Erfolgsrezept: So wie Opa und Oma anlegen


New York, 27. Dezember 2013

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Wenn Sie sich genauer das Depot von Warren Buffett anschauen, handelt es sich im Grunde genommen ausschließlich um Witwen- und Waisenpapiere. Extrem gering ist das Risiko.
Buffett hat jede Menge Weltmarktführer. Es sind Marken, die in jeder Vorratskammer stehen. Es sind Dienstleister, die wir Verbraucher fast jeden Tag benutzen. Es sind Namen wie Coca-Cola, Kraft, Procter & Gamble, American Express, GM, Washington Post, Phillips 66, Exxon, Wal-Mart oder Wells Fargo darunter.
Diese Erfolgsaktien durchzuhalten ist die ganze Kunst einer guten Performance. Da brauchen wir Anleger im Endeffekt keinen Profi, der unsere Aktien ständig hin- und herschiebt. Das bringt nichts auf lange Zeiträume und kostet viel Geld. Nennen Sie mir einen Profi, der auf Jahrzehnte hinweg den Index geschlagen hat (außer Buffett)? Mir fällt keiner ein. Ja, auf kurze Sicht schaffen das viele. Aber langfristig eben kaum jemand.
Eine Bekannte hatte jahrelang einen Vermögensverwalter. Der tradete massenweise Positionen und kassierte mehr als 1 Prozent ihres verwalteten Vermögens jährlich. Der Profi hatte etliche hauseigene Fonds in ihr Depot gepackt. Ich halte das für eine Interessenkollision.
Warum nicht selbst das Depot verwalten?
So wie es Oma und Opa tun würden bzw. Warren Buffett? Mit wenig Risiko. Mit bekannten Marken. Mit einer Engelsgeduld.
Der Zahnpastahersteller Colgate-Palmolive kletterte seit Januar 1977 um mehr als 10.200 Prozent. Das ganze Hin und Her hätte einfach nix gebracht bei dieser Aktie.
Procter & Gamble stieg seit Januar 1970 um 4.700 Prozent.
Johnson & Johnson ging in der gleichen Zeit um 8.500 Prozent rauf.
Das große Problem, was wir alle haben: Es fehlt uns die Geduld. Wir wollen alle schnellen Erfolg sehen. Sonst trauen wir dem Braten nicht. Niemand scheint mehr Zeit zu haben.
Hinzu kommt ein Phänomen, über das ich ständig schreibe: Einerseits gibt es Anleger, die horten Unmengen Cash auf Sparbüchern, Festgeldkonten, Lebensversicherungen, weil sie Angst haben. Andererseits gibt es die mutigen Zocker, die ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen.
Ich kenne eine dritte Sorte Menschen. Wenn die merken, dass sie das ganz große Geld verdienen können, bekommen sie Angst und steigen aus. Bei den Gewinneraktien wird komischerweise viel zu schnell der Gewinn mitgenmmen, anstatt den Profit einfach laufen zu lassen. Den Fehler habe ich selbst schon gemacht. Leider.
Buffett macht genau das Gegenteil dessen, was die Masse liebt. Die Meute kauft heisse Aktien, tradet und träumt vom schnellen Reibach. Buffett kauft langweiliges Zeug, hält ewig daran fest und macht den Reibach – langsam.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Erfolgsrezept: So wie Opa und Oma anlegen

  1. dk

    Was ist denn mit Twitter los?!

    Von knapp $ 40 US-Dollar im Dezember auf nun $ 73.
    Herdentrieb munkeln einige Analysten.

    Bald kommt es sicherlich zu einem riesen Einbruch. Einige Investoren, die zu Anfang sich reichlich mit der Twitter Aktie eingedeckt haben, werden bald abspringen und die fetten Gewinne mitnehmen. Dann ist der Boom vorerst vorbei.

  2. Felix

    Hallo Tim,
    grundsätzlich bin ich deiner Meinung und habe auch solche Erfahrungen gemacht. Nach 15 Jahren an der Börse kommt jetzt so richtig Geld rein, bei Dividenden und Kursen.
    Trotzdem glaube ich das die o.g. fantastischen Kurszuwächse einiger Großkonzerne sich nicht mehr wiederholen lassen werden. Die PGs, GEs usw. dieser Welt sind einfach schon zu groß, um nochmals eine vergleichbare Performance haben zu können wie in der Vergangenheit. Einige werden sogar wegen ihrer Größe durch Managementfehler zu Verlierern werden.

  3. Pat

    @Felix: Mit deiner Aussage hast du sicherlich nicht unrecht. M.E. waren diese Strategien „früher“ etwas einfacher. Zwar gab es seinerzeit auch schon Theorien nach den Grenzen des Wachstums, doch heute stellt es sich – nicht zuletzt aufgrund zahlreicher ökonomisch ungelöster Probleme – ungleich schwerer dar, zu wachsen. Ein großer Pluspunkt ist die immer noch wachsende Weltbevölkerung sowie der wachsende Mittelstand in den Schwellenländern.

    @Tim: Von dem von dir beschriebenen Fehler mit den zu früh verkauften „Gewinnern“, kann ich ein Lied singen. Hier reihen sich (zu sehr günstigen Zeitpunkten) eingekaufte Aktien von Apple, Adidas oder BASF ein. Hätte ich diese einfach durchgehalten, hätte ich ein Vielfaches an Gewinnen erzielen können. Aber vermutlich brauchte ich damals einfach realisierte Gewinne, um mein Ego zu den Verlusten zu kompensieren. Einfach super ärgerlich und dumm, jedoch muss man solche Erfahrungen an der Börse einfach machen. Heute bin ich dazu übergegangen rein passiv mit einem indexbasierten Weltportfolio auf monatlicher Basis zu investieren. Diese Strategie blendet meine Emotionen aus, ist wissenschaftlich fundiert, kostengünstig und ich habe mehr Zeit für andere wichtige Dinge im Leben.

    In diesem Sinne wünsche ich allen viel Gesundheit, Glück, Erfolg und Zufriedenheit in 2014!

  4. Zunker

    @Felix
    Ich bin schon der Meinung, dass die Konzerne wie GE, PG, CP und J&J weiterhin so wachsen können. Natürlich kaum durch Umsatzsteigerungen in ihren Heimatmärkten, aber dann doch wohl in Asien, Südamerika und Afrika. Und diese Unternehmen sind dort bereits schon positioniert und müssen nur den allgemeinen Wirtschaftsschwung abwarten. Ich denke, das haben die Amis den Europäern (insbesondere den Deutscheh) weit voraus: strategisches Denken.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Felix
    Ich bin der Meinung die Wachstumsraten der vergangenen 2, 3 Jahrzehnte werden sich bei den Blue Chips fortsetzen. In den Schwellenländern reifen neue Kundenschichten heran. Die Weltbevölkerung und der Wohlstand wachsen.

    @Pat
    Ja, das kann man so machen. Monatlich in einen Index zu investieren, macht durchaus Sinn.

  6. tim schaefertim schaefer

    @dk
    Twitter? Ja, das ist eine Rakete. Ich war beim Facebook-IPO kritisch und wurde eines besseren belehrt. Keine Ahnung. In der Branche wird wenig bis kein Geld verdient (Amazon, Facebook, Twitter). Trotzdem sind die Bewertungen enorm. Es ist in der Tat etwas komisch. Ich kann es nicht beurteilen. Im langen Schnitt orientiert sich die Bewertung immer am Unternehmensgewinn und nicht an Klickzahlen.

  7. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Ich verwalte auch mein eigenes Dividenden Depot mit aktuell 70 soliden Dividenden Aktien selber und ich werde bestimmt in der Endausbaustufe 100 Aktien in meinem Dividenden Depot haben.

    P&G,Coca Cola und Johnson&Johnson habe ich auch in meinem Dividenden Depot.

  8. Tino

    zu Amazon, halte ich für maßlos überbewertet, für mich ein ultra hot stock, die Aktionäre nähern sich sich schon der Sonnenoberfläche, die Schutzschilde sind schon am Verdampfen.

    Twitter, Geschäftsmodell fragwürdig, sehe keine solide Basis, für mich eher wie Sylvester, Schall und Rauch, kann sich m. E. auch zu wenig diversifizieren gegenüber Facebook und Co. Für mich sind hier nur die gesammelten Daten interessant, wie „ich hab Schnupfen, Du auch?…“

    Altmeister schreiben seit Jahrzehnten Bestseller über Langzeitanlage mit Aktien, wieso machen es dann nicht alle einfach? Ich denke ein beträchtlicher Teil liegt am hormongesteuerten Menschen und 10,20,30 Jahre oder länger sind quasi unsere Lebensspanne. Auf diesem Weg ändert sich i. d. R. vieles, Karriere, Partnerwechsel, körperliche und geistige Veränderungen, alles was dazu gehört und so können sich neben finanziellen Anforderungen auch emotionial viele Veränderungen einstellen die unser Denken und Handeln nachhaltig beeinflussen, einschließlich dem Umgang mit Geld. Hier punkten Leute wie Buffett, die sich selbst als „wired“ zur Investition sehen und keine Ablenkung zulassen. Das ist aus meiner Sicht auch angeboren, oder halt wie manche vermuten eine Störung, anders zu sein. Beworbene Lebensstile in den Medien passen zu diesem Vorhaben halt nicht.

  9. Tino

    allein schon durch das Bevölkerungswachstum bis 2050, wo es verschiedene Prognosen gibt, aber insgesamt nach oben, bekommen Unternehmen neue Kundschaft, China, Indien und Co. sind ja auch noch nicht erschlossen durch die Großen, da gibt es m. E. noch viel Wachstumgspotenzial

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