Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt


New York, 2. Oktober 2013

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Über die Zukunft wissen wir wenig. Leider tun „Experten“ so, als wüssten sie alles über die Zukunft. Bei genauem Hinsehen ist da leider nichts als heiße Luft.
Wenn Krisenpropheten ihr Leben lang vor dem Crash warnen, ja dann können sie wenigstens ein Mal richtig liegen. Anschließend feiern sie sich, zitieren ihre eine Prognose – wohlgemerkt lassen sie all die anderen Weissagungen, die nicht zutrafen, unter den Tisch fallen.
In den USA geben Pensionsfonds und Hedgefonds absurde Summen für Berater aus. Es gibt keinen Grund dafür: Denn die Berater schneiden unter dem Strich schlecht ab. Das Honorar könnten sich die Fonds sparen. Das brachte eine neue akademische Studie zum Vorschein. Die „New York Times“ hat die Problematik mit den schlechten Beratern gut auf den Punkt gebracht.
Wobei ich ergänzen muss: Selbst wenn ich wüsste, ein Berater hat zehn Jahre lang im Schnitt die richtigen Investments herausgepickt, kann es sein, dass er ab dem elften Jahr fortan scheitert. Eine Garantie für einen Dauererfolg gibt es nicht.
Kurzum, es gibt jede Menge unnötige Ratgeber. Es wird massenweise Geld zum Fenster für sinnloses Zeug hinausgeworfen – auch von Ministerien.
Im Internet schwirren endlos viele Artikel über die Börse herum, die drehen sich nur darum, wo eine Aktie wohl im nächsten Monat notieren könnte. Das ist völliger Unsinn, sich darüber Gedanken zu machen. Es wäre so, als ob Sie vor jedem Münzwurf einen ausführlichen Artikel darüber schreiben würden, ob nun Kopf oder Zahl zu erwarten ist.
Sowohl für den Profi- als auch Privatanleger gilt: Ein gesunder Menschenverstand, Erfahrung, Fakten und die Konzentration auf Investments, die man versteht bzw. kennt, können einem viel Leid ersparen.
Was die Zukunft angeht, gehe ich davon aus, in den nächsten 100 Jahren wird es weiterhin Brot, Bier, Kaffee, Käse, Honig, Häuser, Hotels, Flugzeuge, Getränke, Obst, Gemüse usw. geben. Bei anderen Sachen bin ich mir oft unschlüssig, was daraus wohl werden wird.
Der klassische Einzelhändler bekommt mehr Konkurrenz durch Internetkaufhäuser. Wird der klassische Einzelhändler am Eck aussterben? Wird es Autos geben, die von einem Roboter gesteuert, unsere Einkäufe in einem Logistikzentrum ganz alleine erledigen?
Wir wissen nix Genaues. Die Zukunft können wir eben kaum vorhersehen. Frei nach dem Investor Jessie Livermore gilt: Zu dem, was ganz offensichtlich passieren wird, kommt es nicht. Womit niemand rechnet, das passiert dagegen ständig.
Wer hätte gedacht, dass auf Syrien keine Bomben abgeworfen werden – es sah ganz danach aus?
Wer hätte gedacht, der Euro wird gegenüber dem Dollar so stark, obwohl wir im Euroraum gravierende Probleme haben?
Wer hätte gedacht, dass die Regierungspartei FDP es nicht mehr in den Bundestag schafft?
Wer hat von unserer damaligen Umweltministerien Angela Merkel geahnt, dass sie unser Land einmal so lange regieren wird? Kohls Mädchen schien schwach, sie wirkte nicht als Machtmensch.
Wer hätte gedacht, der übermächtige Handyhersteller Nokia könnte einmal in der Bedeutungslosigkeit verschwinden?
Wer hätte gedacht, die iranische Führung sucht den Frieden mit den USA?
Wer hätte gedacht, der Dow-Jones-Index jagt fünf Jahre nach dem Kollaps von Lehman Brothers von einem Rekord zum nächsten, obwohl die Weltwirtschaft nach wie vor unter der Krise ächzt?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

  1. Turing

    Mein Lieblingsexemplar eines Experten: http://www.youtube.com/watch?v=X-sENOJWdz8

    Erst beginnt er mit Charttechnik, dann gibt er Kursziele aus, zu guter letzt geht's ins Politische, er wird trotzig, weil niemand auf seine Prognosen hört und setzt am Ende seinem eigenem Geschwätz die Krone auf: Er verortet die Veröffentlichung von Orwells 1984 in der Mitte der 80er.

    Der alte Kosto hätte seine liebe Freude gehabt mit so einem.

  2. Felix

    Wir können nicht in die Zukunft sehen, das ist wohl wahr. Trotzdem sind wir als zukunftsorientierte Wesen darauf angewiesen, ständig Prognosen darüber anzustellen. Jeder, der ein Studium oder eine Ausbildung aufnimmt, geht davon aus, dass seine Qualifikation in Zukunft gebraucht werden wird.
    Und gerade auch an der Börse gehen wir natürlich ständig Wetten auf die Zukunft ein, dass diese Aktie steigt und jene möglicherweise nicht. Also natürlich machen wir uns aufgrund unserer Erfahrungen ein Bild von der Zukunft. Wir müssen uns natürlich klar machen, dass das alles vage ist.
    Und genau das ist das Problem mit den Beratern, die so tun als hätten sie die Kristallkugel und das Wissen, dass der DAX am Ende des Jahres bei 9253 stehen wird. Das ist natürlich Unsinn, auch, wenn es mit unglaublicher Gewissheit vorgetragen wird.

    Selbst die oft zitierten Megatrends sind alles andere als sicher. Wenn man sich nochmals die zukünftigen technischen Entwicklungen vergegenwärtigt, wie sie in den 70er Jahren des Letzten Jahrhunderts vorhergesehen wurden, so hatte damals niemand das Internet auf dem Schirm. Das zeigt schon, dass auch Experten nicht in die Zukunft schauen können.

  3. Thomas

    „Jeder, der ein Studium oder eine Ausbildung aufnimmt, geht davon aus, dass seine Qualifikation in Zukunft gebraucht werden wird.“

    So denken nur Sklaven!

  4. Markus

    @Thomas

    Ne, es gibt auch noch dekadente Erben, die selber wenig für den Aufbau eines Vermögens getan haben. 😉

    @Marcos
    Selbstständige und Unternehmer würde ich auf eine Ebene stellen.

  5. Thomas

    Also wer Unternehmer und Selbstständige auf eine Ebene stellt, der hat auf diesem Gebiet massive Bildungslücken.

  6. Markus

    @Thomas

    Ja, kann nicht jeder so schlau sein wie Du. 😉 Außer provokanten Thesen kommt ja nichts konstruktives…

  7. Thomas

    Ich hab nie behauptet das ich schlau bin! Was ist schlau überhaupt? Kann man das in IQ messen? Ist man schlau, wenn man lesen oder schreiben kann? Wenn man das 1×1 beherrscht?

  8. Markus

    @Thomas

    Nein, Du hast nicht behauptet, dass Du schlau bist! 😉
    Du hast nur über die gedankliche Einstellung von unterschiedlichen Schichten geschrieben. Wie Deiner Meinung nach Sklaven denken. Ich habe daraus implementiert, dass Du dich nicht dazu zählst.
    Deswegen war ich neugierig auf Deine Gedanken??? Allerdings bekomme ich nur neue Fragen und keine Antworten.

    Es ist richtig, dass unterschiedliche Gedankenmuster in unterschiedlichen gesellschaftlichen Stellungen vorhanden sind.

    Gibt es eine aufklärende Antwort oder weitere Frage-Spielchen?

  9. Thomas

    Die Antworten kannst du doch nur in dir selber finden bzw für dich finden. Wenn ich sag, so denken doch nur Sklaven, heißt das ja nicht, dass das die ultimative Wahrheit ist und jeder das Denken muß. Das ist halt meine Meinung zu der Aussage.

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Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt


New York, 23. Januar 2013

Wer sich mit der Börse beschäftigt, merkt, die Schlagzeilen werden von bestimmten Themen bestimmt. Einmal steht Google, dann Facebook, schließlich Apple im Rampenlicht. Immer wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.
Obwohl Procter & Gamble ein Gigant ist, fällt der Artikel in einer großen Tageszeitung über die Quartalszahlen geradezu mickrig aus, während über eine IT-Klitsche ein riesiger Bericht erscheint. Schon komisch.
Medien und Menschen folgen der Herde. Es ist die Mentalität, Modethemen hinterherzujagen. Ich falle auch manchmal darauf rein.
Als Anleger verdienen Sie mit dem Herdenverhalten bestimmt nicht sonderlich viel Geld. Wir folgen Freunden, Verwandten, Kollegen, der Masse in vielem, was wir tun. Wer aber besser als die Masse abschneiden möchte, muss logischerweise anders handeln als die Mehrheit.
Wir machen einen weiteren Fehler an der Börse: Wir glauben, alles voraussehen zu können. All diese Annahmen sind eigentlich Gift. Es lässt sich nämlich ein Kursverlauf nicht exakt bestimmen. Eine Koralle wächst in viele Richtungen. Nichts ist in geraden Linien zu finden in der Natur. Ein Kurs marschiert nicht in einer geraden Linie stetig nach oben.
Unser Leben steckt voller Ungewissheiten, voller positiver wie negativer Überraschungen. Selbst Genies wie Steve Jobs gelingt es nicht, ein Unternehmen ohne Rückschläge aufzubauen (Steve Jobs verlor seinen CEO-Posten in seiner eigenen Firma, er kämpfte gegen eine vorübergehende Illiquidität bei Apple).
Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!
Wenn das Leben, die Freundschaften, die Investments, der Job, das Altern – wenn all das wie eine gerade Linie verlaufen würde, oje wäre das langweilig. Schwankungen sind das Tolle am Leben. Die smarten Anleger nutzen gerade diese Schwankungen, die Asymmetrien, die Gefühle der anderen zu ihrem eigenen Vorteil aus.
Wenn die Herde gleichgerichtet in eine Richtung stürmt, schauen sich Stars wie George Soros, Charlie Munger oder Seth Klarman nach den vergessenen Aktien um.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn 77 Prozent der „Growth Fonds“ und 40 Prozent der „Value Fonds“ die Apple-Aktie besitzen, ja wer soll sie dann noch kaufen?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

  1. Musti

    @Martin,

    Ich hoffe Du hast Glück mit Apple, aber ich denke die alten Hochs wieder zu erreichen, könnten bei Apple einige Jahre dauern.
    In dieser Aktie sollte man unabhängig von den Zahlen (die jeder kennt) einige andere Faktoren beachten:
    1. Angst:Gier Ratio
    Hier denke ich das „Angst“ die „Gier“ hoher ausfällt. Viele Hedgefonds haben Angst ihre „Gewinne“ zu verpassen.

    2. Margen
    Mittlerweile gibt es sehr viele weiter Anbieter die ähnliche Produkte anbieten und der Kunde die momentanen Annehmlichkeiten von Apple Produkten bei anderen Hersteller für die Hälfte sich leisten kann. Margen sind nicht mehr aufrecht zu erhalten. Ist zu lukrativ für andere Hersteller.

    3.wo bleiben die Dummen?
    Wie kostolany bereits sagte “ Aktien steigen wenn es mehr dumme gibt als Aktien“ . Wie Tim schon geschrieben hat sind bereits sehr viele in Apple „drin“ gewesen, daher brauchte man neue Käufer . 2012 wurde daher durch die Hedgefonds sehr große Marketingkampagnen für Apple Aktien gestartet mit Kurszielen von 1000$.

    Gruss

  2. Stefan P.

    Ein großer Fehler ist sicher das lineare Denken, das Fortschreiben bisheriger Entwicklungen in die Zukunft. Apple wird dass Innovationstempo nicht mehr halten können; Apple selbst hat in den letzten Jahren mehrere disruptive Technologien hervor gebracht und wird in der Zukunft wahrscheinlich selbst das Opfer. Apple ist in den letzten Jahren extrem stark gestiegen. „Doch steiler als steil geht nicht“ (Zitat aus einem Forum). Der Kursverlauf von Apple erinnert an den klassichen bubble-Verlauf nach BCA-research. Es wird wohl noch um einiges nach unten gehen (außer Apple zieht die nächste disruptive Technolgie aus dem Ärmel….. unter Technokrat Cook wohl nicht zu erwarten).

  3. Martin

    Apple ist für mich eine Software- und Designfirma mit angeschlossenem Hedgefonds. Sie haben für 37 Milliarden USD Wertpapiere in 2012 gekauft.
    Solange der operative Cashflow so positiv bleibt, sollte das nach unten absichern.
    Ich habe mit 5,5% Gewinnwachstum in den nächsten 5 Jahren und danach 1,5% für immer gerechnet. Marge soll von 40 auf 35% in 5 Jahren fallen, was vielleicht zu optimistisch war. In der Zukunft sollten aber die Wertpapierinvestitionen auch etwas abwerfen, denn das sind inzwischen fast 100 Milliarden USD. Apple macht nach Zukäufen jetzt auch nur 3,5% von meinem Portfolio aus, daher ist es mir egal, ob der Preis fällt.

  4. Alex

    Hi Stefan,

    bist du der Stefan von simple-value-investing?

    Bisschen begründung wäre schon sinnvoll…
    Warum sollte Apple kein Value Investing sein können? Weil Technologie-Firmen wie z.B IBM keien Value investments sein können? Weil ein KGV von 11 zu teuer ist?

    lg

  5. Peter

    Die Sache mit der Apple Aktie ist eigentlich ganz einfach. Apple ist in den letzten 10 Jahren durchschnittlich ca. 30% gewachsen. Das heist der Value (wenn den einer vorliegt) liegt im Wachstum. Wird Apple auch die nächsten 10 Jahre um 30 % pro Jahr wachsen ?
    Ich glaube nicht.
    Der Innere Wert liegt ca. bei 650 USD.
    Um das Risiko eines geringers Wachstum
    einzupreisen würde ich eine Sicherheitsmarge von 50 % einhalten = 325 USD. Das wäre mein Einstiegspreis.
    Wir die Apple Aktie soweit fallen?

  6. Alex

    Apple macht irgendwas zwischen 40 und 50Mrd. $ Gewinn (!) pa

    Die momentane Market Capi liegt bei 423 Mrd. $.

    Der EV ist dank der starken Billanz nur 394.65 Mrd $
    (Zahlen von Gurufocus)

    Meiner Meinung nach braucht es da nicht viel Wachstum um fair bewertet zu sein… die Frage ist eher ob die Margen halten (was sie momentan nicht tun)

    PS: Ich habe weder Appl noch vor mir welche zu kaufen, eher Msft, aber ich finde das gebashe auf der aktie unfundiert…

  7. Martin

    @Alex So sehe ich das auch.

    Die Margen sind vielleicht auch durch den Produktmix mit mehr Ipad Minis gefallen. Ich mache mir nicht die Mühe die Marge je Produkt rauszurechnen.

    Ich habe mir nie ein Apple Produkt gekauft und es auch nicht vor. Mein Investment basiert auf den Zahlen der Vergangenheit und nicht auf der Produktpalette. In mindestens 2 von 5 Fällen liege ich falsch.

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