Ein paar Trends aus den USA: Sparsamkeit, Instagram, Öko, Apps, Schlammschlacht, Mini-Haus, Frührente


New York, 19. Dezember 2014
  • Ich nenne Ihnen ein paar Trends, die mir in New York aufgefallen sind.
  • Seit der Weltwirtschaftskrise hat sich das Leben in den USA gewandelt.
  • Sparsamkeit ist ein Modethema geworden. Genauso ist das Leben in kleinen Wohnungen gefragt.
  • Autos sind „out“. ÖPNV, Fahrradfahren und Laufen sind „in“.

Ein Mega-Trend ist das sparsame Leben geworden. In den USA bevorzugen junge Menschen, zu laufen oder den ÖPNV, anstatt mit dem eigenen Auto zu fahren. Marktforscher zeigen seit Jahren ganz klar diese Entwicklung auf. Autohersteller machen sich zurecht Sorgen.

Leute, die einen Löwenanteil ihres Einkommens ausgeben, um andere mit tollen Autos, Schmuck oder Marken zu beeindrucken, sind out. Kaum jemand lässt sich durch Statussymbole verzaubern. Angebertypen ernten eher Mitleid. Im Grunde sind die wenigsten Menschen von Angeberei positiv angetan.

Öko-Essen ist in. Ebenso Vegetarisch, frisch gepresste Gemüsesäfte. Ungesundes Fast-Food ist out.

Sport ist ein Trend. Knallharte Wettkämpfe, Schlammschlachten, Marathon. Effizientere Mini-Autos. Shared Auto-Dienste wie Zipcar. Solar. Eine sparsame Grundeinstellung.

Kleine Häuser sind in Mode gekommen. Es gibt jede Menge Blogs und TV-Shows über Leute, die in kleinere Eigenheime umziehen, um sich von Dingen zu trennen. Es geht darum, günstiger zu leben.

Reisen, Erlebnisse, Partys, Live Events sind hipp. Die freie Zeiteinteilung bei der Arbeit ist ein Oberziel für viele geworden.

Die Möglichkeit, früher in Rente gehen zu können, wird in Gesprächen als Ziel erwähnt. Ein Ferienhaus am Strand oder in den Bergen besitzen die reichen New Yorker. Es muss sich dabei gar nicht mal um Luxusobjekt handeln. Ganz einfache, rustikale Holzhäuser im Grünen sind schick zu besitzen.

Das Leben in Großstädten ist ein Trend. Die Landflucht nimmt zu. Dafür wird der Wohnraum in Metropolen wie Manhattan, Los Angeles oder San Franciso extrem teuer. In New York kostet eine Mietwohnung im Schnitt 3.000 Dollar im Monat. Das hat mir ein Bekannter, der ein sehr beschäftigter Makler in Manhattan ist, bestätigt. Er verlangt vom Mietinteressenten mindestens ein Einkommen von 125.000 Dollar im Jahr.

Ich sehe in New York überall Touristen mit diesen Kamera-Stöcken.

Amerikaner verbringen weniger Zeit vorm traditionellen Fernseher. Dagegen steigt das Interesse an Smartphones, Kurzvideos, dem Internet.

Politiker sind „out“. Demonstrationen nehmen nach meiner subjektiven Einschätzung zu. Applikationen sind „in“.

Der Taxischreck Uber und Lyft sind gefragt. Ich habe einen Lyft-Gutschein für einen kostenlosen Transport in meinem Geldbeutel. Der Gutschein ist bis zu 25 Dollar wert. Gültig wird das Ding erst, wenn ich die Applikation downlade.

Schnell wächst der börsennotierte Emporkömmling GrubHub, der Mahlzeiten von Restaurants an die Haustüre liefert.

Was ist noch in? Instagram, Amazon, Twitter, Facebook, Tumblr, YouTube, Netflix, Skype, Hulu, Nike, Chipotle Mexican Grill, BitCoin.

Heranwachsende zahlen am liebsten mit Debit-Karten, Kreditkarten meiden sie.

Gefrorene Yoghurts, die Sie wunschgemäß zusammenstellen können, sind ein Hit. Pinkberry ist so ein Anbieter.

Facelifts sind weltweit gefragt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Ein paar Trends aus den USA: Sparsamkeit, Instagram, Öko, Apps, Schlammschlacht, Mini-Haus, Frührente

  1. Matthias

    Der Trend zur Sparsamkeit: Was glaubst du, ist die Ursache? Wird das wirklich als „cool“ und „erstrebenswert“ angesehen, so wie unter den meisten Lesern deines Blogs? Ich könnte mir vorstellen, dass es insbesondere in den USA viel mehr mit den eigenen Verhältnissen zu tun hat. Die Leute erkennen, dass die monatlichen Einnahmen für die verschwenderischen Ausgaben (20l/100km-Spritschleuder) nicht mehr ausreichen, oder?

    In meinem Freundeskreis (dort, wo das Geld noch ganz gut reicht), kann ich so einen Trend nicht erkennen. Zum Beispiel ÖPNV statt Auto: Ich höre dann immer „Wie willst du denn einkaufen? Und wenn du doch mal jemanden besuchen fährst? Jedes mal mit dem Zug?? Das ist doch total umständlich..“

  2. willihope

    @Matthias

    Ich weiss nicht, ich habe ja schon in einigen Großstädten gelebt, auch Metropolitan Area mit 15 Millionen, wenn du dort auf die Dächer gehst da ist schon sehr viel Ruß und Dreck, alle die Abgase, Staub, Reifenabnutzung, Bremsstaub, ich glaub das ist nicht das gesündeste was dort wächst.

    Ausser in Sydney, da war es sauber, da habe ich gleich bei der Beach gewohnt und vom Pazifik kommt ja nur saubere Luft. 🙂

    Ok, Montral mit dem Glashaus oben das könnte gehen. Da würde ich aber auch eher in Hydroponics machen, da könne sich keine Schadstoffe ansammeln denn es wird einfach das Wasser ab und ab getauscht.

    Dazu noch ein Becken Claresse und es wird alle 3 Monate geerntet. 🙂

  3. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Die Ursache für den Anti-Auto-, Anti-Verschwendung-, Anti-Schulden-Trend ist zweigeteilt, denke ich.

    Zum einen haben junge Amerikaner die Krise hautnah miterlebt. Sie haben gesehen, wie ihre Eltern in Finanznöte gerieten. Sie merkten, wie schwierig es war gute Jobs zu finden. College-Absolventen haben wohlgemerkt im Schnitt 33.000 Dollar Schulden zu schultern:

    http://blogs.wsj.com/numbers/congatulations-to-class-of-2014-the-most-indebted-ever-1368/

    Zum anderen gibt es den Trend, nachhaltiger zu leben, sprich auf Öko zu achten, sportlich zu sein, sich gesünder zu ernähren etc.

     

    @ Matthias

    Danke für den tollen Link mit den vielen schönen Dachgärten. Das stimmt. Selbstversorgung, Gartenarbeit, Kochen am heimischen Herd sind Trends nach meiner subjektiven Erfahrung.

     

    @ willihope

    Du hast Recht. Das kann ein Problem sein. Was ist mit dem Gemüse, Getreide etc., das direkt neben der Autobahn wächst?

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Hallo SkywalkerHH,

    ich habe davon schon gehört. Bevor ich etwas Falsches sage: Leider kenne ich mich nicht gut genug diesbezüglich aus. Sorry.

  5. Ulrich

    Hier einige meiner Beobachtungen:

    Rekord-November: Autoabsatz in den USA boomt – vor allem riesige Spritschleudern werden gekauft:
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/rekord-november-autoabsatz-in-den-usa-boomt-a-1006306.html

     

    Amerikas Landlust – für junge Amerikaner werden Großstädte immer unattraktiver:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/amerikas-landlust-vergesst-die-grossstadt-12040314.html

     

    Luxus-Boom: Penthouse-Knappheit in New York:
    http://www.finews.ch/themen/high-end/12500-luxus-boom-new-yorker-penthouse-knappheit

     

    Auto-Verzicht junger Amerikaner wurde durch Wirtschaftskrise verursacht:
    http://www.motor-talk.de/news/den-us-kids-sind-autos-zu-teuer-t4729766.html

     

    US-Luxusgütermarkt wächst um 4 bis 6 Prozent:
    http://www.nzz.ch/finanzen/newsticker/luxusguetermarkt-wird-global-gesehen-weiter-wachsen-studie-1.18359103

     

    Es kommt halt immer darauf an, was man sehen will …

  6. mr. cashflow

    Der Trend weg vom eigenen Auto als Statussymbol und hin zur Nutzung von ÖPNV, ist meiner Meinung nach in vielen großen Metropolen zu beobachten. Zumindest bei den jüngeren Leuten. Wichtig ist dabei meist einfach nur schnell und kostengünstig von A nach B zu kommen. Die Art und Weise ist eher nebensächlich. Ökonomisch gesehen ist das Auto dann nicht besonders sinnvoll. Man steht oft im Stau fest, findet keinen Parkplatz, darf zusätzlich Parkgebühren berappeln oder im schlimmsten Fall noch für Strafzettel u. ä. in die Tasche greifen. Wenn ein Auto dann vielleicht doch mal gebraucht wird, Nutzen viele junge Menschen inzwischen das carsharing-Angebot.

     

     

  7. DividElephant

    Dass das Auto als Statussymbol an Relevanz verliert, kann ich zumindest aus meinem persönlichen Umfeld heraus (Samplesize <10), auch bestätigen. In meiner Heimatstadt kann man ein Jahresticket für die öffentlichen Verkehrsmittel um umgerechnet 1 €/Tag bekommen. Am Wochenende fahren alle U-Bahnen die Nacht durch und Nachtbuslinien gibt es auch (immer mehr?).

    In der Stadt kann man mittlerweile so gut wie nirgends mehr kostenlos parken, Garagen kosten in dem Gebiet zwischen 100 € (sehr günstig und mittlerweile wohl eher selten zu finden) bis zu 400 Euro (vermutlich gibt es sogar auch schon teurere Plätze) pro Monat. Autos haben eigentlich nur mehr diejenigen, die Familie am Land haben und zumindest alle paar Wochen mal mehr als 200 km Strecke zurücklegen.

    Die Anzahl der Fahrschüler ging in Österreich in den letzten Jahren auch zurück – das Auto oder mobil sein hat wohl ausgedient, dafür ist das Smartphone jetzt das neue must have („Immer weniger machen den Führerschein„).

  8. SkywalkerHH

    Vielen Dank.

    Bin mal gespannt, ob es bei Dir noch ankommt. Denn der CEO ist jetzt auch wieder im TV gewesen und die Aktie als soll das nächste Facebook sein. Darum meine Frage. Aber wahrscheinlich erreicht Epoxy dann NY nächstes Jahr . Bin gespannt auf einen Bericht von Dir, falls was kommt.

    Ich stelle nochmal die Links zur Verfügung:

    http://epoxyapp.com/ceo-dave-gasparines-live-interview-on-fox5/

    http://www.boerse-express.com/mobile#/mobile/belogs/get_belog/695956

  9. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ SkywalkerHH

    Trends interessieren mich. Von IPOs halte ich aber wenig. Das kommt mir wie ein Lotteriespiel vor.

  10. willihope

    @Skywalker

    Schön gespammt ist auch vorbei. 🙂 Das nächste Facebook! Mann o Mann wie offensichtlich und dämlich.

    Epoxy ist ein Zock vom Scherf der sich dabei dumm und dämlich verdient. Jede „News“ bringt ihm schnell mal 15 – 20%.

    Ich bin übrigends auch dabei, mit 0,007, allerdings weiss ich was ein Zock ist und habe nach 300% den Großteil schon verkauft. Der Rest liegt mit 400% im Depot und wartet auf die 0en, entweder 1000% oder 0%. No Risk no fun! 🙂

     

    @Tim

    Na hier verkaufen die Biobauern ihr Gemüse an die Leute die auf gesundes BIO Wert legen und die Waren aus konventionellem Anbau als minderwertige Ware ablehnen.

    Gut die Anbauflächen der Biobauern hier sind direkt neben einem richtig grossen Autobahnkreuz und  einem Flughafen dazu, allerdings steht BIO drauf und es kostet BIO also muss auch BIO drin sein! 🙂

    Solange die Menschen damit glücklich sind ist alles gut, ich kaufe gerne das Gemüse aus dem spanischen Süden und aus Italien, dort ist zumindest die Luftbelastung wesentlich geringer als hier an den Hauptverkehrsadern des Nordens. 🙂

    So sind alle zufrienden. 🙂

     

     

     

  11. Couponschneider

    Da in wenigen Tagen Weihnachten ist, habe ich folgende Anmerkung. Ich bin nicht jemand, der gerne irgendwelchen teuren Dinge verschenkt und ich lasse sie mir auch ungern schenken. Aber ich find’s in Ordnung, dass man was verschenkt. Ich habe heute ein paar Stunde in der Küche verbracht, um zu backen. Dann verschenke ich eben Plätzchen. Der Beschenkte freut sich, muss nicht verlegen sein, dass es zu teuer ist und der Schenkende ist nicht verlegen, weil es zu billig ist. Es ist auch Kleidungsstück, das eventuell missfallen könnte und das Beschenkte nur aus Pflichtgefühl irgendwann mal aufträgt.

    Ich glaube, viele Leute haben es einfach satt, sich zu sehr zu beschenken. Ich merke das in meiner Familie. Ich erinnere mich auch stark an die 90er. Sicherlich war es da einfacher. zu schenken. Ich bin ja in der DDR geboren worden in den 90ern hatten viele ostdeutsche Haushalte Nachholbedarf. Da wussten die Erwachsenen untereinander, was jemand tatsächlich gut gebrauchen könnte. Aber heute ja jeder fast alles, was er braucht.

    Ansonsten sollte man sich einfach mal Zeit schenken. Ich erinnere mich sehr gut, wie meine Mutter mit mir am Silvesterabend stundenlang Karten spielte; da war ich fünf Jahre alt. An dem Abend war ich richtig glücklich. An viele Sachgeschenke erinnere mich aber kaum. Einfach häufiger miteinander Zeit verbringen, vor allem mit den Kindern. Das kostet wenig und hat unschätzbaren Wert.

  12. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Ulrich

    Ein Trend heißt ja nicht automatisch, dass es alle so machen. Wenn es den Twitter-Trend gibt, heißt es ja lange nicht, dass 90% twittern müssen. Übrigens gibt es auch gegenteilige Trends. Es gab Zeiten, da gab es zur gleichen Zeit mehr linke und mehr rechte Wähler. Beides waren Trends.

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