Eine Petition für das Aktiensparen in Deutschland


New York, 27. November 2013

bild

Ein Leser meines Blogs bat mich, eine Initiative zu verlinken. Marcel Lampert möchte eine Petition in den Bundestag einbringen. Sein Ziel: Wertpapierdepots als Altersvorsorgeinstrument sollen anerkannt werden – ähnlich wie das in den USA möglich ist. Ich finde die Initiative gut.
Amerika hat Schwächen, es ist kein perfektes Land. Trotzdem können wir in einigen Punkten von Washington lernen.
Die USA fördern aktiv die private Altersvorsorge über die Börse. Dabei lassen sie die Bürger frei entscheiden, wie sie sparen möchten: Ob mit Mischfonds, Indexprodukten, Aktien oder Anleihen. Das Depot für die Rente ist steuerbefreit und wird von vielen Arbeitgebern großzügig bezuschusst. Die Arbeitgeber übernehmen hierbei eine vorbildliche Funktion, indem sie ihre Beschäftigten motivieren, zu sparen. Die Personalabteilungen helfen in groben Zügen bei der Produktwahl bzw. Strategie. Die steuerfrei Entnahme der Erträge ist mit dem Rentenbeginn möglich (bzw. kurz davor).
Ich finde es gut, wie hier die Bevölkerung am Produktivkapital beteiligt wird. Im Schnitt legt der Aktienmarkt seit mehr als einem Jahrhundert um knapp 10 Prozent per annum zu. Keine andere Assetklasse weist eine höhere Rendite aus.
In Deutschland wurde die Riester-Rente von Rot-Grün verabschiedet. Enorme Steuermittel fließen seither in dieses strukturierte Produkt.
Von den Riester-Verträgen profitiert die Versicherungsbranche durch Provisionen und Gebühren. Der Sparer kommt, meiner Meinung nach, zu kurz. Die Bürger haben bei Riester wenig Freiheiten. Es handelt sich um ein intransparentes, kaum verständliches, komplexes Produkt.
Von Anbeginn standen Verbraucher und Experten dem Produkt skeptisch gegenüber. Ich möchte nicht wissen, wie viele Verträge vorzeitig gekündigt werden (was ich ohne sorgfältiges Prüfen niemanden empfehle, denn Riester hat auch Vorzüge).
Die Renditen sind nach meinem Dafürhalten kümmerlich.
Ich verstehe nicht, warum unser damaliger Kanzler Schröder und sein Minister Riester dieses Milliardenprodukt schufen. Es mag Vorteile geben, insgesamt überwiegen jedoch die Nachteile, finde ich. Allein schon aus Renditesicht.
Wenn heute ein 25-jähriger Berufsanfänger beginnt, in ein Indexprodukt wie den DAX für seine Rente zu sparen, sollte der Staat das begrüßen.
Sagen wir, diese Person legt monatlich 150 Euro an, die Hälfte hiervon gibt der Chef dazu. Bei einer unterstellten Verzinsung von 8,00 Prozent, kämen nach 40 Jahren (dann ist die Person 65 Jahre alt) 480.000 Euro zusammen. Dieses Geld wäre vererbbar, was wiederum die Motivation des Sparers erhöht.
In Deutschland wächst die Gefahr einer zunehmenden Altersarmut. Über dieses Problem sind sich viele Experten einig.
Wir Bürger brauchen sinnvolle, faire, klare Lösungen.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Eine Petition für das Aktiensparen in Deutschland

  1. Jan

    Eine gute Sache, da habe ich gerade unterschrieben. In meinem Blog werde ich darüber auch in nächster Zeit einmal berichten.
    Ich denke, dass es wichtig ist die private Säule der Altersvorsorge/-absicherung zu stärken. Das staatliche Rentensystem wird uns in Zukunft nicht mehr alle tragen können (zumindest nicht in der gegenwärtigen Ausgestaltung). Da wäre es nicht verkehrt wenn jeder die Möglichkeit hätte selbst einen Teil, in einer vom Staat geförderten Form, dazuzusparen. Leider sind die aktuell geförderten Vehikel, wie von dir angesprochen, keine adäquate Lösung und eher ein nettes Zubrot für die Finanzindustrie.

  2. Stefan Müller

    Mit dem Thema habe ich mich schon ausführlich beschäftigt und in diesen Blogs schon mehrfach gepostet.

    Was die große Koaliton unter Merkel und Steinbrück mit der Einführung der Abgeltungssteuer unter Abschaffung der Spekulationsfrist vollbracht haben, ist ein riesiges Geschenk für Spekulatanten, Spieler, Banken und Versicherungsvertreter.

    Allerdings auf erhebliche Zusatzkosten aller Langfristanleger, die dadurch im gigantischem Außmaß schlechter gestellt wurden.

    Die FDP ist damals angetreten um dies zu ändern, hat aber in 4 Jahren Regierungsbeteiligung nichts geändert und ist u.a. deswegen wieder abgewählt worden.

    Keine der etablierten Parteien hat jemals ein Interesse daran bekundet, Langfristanlagen in Aktien besser zu stellen.
    Über Abgeordnetenwatch habe ich alle Parteivertreter gefragt. Bis auf FDP Politiker habe ich den Eindruck, dass alle die Anlage in Aktien/ Fonds für Teufelszeug von Kapitalisten halten und damit nicht für förderungswürdig.

    Werde die Petition natürlich unterschreiben.

  3. Markus

    Die Petition finde ich gut!

    Nur sollte man da irgendwie mehr Werbung machen um vernünftige Unterschriften-zahlen hinzubringen!

  4. Marcel Lampert

    Hallo an alle,
    vielen Dank für die ersten Unterschriften.

    @Markus: ich bin dabei, diese Petition zu verbreiten. Einige, noch nicht umgesetzte, Ideen dazu habe ich noch.
    Gern darf auch jeder Unterzeichner den Link verbreiten 😉

  5. Sams1974

    Hab mal unterschrieben, es gehört einfach mal in die Öffentlichkeit, man muss mal ohne Scheuklappen diskutieren.
    mfg

  6. dieter

    Ich habe auch gleich mal unterschrieben.
    Denke aber nicht, das über 100000 Leute zusammen kommen,ich glaube dies braucht eine Petition?
    Ich würde es mir auch Wünschen,das wir wie in den USA ein 4 K mOdell haben, wo bis zu 4000 Dollar steuerfrei sind.
    Ich sehe es eben mal so.
    Mein Netto Lohn wurde schon mal versteuert,ich gehe das Risiko ein,und der Vater staat kassiert?
    Alle Politiker brauchen sich keine Sorgen machen,da jeder ausgedient hat,sobald er im Bundestag oder Landtag ist.
    Ich werde weiter in Aktien mit Dividenden zahlen.

    gruss dieter

  7. Frank / Berlin

    eine nette idee, aber gegen die normale deutsche politik.

    mündige Bürger, die sich um ihre eigenen Angelegenheiten selbst kümmern? lol
    wozu dann den ganzen staatlichen und halbstaatlichen Überbau der sich um seine Pfleglinge kümmert?

    In Deutschland werden Gesetze nur im Konsens mit allen Beteiligten gemacht. eine Altersvorsorge ohne Beteiligung der Versicherungen und Banken wird es nicht geben. und die Versicherten werden verlieren.

    die fähigen, vermögenden und schlauen sollten sich um sich selbst kümmern und ihre schäfchen ins trockene bringen. der rest kann verrecken.
    wirkliche Veränderungen in Deutschland kommen erst wenn das Unrecht zum Himmel schreit. also so wie immer…

  8. Sams1974

    Ist mir klar das sogar eine Petition kaum was bringen wird.
    Aber wenn morgen jemand aufsteht und zum ersten mal über den Satz nachdenkt,
    lieber eine Stunde über Geld nachdenken als dafür zu arbeiten, hat das ganze doch schon einen Sinn gehabt.
    Mir gefällt die Tendenz bei uns gar nicht, ich habe lieber Leute die sagen ok heute geh ich arbeiten weil ich will das das das oder ich muss das das das kaufen als wenn 20% aufstehen und sagen ich mach jetzt irgendwas damit ich irgendwie was bekomme, was ich mache ist mir egal weil sonst werde ich gesperrt.
    Wenn 2 miteinander verhandeln braucht es auf beiden Seiten Sicherheiten sonst kann man das verhandeln aufhören. Oder was meint man was passiert wenn jemand weiß, wenn mein gegenüber das Angebot ablehnt verliert er 30% Einkommen?

  9. Tino

    habe es auch weitergegeben, aber leider nur an wenige ausgewählte Personen, da Aktien und Sparen für viele immer noch einen Gegensatz darstellen. Der beste Kommentar kürzlich von einem Kollegen „Tino, verzockst Du jetzt auch noch Dein Geld an der Börse?“.. Antwort: nein

  10. Stefan Meisel

    Eine gute Idee, die ich in den letzten Wochen auch hatte. Aber ich denke, selbst wenn wir nun 3 Jahre später einen zweiten Versuch starten würden und 100.000 Unterstützer zusammen bekämen (was ich extrem unwahrscheinlich finde), wäre die Erfolgsaussicht nahe Null.

    Vielleicht in der nächsten Politiker-Generation, nachdem die Altersarmut sich verstärkt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *