Dividende: Auf das Mittelmaß kommt es an


New York, 7. September 2012

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Solide Dividendenzahler sollten der Kernbestandteil Ihres Depots sein. Sie sollten hierbei aber nicht zu gierig sein. Am besten laufen meiner Erfahrung nach Aktien mit einer Dividendenrendite im Mittelfeld, also grob zwischen zwei und fünf Prozent. Ich weiß, Faustformeln haben ihre Schwächen. Aber trotzdem wähle ich diese Bandbreite.
Ist die Dividendenrendite zu üppig, beträgt sie acht oder zehn Prozent, sollten Sie vorsichtig sein. Meist ist das zu schön, um wahr zu sein. Das wichtige an der Ausschüttung ist: Sie soll stetig erfolgen, im Idealfall kontinuierlich klettern oder zumindest stabil bleiben.
Wenn also irgendein Telekomdienstleister sieben Prozent Dividendenrendite ausweist, kann sich das um ein Auslaufmodell handeln. Denn in der Branche tobt der Konkurrenzkampf, die Margen sind schwach. Insofern kann es passieren, dass die Dividende stark sinkt, vielleicht wird sie auch komplett eines Tages gestrichen.
An der Historie der Konzernumsätze, Ergebnisentwicklung (je Aktie) und Dividenden sehen Sie, wie nachhaltig das Geschäftsmodell ist. Je stetiger die Zahlen klettern, desto besser. Ich schaue gerne ein Jahrzehnt zurück. Manch eine Firma bietet so lange Zeiträume auf ihrer Website auf einen Blick an. Diese Transparenz gefällt mir natürlich.
Die Ausschüttungsquote ist ein weiteres Hilfsmittel, das Ihnen zeigt, wie nachhaltig die Dividende ist. Diese Quote drückt nämlich aus, wie viel Prozent des Überschusses der Vorstand an seine Aktionäre auskehrt. Ich halte eine Quote zwischen 30 und 70 Prozent für ideal. Alles, was über 70 Prozent hinaus geht, scheint mir zu aggressiv zu sein. Sprich, in diesem Fall kehrt das Management zu viel Substanz aus. Und reinvestiert den Gewinn nicht in das Geschäft.
Die Ausnahme bilden REITs. Das sind sogenannte „Real Estate Investments Trusts“ (Immobilienfirmen), die nahezu eine Vollausschüttungen ihres operativen cash flows vornehmen müssen. Dafür kann der REIT-Aktionär die Dividende steuerfrei kassieren.
Aktien, die keine Dividende zahlen, kommen bei mir nicht in die Tüte. Beispiele sind all die Internetbuden, die in den vergangenen Monaten an die Börse strebten. Das Gute an der Dividenden-Strategie ist: Schlechte Aktien wie Facebook (das soziale Portal zahlt nix) landen erst gar nicht in Ihrem Depot.
Die Dividendenstrategie schützt Sie zudem vor Dummheiten. Ich erkläre Ihnen warum: Angenommen, eine Aktie wird mit einem KGV von 100 bewertet. Selbst wenn der Vorstand dieser Firma 70 Prozent seines Gewinns an die Aktionäre auszahlt, beträgt die Dividendenrendite nur 0,7 Prozent. Folglich wäre das Papier schon wegen der winzigen Dividende gar nicht interessant.
Merken Sie sich: An der Börse sind Sie selbst die größte Gefahr. Deshalb helfen Ihnen solche simplen Kennzahlen wie KBV, KGV oder Dividendenrendite. Natürlich müssen Sie immer den Einzelfall abwägen. Diese Zahlen zeigen grundsätzlich, ohne Gefühle zu haben, glasklar die Schwächen auf. Durch diese Zahlen bleibt Ihnen das Malheur der Meute erspart: Die Masse kauft gerne im Hype überteuert und verkauft nach dem Knall zu billig.
Wenn die Meute verrückt in eine Aktie oder Branche rennt, wie die Motten ans Licht sozusagen, ist das KGV teuer und die Dividendenrendite niedrig (sofern überhaupt eine Dividende gezahlt wird). In diesem Fall bleiben Sie als Value-Anhänger dem Wahnsinn fern.
Ich bin schon in diesem Blog gefragt worden, ob ich auf fallende Kurse setze. Auf fallende Kurse würde ich nie spekulieren. Selbst wenn ich eine Blase wie Facebook sehe, denke ich mir: „Donnerwetter. Der Wahn greift um sich. Ein KGV von 100. Das fasse ich nicht mit der Kneifzange an.“
Warum wette ich nicht auf fallende Kurse? Sie wissen nie, wie lange der Hype anhalten wird. Das kann eine Ewigkeit dauern. Sie können bei einer Short-Wette im Extremfall alles verlieren, das geht schneller als Sie denken. Dieses Risiko des Totalverlusts haben Sie bei einer grundsoliden Aktie wie Nestle, Kraft Foods oder Heinz nicht, die Sie kaufen und halten. Insofern überlasse ich solche heißen Leerverkaufs-Wetten lieber anderen. Zudem ist der Gewinn bei den Leerverkäufern begrenzt. Wenn Sie hingegen eine Nestle-Position ein Leben lang besitzen, ist der Ertrag sehr wahrscheinlich riesig. Mit anderen Worten ist der Gewinn nicht gedeckelt.
Fazit: Kaufen Sie wunderbare Firmen zu vernünftigen Preisen mit schönen Dividenden. Das hat schon immer funktioniert. Und wird auch in der Zukunft funktionieren.

(Foto: Tim Schäfer)


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Dividende: Auf das Mittelmaß kommt es an

  1. Reinhard

    Hallo Tim,

    mit zu hohen Dividentenrenditen, ich würde sagen jenseits der 5%, habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht, siehe Telefonica.
    Umgekehrt habe ich aber schöne Kursgewinne mit Unternehmen erzielen können, die keine oder nur eine minimale Divdende ausschütten, meine Beispiele: ECM, Gilead, Danaher. Auf diese würde ich ungern verzichten!

    Aber ich teile im Prinzip Ihre Überlegungen, die Sie oben angestellt haben.

  2. Rico Schanze

    Hallo Herr Schäfer,

    ich besuche Ihre Seite regelmäßig und freue mich so eine interessante Quelle zum Thema Value investing gefunden zu haben.

    Das Thema Dividendenrendite spielt bei meiner Depotzusammenstellung ebenfalls eine große Rolle. Auch ich bin schon bei vermeintlich hohen Renditen schwach geworden – mit mittelmäßigen Ergebnissen (u.a.Telefonica). Bei einer aktuellen Recherche bin auf einen soliden „Zahler“ (Dividenden-Aristokraten) gestoßen-Pitney Bowes.Dieses Unternehmen zahlt seit Jahrzehnten eine kontinuierlich steigende Dividende. Allerdings ist der Aktienkurs aktuell auf Tauchfahrt. Alle Nachrichten zu diesem Unternehmen sind in Englisch und ich bin nicht richtig schlau geworden. Können Sie mir sagen was da los ist? Verfolgen Sie eventuell ebenfalls diesen Wert.

    Vielen Dank schon mal im Voraus.

    Freundliche Grüße und ein angenehmes Wochenende.

    Rico Schanze

  3. Michael C. Kissig

    Mein Vater sagte immer: „Wenn ein Geschäfts zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es auch nicht wahr“.

    Ich bin ebenfalls der Auffassung, dass man als Langfristinvestor überwiegend auf Unternehmen setzen sollte, die Teile ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Ist die Ausschüttung zu üppig, ist etwas faul: entweder der Kurs ist stark eingebrochen und die Gewinnerwartungen und die Dividende werden demnächst folgen, oder das Unternehmen lebt vielleicht aus der Substanz. Das ist nur ausnahmsweise tolerierbar in meinen Augen, wie z.B. vor eine Jahr bei der Münchner Rück, als die Fukushima-Katastrophe einmalig das Ergebnis total verhagelt hat und die Dividende nicht angepasst wurde. Bei Berentzen hingegen hat Großaktionär Aurelius die Dividende in diesem Jahr versiebenfacht und das fast völlig zulasten der Substanz. Das ist fast so, als würde man 3 Liter Blut spenden und sich dann wundern, dass der Kreislauf das nicht verkraftet.

    Aber Tim hat ja Kraft Foods in seinem Artikel angesprchen und der Kurs geht heute rasant nach unten. Ausgelöst wurde dies durch die Ankündigung, der Spin-Off würde zukünftig einen deutlich höheren Anteil am Gewinn als Dividende ausschütten. Eine sehr positive Nachricht, wie ich finde, und nachdem der Kurs um 7% nachgegeben hat, habe ich heute zugeschlagen. Sollte sich die Übertreibung als eben solche herausstellen und die Aktie „nur“ das Minus wieder aufholen, hätte ich schon die Dividende für 2 ganze Jahre verdient.

    Es gibt aber auch Unternehmen, die eine attraktive Bewertung aufweisen (KGV) und eine attraktive Dividendenrendite und deren Kurs trotzdem nicht von der Stelle kommt. Trotz Umsatz- und Gewinnwachstum. Man sehe sich nur die Euromicron an, die von allen Kennzahlen her eigentlich sehr attraktiv dasteht. Der Haken ist, dass das Unternehmen seine Gewinne in hohem Maße ausschüttet und gleichzeitig rasant wächst. Das führt zu immer neuen Kapitalerhöhungen, die bekanntlich zu Verwässerungseffekten führen und bei Anlegern gar nicht gern gesehen sind. In solche einer Konstellation muss man sich schon fragen, ob die hohe Dividendenrendite sinnvoll ist. Dies ist aber die Ausnahme von der Regel und die muss es ja auch geben. Denn das ist die einzige Regel ohne Ausnahme: dass es immer eine Ausnahme von der Regel gibt. 😉

  4. Tobias

    Hallo Tim!

    Toller Artikel. Was sagst du in diesem Zusammenhang zu hohen Quellensteuersätzen, die einen Großteil der Div.Rendite wieder auffressen?

    Viele Grüße

    Tobias

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Reinhard

    Klar auch eine Dividendenrendite von nur 1,0 oder 1,5% kann manchmal durchaus gut sein. Nämlich wenn der Kurs gut ins Laufen kommt. Berkshire zahlt keine Dividende und läuft trotzdem um 20% p.a. Insofern gibt es immer wieder tolle Ausnahmen.

    @ Rico Schanze
    Pitney Bowes verzeichnet seit Jahren ein sinkendes operatives Ergebnis. Der Umsatz schrumpft auch seit Jahren leicht. Die haben 3,1 Milliarden Dollar Nettoschulden. Bei nur 2,8 Milliarden Börsenwert sind die Kredite ziemlich heftig. Aber insgesamt muss ich gestehen: Ich kann die Perspektiven der Aktie nicht beurteilen.

    @ Michael C. Kissig
    Danke für die Infos. Anleger sollten sich den Einzelfall anschauen. Viel auszuschütten und gleichzeitig per Kapitalerhöhung Geld einzusammeln, ist in der Tat komisch.

    @ Tobias
    Leider werden in Dtld die Börsianer als Milchkuh benutzt. Die Steuern sind viel zu hoch. Dem Kapitalmarkt wird damit ein Schaden zugefügt. Die Bundesregierung ist ein Profi darin, ein darniederliegenden Markt schlecht zu behandeln. Ich erinnere an die Abschaffung der steuerfreien Aktiengewinne (nach einem Jahr Haltedauer), ich erinnere an die Luftverkehrsabgabe (diese wurde eingeführt, als die Branche ohnehin am Boden lag), ich erinnere an die Brennelementesteuer (sie kam, es der Sektor in Trümmern lag).

    Gleichzeitig fördert Berlin einen Unsinn wie Riester, das nach Abzug der Provisionen, Gebühren und Inflation dem Sparer nix bringt. In Berlin entscheiden leider Leute, die vom Nutzen des Kapitalmarkts für die Volkswirtschaft und die Menschen offensichtlich KEINE Ahnung haben. Warum wird so ein Unsinn wie Riester mit Milliarden bezuschusst?

    Ich rate den deutschen Bürokraten, in die USA zu blicken. Von den USA kann Deutschland in dieser Hinsicht lernen.

    Viele Grüße an alle und ein schönes Wochenende
    Tim

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Tobias

    Ich muss das ergänzen:
    Die Quellensteuer ist in der Tat ein Problem. Den Großteil meines Depots würde ich mit heimischen Aktientiteln abdecken (so kannst Du die Quellensteuer vermeiden).

    Weil allerdings die Streuung wichtig ist, sind ein paar Auslandsaktien sicherlich ratsam. Da muss man eben in den sauren Apfel (Quellensteuer) beißen.

  7. henner

    Lieber Tim,

    ich stimme Ihnen darin zu, dass man in den sauren Apfel beißen sollte, um Streuung zu ermöglichen und sich bestimmte Werte nicht entgehen zu lassen.
    Allerdings ist der Apfel, um im Bild zu bleiben, je nach Land unterschiedlich sauer bzw. fällt gar nicht ins Gewicht.
    Je nach Doppelbesteuerungsabkommen mit dem jeweiligen Staat werden die Quellensteursätze bei der Auszahlung zumindest teilweise angerechnet (z.B. Schweiz, Schweden), teilweise auch voll (z.B. Israel), bei anderen wiederum nur teilweise, aber es wird nur ein ggü der heimischen Quellsteuer reduzierter und damit voll angerechneter Satz erhoben (z.B. USA – interessant angesichts der vielfach dort ansässigen besonders stabilen Dividendenzahler). Bei anderen wiederum ist eine Erstattung möglich, die aber sehr aufwändig ausfallen kann, was dann eher abschrecken wirkt (z.B. Spanien). Kurzum: Es lohnt sich, je nach Staat genau hinzuschauen.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ henner

    danke für den Eintrag.

    In den USA kann man ja auf Berkshire Hathaway setzen. Die schütten keine Dividende aus und reinvestieren alles. Das spart die Steuern.

    Oder aber man kann in den USA Dividendentitel mit kleinen Ausschüttungen vorziehen, also nicht die 6,0% Rendite, sondern eher die 1,5 oder 2,0%. Das reduziert die Steuern.

    LG
    Tim

  9. Markus

    Hallo Tim,

    grundsätzlich stimme ich dir schon zu, aber es gibt immer wieder Unternehmen, da ist die Dividendenrendite zwar enorm hoch, aber das Geschäftsmodell ist nachhaltig.

    Bestes Beispiel dafür dürfte Drillisch sein. Die Dividende wurde die letzten Jahr stetig gesteigert und die Gewinne sind ebenso gestiegen. Dank dem mobilen Internet wird das wohl auch noch eine Weite weitergehen!

    Mich würde interessieren was du davon hälst.

    Beste Grüße,

    Markus

  10. tim schaefertim schaefer

    Hi Markus,

    nun das Unternehmen ist sicherlich interessant. Allein die Dividende ist saftig. Was mich ein wenig stört, ist der brutale Konkurrenzkampf in der Branche. Da wird um 1 Cent gerungen.

    Außerdem finde ich es störend, dass Gründer und Aufsichtsrat Marc Brucherseifer stetig, seit Jahren seine Aktien abstößt.

    Alles in allem ist Drillisch gut, aber kein Musterschüler, weil das Geschäftsmodell nicht von einem Burggraben umgeben ist. Wie nachhaltig die Gewinne sprudeln, wird sich zeigen. Das ist meine Meinung dazu. Andere Einschätzungen sind jederzeit herzlich willkommen.

    VG
    Tim

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