Folgen Sie den Super-Stars


New York, 26. August 2012

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Meine Damen, meine Herren,
heute möchte ich Ihnen eine ganz einfache Aktienstrategie vorstellen, die unglaublich gut funktioniert. Um an der Börse eine schöne Rendite erzielen zu können, kopieren Sie einfach die besten Anleger der Welt. Das ist ziemlich einfach. Sie müssen nur die „Wale“ beobachten: Was kaufen und was verkaufen die? Im Anschluss kopieren Sie deren Strategie.
Natürlich sollten Sie sich Ihre eigenen Gedanken dazu machen, Ihre Hausaufgaben machen, viel lesen und versuchen zu verstehen, warum die Stars eben jene Aktien ordern.
Wenn Sie Warren Buffetts Aktienportfolio kopieren wollen, haben Sie mit diesen Positionen eigentlich fast alles erledigt: Coca-Cola (Anteil am Aktienportfolio 21%), Wells Fargo (18%), IBM (18%), American Express (12%), Procter & Gamble (5%), Wal-Markt (4%), Kraft Foods (3%), U.S. Bancorp (3%), ConocoPhillips (2%), DirectTV (2%).
Mit den sogenannten „13F Meldungen“ müssen die Super-Investoren in den USA jedes Quartal ihre Käufe und Verkäufe bekannt geben. Somit sind praktisch viele Details einsehbar. Weil Buffett als Genie verehrt wird und ihm Tausende Anleger folgen, erhält er manchmal Ausnahmegenehmigungen von der Börsenaufsicht und muss nicht jede neue Aktienposition sofort melden. Die Ausnahmeregelung möchte der Börsenaltmeister immer dann, wenn er gerade dabei ist, eine Position aufzubauen. Er will so verhindern, dass die Anleger ihm wie Lemminge hinterher jagen, die gleiche Aktie kaufen und so seinen niedrigen Einstiegskurs zunichte machen.
Ich möchte noch mal betonen: Grundsätzlich sollten Sie niemals blindlings überstürzt Aktien kaufen, sondern sich immer umfassend informieren und den Kurs im Vorfeld beobachten.
Wen ich ebenfalls gerne beobachte, ist Seth Klarman. Der Chef der „Baupost Group“ ist ein knallharter Value-Jäger, der auch vor tief abgestürzten Werten nicht zurückschreckt. Seine größten Positionen sind derzeit: BP (Anteil an seinem Portfolio 14%), Hewlett-Packard (14%), Oracle (12%), ViaSat (10%), News Corp (9%) usw.
Milliardär Klarman hat keine Angst vor großen Konzentrationen in seinem Depot. Ähnlich wie Buffett setzt er Schwerpunkte und streut nicht allzu stark. Diese Vorgehensweise fällt übrigens bei den meisten bedeutenden Hedgefondsmanagern auf.
Außerdem bin ich ein Anhänger von Leon Cooperman. Auf dem Foto oben sehen Sie Cooperman als Zweiter von rechts, das Foto entstand auf der Konferenz „Delivering Alpha“ des Börsensenders CNBC. Er ist ein cooler Typ. Der 69-jährige wuchs in armen Verhältnissen in der Bronx auf, sein Vater war Klempner. Sein MBA machte er 1967 an der Columbia Uni. Er fing in jungen Jahren bei Goldman Sachs an, schaffte es sehr weit nach oben, wurde Partner. Seine Familie spielte immer eine große Rolle für ihn. Nach seiner Pensionierung machte sich Cooperman mit dem Hedgefonds Omega Advisors selbstständig. 4,4 Milliarden Dollar schlummern in seinem Portfolio. Er mag vor allem hochsolide Dividendenzahler mit niedrigen KGVs. Mir leuchtet seine Strategie ein. Das sind seine größten Positionen: SLM Corporation (5%), Linn Energy (4%), Atlas Pipeline Partners (4%), Apple (4%), Kinder Morgan (3%), AIG (3%) usw. Cooperman streut übrigens mehr als die anderen, er scheut zu hohe Risiken.
Sehr häufig finden Sie in den Depots der Profis folgende Papiere: Apple, Celanese Corp., Bank of America und Salesforce.com.
Was Sie nicht machen sollten: Zum Anhimmeln der Manager gibt es keinen Grund. Sie machen alle Fehler – wie jeder andere auch. Sie kochen nur mit Wasser. Mag sein, dass diese Geldzauberer an bessere Informationen dran kommen, aber das muss nicht unbedingt immer der Fall sein.
Freilich gibt es in der Branche auch schwarze Schafe. Selbst bei Superhelden wie John Paulson kann plötzlich die Erfolgssträhne reissen. Das müssen Sie einkalkulieren. Und Buffett macht immer wieder Fehler.
Beeindruckt war ich von David Einhorns „Glücks“-Treffer. Da schwärmte Einhorn, Chef von Greenlight Capital Funds, von seinem neuen Liebling Coventry Health Care (Tickersymbol CVH). In dem Brief an die Kunden seines Hedgefonds erklärte er ausführlich (PDF), warum der Krankenversicherer so toll ist. Das war am 23. Juli. Am 20. August wurde sein Liebling von Aetna (einem größeren Versicherer) für 5,7 Milliarden Dollar übernommen. Der Käufer Aetna zahlte eine Prämie auf den Aktienkurs von 20 Prozent. Einhorn strich einen Gewinn von 72 Millionen Dollar mit dieser Aktienposition ein. So macht man das in so kurzer Zeit. Alles nur Glück oder ist der Hedgefondsmanager einfach verdammt schlau? Das fragte sich auch die „New York Times.
Fazit: Steuern Sie Ihren eigenen kleinen Hedgefonds. Es ist gar nicht schwierig.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Folgen Sie den Super-Stars

  1. Anonym

    Hallo Tim,

    warum empfiehlst du den Leuten einen Hedgefonds zu „emulieren“? Wäre es nicht viel ratsamer, ein konservatives Depot aufzubauen und sich dabei Tipps bei den Profis zu holen?
    Oder habe ich das Produkt Hedgefonds falsch verstanden? Hier klingeln bei mir die Alarmglocken.

  2. Michael C. Kissig

    Die „Börsensuperhelden“ zu kopieren, bietet sich natürlich an. Dabei muss man jedoch einige Punkte beachten:

    – die Performance
    Auch wenn Warren Buffett über 40 Jahre betrachtet annähernd 20% p.a. mit seinen Investments erzielt, wird man das durch Kopieren seiner Anlagestrategie nicht erreichen können. Denn die Veröfferntlichung via 13F erfolgt ja quartalsweise nachträglich! Buffett ist also bereits investiert, wenn die Welt dies erfährt. Oder hat bereits wieder verkauft. Das heißt nicht, dass man immer teurer kauft oder billiger verkauft, als Buffett – aber vermutlich zu anderen Kursen.

    -die Herde
    Auf die Idee des Kopierens sind ja bereits viele Leute gekommen, so dass die Veröffentlichung der 13Fs schon zu parziellen Kursturbulenzen führen kann. Nicht bei ExxonMobil oder IBM, dazu sind diese zu groß (Marktkapitalisierung), aber kleinere Werte in Buffetts Portfolio können durch seinen Ein- bzw. Ausstieg und die sich dann anschließenden Orders der „Follower“ durchaus deutlich bewegen. Wenn alle rein- oder alle rauswollen, entsteht ein Ungleichgewicht mit entsprechenden Kursschwankungen.

    Was auf jeden Fall eine gute Idee ist, ist das Anschauen der Werte im Depot des „Stars“. Es muss ja nicht unbesingt das Unternehmen sein, in das man investiert, man erfährt ja auch etwas über den Sektor, der für interessant gehalten wird. Kauft Buffett VISA, kann man ja auch MasterCard oder Amex genauer betrachten und ggf. dort investieren. Oder kleinere Unternehmen, die für Warren Buffet keine Rolle mehr spielen können, weil er immer gleich Milliarden investieren muss. Normale Anleger haben hier den Vorteil, dass sie nicht auf die größten 100 Unternehmen beschränkt sind, sondern frei wählen können.

    Weshalb ich Buffett hier gezielt herausgreife liegt daran, dass er seine Investments und seine Ansichten zu Märkten und Entwicklungen umfassend darlegt und man daher seinen Gedankengängen gut folgen kann. Das ist weit mehr, als reines Kopieren – es bietet die Möglichkeit, wirklich nachvollziehen zu können, weshalb Investments eingegangen wurden. Im besten Fall lernt man noch etwas, während man Geld mit seinen Investments verdient.

  3. Ulrich

    Die 20 % eines Warren Buffetts sind eigentlich auch gar nicht nötig. Auch mit geringeren Renditen kann man über die Jahre ein sehr schönes Vermögen aufbauen.

    Ein Depot aber zu kopieren hat auch seine Gefahren. Man weiß ja nie ob eine Aktie, die Milliadär xy vor zig Jahren gekauft hat nicht im moment viel zu hoch gehandelt hat (wenn man sich jetzt rein auf das Kopieren beschränkt, was Tim aber sicher nicht gemeint hat).

    Wo ich aber zustimme ist, dass es doch sehr hilfreich sein kann sich erfolgreiche Depots anzusehen und sich dann die Berichterstung über diese Käufe zu Gemüte zu führen. Man muss ja nicht jede Entscheidung kopieren, es kann einen aber auf sehr gute Anlage-Gedanken bringen.

  4. tim schaefertim schaefer

    @ alle

    Ich bin beeindruckt von den Kommentaren in meinem Blog. Vielen Dank dafür. Ich stimme allen hier zu. Es ist wichtig an der Börse kritisch zu sein, nachzudenken, viel zu lesen, nichts zu überstürzen und viel Geduld zu haben.

    Reines Kopieren eines Stars (ohne nachzudenken) ist natürlich nicht ratsam. Die Stars können aber sehr gut zum Sammeln von Ideen dienen.

    Bei den hier vorgestellten Hedgefonds handelt es sich um anerkannte, solide Anleger, die eine Value-Strategie verfolgen. Ich schaue jedenfalls gerne in die Depots von Leuten wie Seth Klarman oder Leon Cooperman.

    Wovon ich nichts halte: Vom Zocken, vom Trading, vom Leerverkaufen, von einer hohen Aktivität im Depot.
    Beste Grüße
    Tim

  5. Turing

    Über das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung gibt es einen umfassenden Wikipedia-Artikel. Das Problem haben wir bei Buffet aber genauso. Er investiert und es wird zum Erfolg. Woran wird der Erfolg gemessen? Unter anderem am Aktienkurs. Wann steigt der Aktienkurs? Wenn mehr Investoren die Aktien haben wollen, die Buffet gerade gekauft hat. Wann steigt die Bereitschaft der Banken, einem Unternehmen Geld zu leihen? Wenn Buffet eingestiegen ist.

    Natürlich ist Buffet ein guter Anleger, aber man darf nicht vergessen, dass wir ihn unter „Laborbedingungen“ beobachten können. Seine Investments ziehen viele andere Investoren nach sich.

    So wie man nicht sowohl Geschwindigkeit als auch Ort eines Teilchens im absoluter Genauigkeit messen kann, kann man auch nicht messen, wie gut Investment Buffets wäre, wenn Buffet nicht dabei wäre.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Turing

    Ich bin nicht der gleichen Meinung. Ein kritischer Blick ist immer angebracht – auch bei Buffett.

    Die Performance von Buffett basiert aber meiner Meinung nach keineswegs auf seinen Fans oder einem Schneeballeffekt. Eventuell allenfalls ein Tick. Die meisten Menschen halten ohnehin keine Aktie für 30 oder 40 Jahre.

    Buffett folgt wie kaum ein anderer einem strikten Bewertungsmodell. Er lässt sich nicht von Trends und Wachstumsstory begeistern. Er kauft erwachsene, stabile Großkonzerne zu einem vernünftigen Preis. Weder Technologiefirmen noch Wachstumsmärkte in Asien oder Südamerika interessieren ihn. Warum? Am Ende performen diese Tech- oder Asien-„Wunderaktien“ keineswegs besser, als die traditionsreichen US-Konzerne.

    Es kommt eben nur auf die Qualität, den Einstiegskurs (Bewertung) und den Zinseszinseffekt (Dividenden plus Kurssteigerungen) an.

    Meine These: Coca-Cola, P&G, Amex oder Wells Fargo würden heute auch ohne Buffett dort stehen, wo sie notieren.

  7. Michael C. Kissig

    @Turing

    Ich glaube auch nicht, dass die „selbsterfüllende Prophezeihung“ in Bezug auf Buffetts Börsenengagements greift, allenfalls ganz kurzfristig. Denn würde der Markt genau das tun, was Buffett vorgemacht hat, wären ExxonMobil oder Intel nach Buffetts Komplettausstieg ja wohl ins Bodenlose gefallen. Sind sie aber nicht.

    Aber Du sprichst ein Dilemma von Buffett an: die enorme Liquidität, die er einsetzen muss. Da bleiben ihm nur wenige Unternehmen auf der Welt, die signifikante Käufe in Milliardenhöhe überhaupt verkraften können. Denn so schön ein Kursplus ist, das man durch eigene Käufe auslöst – genauso läuft es, wenn man verkaufen will. Und daher muss Buffett um mittlere und kleine Unternehmen inzwischen einen Bogen machen, um nicht selbst „den Kurs zu machen“.

  8. Anonym

    Hallo zusammen,

    noch ein erstaunlicher Nachtrag, der mir so bislang auch nicht klar war. Laut Tims Aufzählung machen bei WB 10 unterschiedliche Aktien 88% des Portfolios aus. Das ist nahezu unglaublich!

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Anonym

    Zu berücksichtigen ist hierbei, dass es sich lediglich um sein Aktien-Portfolio handelt. Buffetts Anteil an der Münchener Rück ist dieser Aufstellung nicht enthalten.

    Eine weitere Säule des Berkshire-Imperiums setzt sich aus Versicherungskonzernen und Familienbetrieben zusammen, die nicht börsennotiert sind.

    Fazit: Buffetts Erfolg basiert in der Tat auf deutlichen Investitions-Schwerpunkten.

  10. Alex

    Darüberhinaus hat Buffet wohl mehr Anleihen als darüber gesprochen wird… in diesem Forum hat ein User eine kleine „Studie“ über das Gesamtportfolio des WB gepostet…

    http://www.wertpapier-forum.de/topic/32870-diskussionsthread-uber-die-depots/page__view__findpost__p__756962

    ob der Anleihen Teil wegen dem Versicherungsgeschäft verpflichtend/nötig ist kann ich nicht sagen… aber interessan mal jemand auch über diesen Tellerrand sieht…
    Zu oft wird Buffett ja auf seine Börsenkäufe reduziert und diese als sein „Gesamtportfolio“ angenommen.

    Die beherschten Beteiligungen (ab 80%) werden oft vergessen:
    GEICO/GENERAL RE/Lubrizol/TTI, Inc/BNSF/Borsheims/See's Candies/Scott-Fetzer/Nebraska Furniture Mart/ … … …

    Wenn man diese Firmen und die Anleihen mit einbezieht ist er nicht so „fokusier“ wie immer geschrieben wird 😉

    Bei Gurufocus u.ä. werden wie schon erwähnt oft auch die ausländischen Beteiligungen unter den Teppich gekehr.

    Ohne Gewähr aus dem Gedächtnis:
    Buffetts Kauf von See's:
    Kaufpreis: 25 Mio.$
    Gewinn/Jahr: 2 Mio.$
    Eigenkapital: 8 Mio.$


    Allgemeine Frage: Hier wurde ja geschrieben dass selbst wenn Buffett irgendwo einsteigt, man selbst noch überlegen sollte… das ist natürlich nicht richtig…
    Aber: Wenn Buffett in intwas investiert und man selber analysiert und kommt dann zu einem anderen Ergebniss, wie groß ist da die Chance auf der falschen Seite zu sein 😉

    Erinnert mich an einen Foreneintrag den ich mal gelesen habe:
    „Buffett hat in IBM investiert? dieses mal liegt er FALSCH!!!“

  11. tim schaefertim schaefer

    @ Alex

    In den Anleihen hat Buffett Versicherungsgelder und seine Kriegskasse investiert, um wenigsten ein paar Prozentpünktchen zu kassieren.

    Zu IBM hat wohl jemand die falschen Schlüsse gezogen. In der Regel kann man ja schon dem Meister vertrauen. Buffett ist einfach ein Genie.

    Buffett achtet auf 3 Dinge:
    1. ein bombensicheres Unternehmen,
    2. solide Dividenden
    3. eine vernünftige Bewertung.
    Was soll da schon schief laufen. Bislang haben Anleger, die ihm gefolgt sind, exzellent verdient.

    VG Tim

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