FED: Keine schnelle Erholung der US-Wirtschaft in Sicht


New York, 7. Februar 2012

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In einer öffentlichen Anhörung in Washington machte FED-Lenker Ben Bernanke soeben den Senatoren keine Hoffnung auf eine schnelle Erholung der US-Wirtschaft. Es werde Jahre dauern, bis diese schwere Finanzkrise verdaut sei. Die offizielle Arbeitslosenquote von 8,3 Prozent sei in der Tat höher, wenn Teilzeitkräfte und andere Joblose in der Statistik berücksichtigt wären, gab Bernanke zu. Freilich sei eine langsame Belebung der schwierigen Job-Situation zu beobachten.
Südeuropa befinde sich in einer Rezession, sagte er verklausuliert. Die Parlamentarier beklagten sich darüber, dass Sparer aufgrund der Null-Zins-Politik der FED keine Rendite mehr erzielen könnten mit ihren Guthaben. Bernanke entgegnete, dass auch Versicherungen mit diesem Problem zu kämpfen hätten. Es gehe jetzt darum, die Anleger zu motivieren, in riskantere Anlageformen zu investieren. Ein solcher Schritt würde auch der Wirtschaft helfen.
Öffentliche Schulden (Bund, Länder, Gemeinden) im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt würden derzeit rund 90 Prozent erreichen, sagte der FED-Mann. Es sei bedenklich, wenn dieser Trend zu stetig mehr Schulden anhalte. Wenn man zukünftige Verpflichtungen wie die Gesundheitskosten und Rentenversprechen (Social Security) berücksichtigt, würde die Verschuldungsquote Stand heute mehr als 100 Prozent erreichen.
In Washington genießt Ben Bernanke ein sehr hohes Ansehen. Wenn man die Frage-Antwort-Runde mit ihm auf Capitol Hill verfolgt, merkt schnell diese gegenseitige Wertschätzung. Bernanke versucht nicht etwas zu verbergen. Er redet Klartext. Er kritisiert, legt offen, sagt, was er denkt.
Foto Bernanke: Wikipedia.org


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „FED: Keine schnelle Erholung der US-Wirtschaft in Sicht

  1. Matthäus Piksa

    In einer Situation, in der Dow Jones und S&P 500 ca. 10 Prozent unterhalb ihrer Allzeithöchststände notieren kann ein Notenbankvorsitzender scheinbar auch mal die Baustellen erwähnen, ohne gleich einen Ausverkauf an den Märkten auszulösen. Oder mit anderen Worten: Die ganz große Panik der Jahre 2008 und 2009 ist überwunden und das Krisenmanagment scheint seine Wirkung zu zeigen.

  2. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    weil mein folgender Beitrag nicht zu der aktuellen Diskussion passt, habe ich mal eben deine Suchmaske benutzt.

    Ich habe vorgestern auf irgendeinem Business-Sender zufällig einen Bernanke-Auftritt (teilweise) verfolgt. Bernanke diskutierte mit dem Dekan der University of Michigan’s Ford School of Public Policy.

    Zugelassen waren auch Fragen die Internet-User via twitter stellten.

    Ich habe lediglich einige Minuten zugesehen. Bernanke war fasziniert von den neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets und gab zu, selbst regelmäßig einige Blogs zu lesen. Von der Qualität einiger Blogs sei er begeistert sagte er. Inwieweit er sich von den Blogs inspirieren lässt, ließ Bernanke offen. Wenn man jedoch weiß, dass auch Professoren, Akademiker, Journalisten etc. bloggen, dann ist dies sicherlich nicht auszuschließen.

    Gerade eben nachgesehen:
    Mit knapp 50.000 Followern hat die Federal Reserve ungefähr genauso viele twitter-Anhänger wie der Papst, der auch seit einigen Wochen twittert.

    Da stellt sich mir die Frage, wie das twittern bei den beiden Mächtigen abläuft?

    1. Beide twittern selbst.
    2. Ein Assistent twittert Informationen, die veröffentlicht werden dürfen.
    3. Ein Assistent twittert, aber beide diktieren den Kurztext.

    Was denkst du? Ich tippe auf Nr. 3.

    Gruß

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    ich tippe auf 2 und 3.

    Ich frage mich, wird es Facebook und Twitter noch in 30 Jahren geben? Was meinst Du? Ich bin skeptisch.

    Beste Grüße Tim

  4. Matthäus Piksa

    Sicher ist nur, den Eindruck habe ich jedenfalls (Neugier, Fernweh etc.), dass die Menschen immer mehr miteinander kommunizieren möchten (Mega-Trend). Da wir aber nicht alle gleichzeitig in New York, Rom, Berlin, Brüssel, Shanghai und sonstwo sein können, braucht es technische Kommunikationsmittel, mit Hilfe derer wir die dort lebenden Menschen erreichen können.
    Das geschieht derzeit u.a. mithilfe von twitter und facebook.

    Also, wenn jemand einen hohen sechsstelligen Betrag besser noch einen siebenstelligen Betrag zum Investieren hat, dann kann dieser Investor durchaus einen niedrigen Prozentsatz in neuartige Technologien stecken.

    Aber der überwältigende Teil sollte in etablierte Großkonzerne investiert werden, von denen die meisten die nächsten Jahrzehnte überleben werden. Und dazu zähle ich auch, zum teil seit über hundert Jahren existierende, (Groß-)Banken.

    Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass die Finanzkrise überwunden wird. Aktuelle und positive Nachrichten, die mein Bild bestätigen:

    1. EU-Kommissar Barroso sprach vor ein paar Tagen davon, dass die Euro-Krise nunmehr offiziell beendet ist und die Märkte dies wissen.
    2. Buffett sagte, dass die Bankenkrise zu Ende sei. Die Kurse der Großbanken werden in einigen Jahren um ein Vielfaches höher notieren orakelte er. (Ich las davon in einem Handelsblatt-Artikel.)
    3. Mir ist nicht bekannt, dass sich in irgendeinem westlichen Land irgend ein Radikaler bei Wahlen durchsetzen konnte. Trotzdem sollte man die Demagogen auch weiterhin nicht unterschätzen.

    Ich bleibe jedenfalls optimistisch und denke, dass eine schwere Krise auch mal ohne Super-Gau, sprich Krieg, Terror und Hass überwunden werden kann.

    Die Hassprediger konnten sich früher auch deshalb so leicht durchsetzen, weil der größte Teil der Bevölkerung ungebildet war und der Zugang zu Informationen entweder gar nicht möglich war oder denkbar kümmerlich war. => Wie viele Leute lasen vor 100 Jahren eine Zeitung (von mehreren, um sich verschiedene Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln anzusehen ganz zu schweigen)? Wie viele besaßen und benutzten ein Telefon?

    Ich glaube, dass gerade die vielen neuen Kommunikationsmöglichkeiten heutzutage Schlimmeres verhindern, weil irrationale Ideen von der Mehrheit sozusagen eliminiert werden können. Bsp.: Griechenland: Eine rechtsradikale Partei hat dort eine beachtliche Stimmenanzahl bekommen, es wird Stimmung gemacht gegen „Fremde“. – Gleichzeitig engagieren sich Auslandsgriechen gegen den Fremdenhass. In einem TV-Bericht lobte ein gewöhnlicher Grieche Angela Merkel für ihr Bemühen, das gebeutelte Land nicht im Stich gelassen zu haben…

    Propaganda ist heutzutage viel schwieriger möglich. Auf einer vor wenigen Wochen abgehaltenen Konferenz der International Telecommunication Union erschienen einige westliche Länder erst gar nicht, darunter zB die USA, weil autokratisch regierte Länder wie Russland und China ein Abkommen zur Beschränkung der Internetnutzung durchsetzen wollten.

    So eine Meldung zeigt mir, dass wir Lichtjahre davon entfernt sind, dass bei uns Zensur und Unterdrückung durch die Regierungen bevorsteht.

    Allerdings habe ich keine Ahnung, ob es facebook in 10 oder 20 Jahren noch geben wird. Die aber schon, irgendeiner neuen Ausprägung vermutlich.

    Besten Gruß
    Matthäus

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