Dow Jones fast auf Allzeithoch: Sind Aktien teuer oder günstig?


New York, 18. Oktober 2012

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Der Dow-Jones-Index befindet sich nahe eines Allzeithochs. Es scheint, als ob es die Krise gar nicht gab. Vergessen wir aber dabei nicht, dass die Börse praktisch ein Jahrzehnt (grob) stagnierte. In der Sonntagausgabe der „New York Times“ war nun ein schöner Artikel über die KGVs. Autor Paul Lim geht der Frage nach, ob Aktien nun billig oder teuer sind. Nach der jüngsten Rallye ist die Frage berechtigt.
Im Schnitt taxieren im S&P-500 die KGVs mit 15 auf Basis der vergangenen zwölf Monate. Das ist nicht sonderlich teuer, aber auch kein Schnäppchenniveau mehr.
Zumal wir berücksichtigen müssen, dass die Ertragssteigerungen bei den Unternehmen zu einem Gutteil zurückzuführen sind auf Sparmaßnahmen, den niedrigen Refinanzierungsmöglichkeiten und einem forcierten Personalabbau. Bei wenigen Unternehmen sind reinrassige Umsatzzuwächse wie etwa bei Apple zu finden. Auf der Umsatzseite herrscht oft Flaute. Bei den Banken ist das ganz krass. Die dürften die kommenden Jahre nur ihre Profite mithilfe von Kosteneinsparungen steigern. Ganz klar steht hier die Reduzierung der absurden Bilanzsummen auf der Agenda. Auf der Einnahmeseite haben die Finanzdienstleister jedenfalls kaum Steigerungspotential.
Value-Investing-Professor Jeremy Siegel stuft Aktien derzeit nach wie vor als attraktiv ein. Er sieht keine Übertreibung in den Kursen. Dagegen warnt Yale-Professor Robert Shiller vor einer Überhitzung. Shiller bildet einen 10-Jahres-Schnitt der Gewinne, um extreme Höhen (Boomphasen) und Tiefen (Rezessionen) auszugleichen. Auf Basis von Shillers zehnjährigem Ergebnis-Schnitt errechnet sich ein KGV von fast 22, was dieser als zu teuer einstuft.
Ich bin der Meinung es gibt viele Aktien mit vernünftigen Bewertungen. Wenn ich mir zum Beispiel das Öl-Trio Exxon, Chevron, ConocoPhillips anschaue, sehe ich günstige KGVs, saftige Dividenden und starke Bilanzen. Es gibt zahlreiche Unternehmen, die in diese Value-Kategorie fallen.
Was soll bei einem KGV von unter zehn und einer Dividendenrendite von 3,2 Prozent passieren, wenn es sich um einen erstklassigen Konzern handelt? Ich sehe jedenfalls keinerlei Übertreibung, ich sehe wenig Rückschlagsgefahr bei solchen Titeln. Allein die üppige Dividende sichert den Kurs (vermutlich) gut nach unten ab.
Wenn Sie Aktien unter die Lupe nehmen, empfehle ich Ihnen, ganz einfach zunächst nach dem letztjährigen KGV zu schauen. Das macht die Sache einfacher. Am besten nehmen Sie als Basis das Jahr 2011. Sie können ja, um sicher zu gehen, ein paar Jahre zurückblicken in der Gewinnreihe, um sich zu vergewissern, dass es sich um kein Ausnahmejahr handelt.
Zudem rate ich, in die Kapitalflussrechnung zu schauen. Nur wenn der operative Cash Flow flott sprudelt und sich die Investitionen (Capex) im Rahmen halten, ist das für mich ein Kauf. Überdies sind mir Eigenkapitalrenditen von 15 Prozent und mehr wichtig.
Im Endeffekt kann man das Kursdesaster der IT-Firmen Dell und Hewlett-Packard anhand der Geschäftszahlen ganz klar begründen. Klar sind wir alle hinterher immer schlauer. Es lohnt sich aber zurückzublicken, um zu lernen.
Bei HP stieg seit dem Jahr 2007 der Umsatz von 104 auf zuletzt 127 Milliarden Dollar. Trotz des Anstiegs stagnierte der Überschuss bei rund sieben Milliarden Dollar über diese Zeitspanne. Wenn der Umsatz steigt, aber der Gewinn nicht in Fahrt kommt, stimmt etwas nicht. Zumal die Verschuldung stetig anzog. Die langfristige Kreditlast summierte sich im Jahr 2007 noch auf fünf Milliarden Dollar. Plötzlich begann die Verschuldung zu explodieren. Jahr für Jahr stand HP tiefer und tiefer in der Kreide. Im vorigen Jahr summierten sich die Kredite auf 22,5 Milliarden Dollar. Zurückzuführen ist die Erblast auf zu teure Übernahmen. Der HP-Vorstand hat versucht, mit Akquisitionen Wachstum zu erzeugen. Diese Strategie ging schief, denn die Deals waren viel zu teuer und lohnten sich nicht. Hewlett-Packard wird einfach nicht effizient geführt. Die Forschungs- und Entwicklungskosten sind bei HP (3,3 Milliarden) deutlich höher als bei Apple (2,4 Milliarden Dollar). Zudem kaufte HP wie im Rausch eigene Aktien über die Börse seit zig Jahren zurück – was für ein Verlustgeschäft.
Der smarte Hedgefondsmanager Jim Chanos hat sich mit seinen Leerverkaufswetten auf Dell und HP eine goldene Nase verdient. Auf dem Foto sehen Sie Chanos links. Ich erlebte den Geldzauberer auf der Konferenz des Fernsehsenders CNBC „Delivering Alpha“. Seither bin ich ein Fan von ihm geworden. Seine Voraussagen mit Blick auf HP und Dell sind mit erstaunlicher Korrektheit eingetreten.
Im Endeffekt konnte jeder den Crash der beiden IT-Ikonen in den Bilanzen vorhersehen.
Seien Sie immer vorsichtig, wenn ein Vorstand beginnt, wie verrückt Deals in trockene Tücher zu bringen. Die meisten Transaktionen gehen eh schief. Es kann Strategie sein, von der eigenen Wachstumsschwäche abzulenken. Wenn die Schulden steigen, aber der Gewinn nicht in Fahrt kommt, ist das ein Alarmsignal und Problem zugleich. Es drohen gewaltige Abschreibungen auf die Übernahmen.
Ob HP und Dell nun am Wendepunkt stehen, nachdem sie auf ein 10-Jahres- bzw. 15-Jahres-Tief abgestürzt sind? Keine Ahnung. Gut möglich. Aber ehrlich gesagt, ist das nur eine vage Vermutung. Ein gehörige Portion Skepsis ist angebracht.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Dow Jones fast auf Allzeithoch: Sind Aktien teuer oder günstig?

  1. willihope

    hp ist ein typisches beispiel des zuviel geld schwachfugs! alleine schon als die fiorina compaq aufkauft nur um die marke (mit einem geschätzten wert von über 2 milliarden) dann einzustampfen! wenn zuviel geld in der kasse ist dann kommen die grössten schwachköpfe ans ruder weil die auslese – der erfolg – fehlt.

    sie hatte dann auch noch forschung und entwicklung „getrimmt“ und hp hat plötzlich nicht mehr neue aufregende dinge entwickelt sondern tintenpatronen die den füllstand an hp melden!

    daran krankt die firma seit langem, früher waren sie ganz vorne bei laserdruckern, farbdruckern, handscanner, flachbettscanner, handhelds und und und, heute verkaufen sie druckerpatronen und billigdrucker, innovation findet woanders statt, siehe apple, samsung, htc.

    so kann ein einzelner mensch ene ganzen konzern an die wand fahren, auswirkungen die sich auf viele jahre ausdehenen, der braindrain bei hp's entwicklungsabteilung war ein riesen schaden für die eigentümer, fiorina haftet ja für nix, nur damit sie geht hatte hp nochmal so rund 45 millionen bezahlt!

    wer macht solche verträge?
    der aufsichtsrat? dann muss der auch ausgetauscht werden weil er offensichtlich nicht an das wohl der firma denkt!

    dass hp nun wieder in entwicklung investiert ist ein gutes zeichen, da haben sie ja auch einen gewaltigen rückstand.

  2. StefanStefan

    Seth Klarman ist groß bei HP eingestiegen. Er glaubt wohl an dieses Unternehmen. Klarman erzielt meines Wissens 20% Rendite im Jahr. Und das schon lange.

    Mir wäre die HP-Aktie aber zu riskant…

  3. willihope

    20% jedes jahr oder im schnitt?
    im schnitt mach ich das auch. 🙂

    hp habe ich im auge aber investiert wird erst wenn die ingenieure wieder auf sich aufmerksam machen. server sind sie ja schon ganz gut, fehlt noch der rest. 🙂

  4. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    Das Problem bei HP und Dell ist: Wer kauft noch einen Desktop-PC oder einen traditionellen Laptop. Die meisten rennen jetzt mit einem Smart Phone, einem eBook-Reader oder iPad herum. Aber die klotzigen PCs und Drucker will niemand mehr haben.

    20% Rendite pro Jahr ist Königsklasse. Alle Achtung. Gratulation.

    @ Stefan
    Ja, mich wundert das bei Seth Klarman auch. Das ist mutig ohne Ende bei HP einzusteigen.

  5. Sams

    Fast wie immer stimmt die Richtung.
    Ich frage mich auch ob der Desktop-PC eine Nische wird oder ob er fester Teil im Leben der Menschen wird.
    Wer weiß schon ob in 10 Jahren die Menschen mit einem Datenhelm, perfekten 3D, 360 Grad Sicht, interaktiv, sogar die schönen 3D Ferseher aus den Wohnungen schmeißen.
    Ich weiß die meisten hier haben sich schon geäußert keine teuren Fernseher usw zu besitzen.
    Möglicherweise muß man etwas „freaky“ sein, aber ich kuck gern beim wow spielen Fernseh, lass den Liveticker der Bundesliga laufen und lese wenn grade Pause beim Raiden ist in einem PDF rum.
    Bei schönen Ballerspielen 3 Monitore für das periphere Sehen hat auch was.
    Ein Ipad, Kindle oder ein Smartphone für Software wie, Cubase etc…. hm ich weiß nicht.
    Die frage ist nur, wird der Desktop eine Niesche oder gibt es genug Freaks auf der Welt.
    Nebenbei hau mal schnell einen neuen Arbeitsspeicher oder eine neue Grafik-Soundkarte etc in ein Appleprodukt^^. Ich weiß Kult bleibt Kult.
    Wie gesagt meist stimmt deine Richtung, ich als Laie überblicke das nicht genügend.
    Schlußfolgerung lieber nicht.
    Die dürfen bald mal wieder was richtig „geiles“ rauslassen. Etwas was die Vorteile von Desktops mal wieder zum Tragen bringt. Die bessere Schreibmaschine lockt niemanden vor den Bildschirm.
    Ich hab auch so bei Laptops meine Bedenken, ich seh bei denen eher das Schlechteste aus beiden Welten.
    Habe keine Techaktien und wird auch so bleiben zur Zeit jedenfalls.
    mfg Marcus
    Ps kann mal ja kucken was Sony z.B. dieses Jahr als „Datenhelm“ vorgestellt hat. 20 Meter Leinwand, 3D, keine Verluste bei Farbe, Dolby Souround 6.1 usw.
    Dann wird es ganz eng für Desktops.
    Für das Kind im Manne
    http://www.youtube.com/watch?v=ThRVZMRQNKc

  6. Matthäus Piksa

    Da fällt mir wieder ein: Früher hieß es: Wenn Amerika hüstelt, dann hat Europa eine Grippe! Heute muss es wohl ergänzend heißen: Wenn Amerika eine Grippe hat, dann liegt Europa im Koma und kämpft um's Überleben!

  7. Ulrich

    @Sams: Der Computerals stationäres Gerät wird wohl nicht komplett aufhören zu existieren. Um etwas zu schreiben, für Buchhaltung etc. ist ein Smartphone einfach ungeeignet. Die Frage ist jedoch, ob es dann nicht eher so ist, dass wir im Bildschirm einfach nur noch einen Chip haben der alles übernimmt, was heute im großen PC Gehäuse ist.

    So sind ja schon heute Prozessor, Grafikkarte, Datenbus (wofür es auch mal extra Chips hab) in einem Prozessor. Vielleicht haben wir einfach in en paar jahren auch noch die Festplatte (Stichwort Solid State) mit auf dem Chip. VIele Unternehmen sind dann einfach überflüssig, weil keiner mehr eine seperate Festplatte oder Grafikkarte will. Auch HP oder Dell braucht dann keiner mehr um einen PC zusammenzubauen. GIbt es nur noch ein Bauteil, gibt es auch keine PC Zusammenstellung mehr. Dann gibt es eben nur noch Intel oder irgend einen Arm Ableger, der eben den ganzen Computer auf einen einzigen Chip geschrumpft hat.

  8. willihope

    ich denke der computer wird in immer mehr bereiche vordringen und er wird seinen aufgaben gemäß aussehen. die reine fertigung ist auch nichts wo sich noch groß verdienen lässt, gegen den stundenlohn der chinesen oder anderer asiaten kann man nie mithalten, werden die irgendwann zu teuer warten indien und ganz afrika auf investitionen.
    die forschung und entwicklung ist die zukunft in eu und usa.

    wichtig ist viel know how, eine starke marke und eine stete veralterung der bestehenden geräte. so macht apple milliarden, gebaut wird in china aber den grössten profit macht die marke aus. keiner braucht ein neues i-phone aber das alte sieht einfach nicht mehr gut aus. 🙂

    für hp gibt es viel zu tun, 3d, spracherkennung, künstliche intelligenz, entertainment, haussteuerungen, car informationssysteme, den gesamten bereich der nahversorgung, videotelefonie und mailboxen, laserprojektionen als bildschirm und und und, alles was man so aus dem fernsehen kennt. 🙂

    das alles braucht jede menge leistung und know how, die domäne der amerikaner. 🙂

    und das beste: jeder wird es haben wollen 🙂

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