Fibonacci-Linie signalisiert: Verkauft sofort alles!?


New York, 10. August 2015
cxcxc

In der Finanzbranche wird gerne eine komplizierte Fachsprache benutzt. Das meiste davon ist für die Altersvorsorge unnötig. Das Sparen für die Rente geht mit ganz einfachen Instrumenten wie Indexfonds oder Qualitätsaktien. Und dann brauchen Sie nur viel Geduld.

In der Finanzbranche gibt es sehr viel Kauderwelsch. Das meiste Fachchinesisch brauchen Sie nicht zu verstehen. Es ist Quatsch darunter. Da rät doch glatt ein „Börsenexperte“ wegen der Fibonacci-Linie das Depot zu verkaufen. Sorry, das ist grauenhaft. Das Rein und Raus aus Aktien bringt einfach nichts. Wegen irgendeiner Linie im Chartbild würde ich niemals meine Aktien verkaufen.

Sie wissen ja, dass in der Finanzbranche sehr viel Geld mit Aktivität verdient wird. Und weil das so ist, dient das Fachchinesisch manchmal dem Versteckspiel. Vom amerikanischen Schriftsteller Upton Sinclair (1878 bis 1968) stammt ein herrlicher Spruch:

„Es ist schwierig, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er sein Gehalt dafür bekommt, dass er es nicht versteht.“

„It is difficult to get a man to understand something, when his salary depends on his not understanding it.“

Am besten ist das Durchhalten. Fertig! Verfolgen Sie eine ganz einfache Strategie. Und hören Sie auf den komplizierten Kram erst gar nicht. Investieren ist einfacher, als Ihnen so mancher Experte erzählen will.

Natürlich ist die Zukunft ungewiss. Aber durch mehr Aktivität im Depot wird die Zukunft nicht gewisser.

Um für den Ruhestand vorzusorgen, kaufen Sie Qualitätsaktien oder einen Indexfonds. Und fertig. Stocken Sie das Ding auf. Und schon haben Sie alles gemacht, was Sie tun können.

Ok, Sie sollten bodenständig leben. Sonst haben Sie am Monatsende nichts zum Sparen und Investieren übrig. Aber natürlich soll das Leben Spass machen. Hobbys, Urlaube, Ausflüge, Kino, Theater, Sport… alles ist in Maßen wunderbar.

Sie brauchen für den Ruhestand keine Reichtümer. Die magische eine Million Euro ist nicht nötig. Wenn Sie 80 Jahre alt sind, wollen Sie bestimmt nicht das neueste iPhone oder iAuto benutzen. Das ist Ihnen dann vermutlich ziemlich egal.

Aber nochmal: Sie sollten schon Sparen. Es geht mit dem ersten Job los. Legen Sie Geld beiseite. Investieren Sie es sinnvoll. Im Idealfall an der Börse. Steigt Ihr Gehalt, sollten Sie nicht Ihren Lebenswandel nach oben ziehen. Bleiben Sie bodenständig. Das gibt Ihnen später im Leben mehr Optionen bzw. Freiheiten.

Beginnt Ihr Ruhestand, sollten Sie versuchen, nicht Ihren Finanzbestand zu dezimieren. Versuchen besser, von Rentenbezügen, Pensionen, Mieteinnahmen, Dividendenströmen… zu leben. Denn Sie können älter werden, als Sie sich ausmalen können.

Zum Schluss: Natürlich ist Ihre Gesundheit viel wichtiger als das Geld. Nicht alles lässt sich perfekt planen. Jeder Plan kann durch eine Tragödie/Unfall/Krankheit zunichte gemacht werden.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Fibonacci-Linie signalisiert: Verkauft sofort alles!?

  1. Kayo

    Hallo Tim,

    ja die Gesundheit geht über alles. Und seltsamerweise wird da ja auch eine komplizierte Fachsprache benutzt …

    Ergo kümmert man sich um sein Geld und seine Gesundheit besser selber als auf gut gekleidete Experten zu vertrauen, die mit Worten um sich werfen, die niemand versteh(en soll) t.

    Gruß Kayo

  2. Uri

    Markus Koch rät zum Ausstieg:

    „Wie oft betont, rate ich zum Ausstieg. Bis Mitte/Ende August sollte der Gegenwind anhalten. Erst dann lohnt es sich Aktien erneut aufzusammeln. Anleger sollten keine Angst davor haben Verluste zu realisieren. Fehler gehören an der Börse dazu. Nur sollte man rasch reagieren, um den Schaden zu begrenzen. Keine Position im Depot sollte mehr als 15 bis 20 Prozent gegen die eigene Strategie laufen!“

    Quelle: http://www.godmode-trader.de/artikel/death-cross,4302354

  3. Ric

    Hallo Tim,

    schon André Kostolany sagte:

    „Ebenso wenig halte ich von Formationen wie Kopf-Schulter, Triangel, Untertasse und Wimpel, mit denen die Chartanbeter von heute operieren. Und inwieweit das Durchbrechen einer 200- oder 38-Tage-Durchschnittlslinie eine Bedeutung hat, will mir auch nicht in den Sinn. Ich antworte mit Hamlet: „Totaler Unsinn, aber mit Methode.“

    Was ist daran so schwer? Ich lebe sparsam und kaufe mir von dem Geld nach genauer Analyse immer wieder eine Aktie. Und dann wenn diese nach einiger Zeit unter meinen Kaufpreis fällt, dann kaufe ich einfach nach. Fertig 🙂

    Viele Grüße

    Ric

  4. Michael C. Kissig

    @Uri

    Markus Koch ist kein Buy&Hold-Investor, sondern bezeichnet sich selbst als Trader. Deshalb mag für ihn die Kursschwankung des Marktes auf Sicht von ein paar Wochen relevant sein, für Langfristanleger hingegen ist sie es nur aus einem Grund: sie könnte bei einem Kursrückgang für bessere Kaufkurse sorgen.

  5. Uri

    @Michael Kissig

    Ja, das stimmt. Was auffällt ist, dass viele Dow-Titel am 52-Wochentief notieren oder teilweise sogar drunter. Da frage ich mich, ob man da schon zugreifen kann oder noch das Sommergewitter abwarten sollte.

    Ich denke da an Werte wie United Technologies, Verizon oder Procter & Gamble. Auch eine IBM sieht nicht teuer aus (sicherlich auch hausgemacht).

    @Tim

    Kennst Du den US-Wert Cummins? Der gefällt mir recht gut. Habe einige Artikel und Analysen darüber gelesen.

  6. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Kayo

    Manchmal braucht man aber schon den Arzt. Und nicht alle Finanzberater sind übrigens schlecht. Es gibt sehr viele gute. Selbstverständlich.

     

    @ Ric

    Danke für das Kostolany-Zitat. Das ist super.

     

    @ Uri

    Ja, ich habe von Cummins schon gehört. Ein Diesel-Motorenbauer. Flotte Dividende. Schöne Cashflows.

  7. Frank

    Was mir zu denken gibt:

    Es sind wenige Dickschiffe die die Indizes einigermaßen auf Kurs halten.

    Auch der Trend zu ETF s hilft vielen Aktien Kurs zu halten, obwohl fundamental nicht alles für den Wert spricht.

  8. Uri

    Ich erlaube mir mal eine persönliche Depotfrage zu stellen.

    Ich plane ein kleines zusätzliches, konzentriertes Portfolio aufzubauen, von dem ich erwarte, das es weniger stark fällt als der Markt im Fall der Fälle und ansonsten eine marktähnliche Rendite erwirtschaftet.

    Mein Plan-Portfolio je zu gleichen Anteilen:

    Nestlé, Procter & Gamble, Roche, British American Tobacco und Coca Cola.

    Einzelinvestment plus monatlich immer einen Nachkauf bei einem Wert. Dann kaufe ich mal teuer (wie aktuell) und mal günstig. Das Portfolio würde ich vererben und nicht mehr verkaufen (müssen).

    Das sind die üblichen Verdächtigen. Was meint Ihr? Hätte Ihr bessere Ideen. Danke fürs Feedback.

     

  9. Alex

    Folgende Gründe sehe ich, warum der Crash JETZT kommt:

    Die Krise in China
    Die Krise in Griechenland
    Geopolitische Spannungen in der arabischen Welt.
    Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern.
    Deutschlands Wohlstand ist auf Sand gebaut, die Altersarmut weiter Bevölkerungsteile kommt.
    Die Notenbanken der Welt überheben sich gerade.
    Das Finanzsystem ist kein bisschen stabiler als 2008.
    Die Märkte sind zu schnell zu weit gelaufen und für eine Korrektur überreif.
    Die Anleihenmärkte befinden sich in einer gigantischen, von den Notenbanken und Staaten aufgepumpten Blase.
    Ein langfristiges Top im S&P500 ist denkbar und nicht mal unwahrscheinlich.
    Die Dominanz der trendfolgenden Algorithmen, wird den nächsten Crash noch schneller, tiefer und brutaler machen, als alle vorher.

    P.S.: Die Liste stammt ursprünglich aus dem Jahre 2011 und ist leicht verändert von einer anderen Webseite entnommen.

    P.S.2: Falls bis hier her noch nicht gemerkt: dieser Kommentar war ironisch und es gibt immer gute Gründe, die für einen baldigen Crash sprechen.

  10. Alex

    @Uri

    Die Idee gefällt mir. Wenn ich Dich verstehe, möchtest Du ein möglichst defensives Portfolio. Da sind Pharma- und Konsumwerte doch vollkommen ok. Nicht gerade günstig aktuell, aber was ist das schon. Man kann jetzt im Einzelnen sicherlich debattieren, ob Roche oder Novartis bzw. Pepsi oder Coke, aber die Grundidee finde ich schnörkellos & gut. Bin mal gespannt, ob jemand anderes dazu was sagt.

  11. Philipp

    @Uri

    Ja Klasse Idee! Coca Cola und P&G habe ich auch im Depot und bin sehr zufrieden mit den beiden 😉 ich erhalte regelmäßige Dividenden mit denen ich mein Depot immer weiter vergrößern kann.

    Nestle ist sicher ganz nett, mich stört aber die hohe Quellensteuer. Anstatt Roche habe ich z.B Johnson&Johnson (Ich liebe sie :D) und anstatt BAT habe ich Altria Group (auch sehr nett).

    Du hast geschrieben das du das als zusätzliches Depot planst. Wie sieht den dein Hauptportfolio aus?

    Grüße

    Philipp

  12. Uri

    @Philipp & Alex

    Danke für Eure Rückmeldungen.

    Mein Hauptportfolio besteht aus ETFs. Breit gestreut und einfach.

    Ich möchte mit diesen zusätzlichen Portfolio eine Art defensives „Erb-Portfolio“ bauen. Am liebsten kaufen, nachkaufen und niemehr verkaufen.

    @Philipp

    Du hast aber viele Werte und auch ETFs im Depot. Wird Dir das nicht zu unübersichtlich?

    So jetzt hoffe ich, dass uns Mr.Market wegen Fibonacci oder was auch immer nochmal ein paar Sommerschnäppchen beschert.

  13. Schwarzer KaterSchwarzer Kater

    Endlich mal wieder Kaufkurse. Für einen Crash sind allerdings noch zuviele zu negativ eingestellt. Die aktuelle Lage erinnert mich ein wenig an letzten Oktober. Also, Kaufliste fertigmachen und schauen, wie tief wir runtergehen;-)

  14. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Ja, heute geht es mal wieder zur Sache.

    Habe gerade, aber wie es aussieht natürlich wieder zu früh, den Eurokurs genutzt, und 2.000 EUR gegen USD verkauft, um mein Minus im USD etwas abzubauen. Statt dem Umtausch am Kaufzeitpunkt (Eröffnung der Minusposition)  bei 1,0870 heute bei 1,11206 habe ich also heute 50 USD mehr bekommen. Aber ist ja alles Mischkalkulation.

    Angstfreien Tag

    MS

  15. Schwarzer KaterSchwarzer Kater

    So gesehen, hatte Fibonacci ja doch Recht;-)

    Da möchten sich aktuell einige Marktteilnehmer scheinbar etwas kräftiger austoben und zum ersten Mal seit längerem schwächeln die US-Börsen. Auffällig ist die (negative) Korrelation zwischen EUR/USD und den europäischen Märkten.

    Wie heisst es dann in den Medien immer so schön. Es fehlen aktuell die Käufer. Schöne romantische Vorstellung.

    Ich sammele auf dem Weg nach unten ein. Den tiefsten Punkt erwische ich eh nicht & Hauptsache alles steht in ca. 15-20 Jahren deutlich höher als heute.

     

  16. Couponschneider

    Heute liest man auf finanzen.net:
    „DAX kämpft um 11.000-Punkte-Marke“
     

    Ich finde solche Personifikationen eines Aktienindexes irrwitzig. Wie kann der DAX kämpfen? Und warum soll er ausgerechnet um den 11-fachen Wert zum Referenzwert vom 31.12.1987 kämpfen? Übrigens: Eine Verelfachung in 27,5 Jahren ergibt eine Durchschnittsrendite von 9,1 %. Das darf man dann gerne in die Zukunft extrapolieren.

  17. Hans

    Warum soll man das in die Zukunft extrapolieren dürfen?

    Prognosen sind sehr gefährlich, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

  18. Couponschneider

    Weil die wirtschaftliche Entwicklung ein stochastischer Prozess ist. Was nicht geht: Prognosen für einzelne Unternehmen und kurz-/mittelfristige Prognosen für die Gesamtwirtschaft. Aber langfristig geht es mit der Weltwirtschaft bergauf. Und darauf setze ich.

     

     

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