Do-It-Yourself


New York, 20. Juni 2013

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Durch das Internet stehen massenweise Lebensbereiche vor einem Wandel. Es hat sich verändert, wie wir einkaufen, wie wir Fernseh gucken, Urlaube buchen, Rechnungen bezahlen, telefonieren, Jobs suchen, Autos kaufen.
Es sind unglaublich viele Branchen betroffen. Im Grunde erhält der Verbraucher tolle Werkzeuge, wertvolle Informationen an die Hand, um von diesem Trend ins Internet zu profitieren.
Überall scheint sich das Do-It-Yourself durchzusetzen. Statt ausschließlich auf den Bankberater, Arzt, Versicherungsvertreter oder Autoverkäufer zu hören, gehen die Menschen ins Web, um sich zusätzlich zu informieren.
Nun ist die Investmentbranche zum Wandel gezwungen. Anleger können selbst ausrechnen, wie viel Geld sie bis zur Rente brauchen. Sie können überprüfen, wie ihr Aktienfonds abschneidet und was das Ding kostet.
Sparer haben erkannt, dass viele Aktienfonds ihr Geld nicht wert sind. Sie sind im Regelfall ziemlich teuer. In den meisten Fällen liegen sie gegenüber der Benchmark (Vergleichsindex) zurück. Kein Wunder also, dass Fondsgesellschaften in der Gunst der Anleger zurückfallen.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Der Kurs der Fondsgesellschaft Legg Mason ist nicht ohne Grund von 120 auf 32 Dollar abgestürzt.
Indexfonds setzen sich mehr und mehr als Alternative gegenüber dem aktiven Fondsmanager durch. Einst gefeierte Fondsstars wie Bill Miller haben Probleme, Anleger von ihrem Können zu überzeugen.
Brauchen wir noch die Profis? Es kommt darauf an. Grundsätzlich haben wir als Privatanleger gegenüber den Profis viele Vorteile. So haben wir selbst kaum Kosten im Vergleich zu einem Fondsmanager (viele verdienen üppige Gehälter). Wir brauchen keine Werbeabteilung zu bezahlen. Wir brauchen keinen Analysten, keine Buchhaltung, keinen Wirtschaftsprüfer. Wir können es uns sparen, ständig Aktien zu handeln. Die Tradingkosten entfallen somit.
Je länger Zeit wir haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit mit einem soliden Aktieninvestment gut abzuschneiden.
Hedgefondsmanager und Fondsmanager müssen dagegen ständig ihr Portfolio anpassen. Der Druck der Kunden ist enorm. Um uns Kunden zu beeindrucken, ist das „Window Dressing“ weit verbreitet, obwohl es für den Kunden keinen direkten Nutzen hat.
Wir Privatanleger können das ständige Umschichten der Aktienpositionen durch die Profis gelassen sehen. Abwarten und Tee trinken, sollte das Motto für uns sein.
Wenn Sie Qualitätsaktien kaufen, ist die Zeit Ihr Freund. Die Trader müssen dagegen all die Nebenkosten für deren Aktivität bezahlen. Die Profis müssen einen ganzen Verwaltungsapparat bezahlen. Allein deshalb sind wir denen als Privatanleger ja ständig einen Schritt voraus.
Wichtig ist es den Mut zu haben, selbst ein Portfolio aufzubauen. Im Endeffekt wäre ja schon viel gewonnen, ein paar solide Indexfonds auszuwählen und ins Depot zu packen. Mehr ist gar nicht nötig.
Wer das macht, braucht sich anschließend kaum mehr Sorgen zu machen. Lassen Sie 20, 30 oder 40 Jahre Ihr Geld für sich arbeiten.
Was meinen Sie, wie oft „Stars“ wie Bill Miller in dieser Zeit ihr Depot umdrehen müssen? Was für ein Stress. Am Ende kommt nicht viel oder gar nichts dabei heraus.
Entwickeln Sie eine große Gelassenheit. Wenn Sie langweilige Qualitätsaktien kaufen, brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Massenartikel wie Bier, Seife, Zahnpasta, Putzmittel, die seit Jahrhunderten erfolgreich hergestellt werden, was soll da anbrennen?
Streuen Sie, um Einzelrisiken einzudämmen. Ein großer Fehler wäre es meiner Meinung nach, wenn Sie sich vom hysterischen Marktgeschehen an der Börse verrückt machen lassen. In der Ruhe liegt die Kraft.
PS: Es gibt Fonds, die sind Ihr Geld wert. Problem ist aber, wir wissen es erst hinterher.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Do-It-Yourself

  1. Mario

    Hallo Tim,

    zurzeit lese ich das Buch welches ich bei dir gewonnen habe. Vielen Dank noch einmal dafür. Es ist eine schöne Lektüre und gibt sehr viel Einblick in die Denkweise von Graham.

    Zu dem Thema heute, es gibt der Versicherungsbranche ebenfalls ein neues Modell. Hier piekst jemand im Wespennest und macht die Gebühren transparent. Mal sehen wie lange. Siehe http://www.cashback-makler.de/about.html.

    Mario

  2. ZaVodou

    Fondsanleger haben noch ein ganz anderes Problem. Wenn ein Fonds nicht läuft, dann wird er geschlossen, oder weil die Fondsgesellschaft die investierten Gelder nicht aufgeben möchte, wird der Fonds mit einem anderen verschmolzen. Plötzlich ist man in einer ganz anderen Analgestrategie drin. Wenn man das nicht will, muss man verkaufen un die Gewinne versteuern, obwohl man vorhatte, den Fonds lange zu halten.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Mario
    Viel Spass mit dem Buch. Die Sache mit dem Makler klingt gut. Das Internet sorgt jedenfalls für mehr Transparenz und bringt Licht in viele dunkle Ecken.

    @ ZaVodou
    Das stimmt. Die Fondsschließung ist ein weiteres Problem.

    Grundsätzlich haben die Fonds mit einem ganz üblen Trend zu kämpfen: Wenn die Stimmung an der Börse super ist, fließt ihnen das Geld in Strömen zu. Gerade dann sind aber die Bewertungen hoch, die Aktien teuer. Aber sie müssen ja das Geld investieren, also kaufen sie viel zu teuer Aktien ein. Wenn die Stimmung dagegen schlecht ist an der Börse, in einem Crash zum Beispiel, haben sie Abflüsse und müssen Aktienbestände zu Billigstkursen verkloppen. Das alles schadet ihnen und den Anlegern. Das bedenken zu wenig Sparer. Die Stimmung arbeitet im Grunde immer gegen Fondsmanager.

  4. ZaVodou

    ich rede nicht nur von Schließung. Auch eine Fusion ist blöd und zwar steuerlich, wenn der Fonds nach 2009 gekauft wurde.
    Zitat: „Steuerlich gesehen ist eine Fusion kein Neukauf. Sie ist deshalb steuerlich immer günstiger als eine Schließung. Bei Fonds, die Anleger vor 2009 gekauft haben, sind die Kursgewinne steuerfrei. Sie bleiben es auch in Zukunft, wenn der Fonds in einen anderen überführt wird. Für Anleger, die ab 2009 investiert haben, ist eine Schließung besonders ärgerlich. Denn sie wird wie ein Verkauf behandelt und Abgeltungssteuer wird fällig.“

  5. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou

    Ob Schließung oder Fusion, beides kann problematisch sein. Steuerlich kann der Kunde Glück haben, wenn der Fonds fusioniert wird, verstehe.

    Unfair ist es, wenn ein Fonds 20 Jahre im Schnitt der Benchmark weit hinterherläuft und so ein Fonds fortbestehen bleibt für die nächsten 20 Jahre.

    Zum Thema Schließung/Fusion: Ein ähnliches Problem haben Aktionäre: Gerade bei Mittelständlern oder kleinen börsennotierten Firmen kommen Fusionen und Übernahmen häufiger vor. Das kann dem „Buy-and-Hold“-Anleger einen Strich durch die Rechnung machen. Mir passierte es bei Heinz. Buffett schluckte den Ketchuphersteller. Ich hätte das Papier gerne langfristig behalten.

  6. Markus

    Die zahlreichen Möglichkeiten durch das Internet… 😉 Es sind manchmal zu viel Information und man muss selektieren, was wirklich etwas bringt und sich nicht verwirren lassen.

    „Das Internet ist für uns alle noch Neuland“ 😉 Zitat Frau Merkel

  7. Turing

    @Tim, zum Thema Übernahme/Schließungen

    Ich sehe das Problem bei Aktionären nicht so dramatisch wie bei Fonds, die geschlossen werden. Ein Aktionär sollte ja viele Positionen haben; ich habe zur Zeit 21. Davon sind genau zwei Positionen in dieser Woche durch Übernahmegerüchte aufgefallen: Nokia und Celesio. Die Übernahme Celesios halte ich für sehr wahrscheinlich und ich würde, wie es ausschaut, sogar mit Gewinn verkaufen. Das ist aber nur eine Position in meinem Depot und eine Gewinnmitnahme hat noch niemanden geschadet. 🙂

    Wenn aber ein Fonds geschlossen wird, dann ist es vergleichbar mit dem Szenario, dass alle Positionen im Depot übernommen werden.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Turing
    Nun, ich muss den Gewinn aus dem Heinz-Verkauf an Buffett versteuern. Das war durch die Übernahme ein Zwangsverkauf. Eine für mich unnötige Transaktion. Ich hätte lieber den steuerfreien Kursgewinn laufen lassen und nicht versteuern müssen.

    So ein Deal kann schon einen erheblichen Steuerschaden anrichten.

  9. ZaVodou

    Tim hat recht. Die Gefahr ist bei Aktien gegeben. Mit dem Zuckerli allerdings, dass die Aktien des übernommenen Unternehmens meist kräftig steigen.
    Bei schlecht laufenden Fonds ist das nicht der Fall. Die werden dicht gemacht oder fusioniert. Mit den von mir beschriebenen Folgen, wenn man überhaupt Gewinne gemacht hat. Dann darf man sich einen neuen Fonds suchen und vielleicht sogar noch mal einen Ausgabeaufschlag zahlen.

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