Ein Neuanfang ist bei den Banken bitter nötig


New York, 8. August 2012

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Der Löwenanteil der Banker arbeitet meiner Meinung nach ethisch einwandfrei. Sie helfen tagtäglich den Kunden, Geld anzulegen, Kredite aufzunehmen, Transaktionen zu erledigen. Aber gleichzeitig gibt es eine Handvoll krimineller Banker, die der gesamten Branche einen gewaltigen Schaden zufügen. (Das Foto machte ich im April in Frankfurt.)
Diese Manipulateure scheinen Geld machen zu wollen – egal wie. Folgender Grundsatz gilt bei ihnen offenbar: „Die Gesetze gelten nicht für mich. Ich kann sie brechen und mein Gehalt erhöhen.“ Wer die internen Emails der Schummler liest, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da bezeichnen intern die Manager ihre Produkte als “ein Stück Scheiße“, „Dreck“ oder „Schweine“. Das sind wohlgemerkt Produkte, die sie ihren Kunden anschließend als Qualitätsware verkaufen.
Die Schummeleien machen sie bewusst, sie sprechen klar darüber. Es ist schockierend. Das Niveau dieser Emails zeigt ganz klar, dass diese Menschen keinerlei Angst vor der Strafverfolgung haben. Mich wundert das. Wie kann man Kunden, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, reinlegen? Wo ist die Ethik, die Fairness, die Aufrichtigkeit geblieben?
Der Libor-Skandal ist für sich genommen der Hammer. Da werden seit zig Jahren die Zinssätze manipuliert, Millionen Kunden sind betroffen. Bei der Deutschen Bank sind wegen der Libor-Manipulation Rückstellungen von bis zu einer Milliarde Dollar offenbar im Gespräch gewesen. Wie hoch die Strafe für die Frankfurter ausfällt, lässt sich gar nicht erahnen.
Die Korruption scheint auf dem höchsten Niveau angekommen zu sein. Es gab den CDO-Schwindel mit windigen Hypothekenpaketen, verbotener Insiderhandel in der Branche, Geldwäsche und so weiter. Hinzu kommen absurde Managementgehälter, Millionenspenden an die politischen Parteien.
Die Aufsichtsbehörden, die eigentlich diese Betrügereien aufdecken sollten, sind völlig überfordert. Ich vermute: Sie haben keinerlei Interesse daran, aufzuklären. Denn dann würden sie ihre eigene Untätigkeit aufdecken und zu viel „Dreck“, „Schweine“ und „Scheiße“ (O-Ton Banker) ans Tageslicht kommen.
Mit strikteren und mächtigeren Aufsichtsbehörden wäre das Problem meiner Meinung nach gar nicht gelöst. Zu lösen ist es nur über alte Kaufmannsethik. Über Fairness im Markt. Der Kunde muss im Mittelpunkt stehen, nicht der eigene Bonus.
Für die Branche wäre es am besten, wenn die Strafverfolger die wenigen Betrüger verhaften. Auch sollten Vorstände und Aufsichtsräte zur Rechenschaft gezogen werden, sofern sie in die Skandale verstrickt sind.
Ein Neuanfang ist nötig. Wie gesagt, die überwiegende Mehrheit der Banker arbeitet einwandfrei.
Wer jetzt den Neuanfang wagt, kann das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Es ist wichtig in dieser Zeit Fehler einzugestehen, extrem transparent zu sein, fehlgeleitete Mitarbeiter zur Rechenschaft zu ziehen. Warum geschieht so wenig?
Mit täuschen, tricksen, tarnen ist sicherlich kein Neuanfang möglich. Kein Wunder, dass so viele Finanzdienstleistler deutlich unterhalb ihres Buchwerts notieren.
Ich bin mir sicher: Der Deutschen Bank und Commerzbank wird es gelingen, das Vertrauen zurückzugewinnen. Es ist allerdings ein steiniger Weg. Was ich noch vermisse, ist ein Vorstand, der reinen Tisch macht, aufräumt, aufklärt und eine neue Richtung vorgibt.
Ein leuchtendes Beispiel ist Siemens. Das Münchner Konglomerat zeigt, wie man das Vertrauen zurückgewinnen kann. Als der Österreicher Peter Löscher 2007 das Ruder nach einem Schmiergeldskandal übernahm, räumte er auf. Er warf die Hälfte der 100 Top-Manager raus, zahlte an die deutschen und amerikanischen Behörden jeweils 800 Millionen Dollar Strafe und reformierte Prozesse. So zieht man einen Schlussstrich. Und blickt nach vorne.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Ein Neuanfang ist bei den Banken bitter nötig

  1. Anonym

    Die Arbeit ist für viele nicht mehr nur die reine Arbeit, sondern auch oft gleichzeitig der Freundeskreis und wenn manche von den „Tätern“ auch noch mehrfache Familienväter sind, dann überlegt man es sich schon ob man da was gegen sagt.
    Nicht falsch verstehen, ich teile deine Meinung, aber das oben beschriebene ist eine Sichtweise die mir ein Bekannter aufzeigte und danach musste ich dann schon etwas nachgrübeln.

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Anonym

    Was würdest Du mit den „Tätern“ tun, wenn Du Kollege gewesen wärst?

    Es gibt in New York einige, die haben die Polizei und Staatsanwaltschaft sowie die Vorgesetzten über Manipulationen informiert.

    VG
    Tim

  3. Anonym

    Schwer zu sagen. Zu den Vorgesetzten würde ich vermutlich nicht gehen, da diese ja hin und wieder mit drinstecken. Ich würde es höchstens anonym melden..höchstens. Schwer zu sagen, wenn man nie in so einer Situation war.

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