Eisige Stimmung: Ausverkauf an der Wall Street


New York, 3. Februar 2014

bild

Es geht seit Tagen abwärts. Am Montag rutschen DAX, EuroStoxx, S&P 500 und Dow Jones abermals tiefer. Der Dow schmiert zwischenzeitlich um mehr als 300 Punkte ab. Oder 2,1 Prozent Minus. Ich finde das aufregend. Die Korrektur ist überfällig. Es ging zu schnell nach oben.
Dow Jones und S&P-500-Index sind fast zehn Prozent vom Allzeithoch entfernt. Übrigens wird New York gerade von einem Schneesturm heimgesucht. Es passt zur eisigen Börsenstimmung.
Keine Lösung war die Gelddruckerei der Fed. Fünf Jahre lang hat die Notenbank die Druckmaschinen laufen lassen wie verrückt. Die Zentralbanker scheinen hilflos. Sie wissen gar nicht, was darauf folgen wird. Es fehlt die Erfahrung. Wie Zaubrer David Copperfield ständig neues Geld aus dem Hut zu zaubern, ist mehr eine Show als ein Heilungsprozess der Wirtschaft.
Eine Lösung braucht die US-Regierung. So kriegt niemand die Wirtschaft nachhaltig in Fahrt. Ein Grundproblem ist die Verlagerung vieler Jobs in Billiglohnländer. Nach China. Nach Indien. Nach Südamerika. In der westlichen Welt ersetzen Roboter plus Computer mehr Jobs. Ich schaute mir eine neue Autofabrik an – kaum einen Arbeiter sah ich zwischen den Roboterarmen. Im Krankenhaus übernehmen Roboter die OP. Im Taxi oder an der Eingangstür zum Hallenbad – dort wird uns irgendwann eine Maschine mit Siri-Stimme begrüßen: „Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“
Der Löwenanteil des frisch gedruckten Geldes liegt jetzt bei den Banken, bei den Großkonzernen, bei den Superreichen. Es landete bei den Top 1 Prozent. Ein wenig wurde die Börse mit dem billigen Geld aufgebläht. Bei der Mittelschicht kam jedenfalls kaum etwas an. Das ist in Europa ähnlich.
Kein Vorstand traut sich, im großen Stil die Kriegskasse zu investieren. Apple, Oracle, Microsoft, Intel, Amazon, Facebook, eBay, Chevron, sie alle horten unglaubliche Beträge auf der hohen Kante.
Fed-Chef Ben Bernanke übergab das Zepter an Janet Yellen. „Soll sich meine Nachfolgerin mit den Problemen herumschlagen“, denkt sich wohl Bernanke. Der Ex-Fed-Leiter wird jetzt Bücher schreiben, Reden schwingen – und vermutlich Millionen privat einstreichen. Wenn Yellen irgendwann die Gelddruckmaschinen abstellt – was wird dann passieren? Kann es ein Drogenabhängiger verkraften, wenn seine Droge plötzlich weg bleibt? Nein. Das ist ein harter Prozess. Der Entzug kann heftig werden.
Im Endeffekt ist es so, als ob Sie ständig Luft in einen Ballon pumpen. Irgendwann platzt das Ding.
Was tun Sie am besten als Privatanleger in dieser Situation? Bewahren Sie Ruhe. Wenn Sie regelmässig Aktien kaufen, machen Sie weiter. Sie können zufrieden sein, wenn die Börsenkurse sinken.
Wie lange die Korrektur anhält? Kommt es zum Crash? Keine Ahnung. Das weiß niemand. Warten wir ab. Es kann sich auch aktuell um den Wendepunkt handeln.
Die Wirtschaft, die Börse, die Stimmung – alles verläuft in Zyklen. Smarte Anleger nutzen das zum eigenen Vorteil. Kommt es zum Crash, stocken Sie nach Möglichkeit massiv Ihre Aktienpakete auf.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Eisige Stimmung: Ausverkauf an der Wall Street

  1. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Ja, ein zermürbender Tag heute.

    Aber dem muss doch auch was abzugewinnen sein… 😉

    Das hat mich mal dazu veranlasst, den Januar meines Depots analysieren zu lassen, und siehe da; ich bin Sieger im Benchmarkvergleich! 😉

    Das ermutigt mich. Ich glaube, meine persönliche Anlagestrategie erweist sich als richtig. Mal sehen ob es weiterhin klappt.

    Weiteres Highlight heute; Kaffee geht endlich ab. Hoffentlich ist das die Trendwende. Warte jetzt schon seit November auf die Trendwende.

    Mein Instrument galoppiert.

    MS

  2. Markus

    Die Frage ist, wer soll den Amis ihre Staatsanleihen abkaufen, wenn es die FED nicht mehr macht? Und daraus entsteht dann die Frage, woher der Staat Geld bekommen soll?

    Die bedruckten Scheinchen sind nur so stark, solange der Glauben der Mehrheit stark an ihren Wert ist.

    Gegen eine Insolvenz Amerikas wäre Lehman ein Kindergeburtstag.

    Die beste Variante wäre möglicherweise, wenn die großen Notenbanken irgendwann auf Ihre Forderungen verzichten, damit die Staatsverschuldung auf ein erträgliches Maß zurückgefahren werden kann.
    Somit wäre eine Finanzierung über den eigentlichen Markt wieder möglich.

    Es grenzt schon bald an ein Schneeballsystem was die FED so treibt.

    Es bleibt spannend…

    @Tim
    hat Buffett sich eigentlich schon zu der Staatsverschuldung mal geäußert?

  3. Felix

    Endlich haben die Crash- und Weltuntergangspropheten wieder Futter.
    Fünf Jahre ging's an der Börse nur in eine Richtung, bergauf. Der DAX hat fast die 10.000 gesehen, der Dow war über 16.000.
    Wo standen wir nochmal vor 5 Jahren? Doch wohl eher bei der Hälfte der jetzigen Stände, also die Indices haben sich verdoppelt (!), das sollten wir nicht vergessen. Was machen da 10 % Korrektur? Die sind überfällig.
    Ich kann mir Schlimmeres vorstellen, also kein Grund zu Jammern, nur weil es mal eine (gesunde) Korrektur gibt.
    Ich nutze sie, um mein angehäuftes Geld zu investieren. Eine erste Position habe ich schon aufgebaut. Geht's weiter runter, werden ich aufstocken, was sonst?
    Es macht keinen Sinn oben zu kaufen.

  4. Markus

    Also zunächst einmal bin ich kein Crash- Prophet. 😉

    Mir schlottern auch nicht wegen 10, 20 oder 30 % Korrektur die Knie. Ich finde die Wortwahl mit eisiger Stimmung oder Gemetzel für 10 % Kursrückgang etwas polemisch.

    Es ist nur einfachste Logik, dass wenn Staaten um Schulden zurückzuzahlen, neue Schulden aufnehmen, dass irgendwann ganz doof nach hinten losgeht. Wann, das kann ich nicht genau beantworten. Evtl. läuft es noch Jahre so weiter. Die Leidtragenden sind dann leider die Bürger des jeweiligen Staates.

    Inflationierung, Konsolidierung mit anschließender Deflation, Steuererhöung (Kapital stärker besteuern, Vermögensabgabe 10 % usw.), Zusammenbruch von Banken, Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten usw…
    Man muss eigentlich nur nach Südeuropa schauen um einen Vorgeschmack zu erhalten, wenn einer der großen Staaten (USA, Italien, Japan, Frankreich, Spanien) umfällt.

    Die Geldmenge hat sich seit 2008 in Amerika verdoppelt.
    Wie ist es zur Subprime-Krise gekommen?
    Zu viel billiges Geld für Kredite wurde zu lange in den Markt gelassen.
    Die Ursache der Krise wird mit doppelter Dosis behandelt.
    Mit was? Mit genau dem Auslöser der Krise! Das soll auf Dauer funktionieren???

    50 % Kursrückgang wegen Lehman… Wie viel Kursrückgang bei Staatsinsolvenz und in Folge einem Massensterben von Banken, Firmen die von staatlichen Aufträgen abhängen usw.?

    Nur weil wir 60 Jahre keine Währungsreform mehr hatten, blenden viele die Möglichkeit einer neuen aus.
    Unschöne Dinge blenden viele im Hort der Glückseligkeit aus.

    Kann es mir jemand mit einfacher Logik erklären, wie es die Industrieländer aus dem Schuldensumpf schaffen sollen, ohne dass die Bürger dafür bezahlen müssen?

  5. Felix

    @ Markus
    Mit Crash-Prophet habe ich nicht dich gemeint, sondern die allgemeine Stimmung: Spiegel-Online hat heute aufgemacht mit so etwas wie „Angst reißt die Börsen in die Tiefe!“ mit entsprechendem Bild frustrierter Händler; sah nach Panik aus.
    Was jetzt die aktuelle Korrektur mit der hohen Staatsverschuldung zu tun hat, weiß ich nicht. Dass USA zahlungsunfähig, sprich insolvent werden, glaube ich nicht; die drucken halt weiterhin Geld.
    Den Staatsschulden stehen ja entsprechende Guthaben gegenüber, das ist ja spiegelbildlich. Vielleicht ist das System tatsächlich so, dass in gewissen Abständen der Resetknopf gedrückt und alles auf null gestellt werden muss.
    Dass alle Industriestaaten (Demokratien) so hoch verschuldet sind, hat wohl eher mit dem politischen System zu tun: Alle vier Jahre sind Wahlen und wer gewählt werden will verspricht seinen Wählern Wohltaten. Die Wähler sind auch mit daran Schuld, da sie nicht erkennen, dass diese Wohltaten nicht der Staat bezahlt sondern die Steuerzahler, also letztlich die Wähler.
    Es ist halt der hilfelose Versuch des Staates etwas soziale Gerechtigkeit im Kapitalismus zu etablieren. Und, wenn eine Verkäuferin für 3,50 € Stundenlohn arbeitet, dann ist das eben nicht O.K. und der Staat greift irgendwann mit dem Mindestlohn, der Mütterrente usw. ein. Das alles kostet Geld. Jede Gruppe schaut, dass sie etwas abbekommt. Natürlich muss es bei denen geholt werden, die zu viel haben, wo sonst?
    Naja, sparen wäre staatlicherseits auch noch eine Möglichkeit, aber da wartet schon der nächste Wahltermin.

  6. Markus

    Übrigens war das mit der Geldmenge falsch. M3 wird nicht mehr veröffentlicht und der Private Konsum muss sparen. Das ist eher ein Nullsummenspiel.

    Die Bilanz der FED sieht nach 08 interessant aus. Auch bringt ein zusätzlicher Dollar Schulden nicht mehr 0,80 Dollar Wirtschaftswachstum wie Anfang der 80er Jahre sondern liegt unter 0,20 Dollar.

    Das Problem mit dem Drucken bzw. heutzutage klicken von frischem Geld:
    Es ist kein Allheilmittel!
    Ob Inflation / Deflation hängt ganz entscheidend von der Umlaufgeschwindigkeit im Wirtschaftskreislauf an.

    Und die Abkoppelung von der Realwirtschaft mit der Finanzwirtschaft ist vorsichtig gesagt, interessant.;-)

  7. Matthäus Piksa

    Roboter halten Einzug in Arbeits- und Privatleben.

    Irgendwer muss die Roboter aber produzieren, vorher entwickeln, erforschen was möglich ist und was nicht. Es muss die Marketingmaschine zum Laufen gebracht werden um das Zeug zu vertreiben, neue Software und Hardware entwickelt werden.

    Meine Eltern haben sich gerade einen Wisch-Roboter der Firma iRobot bestellt. Ich „freue“ mich schon auf die Maschine.

    Herd/Ofen, Spülmaschine, Waschmaschine, Mikrowelle, Trockner… und seit einiger Zeit Saug- und Wischroboter – im Haushalt muss immer weniger selbst gemacht werden.
    Da das alles in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten überwiegend Frauenarbeit war, ist hier soviel Freizeit entstanden, dass infolge dieses Fortschritts die Frauenerwerbsquote enorm gestiegen ist. Ich kenne weder im Verwandten- noch im Freundeskreis irgendeine Frau, die keiner Erwerbsarbeit nachgeht. Ohne chauvinistisch klingen zu wollen: Ohne all die Maschinen, das zeigt ja die „Geschichte der Hausarbeit“, sähe das anders aus.

    Ein weiterer Nebeneffekt sind die höheren gezahlten Steuern und Sozialabgaben, die größeren Rentenanwartschaften usw.

  8. Chris

    „Im Endeffekt ist es so, als ob Sie ständig Luft in einen Ballon pumpen. Irgendwann platzt das Ding.“
    Genau das möchte man vermeiden – deswegen werden die Anleihenkäufe gedrosselt.

    Soweit ich weiß, hat das Tapering auch nur Einfluss auf das lange Ende der Zinsstrukturkurve. Die kurzfristigen Zinsen werden weiterhin so niedrig bleiben…

  9. Tino

    ich stimme Felix zu, ich hab ganz entspannt in mein Depot geschaut (eigentlich unnötig) und die rot gefärbten Verluste zur Kenntnis genommen, mich gefragt, wie weit wird es noch runtergehen? Selbst Berkshire hat seit Oktobter 6% verloren. Philip Morris hat innerhalb weniger Tage einen gewaltigen Knick bekommen.

    Endlich bewegt sich mal wieder was und die „all time highs“ brechen ein, ein Fest für Value Anleger.

    Gestern erst wieder Tragik von Stop-Losses von einem Kollegen erfahren. Der automatische Ausverkauf hat durch die jüngste Entwicklung sein halbes Depot entleert..hmm,wäre nichts für mich, gerade wenn ich den negativen Peak bei PM gerade sehe. Wie schnell verliert man dadurch einen guten Wert und ist der Steuer, neuen Gebühren ausgesetzt, ohne das es vielleicht notwendig ist, und die Gesamtperformance schrumpft. Das ist für mich auch die von Tim beschriebene Metapher mit den jungen Pflänzchen.

  10. Markus

    sicher, wenn irgendwann das tapering abgeschlossen ist, werden die mittel- und langfristigen Zinssätze wieder steigen müssen, da sich der Staat am „freien“ Markt wieder Gläubiger suchen muss…

    Dann wird es interessant für den Schuldendienst und die Staatsschulden.

    Das einmalige Experiment der Finanzierung der Staates über die Notenbanken ist mittel- bis langfristig ein Ritt auf der Rasierklinge.

  11. Frank

    Hallo,
    „Nur weil wir 60 Jahre keine Währungsreform mehr hatten, blenden viele die Möglichkeit einer neuen aus.
    Unschöne Dinge blenden viele im Hort der Glückseligkeit aus.“
    Jetzt wirds hier schon philosophisch,ich muß Markus aber Recht geben.Die bisherigen Krisen kamen meist völlig überraschend und niemand konnte sich vorstellen wie sehr die bisherige Situation sich zum schlechten verändern konnte.
    Ich habe meine Cashquote erhöht,habe Gold gekauft und überlege ernsthaft welche „Währungen“ bei früheren Krisen wirklich hart waren.(Zigaretten?!)
    Vielleicht habe ich gerade eine depressive Phase, aber die Aufblähung der Geldmenge die in der realen Welt nicht ankommt und zu Blasen in bestimmten Assts führt macht mir ernsthaft Sorgen.

  12. Markus

    Sorry, also depressiv will ich niemanden machen! 😉

    Ich würde gerne nur mal gute Argumente gegen die These mit den Staatsbankrotten hören.
    So ein starkes Wirtschaftswachstum, dass wir aus den Schulden rauswachsen, kann ich mir auch nicht vorstellen.
    Vor allem wenn man bedenkt, dass die Statistiken teilweise schon extrem geschönt werden.
    Bei Shadowstats ist z. B. die Inflationsrate wie früher berechnet worden… d. h. ein doppelt schneller PC in einem Jahr schlägt mit 50 % geringeren Kosten in der Inflationsrate mit rein…Gleichzeitig erhöht dieser das BIP…

    Es lügen sich sehr viele in die eigene Tasche und die Medien spielen das Spiel mit.
    Dazu muss man jetzt nicht wieder eine Verschwörungstheorie als Totschlagargument anführen.
    Es reichen die Fakten, die nicht genannt werden oder unter den Tisch fallen.

    Diese ominösen 100 % Aktien, weil Sie jede Krise überstehen hat praktisch auch so gut wie niemand.
    Andere Assets als Beimischung sind sicherlich sinnvoll.

  13. Felix

    Gestern habe ich nicht schlecht gestaunt: Vor der Tagesschau wird je immer ein Börsentrailer vom Parkett aus Frankfurt gesendet, da meinte der Moderator:
    „Von seinem Hoch hat der DAX bereits über 6 % abgegeben. Es ist die Frage, ob man jetzt überhaupt noch Aktien kaufen könne oder solle!“

    Das soll ja wohl heißen, ganz oben hätte man kaufen können, aber jetzt, wo sie billiger sind, ist es sehr gefährlich. Ich weiß zwar auch nicht, wo die Börse Morgen hinläuft, aber wenn zu besten Sendezeiten solche Dinge unters Volk gebracht werden, muss man sich nicht wundern, wenn es um die Aktienkultur schlecht bestellt ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *