich bekam als antwort das wir dann nicht zusammenkommen ich dachte ok dann ist das halt so

    nach 4 Wochen rief man mich an und teilte mir mit das sie mein gehalt akzeptieren ich die Trainee stelle haben kann denn ich wäre der mit der besten Qualifikation für den Job auch wenn ich der teuerste wäre.

    ja und nun sitze ich auf dem Job, trainee-stelle ja da war ja was, sie wollen jede Abteilung im unternehmen mal kennenlernen – nee warum sollten wir das machen, nein sie bleiben in der Abteilung. ich sehe nun andauernd leute kommen und gehen. mehr als ich verdienen nur die wo noch länger auf ihrer stelle sitzen und warten das die rente kommt oder irgendwas passiert.

    ich hab dann irgendwann nochmal probiert zu wechseln aber dies geht nur mit weniger Geld und mehr arbeit, man erwartet dann 50 stunden Wochen von einen und solche scherze will aber die ü-stunden nicht bezahlen usw.

    aber hey ich hab mir gesagt das ich das nun aussitzen werde ich hab nur noch 30Jahre bis zur rente das wird ja wohl zu schaffen sein. das gehalt steigt ja jährlich aufgrund Tarifvertrag weiter an und jeder wechsel würde bedeuten das ich 500€ netto weniger bekommen würde aber deutlich mehr als 35 stunden in der Woche arbeiten.

    und so harren wir der dinge wo kommen einfach aus und schauen mal,

    wozu gibt es bücher und Internet das der tag rumgeht, und einen trumpf habe ich noch, die FU dafür könnte die alten schlachtrosse Coca cola, JnJ P&G usw. aber wirklich mal schneller die div. erhöhen dann komme ich viell. doch noch mit 50 aus dem Rad raus 🙂 und muss nicht bis 60 warten

  39. Ex-Studentin

    Ich war auch bis vor Kurzem recht unzufrieden mit meinem Gehalt, weil ich bei einem AG-Wechsel 10-20k mehr im Jahr hätte haben können. Im Nachhinein war ich unzufrieden, weil das Gehalt nicht im Verhältnis zum Stress stand. Durch einen internen Stellenwechsel bin ich nun endlich (zumindest aktuell) glücklich. Hauptziel: Weg vom Stress und Burnoutrisiko. Das Gehalt ist dann nur noch zweitrangig, wenn die Arbeit so viel Spaß macht, dass man ein schlechtes Gewissen hat, dafür bezahlt zu werden..

  40. Mattoc

    @Ex-Studentin,

    guter Artikel:

    https://exstudentin.wordpress.com/2017/07/06/sparziele-setzen-mithilfe-von-wer-wird-millionaer/#comments

    Damit können viele Menschen sicher mehr anfangen als mit dem „Hardcore-Sparen“.

    @anoli

    Du hörst dich sehr unzufrieden an. Falls du nur ansatzweise mit dieser mentalen Verfassung zur Arbeit gehst, kannst du nicht erwarten, dass es besser wird. Jeder Chef merkt nach zwei E-Mails, dass das keinen Zweck hat. Freude an der Arbeit, Engagement und positives Denken sollten ausgestrahlt werden, wenn man persönlich im Job weiterkommen möchte.

     

  41. anoli

    @ mattoc der Chef hat die selbe Einstellung dazu, der wartet auch nur noch, er meinte das er seit 17 jahren keine Gehaltserhöhung mehr gesehen hat und da bekommen alle anderen sicher auch keine und wir können machen was wir wollen selbst ein Studium oder Dr. Titel führt nicht zu mehr gehalt. wir sollen doch wenn wir bleiben wollen ruhe geben ein buch mitnehmen auf die arbeit oder langsamer arbeiten das der tag rumgeht und ihn doch bitte in ruhe lassen.

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