Die Suche nach neuen Anlagestrategien ist sinnlos


New York, 1. März 2009

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Zurzeit kommen von überall her Kommentare, dass diese Krise anders ist als alle anderen. Neue Strategien seien nun nötig. Angeblich würde eine Kaufen-und-Halte-Strategie nicht mehr funktionieren. Lesen Sie nur diesen albernen Artikel im Spiegel. An der Value-Strategie hat sich nichts geändert. Diese Krise zeigt nur allzu gut, dass diese Strategie die beste ist. Denn als Value-Investor kaufen Sie nur erstklassige Aktien. Sie haben einen extrem langen Anlagehorizont. Und Sie kaufen nur, was Sie kennen und was extrem günstig ist. Also der Reihe nach.
Erstens Sie kaufen nur erstklassige Unternehmen. Wackelfirmen mit extrem hohen Schuldenlasten – darum machen Sie immer einen Bogen. Insofern wären Ihnen schlimme Pleitefälle wie General Motors erspart geblieben. Zweitens haben Sie einen extrem langen Anlagehorizont. Daher nutzen Sie Abschwungphasen für Zukäufe. Weil Sie in Jahrzehnten und nicht in Monaten rechnen, ergeben sich keine Schwierigkeiten. Sie kaufen nur mit Geld, das Sie nicht in Kürze brauchen. Und vor allem spekulieren Sie nicht – und schon gar nicht auf Pump. Insofern ergeben sich aus dieser Vorgehensweise keinerlei Gefahren. Im Gegenteil. Es führt dazu, dass Sie nur Qualitätswerte in Ihr Depot legen, weil Sie noch in zehn oder 20 Jahren an den Aktienpositionen Spaß haben wollen. Drittens kommt ins Depot nur, was man kennt und was günstig ist. Daher laufen Sie nicht Gefahr, Betrugsfirmen wie Comroad oder irgendwelchen Schneeballsystemen auf den Leim zu gehen. Zudem erwerben Sie nur Aktien mit einem satten Abschlag zum Höchstkurs beziehungsweise Buchwert.
Warren Buffett hat es mit dieser Strategie zum reichsten Menschen der Erde geschafft. Natürlich steht sein Portfolio derzeit massiv unter Druck. Aber es ändert nichts an seinem langfristigen Erfolg. Immer wieder versuchen Menschen in Krisensituationen, gewisse Regeln außer Kraft zu setzen. Während der Technologieblase glaubten viele, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nicht mehr wichtig ist. Klickraten, Kundenzahlen oder Umsätze waren wichtiger als der Gewinn. Würstchenbuden mit tiefroten Zahlen kamen auf Börsenbewertungen von mehreren hundert Millionen. Die alten Regeln gelten weiterhin. Lassen Sie sich von dem ganzen Geschwätz nicht verrückt machen.
Auf dem Foto sehen Sie übrigens den Blick aus meinem Fenster, als ich noch in Battery Park City im 23. Stock eines feinen Hochhauses wohnte. Ich genoss jeden Tag den Blick auf das Finanzviertel. Zu sehen ist das World Financial Center, wo unter anderem Merrill Lynch und American Express ihren Stammsitz haben. Links oben am Himmel sehen Sie den Mond. Es war so ein herrlischer Blick. Ein Genuss. Derzeit lebe ich im Meat Packing District. Es ist ein sehr beliebtes Viertel im Süden Manhattans, nahe des Hudson Rivers. Dort, wo einst die Schweinehälften gekühlt wurden, sind nun hipe Restaurants, Hotels, Boutiquen und Discos.


tim schaefer (Author)

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