Dilemma der Selbstüberschätzung


New York, 30. Juni 2013

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Der Mensch neigt zu Illusionen. Wir glauben, die Zukunft vorhersehen zu können. Dabei ist das gar nicht möglich. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wo die Siemens-Aktie, der DAX, Dow Jones, Dollar oder das Gold exakt Ende Dezember 2014 landen werden. Es bringt im Grunde wenig, seine Zeit mit solchen Gedanken zu verschwenden.
Obwohl wir die Zukunft nicht kennen, machen wir ständig Prognosen. Analysten versuchen, den Apple-Kurs vorherzusagen. Es ist eine unglaubliche Selbstüberschätzung, die uns heimsucht, wenn wir das tun.
Krisen sehen die wenigsten Experten hervor. Wenn ein „Guru“ einmal richtig liegen sollte, kann es sein, dass er/sie eine Krise seit 30 Jahren vorhersagt und dann eben einmal richtig liegt – per Zufall sozusagen. Krisen kommen und gehen. Insgesamt geht es den Erdbewohnern trotzdem immer besser. Alle zehn Jahre kriselt es zum Beispiel bei den Banken.
Denken Sie nach. Glauben Sie nicht jedem Fondsmanager. Nicht jedem Ratgeber. Nicht jedem Blogger. Nicht jedem Journalisten. Nicht jedem Analysten. Nicht jedem Wahrsager.
Natürlich ist es wichtig viel zu lesen. Aber bilden Sie sich besser Ihre eigene Meinung.
Blicken wir zurück auf die Finanzkrise, so scheint alles logisch zu sein. Wir können die Gründe erkennen, warum es zum Chaos 2008/2009 kam. Ja, im Nachhinein sieht alles logisch aus. Aufgrund dessen können wir trotzdem nicht in die Zukunft schauen. Die nächste Krise entsteht aus einem anderen Grund, den wir heute nicht mal im Ansatz erahnen können.
Und so groß die Sorgen sein werden, wenn die nächste Finanzkrise um sich greift, eine Lösung ist in Sicht. Zu Hektik besteht kein Grund.
Selbstüberschätzung löst eine hohe Aktivität im Depot aus. Dabei weiß man heute: Aktivität schadet uns im Regelfall. Es gibt unzählige Studien, die darauf hinweisen.
Die Fondsgesellschaft Vanguard schaute in die Depots von 58.000 Amerikanern zwischen 2008 und 2012 (es handelte sich um steuerlich geförderte Depots für die Rente). Die Studie (PDF) zeigt: Wer Umschichtungen während der Krise vornahm, schnitt schlechter ab als jene, die das Portfolio ohne Veränderungen durch die hektische Zeit brachten.
Das zeigt einmal mehr, es ist wichtig seine Strategie durchzuziehen – einzelne Geschehnisse sollten einen niemals von der Strategie abbringen. Ja, ein Crash kann hart für das Gemüt sein, keine Frage. Aber das ganze Hin und Her richtet einen großen Schaden an.
Wir Anleger glauben, mit erhöhter Aktivität die Kontrolle über das Desaster zu erlangen. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir Aktien kaufen, ist es wie verflixt. Wir neigen dazu, die falsche Aktie zum falschen Zeitpunkt zu ordern. Es handelt sich um Selbstüberschätzung.
Traurig ist, dass Profianleger nicht besser sind. Es gibt massenweise Fondsmanager, die verdienen Millionengehälter und scheitern seit Jahren kläglich daran, ihre Benchmark zu übertreffen. Das gibt natürlich niemand gerne zu. Viele „Geldzauberer“ beweihräuchern sich stattdessen. Wenn Sie jedoch den Vergleichsindex über deren erwirtschaftete Fondsrendite (langer Zeitraum) legen, wird Ihnen klar: Es handelt sich um heiße Luft. Ähnlich ist das bei Hedgefonds. Die kassieren fürstliche Gebühren und verdienen im Schnitt eben keine Wunderrenditen.
Was lernen wir daraus? Achten Sie auf die Gebühren der Profis. Eine langfristige Strategie zahlt sich aus. Ruhe zu bewahren (in einem Sturm) ist clever. Niemand kann eine Krise „wegtraden“. Wer das versucht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Nase fallen.
Foto: Strand in Nizza.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Dilemma der Selbstüberschätzung

  1. Sebastian

    Ein guter Rat ist es, sich mit seinen Aktien als (Mit-)Besitzer von erstklassigen Unternehmen zu verstehen.

    Warum sollte ich meine Unternehmensbeteiligungen verkaufen, nur weil die verrückte Meute die Preise purzeln läßt?
    Ich bleibe langfristig investiert und genieße steigende Gewinne und Dividenden.

    Die Börse ermöglicht mir den Erwerb von Investmentanteilen. Wenn andere dort lieber spielen – bitte sehr….

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