Die teuerste und die billigste Wohnung am Central Park West


New York, 31. Oktober 2010

Ich beschäftige mich nicht nur mit Aktien. Auch vom Immobilienmarkt bin ich regelrecht begeistert. New York ist, wie Sie sich sicherlich vorstellen können, eines der teuersten Pflaster der Welt. Es ist schlicht und ergreifend zwischen dem Hudson und East River zu wenig Platz. Wenn also ein neues Haus gebaut wird, muss ein altes weichen. Und die Reichen und Schönen dieser Welt wollen alle hier ein Apartment oder Haus besitzen. Daher fangen in Manhattan die Mieten für eine kleine Bude (vielleicht 50 Quadratmeter groß) bei rund 2.000 Dollar im Monat an. Es gibt kaum Bleiben für weniger als 2.000 Dollar. Daher gibt es sehr viele Wohngemeinschaften, um die Mietkosten besser bewältigen zu können. Selbst 50-jährige leben wie Studenten schon mal mit drei, vier Wohnungsgenossen zusammen. Verschärfend kommt hinzu, dass die Stadtverwaltung bestimmte Mieter vor gewaltigen Preiserhöhungen geschützt hat. Es bestehen also gewisse Schutzzonen. Man nennt es in der Millionenmetropole Rent stabilized und Rent controlled. Hier darf der Eigentümer eben nur zu einem von der Stadtverwaltung vorgegebenen Prozentsatz jährlich die Miete in die Höhe schrauben. Aufgrund dieser Regulierung finden Sie hier noch ein paar Schnäppchen. Der Vertrag ist jedoch an den Mieter gebunden. Meist hausen Rentner in diesen Wohnungen, sie müssen nur 600 oder 700 Dollar Miete berappen für vielleicht 70 oder 80 Quadratmeter. Es handelt sich um einen Traumpreis sozusagen. Ziehen diese Mieter aus, darf der Vermieter nach einer Renovierung die Wohnung auf das Marktniveau anpassen. Dann fließen locker 3.000 Dollar statt 700 Dollar im Monat. Da der Leerstand in Manhattan nur ein Prozent beträgt, kriegen die Vermieter praktisch jede Bude weg.
Vermieter sind bei der Mieterauswahl verdammt streng. Was die finanziellen Anforderungen angeht, so müssen Sie sich jetzt festhalten: Ein Mieter muss mindestens das 40- bis 50-fache der Monatsmiete als Jahreseinkommen nach Hause bringen. Mit anderen Worten: Wenn Sie einen Vertrag mit 2.500 Dollar Monatsmiete unterschreiben, müssen Sie mindestens 100.000 Dollar verdienen. Hinzu kommt natürlich noch die Kaution und ein Finanzcheck. Manch ein Interessent muss zusätzlich einen Mietbürgen anschleppen. Sonst gibt es den Schlüssel nicht.
Für Immo-Käufer ist New York natürlich auch sau-teuer. So kostest am Central Park West eine Wohnung im Schnitt (Median) 1,2 Millionen Dollar. Auch das sind keine Luxuswohnungen, es ist einfach der Durchschnitt. Pro Quartal wechseln in diesem Stadtbezirk nur 150 Apartments den Besitzer. Während der Rezession sanken die Preise leicht, aber sie ziehen schon wieder an. Ich habe eines der günstigsten Wohnungen am Central Park West gefunden. Es handelt sich um eine Ein-Zimmer-Wohnung, sie kostet nur lausige 230.000 Dollar. Knackpunkt ist, dass eine Mieterin dort residiert, die unter dem städtischen Mieterschutzabkommen („Rent stabilized“) steht. Sprich, Sie können als Vermieter sie nicht rauswerfen, noch die Miete erhöhen. Das ist der Pferdefuß. Die teuerste Wohnung kostet hier 55 Millionen Dollar. Wahnsinn, welche Preis-Bandbreiten es in der Finanzmetropole gibt. Verarmte Pensionäre leben neben berühmten Milliardären.


tim schaefer (Author)

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